Schön wie Guttenberg: Warum Julia Schramm zurücktreten muss

Es gibt nicht wenige schlechte Autoren, denen gute Bücher gelungen sind.
Julia Schramm gehört nicht zu ihnen.
Ihr Buch ist nicht in erster Linie miserabel, weil es schlecht geschrieben ist, weil die Hauptfigur unerträglich eitel ist, nicht einmal, weil dort nichts Neues steht, dieses Nichts aber verkauft wird, als wäre gerade der bekiffte heilige Geist in die Autorin gefahren; das Problem des Buchs ist, dass es feige ist.
Nun wäre das ganz egal, niemand schriebe ein Wort über das Geschreibsel, wäre die Autorin nicht Beisitzerin im Vorstand der Piraten. Und ginge die schriftstellerische Feigheit nicht Hand in Hand mit der politischen.
Jeder Autor steht in seinem Text vor dem Problem der Identifikation: Glaubt der Leser, in mir stecke etwas von dem Erzähler? Von den Figuren?
Stecken in den Galliern bei Asterix und Obelix Größenfantasien der Autoren? Lernt in Livealbum der echte Stuckrad-Barre die Bulimie?
Der echte Autor schert sich nicht darum; er schreibt und lässt den Leser glauben, was der will.
Die falsche Julia Schramm muss wieder und wieder versichern, dass das nicht eigentlich sie sei.
Und nicht nur im Text will sie nicht sie sein – es ist auch eine Versicherung gegen Kritik eingebaut. Die Menschen würden jene hassen, die sie zum Nachdenken bringen würden.
Wer sie kritisiert, der will nur nicht nachdenken.
Dieselbe Versicherung hat auch die Politikerin abgeschlossen; wer diese kritisiert, der ist neidisch.
Auf was? Wahlweise auf ihre Schönheit, ihre Intelligenz, you name it.

Als ich einen kritischen Artikel über Julia Schramm veröffentlichte, drohte ihr damaliger Verlobter und jetziger Ehemann Fabio Reinhardt einer Bekannten von mir gegenüber, er würde mir „aufs Maul hauen“.
Denn in der Logik des Ehepaars Schramm/Reinhardt ist alles persönlich.
Möchte er jetzt jedem, der das Buch seiner Frau bespricht, aufs Maul hauen?
Denn die hat sich doch ausdrücklich gegen Rezensionen verwahrt. Es sei alles gesagt, twitterte sie.
Nun: Für welche politischen Ideale stehen die Piraten, wenn man sich das Gebahren des Ehepaars anschaut: Gewalt gegen Abweichler, Abwehr von Diskussion, Rechthaberei, Informationsunterbindung?
Der Vorstand der Piraten verhält sich in Sachen Schramm wie die CDU mit Guttenberg.
Längst ist für jeden ersichtlich, dass sie nicht mehr zu halten ist, und doch werden die Fronten geschlossen gehalten von ganz Oben. Und auch Guttenberg mag lange Zeit gedacht haben, das neidische Volk beäuge nur seine Schönheit und sein Haar kritisch.
Reinhardt hat noch vor wenigen Wochen Christopher Lauer auf Twitter vorgeworfen, Piratenideale über Bord zu werfen. Er sei einst angetreten, um Tauschbörsen wie Pirate Bay zu legalisieren.

„Dass #piraten gegen Torrentsearcher wie The Pirate Bay ist, hat der @Schmidtlepp doch wohl nicht ernst gemeint, oder?“
Schramm selbst hat sich noch auf dem Parteitag gegen jede Überwachung von Datenströmen geäußert. Im Grunde schienen ihr nur Creative Commons-Kriterien wichtig. Namensnennung, darauf habe der Autor ein Recht. Nun: Den Namen haben die Ersteller der tumblr-Seite genannt, sie haben sogar auf die Amazonseite Schramms verlinkt.
Und wie konnte die Seite anders als durch Folge von Überwachung heruntergenommen werden?

