Schnellschüsse


12
Mrz 10

Eine kleine Korrektur

Kein Problem. Eine kleine Korrektur nur, sagt die Lektorin, hier noch einen Übergang machen, da ein bisschen kürzen, dort das Thema von oben noch einmal aufnehmen.
Ich setze mich sofort dran, gerade noch einen Kaffee, in der Küche macht die Katze ein seltsames Geräusch und ich versuche herauszukommen, was es bedeutet. Es gibt tatsächlich keine Seite im Netz, die zuverlässig Katzenzirpen übersetzt. Ich erinnere mich, dass ich ihr genau an dieser Stelle, wo sie das Geräusch gemacht hat, einmal Hairballs gegeben habe und gehe rasch welche einkaufen, beim Spaziergang kommen ja sowieso die besten Einfälle. Sonnenschein, frische Luft, jetzt weiß ich sogar, wie ich diesen Übergang machen muss, bloß Worte dafür fehlen mir noch, ich könnte mit einer Konjunktion beginnen. Ich lege die Hairballs auf das Band und frage die Kassiererin, warum man nicht ein Wellness-Geräusch anstelle des nervenzerfetzenden Piepens der Scannerkasse gemacht hätte und wie sie das eigentlich aushalte. Sie sagt, an der Wellness der Mitarbeiter sei die Geschäftsleitung nicht interssiert, aber es gehe schon, sie höre das beinahe nicht mehr, nur Nachts töne es halt etwas nach. Continue reading →


8
Mrz 10

Kleiner Führer für den modernen Populisten

Schritt 1:
Definieren Sie Ihre Zielgruppe. Dabei bietet es sich an, dass Ihre Zielgruppe größer ist als die Gruppe unter Punkt zwei, die zu diffamierende Gruppe. Ist Ihre Zielgruppe kleiner als die zu diffamierende Gruppe, dann sollte sie wenigstens reicher sein.
Schritt 2:
Definieren Sie die zu diffamierende Gruppe. Bleiben Sie hier ruhig vage. Wenn Sie sich Muslime aussuchen, dann müssen Sie in der Lage bleiben, auch zwei bosnische Jugendliche mit Goldkettchen und Bravo-Girl-Abo, die eine spektakuläre und ausschlachtbare Straftat begangen haben, aber leider den Koran für ein Rezeptbuch halten, mit gemeint zu haben, wenn Sie vor die Fernsehkameras treten. Wenn Arme Ihr Gegner sind, dann müssen Sie flexibel genug sein, ein armes Kind, das trotz seiner Armut große Kulleraugen mit heimtückischen Tränen hat, in einer Talkshow auch einmal gut zu finden und so zu tun, als könne es nichts für seine Situation.
Schritt 3:
Haben Sie irgendein besonderes Merkmal, das Sie und damit Ihre Parteigänger von den Nazis rechts von Ihnen unterscheidet. Denn Nazis sind out und gelten als dämlich, Sie aber wollen hoch hinaus. Seien Sie also bekennend schwul oder geschieden, tragen Sie eine prächtige Frisur oder erlesene Anzüge, haben Sie einen Doktor in Kunstgeschichte oder seien Sie Richter, haben Sie eine jüdische Großmutter oder einen streunenden Hund adoptiert.
Schritt 4:
Meiden Sie Nazivokabular. Sie wollen die von Ihnen in Punkt zwei definierte Gruppe nicht in Lager stecken, nicht ausmerzen, ausrotten, vernichten, in Grund und Boden stampfen. Sie wollen die Verfassung schützen, Auffangbecken in Nordafrika schaffen, Schlimmeres präventiv verhindern, auch für die Starken da sein.
Schritt 5:
Bekommen Sie feuchte Augen, wenn Sie von Ihrer Zielgruppe sprechen.
Schritt 6:
Ihre Zielgruppe ist grundsätzlich hart arbeitend, zahlt zu viele Steuern und ist ehrlich. Lebt Ihre Zielgruppe in Gänze von Hartz IV, dann haben Sie zwar bei der Zielgruppenanalyse etwas falsch gemacht, aber halten Sie durch: Auch der Alltag von Arbeitslosen ist zu sehr mit Fortbildungsmaßnahmen belastet, die Mehrwertsteuer ist zu hoch und wer schläft, sündigt nicht.
Schritt 7:
Sagen Sie etwas völlig Banales. Versehen Sie es mit dem Zusatz “Man wird ja noch sagen dürfen”.
Schritt 8:
Die, die sich jetzt erregen, das sind die Unterstützer der Gruppe aus Punkt 2: Die Gutmenschen. Die Gutmenschen sind Ihr eigentlicher Gegner. (Wenn Sie ein linker Populist sein wollen, dann können die Gutmenschen Ihr Verbündeter sein, aber Obacht: Gutmenschen neigen dazu, Zahlen sehen zu wollen und Konzepte. Außerdem verstehen die Gutmenschen die Freuden einer zackigen Ausländerbeschimpfung nicht – dabei tragen schließlich Fremdarbeiter die Schuld daran, dass Ihre Zielgruppe keine Arbeit findet). Wenn Gutmenschen Ihr Gegner sind, dann sind Sie nicht etwa böse, Sie sind Realist. Sie sind die Stimme der Vernunft in einer von Ideologien geprägten Welt.
Schritt 9:
Wiederholen Sie sich. Schwerlich hält am längsten, was einmal gesagt wurde. Sagen Sie das, was Sie zu sagen haben, jeden Tag.
Schritt 10:
Haben Sie nicht viel zu sagen: Kompliziertes taugt nicht für Schlagzeilen.
Schritt 11:
Haben Sie zu allem etwas zu sagen, aber immer dasselbe.
Schritt 12:
Meiden Sie Regierungsverantwortung, es könnte auffallen, dass Sie von nichts eine Ahnung haben. (Als putzmuntere Opposition können Sie auch von der Parteienfinanzierung profitieren.) Es sei denn, Sie bekommen die absolute Mehrheit: Dann wird es trotzdem auffallen, aber es liegt in Ihrer Hand, ob jemand darüber schreiben darf.


