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Malte Welding | Page 2


08
Feb 15

Ist die Pharmaindustrie noch zeitgemäß?

Die Marktwirtschaft ist großartig, wenn es um die Verteilung von Konsumartikeln geht. Ist die Frage: “Welches System bringt am zuverlässigsten Tütensuppen, Hygieneartikel, Südfrüchte, Automobile (nicht zu vergessen: Fernreisen, Fernseher… aber lassen wir das) an den erfreuten Verbraucher, lautet die Antwort aus Millionen Kehlen inklusiver meiner: “Die Marktwirtschaft, am besten die soziale!”
Ob die Marktwirtschaft für Medikamente dasselbe leisten kann, bezweifele ich.

Das Ziel eines börsennotierten Unternehmens ist nicht die Heilung von Krankheiten. Die Pharmaunternehmen streben nach Blockbustern. Und zu Blockbustern kann man Medikamente nicht da machen, wo sie benötigt werden. Die häufigste Todesursache weltweit sind Atemwegserkrankungen. Allein vier Millionen Kinder sterben Jahr für Jahr daran. Das umsatzstärkste Medikament der Welt ist jedoch Liptor, ein Mittel, das den Cholesterinspiegel senken soll. Nun ist es für einen Konzern, der seine Aktionäre zufriedenstellen will, wenn auch nicht löblich, so doch rational, die Kinder der dritten Welt ihrem Schicksal zu überlassen und sich um die Menschen zu kümmern, die ihre Kassen füllen. Tatsächlich sind Herz-Kreislauf-Krankheiten die häufigste Todesursache in der westlichen Welt. Aber der Ursachenzusammenhang von Cholesterin und Herz-Kreislauf-Krankheiten ist keineswegs bewiesen, auch wenn er von den Pharmaunternehmen mit von ihnen finanzierten Studien und von ihnen gesponsorten gemeinnützigen Vereinen herbeigeredet wird. Den größten Umsatz erzielt die Pharmaindustrie also mit einem Medikament, von dem nicht bewiesen ist, ob es hilft. Aber wie das so ist, wenn man eine Goldader ergefunden hat: Der Ärger lässt nicht lange auf sich warten. Deutsche Steuerfahnder ermitteln wegen vermuteter Unregelmäßigkeiten bei der Umsatzsteuer. Und zwei ehemalige Anwender des Medikaments Lipitor haben Klagen eingereicht, weil sie unter Gedächtnisstörungen und anderen gesundheitlichen Problemen wegen der Einnahme des Blutfettsenkers litten. Ihnen zufolge hatte Pfizer es versäumt, Ärzte über diese Nebenwirkungen zu informieren. Nun, an alles kann man aber auch nicht denken. Ärgerlich für Pfizer ist auch, dass sein Arthritis-Medikament Bextra vom Markt genommen werden musste, weil die möglicherweise lebensbedrohlichen Nebenwirkungen den erhofften Nutzen überstiegen.

“Vom Markt genommen” heißt allerdings lediglich, dass das Medikament in den USA und in Europa nicht mehr verkauft werden darf. In so einem Fall erinnert man sich gern wieder an andere Märkte. Nicht an die in der dritten Welt, die sind ja uninteressant und haben in diesem Fall Glück damit. Medikamente, die im Westen verboten sind, werden in Schwellenländer verkauft. Das klingt absurd, ist aber bestens belegt. Nur einige Beispiele aus dem obigen Link, die Lektüre der gesamten PDF-Broschüre ist dringend zu empfehlen:
In Pakistan verkaufte die Firma Merck bis 2004 das Schmerzmittel Dolo-Neurobion, das den Wirkstoff Metamizol enthält. Metamizol- Kombinationspräparate sind in Deutschland seit 1987 verboten, weil Metamizol lebensgefährliche Blutbildveränderungen hervorrufen kann. Mir ist nicht bekannt, ob deutsches Blut anders reagiert als pakistanisches. Aber sicher ist: Wer den pakistanischen Heller nicht ehrt, ist des Aktionärsdollars nicht wert.
Aventis bot den Lipidsenker Lesterol in Brasilien bis 2004 an, obwohl bekannt war, dass der enthaltene Wirkstoff Probucol schwere Herz-Rhythmusstörungen auslösen kann. In den USA wurde es schon 1998 vom Markt genommen.

Es ist müßig, alle Verfehlungen von Pharmaunternehmen aufzuzählen. Schon in den siebziger Jahren wurde im Spiegel bemängelt, dass es beispielsweise gegen Viruserkrankungen und Pilze kaum dauerhaft wirksame Medikamente und vor allem: keine vielversprechenden neuen Wirkstoffe gebe. Das hat sich bis heute nicht geändert. Die Strategie der Pharmaunternehmen war damals bereits absehbar. Sie würden versuchen, für bekannte Wirkstoffe neue Anwendungsgebiete zu finden. Der Innovationsmangel ist greifbar: Von 2500 Neuzulassungsanträgen beim Bundesamt für Arzneimittel betreffen nur 10 – 20 therapeutische Innovationen. Alle anderen Möchtegern-Medikamente sind Me-Too-Präparate. Daher weht also der Wind, wenn plötzlich verbreitet wird, Aspirin könne einem Herzinfarkt vorbeugen.
Was sich als trügerische Hoffnung erweist.

Es geht nicht um einzelne Skandale, Fehler können passieren. Der Fehler liegt darin, dass die Interessenlage der Unternehmen sich nicht nur nicht mit der der Patienten deckt – sie läuft ihr diametral entgegen. Denn nur ein kranker Patient ist ein guter Patient. Dafür werden Krankheiten erfunden, vom Damenbart über die Hyperhidrose bis zur Osteoporose, Medikamente entwickelt, wie im Fall von HIV, die man möglichst ein Leben lang nehmen muss. Und kritische Stimmen werden gezielt mundtot gemacht, indem man Werbeaufträge nach Wohlverhalten verteilt.

Ich habe keine Lösung für die Frage: Wer soll uns mit Medikamenten versorgen, wenn nicht die Pharmakonzerne? Alles staatlicher Gesundheitsforschung überlassen? Bei unserer Haushaltslage? Möglicherweise sollte man eine zusätzliche unabhängige Kontrollinstanz einrichten. Bis das geschehen ist hilft wohl nur: gesund bleiben und sich keine Krankheiten aufquatschen lassen, Beipackzettel nachgooglen und Bettruhe. Viel Bettruhe.

(Ich habe diesen alten Artikel, den ich 2006 geschrieben habe, noch einmal hervorgekramt, nachdem ich bei Lars Fischer darüber gelesen habe, warum es so wenige neue Antibiotika gibt – er kommt auch zu dem Schluss, man müsse vielleicht über öffentlich-rechtliche Wirkstoffentwicklung nachdenken – und die Süddeutsche den Pharmakritiker Peter C. Gøtzsche mit der Aussage zitiert, die Pharmaindustrie sei “schlimmer als die Mafia.)