Ohne Vorschuss ist es verdammt schwierig, ein Buch zu schreiben. Nach jetzigem Stand braucht man dafür Verlage. (Man braucht Verlage in der Theorie auch für ein Lektorat. Bücher wie das von Schramm belegen ironischerweise, dass Lektorat heute eher nicht mehr so sorgfältig betrieben wird.)
Gegen Verlage sein, trotzdem die Hand aufhalten, keine Idee für ein alternatives Verwertungsmodell entwickeln; das wäre eine lässliche Sünde für einen Autor. Für einen Politiker ist es die Selbstabschaffung.
Wieviel Julia Schramm steckt in Julia Schramm? Und zu welchem Zeitpunkt?
Welche Version wählt man? Die, die Rechteverwerter für überflüssig hält? Oder die, die den Informationsfluss, den freien, dann mal eben anhält, wenn es ihr nutzt?
Die, die Freiheit fordert? Oder die, deren Mann mit Prügel droht?
Eine Partei, die solche Politiker nicht zum Rücktritt drängt, ist nicht wählbar.

41 comments

  1. Was hat Schramm mit Kiffen am Hut?

    Ätsch.

  2. Die Figuren kiffen. Und ich glaube, ihr Blog ist ein Entzugstagebuch.

  3. Und wo du gerade da bist:
    http://seeliger.cc/2012/sex-mit-dem-staatstrojaner/#comment-1301
    habe sehr gelacht. aber unter dem lachen waren tränen.

  4. Wieso, was war schlimm daran?

  5. Gar nichts war schlimm daran, dein Kommentar trifft nur so schmerzhaft genau den Punkt.

  6. Oh Fuck du hast Trollandsprache ferlassen. Und nun?

    Okay, ich find die Debatte, die sich da bei mir entsprungen hat, ganz gut. Lassen wir sie mal noch ein bisschen laufen. …

  7. Weil Fabio dich gerne prügeln möchte, soll Julia zurücktreten? Das ist ja mal eine schwache Polemik; ich hoffe, du trittst auf einen Legostein.

  8. Man sollte vielleicht ergänzen, dass es auch andere bekannte Piraten gibt, die über klassische Verlage publizieren.
    Zum Beispiel Udo Vetter aktuell beim Piper Taschenbuchverlag
    http://www.piper-verlag.de/taschenbuch/buch.php?id=29625&page=buchaz

    Marina Weisband ist bei Klett-Cotta unter Vertrag und sie bloggt für die FAZ auch nicht unter CC-Lizenz, usw.
    http://www.klett-cotta.de/nachricht/Marina_Weisband:_Ihr_Buch_erscheint_im_Maerz_2013_bei_Tropen/28845#nachrichten_meldung

    Das stellt sich dann die Frage: Darf ein Pirat, der als Autor nicht gewährleistet, dass seine Texte öffentlich kostenlos kopiert werden dürfen, überhaupt politische Verantwortung für die Partei übernehmen? Das ist doch der Maßstab, der anhand des Falls Schramm gerade etabliert wird.
    Wenn Marina Weisband im März 2013 kein Gratis EBook anbietet, ist es dann mit der möglichen Bundestagskandidatur vorbei? Kann Udo Vetter glaubwürdig die Urheberrechtspositionen der Piraten NRW vertreten, wenn sein Verlag illegale Downloads unterbinden sollte?

  9. “Wenn Marina Weisband im März 2013 kein Gratis EBook anbietet, ist es dann mit der möglichen Bundestagskandidatur vorbei? Kann Udo Vetter glaubwürdig die Urheberrechtspositionen der Piraten NRW vertreten, wenn sein Verlag illegale Downloads unterbinden sollte?”

    Ja und nein :-)

  10. +1

    Bin vorhin beim Festplattenputz über ein altes Wahlkampfbanner gestolpert: “Wenn Privatkopie Piraterie ist, sind wir Piraten”.

    sigh

  11. Seit 1968 gefallen sich die Meinungsführer in Schland darin, an sich selbst andere Maßstäbe anzulegen und durchaus kleinbürgerlich-egoustische Werte auszuleben, während man der Masse des Volks Altruismus abfordert. Gefängnispsychologin Susanne Preusker beispielsweise kritisierte Frauen, die den von ihr vermittelten Sexualstraftäter als Beziehungspartner ablehnten. Nun, da derselbe Täter sie vergewaltigt hat, heult sie öffentlich mitleidheischend rum. Daß sie mit ihrer Therapieideologie anderen Frauen das Schicksal, was sie nun selbst getroffen hat, zumutete, scheint für sie kein Thema zu sein. Der Typus Schramm ist halt überall heutzutage. Und wenn ichs mal richtig bedenke, gab es den auch schon zu Hitlerzeiten. Goldfasane predigten Durchhalteparolen, während sie ihre eigene Flucht vorbereiteten.