2
Mrz 10

Wölfe weiter mit der Beaufsichtigung der Schafe beauftragt – Schafe äußern sich zufrieden

Die Vorratsdatenspeicherung verstößt in ihrer konkreten Ausgestaltung gegen Artikel 10 GG. Die bislang erhobenen Daten müssen unverzüglich gelöscht werden.

via Netzpolitik

Der Haken daran: Die Vorratsdatenspeicherung war von Anfang an nicht etwas wie das Pastabäckernachschulungsgesetz (ein Lehrbuchfall, anhand dessen man Eingriffe in Artikel 12 GG lernen soll), es war gezielt verfassungswidrig, weil die verantwortlichen Politiker den Boden des Grundgesetzes nicht mehr für stabil genug hielten. Aus der Unschuldsvermutung wurde die Schuldvermutung: Jeder ist solange schuldig, bis seine Unschuld erwiesen ist. Schäuble wollte das Präventionsstrafrecht. Und er wurde von allen wesentlichen Politikern darin unterstützt. Continue reading →


23
Feb 10

Ein Mädchen, eine Videokamera – und ein leerer Flughafen

Selten kann man sich den Worten eines Youtube-Kommentators so rückhaltlos anschließen:
“This is the triumph of the human spirit against fear and mindless conformity. Way to go, girl. World B. Free! I would marry you except that I don’t know you and I am a 53 year old black man.”

Habt keine Angst! Macht Quatsch mit Kameras!


22
Feb 10

It’s a known Issue

Wenn Malakoff Kowalski morgens aufsteht, dann ist er Louis de Funès auf Angel Dust, ein nervöser, herumbrüllender, aber im Grunde liebenswerter Zeitgenosse, der gerade auf dem Sprung ist. Aber wenn er das Netz betritt, dann läuft er grün an, schnallt den Gürtel seiner Kalaschnikow enger und legt los (Auszug aus seiner Info-Page bei Facebook): Continue reading →


18
Feb 10

Ratzinger befahl Bischöfen die systematische Vertuschung sexuellen Missbrauchs

2003 berichtete der Observer von einem vertraulichen Dokument, das vierzig Jahre zuvor mit dem Siegel von Papst Johannes XXIII an alle katholischen Bischöfe weltweit gesandt wurde (hier das Dokument als pdf).
2005 legte das amerikanische Polit-Blog Daily Kos nach. Der damalige Präfekt der Glaubenskongregation Joseph Ratzinger, heute besser bekannt als Benedikt XVI, hatte 2001 in einem weiteren Rundschreiben ausdrücklich die Weitergeltung des päpstlichen Dokuments von 1962 bestätigt.

Für den Fall, dass die Opfer des Missbrauchs sich an kirchliche Stellen wenden, sollen auch sie einen Eid schwören, dass sie Stillschweigen bewahren werden.

Auszug aus dem Dokument:

Die sexuelle Revolution sei Schuld an den Missbrauchsfällen, sagte der Augsburger Bischof Walter Mixa, Träger des bayerischen Verdienstordens, im Gespräch mit der Augsburger Allgemeinen Zeitung: “Die sogenannte sexuelle Revolution, in deren Verlauf von besonders progressiven Moralkritikern auch die Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert wurde, ist daran sicher nicht unschuldig.”