  12. Überlege gerade, aber hier ist der Kommentar besser angebracht, als bei silenttiffy, welche eine klassische Erzählung geschrieben hat. Ein wenig liegt es auch daran, dass Verlage seit einigen Jahren so wahnsinnig gerne diese Sach- und (Lach) Romanbücher herausbringen, die mir persönlich generell als Genre inzwischen mächtig auf den Keks gehen. Wenn man da nicht jemanden hat, der explizit gut schreiben kann, so wie du – dann kracht das voll nach hinten weg, weil man viel durchorganisierter schreiben muss und privatistische Zwischenteile, bzw. Erzählstückchen glänzen müssen. Eines weiß ich aber sicher. Ich fand Sofies Welt, als ich mal reingelesen habe, damals schon erschreckend öde.

  13. Julia Schramm wird im neuen Woody-Allen-Film übrigens von Ellen Page gespielt.

  14. Wer wohl Katja Kipping darstellen wird ….

  15. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Frau Schramm zurücktreten und möglicherweise sogar die Partei verlassen wird. Die Frage ist nur ob in 2012 oder 2013: Es git als nahezu ausgeschlossen, dass Piraten, auch wenn der Idiotenanteil unter ihnen sehr hoch sein mag, ihr nochmals einen Vorstandsposten zutrauen.

    Weiterhin hat sie auf Twitter behauptet (drin bevor: Ändert sich bei ihr stündlich), weder für den Bundestag noch für eine zweite Amtszeit für den Vorstand bereitzustehen. Es bleiben also folgende Szenarien übrig:

    1.) Piraten schaffen den Bundestag nicht und verheizen sich davor oder danach vollends. Hierbei ist das aktuelle Geplänkel als leichte Briese zu bewerten. Ohne Aufmerksamkeit ist Frau Schramm jedoch nicht motiviert und weitgehend wertlos auch wenn sie nur in Bundestagsnähe ist. Aus ihrer Bonner Zeit wird viel über Kontakte zur FDP spekuliert, immerhin war sie bei den JuLis und hat auch ein Praktikum bei einem FDP MdB absolviert. Als Politologin steht ihr sicher eine tolle Karriere in einem scharchlangweiligen Laden bevor, wo sie viel freie Zeit haben wird, ihrer wahren Leidenschaft nachzugehen: Dem Feminismus.

    2) Die Piraten, oder was bis zur Bundestagswahl davon noch übrig bleibt, schaffen den Einzug in den Bundestag. Um mal klarzustellen: von den 35.000 Mitgliedern haben 50% mangels finanzieller Beteiligung kein Stimmrecht. Von den verbleibenden sind auch nur ein Bruchteil aktiv. Die Time-to-Burnout dürfte für engagierte Neumitglieder bei einigen Monaten (2-6) liegen. Die in den Bundestag gewählten Piraten verfügen dann aber über Einkünfte und werden neidbedingt die einzigen sein, die noch etwas tun werden. Es ist auszuschliessen, dass Frau Dr. Schramm weiterhin “gratis” oder auf 400€ Basis für einen MdB tätig sein wird. Also wird sie auch hier nicht weiter aktiv sein und sich etwas neues suchen, wo sie ihren Charakter und ihre Stärken einbringen kann. Die o.g. FDP-Option ist sicher nur bei einem entsprechenden Wahlausgang für die FDP realistisch, eventuell schafft sie es dort auch in eine parteinahe Stiftung oder in die Bundeszentrale für politische Bildung oder als Besuchergruppenleiterin im Bundestag.

    So oder so, das Problem Frau Schramm wird sich von alleine regeln. Der Hass ihr gegenüber ist einzig ihrer momentanen Partei-un-tätigkeit geschuldet, weder ihrem äusseren, ihrem pseudo-feministischen Getue oder dem an Dr. Lady Bitch Ray erinnernden Duktus. Ohne Amt wäre sie schlicht eine spinnende Trulla — bei den Berliner Piraten nicht unüblich, aber auch nicht sonderlich relevant.

    Andererseits: Auch bei den Idioten sind Frauen in der Unterzahl. Man sollte die wenigen Idiotinnen dementsprechend fördern und füttern um in unserer Gesellschaft vom Bild des “weiblichen Engels” wegzukommen.

  16. Es gibt noch mehr Parallelen zwischen Julia Schramm und zu Guttenberg.
    Beide haben diejenigen beleidigt, die die Bürgerrechte auch im Internet schützen wollen. Zu Guttenberg sie als Kinderschänder hingestellt, Frau Schramm hat sie als „von Gestern“ dargestellt.
    Beide haben auch ihrer besondere Beliebtheit bei der Presse bedient und haben später erfahren, dass die Presse auch ganz anders kann.

  17. “Es gibt nicht wenige schlechte Autoren, denen gute Bücher gelungen sind.
    Julia Schramm gehört nicht zu ihnen.”

    Mit dem Intro musst Du aber auch aufpassen, dass Du nie ein Buch schreibst. ;-)

  18. Guter Kommentar! Dass ein Piraten MdL den Wunsch geäußert haben soll, dich physisch zu verletzen, ist schon ziemlich krass.

    Was die Zukunft von Schramm angeht, kurz meine Gedanken:

    1.) Sie wird niemals freiwillig zurücktreten, da vollkommen lernresistent und überheblich.

    2.) Der nächste Parteitag, auf dem Personalwahlen stattfinden, wird – wenn die Schramm-Gegner Pech haben – wohl erst nach der Bundestagswahl 2013 stattfinden.

    3.) Sie hat lediglich angekündigt, keine zweite Amtszeit im Piraten-BuVo anzustreben, sowie nicht für die nächste Bundestagswahl zu kandidieren.

    4.) Sie hat bereits angekündigt, demnächst ihre Dissertation schreiben zu wollen. [Wie das intellektuell auch nur ansatzweise funktionieren soll, ist mir ein Rätsel...]

    5.) Schramm ist innerparteilich u.a. für die europaweite Vernetzung zuständig und europapolitisch “aktiv”. [Was immer man sich bei ihr darunter vorzustellen hat...]

    6.) Die nächsten Europawahlen sind im Juni 2014.

    Daraus ergibt sich für ihre Person ein klares Vorgehen: Posten im BuVo aussitzen, promovieren, und dann als Frau Doktor wahrscheinlich für die Piraten für die Europawahl kandidieren und – falls gewählt – ins Europaparlament einziehen.

    Man kann nur hoffen, dass ihr nichts davon gelingen wird. Aber die Intentionen sind recht deutlich erkennbar. Fur die boch verbliebenen Piraten-Mitglieder mit Lust auf Schadensbegrenzung heißt das wohl: SIE AUF KEINEN FALL NOCHMAL FÜR IRGENDETWAS WÄHLEN + INNERPARTEILICHE FUNDAMENTALOPPOSITION.

  19. Bertelsmann wird notfalls busweise Aushilfsjobber zum nächsten BPT schicken um Frau Schramm zu halten. Dummerweise kapiert nicht mal Frau Schramm selbst, dass ihr Buch nicht wegen seiner Qualität das sonst recht anspruchsvolle Lektorat überstanden hat.

  20. Jepp, da stimme ich absolut zu.
    Der Fall der eitlen und arroganten Julia Schramm hat für mich das Fass zum überlaufen gebracht. Auch vorher gab es ja schon Dinge, die einen als Mitglied der Piratenpartei ziemlich lächerlich und unglaubwürdig dastehen ließen. Aber das jetzt…

    Ich habe jedenfalls die Konsequenzen gezogen und bin ausgetreten. Ich werde diese Partei auch nicht mehr wählen.
    Ich könnte das vor mir selbst und auch vor meinem Bekannten- und Freundeskreis nicht mehr glaubwürdig begründen.