Seit 48 Jahren organisiert die katholische Kirche von höchster Stelle aus Täterschutz, lässt die Opfer Schweigegelübde ablegen, deckt also Kindesmissbrauch und Missbrauch von Schutzbefohlenen. Das ist in diesem Ausmaß nichts anderes als Organisierte Kriminalität. Wie viele Fälle von Strafvereitelung mögen da zusammenkommen? Aber was rede ich?
Schuld sind ja die Hippies.

via reddit


6
Feb 10

Wie süß! Drei junge Geparden SPIELEN mit einem kleinen Impala. Äh, Moment. Urghs.


20
Sep 09

Daran denkt ja wieder keiner – alltägliche Alltagsprobleme in Serie.

Teil Eins – Das Staubsaugerproblem.

Das Geräusch das Staub in einem Zyklonstaubsauger beim zyklonieren erzeugt, ist haargenau dasselbe, das Staub bei normalen Staubsaugern beim durchfliegen des Ansaugrohres macht. Beide Male stößt der Staub heftig aufgewirbelt an seine Umgebung an. In einem Fall im Zyklonbehälter und im anderen Fall im Saugrohr. Daraus ergibt sich eine sonderbare Saugproblemsituation: Das aufgewirbelte Anstossen des Staubes im herkömmlichen Ansaugrohr war damals (sic!) ein deutliches Indiz dafür, dass an der gerade übersaugten Stelle noch Staub lag, man sozusagen auf eine Staubgoldader gestoßen war. Man saugte also so lange über besaugter Stelle, bis das Anstossen des aufgewirbelten Staubes am Saugrohr zunächst leiser wurde und später ganz verstummte, nur um dann befriedigt auf sein Saugwerk zu blicken, festen Wissens, eine gute Arbeit, weil einen sauberen Teilabschnitt der abzusaugenden Fläche fertiggestellt zu haben.
Aufgewirbelter Staub in einem Zyklonstaubsauger tut nun allerdings genau das, was er tun soll: er zykloniert. Das bedeutet er wirbelt (ohne Saugverlust) im Staubauffangbehälter in einer atemberaubender Geschwindigkeit und schlägt dabei immer wieder gegen die durchsichtige Behälterwand. Das dabei erzeugte Geräusch ist – wie eingangs schon erwähnt – eben identisch, zu dem Ansauggeräusch im Ansaugrohr. Beim saugen ergibt sich deshalb nun folgendes, logisches, aber überaus schwerwiegendes Problem: Der Saugende kann nicht mehr verifizieren, ob er länger an einer zu saugenden Stelle verweilen muss, der Geräuschlogik der alten Staubsaugermodelle folgend, oder ob die zu besaugende Stelle schon ausreichend gesaugt wurde. Das Geräusch bleibt immer gleich und gleich laut. Unter Umständen verlängert sich so das Staubsaugen unnötig. Bei Erfindungen wie Zyklonstaubsaugern werden solche zu lösenden Probleme sicher nicht in die Produktüberlegungen geflossen sein – weil daran denkt ja wieder keiner.

Mathias


12
Sep 09

Ich frag einfach mal:

Hat hier irgendjemand Interesse an einem garantiert nicht neutralem Liveblog zum Kanzlerduell morgen?
Mit gesalzenen Witzen, gepfefferten Kommentaren und einem bitteren Beigeschmack?

Mathias


11
Sep 09

Flugzeuge im Bauch.

Malte ist heute in ein Flugzeug gestiegen und damit ins Paradies geflogen.

Wenn man den ersten Satz so liest, kann man mir wenigstens billigste Effekthascherei unterstellen. Und man hätte Recht. Der Satz ist nicht mal lustig, wenn man ihn versteht. Und schon gar nicht, wenn man ihn sich erst erklären lassen muss – den Gesamtzusammenhang zwischen dem heutigen Datum, Flugzeugen und dem Paradies.

Ist der 11. September ein Jahrestag? Ich meine, sagt man Jahrestag dazu? Ein Jubiläum wird es ja wohl kaum sein. Aber selbst Jahrestage tragen einen feierlichen Background mit sich rum. Gedenktag trifft es wahrscheinlich am besten, aber der Begriff Gedenktag schließt den numerischen Faktor aus. Einen XY. Jahrestag kann man begehen, ein XY. Jubiläum auch irgendwie noch, aber einen XY. Gedenktag – das liest sich nicht. Ich halte den 11. September aber schon für einen Tag, an den man sich auch numerisch erinnern sollte.

Malte macht sich über sowas jetzt keine Gedanken mehr, obwohl ihn das bestimmt gereizt hätte. Malte ist jetzt im Paradies und schaut uns zu. In irgendeinem Internetcafé, auf irgendeiner Insel.

Ich mache hier in der Zeit den Platzwart und pass auf, dass hier niemand mit Straßenschuhen durchläuft und ab und zu werde ich sicher auch den ein oder anderen Beitrag hier stehen lassen.

So denn, winkt dem Malte zu und singt ihm alle entgegen:

Mathias