  21. Brr, schlechtester Text zum Tema. Geh dich halt mal mit Fabio schlagen und anschließent ein Bier trinken. Wirgt auch bei dir eer wie eine pehrsönliche Sache.

  22. Warum schlechter Text? Weil er untertreibt?
    Ich sehe diesen Fall Schramm höchstens als den letzten Sargnagel. Nach dem Anschleimen an Springer und Kissinger, nach der absurden Sache in NWR (CD-Verkäufe verbieten, Steuerflüchtlingen helfen). Das ist keine Privilegien-Muschi, das ist ein Glaubwürdigkeitsloch. Nun gut, dann haben halt andere Parteien jetzt etwas mehr Terrain netzpolitische Glaubwürdigkeit aufzubauen. Das Talent, in nur 2 Jahren zu schaffen wofür sich die Realos bei den Grünen über ein Jahrzehnt abmühen mußten ist nichts, was ich unterstützen will.

  23. Um mal noch mehr meta zu werden: Dass man, wenn man in diesen Tagen über die Piraten redet, jetzt schon zuerst und sehr aufgeregt über ein Buch, das irgendeine Piratin geschrieben hat redet … das sagt – meiner bescheidenen Meinung nach – schon ziemlich viel aus. Ich finde fast sogar das den spannendsten Aspekt der Piraten. Das ist ein wenig wie ein Bio-Experiment mit Fruchtfliegen: Was passiert wenn man in Zeiten des Internets und der Untergangsdystopie des Journalismus und der althergebrachten Medien, in Zeiten von Twitter und Facebook, von “Social Networks” (ich kann dieses Wort nicht mehr ohne Anführungzeichen schreiben), in Zeiten von Hypermedia (Memo an mich: Dringend einen Blog-Artikel über die Redefintion dieses Wortes schreiben!) versucht eine Partei zu gründen?

    Ach … na da schau her! Sowas passiert dann? Sehr interessant …

  24. @ben
    Da gibt es nichts zu überhöhen. Eine neue Partei wird gegründet. Die bietet aufgrund ihrer anfangs diffusen Zielvorstellungen Vielen eine Identifikationsfläche und wird daher zu ihrer eigenen Überraschung mit hoher Wählerzustimmung begrüßt. Wie Fruchtfliegen zu fauligem Obst lockt sie aber Karrieristen und Trittbrettfahrer aller Art an, zumal sie offenbar nicht darauf achtet.
    Von denen ist Frau Schramm, offen gesagt, die dümmste Person dieser Art die mir in der Politik je untergekommen ist. Selbst ein mediokrer Aufsteiger wie Gutti wirkt sophisticated gegen Frau Schramm. Er versuchte jedenfalls zu verstecken was ihn antreibt. Diese Person Schramm glaubt offenbar ihrem Publikum in der Partei selbst das ersparen zu können. Das ist der ganze Kern des Pudels: Karrieristin ruiniert die Glaubwürdigkeit einer Partei, und die ihres Bundesvorstandes nebenbei mit. Heute, 22.9., würde wohl nicht mal mehr der Rücktritt des gesamten BuVo und der von Frau Schramm was reißen könnnen.

  25. @gelegentlich: Na. So düster würde ich das mit den Piraten nicht sehen: Die FDP hat Möllemanns “Klartext” immerhin auch überlebt und sitzt nächstes Jahr wieder für eine weitere Legislaturperiode im Bundestag.

    (Auch wenn Eigenlob stinkt: Ich freue mich gerade sehr, dass mir der Vergleich eingefallen ist, weil er so schrecklich viele erheiternde Paralleln bietet: Angefangen beim der Bezeichnung “Spaßpartei”, über das “Projekt 18″ und die unerträgliche Selbstverliebtheit Möllemanns, bis hin zum Fallschrimspringen … hehe)

  26. @ben
    Doch, der Vergleich ist gut, aber er hinkt noch. Stelle Dir vor ein Schnellaufsteiger in der FDP wie diese Frau Mehring wäre dabei erwischt worden, wie sie eine illegal in der Schweiz beschaffte CD heimlich an die Steuerbehörden in NRW verkauft hat. Und stelle Dir weiter vor wie das auf die Motivation der FDP-Wähler gewirkt hätte. Das ist etwa jenes Fiasko, das den Piraten mit Frau Schramm passiert ist, und dem hilflosen und unmlotivierten Versuch dieses (eh kompromittierten: Ranwanzen an Springer und Kissinger) Bundesvorstandes die weitere Diskussion darüber zu unterbinden. Deshalb möchte ich meine Einschätzung nicht korrigieren. Ich bezweifle dass selbst der sofortige Rücktritt Beider noch hinreichend helfen könnte.

  27. Warum man sich in der PP erst jetzt über JSs widersprüchliches Verhalten Gedanken macht, verstehe ich nicht. Bereits im April, kurz vor dem Bundesparteitag, hat JS Unterschrift bei Random House für einen veritablen Shitstorm gesorgt, in dem ihr bereits all das vorgeworfen wurde, was jetzt die Diskussion beherrscht. In den Bundesvorstand wurde sie trotzdem gewählt. Ihr Monate danach den Rücktritt nahezulegen, wirkt unglaubwürdig, um es mal nett zu formulieren.

    Natürlich ist das Buch an sich viel zu unerheblich, als dass es diese ganze Diskussion wert sein würde und Julia Schramm als Person geht mir am Arsch vorbei. Trotzdem empfinde ich ihr öffentliches Auftreten und ihre Medienpräsenz als unerträglich: Diese unglaubliche Selbstverliebtheit und Eitelkeit (in einem aktuellen Cicero-Interview hat JS sich mal eben mit Hannah Arendt und Simone de Beauvoir verglichen, und das ohne jeden Funken Selbstironie), die sie wie eine Fackel vor sich her trägt, scheint auszureichen, um einen so immensen Hype auszulösen. Das nervt .

  28. Sehr schön geschrieben, aber müsste “Auf was?” nicht “Worauf?” heißen??

  29. @muss sein
    Gewiß, aber das dürfte im Hinblick auf das hier Diskutierte das eher kleinere Problem sein.
    @ben
    Sorry, vertippt. Gemeint ist Sylvana Koch-Mehrin, die faulste EU-Parlamentarierin. Auch das Beispiel muss ja auf Augenhöhe sein.

  30. Der Verlag muss nicht unbedingt durch Netzüberwachung auf das illegale Download-Angebot gestoßen sein. So offensichtlich, wie die Sache angelegt war, kann auch einfach irgendein zufälliger Besucher der Seite eine kurze E-Mail an den Verlag geschrieben haben.

    Ernsthafte Frage: Gibt es überhaupt technische Möglichkeiten, einen Download durch Netzüberwachung in so kurzer Zeit zu finden und zu unterbinden? Natürlich könnte der Verlag via Google stündlich hunderte Suchvorgänge [automatisch] starten und gegebenenfalls auf Treffer reagieren. Aber das wäre aus meiner Sicht keine illegale Überwachung des Netzes. Und ob das Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen angemessen wäre, möchte ich auch noch bezweifeln.

    Glaubt wirklich jemand, dass der Verlag durch Methoden wie »deep packet inspection« auf illegale Kopien stößt? Das wäre dann wirklich Netzüberwachung, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es für diesen Zweck eingesetzt wird.

    Der Verlag und die Autorin haben sich zugute gehalten, dass sie nicht die ganz große juristische Keule ausgepackt haben. Aber es gab doch m. W. gar keinen namentlich bekannten Verdächtigen. Wen hätten sie denn kostenpflichtig abmahnen sollen?

    Disclaimer: Ich interessiere mich nicht für das Elaborat der Julia Schramm und ich habe auch keine Ahnung, wo es PDF-Dateien davon gibt. Aber bevor man Überwachung unterstellt, sollte man andere Möglichkeiten in Erwägung ziehen.

  31. Korrektur zu meinem Kommentar: Das Interview mit JS steht in der aktuellen Ausgabe von “Der Freitag”. In “Cicero” werden unter der etwas pathetischen Überschrift “Jetzt sind Menschen zum Abschuß frei” die medialen Reaktionen auf JS und Bettina Wulff (der Vergleich passt doch!) als überzogen dargestellt.

  32. “Dass ein Piraten MdL den Wunsch geäußert haben soll, dich physisch zu verletzen, ist schon ziemlich krass.”

    Eher dämlich, wenn man sich Maltes Statur ansieht. Der haut den kleinen Fabio doch problemlos weg.

  33. [...] *rofl* »[…]Als ich einen kritischen Artikel über Julia Schramm veröffentlichte, drohte ihr damaliger Verlobter und jetziger Ehemann Fabio Reinhardt [anm. MdL] einer Bekannten von mir gegenüber, er würde mir „aufs Maul hauen“.[…]« Blah, Kindergarten, LOL [...]

  34. malte mazzebrei

    das zeitalter der geistigen masturbation – im internet wird abgespritzt.
    so ein beschissener affenzirkus hier

  35. Nachschlag…

    Das sind jetz wirklich die letzten Links zur Schramm-Geschichte. »… damit ist die Urheberrechtsdebatte de facto erledigt. Wann immer nämlich in Zukunft irgend so ein Möchtegern-Schlaumeier aus der Dilettantenpartei uns unseren Beruf erklären wil…

  36. [...] Es ist die Szene bei der sich alle Piraten fragen: “Wer ist Leonard?” und “Warum bin ich das nicht gewesen? WTF!”. Aber noch ist es nicht zu spät. Mit einem genügend energisch geschwungenen WLAN-Kabel hat vielleicht der eine oder andere Pirat noch gute Chancen, vielleicht Sai Gaddam oder Ogi Ogas ins virtuelle Bett zu bekommen. Aber beeilt Euch, manche einflussreiche Neider fordern schon einen Parteiausschluss. [...]

  37. „.An der Misere sind nicht die Autoren oder die Verlage, in diesem Falle Julia schuld, sondern die Piratenpartei selbst. Künstler waren anfangs große und lebhafte Unterstützer der Piraten, denn Künstlern und Piraten haben viele Gemeinsamkeiten: Chaotisch, rebellisch, kreativ, nicht obrigkeitshörig. Dann fing die Piratenpartei mit ihren Urheberrechts”Experimenten” an, und aus den Sympatisanten wurden Gegner. Das Absacken der Piraten in der öffentlichen Wahrnehmung liegt im Wesentlich an der gewandelten Überzeugung der Kreativen, daß die Piraten ihre Partei sein könnten. Und das wird auch so weiter gehen, bis zum völligen Bedeutungsverlust der Partei. Ich habe lange vor diesem „Sündenfall“ gewarnt, aber in dieser Partei (der ich angehöre), hört niemand zu.
    Grüße aus den Ostprovinzen.
    Heinrich, Pirat, Wandlitz

  38. Lieber Malte Welding,

    zu “Klick mich” fällt mir eine hübsche Zeile von Ihnen (1) ein: “Beinahe die Hälfte aller Sexualakte in einer Beziehung haben die Partner mit sich allein. …”

    Ob das jetzt so stimmt, oder nicht: bei der hier erwähnten Autorin scheint mir der Anteil der Do-It-Yourself-Momente deutlich höher zu sein, wobei sich frau vielleicht nicht einmal in trauter Runde mit dem eigenen Selbst ein leidenschaftliches “Fick mich!” aus der Seele schreien mag und es lieber durch ein verträumtes “Klick Mich!” ersetzt; ganz öffentlich — also transparent — bei einer geschäumten Latte in der Hipster-Lounge. Selbst das notorisch geforderte Freundlichsein wird dann unnötig.

    Ich grüße Sie!

    (1) http://maltewelding.berliner-zeitung.de/2011/02/11/wie-oft-sollte-ich-mit-meiner-frau-sex-haben/

  39. Welch “logische” Schlussfolgerungen du dir hier leistest ist schon amüsant. Julia trägt nicht die Verantwortung dafür, wenn ihr Mann angeblich Drohungen ausspricht. Das wäre ja noch schöner.

  40. Ja genau Sie trägt nicht die Verantwortung dafür!