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Malte Welding


06
Apr 15

Bin ich vergewaltigt worden?

Zwei Leute haben Sex, obwohl der eine „Nein“ gesagt hat. Dabei handelt es sich um eine Vergewaltigung, das ist doch klar. Das sagt mein Rechtsempfinden, das soll so jetzt Gesetz werden. Die nicht-einvernehmliche sexuelle Handlung soll strafbar werden.
Das hieße, dass ich in meinem Leben von zwei Frauen vergewaltigt worden bin.

Den ersten Sex gegen meinen Willen hatte ich, als ich 18 war. Sie war eine 36jährige Nachbarin. Ich wohnte in der Schloß-Rahe-Straße, sie in der Schloßpark-Straße, ich kannte vorher ihren Namen nicht. Eines Tages fing sie an, mich zu grüßen, wenn ich von der Schule heimkam, irgendwann sprach sie mich an und stellte sich vor, ein paar Wochen später hielt sie mit ihrem Wagen an der Bushaltestelle und brachte mich zur Schule.
Sie schlug vor, dass wir doch einmal zusammen Essen gehen könnten.
Ich fand sie wahnsinnig anziehend, also ging ich darauf ein.
Während des Essens ließ die Anziehung ziemlich nach. Irgendetwas war daneben, sie war zu begeistert von mir, nicht spielerisch, sondern obsessiv und so sehr sie körperlich attraktiv war, so sehr fehlte bei mir irgendein Funke von Verliebtheit.
Trotzdem nahm ich sie mit nach Hause.
Meine Eltern schliefen schon. Sie waren es gewohnt, dass ich Freundinnen mit nach Hause brachte, aber es war klar, dass zumindest meine Mutter eine Augenbraue hochziehen würde, wenn sie auf einmal einer Frau im Flur begegnen würde, die doppelt so alt war wie ich, und die sie auch noch zumindest vom Sehen her kannte.
Also war ich recht nervös, bat sie, ruhig zu sein, und brachte sie auf mein Zimmer.

Vielleicht wollte ich schauen, wie weit es geht. Ich erinnere mich nicht mehr, wie es anfing, ich weiß nur noch, dass es nicht mit einem Kuss begann, denn wir küssten uns nicht. Ihre Bewegungen waren ungeheuer hektisch, vielleicht sollten sie leidenschaftlich sein, sie war viel zu laut, was mich zusätzlich nervös machte. Bald waren wir nackt und sie sagte „Ich will dich ganz spüren.“ Das ist ein Detail, an das ich mich noch ganz genau erinnere.

„Ich will dich ganz spüren.“ Das ist diese Art von Satz, die man vielleicht in Ordnung findet, wenn man gerade selbst völlig hingerissen ist, die sich aber unter einer fürchterlich fremden Frau, der man so fern ist, wie man nur jemandem sein kann, schauderhaft anhört.

Ich weiß noch, wie sehr ich sie nicht ganz spüren wollte. Was ich sagte, weiß ich nicht mehr genau. Vielleicht, dass mir das zu schnell ginge, ich lieber warten wolle. Ich weiß sehr genau, dass ich deutlich zum Ausdruck gebracht hatte, nicht mit ihr schlafen zu wollen, weil sie danach sagte: „Und du hast noch gesagt, du willst nicht.“

Sie hatte trotz meiner Weigerung einfach weitergemacht, sich an mir gerieben, bis ich in ihr steckte, sie mich ganz spürte. Sie wurde immer lauter, ich dachte an meine Eltern nebenan, wir küssten uns immer noch nicht und ich glaube, sie kratzte mich. Von einem Kondom war natürlich auch keine Rede.
Als es vorbei war, war es noch nicht vorbei, weil sie mir nun einen Finger in den Hintern schob.

Immerhin war es tröstlich, dass sie bald darauf ging und meine Eltern nichts merkten.
Einige Tage später bekam ich von ihr einen Brief, in dem sie schrieb, wie schön es gewesen sei. Wie zärtlich ich sie geküsst habe. Bei diesem Satz habe ich mich fast übergeben.
Konnte sie nicht gemerkt haben, dass wir uns nicht ein einziges Mal geküsst hatten?

Das zweite Mal, als eine Frau gegen meinen Willen mit mir schlief, war deutlich schlimmer.

Ich war 22 oder 23. Sie war eine meiner besten Freundinnen. Und der letzte Mensch, mit dem ich gerne geschlafen hätte.
Einige Wochen zuvor hatte ich das erste Mal LSD probiert. Der Freund, mit dem ich es genommen hatte, war irgendwann ins Bett gegangen und ich hatte festgestellt, dass es keinen Spaß macht, allein auf einer Droge zu sein, deren Wirkung nicht enden will.

Nun hatten meine Freundin und ich Speed gezogen, auch das war das erste Mal für mich. Wir müssen wohl unterwegs gewesen sein und gingen dann noch zu mir. Wir hatten oft Nächte miteinander verbracht, allein oder mit anderen Freunden. Spät in der Nacht lagen wir auf dem Bett und schauten vermutlich eine Talkshow-Wiederholung, als sie anfing, sich mir in sexueller Absicht zu nähern. Ich erinnere mich nicht mehr, ob sie sich an mich gekuschelt hat oder ob sie sofort ausgesprochen hat, was sie wollte.
Ich weiß nur noch, dass ich mich darauf eingelassen habe zu erklären, warum ich es nicht wollte, was ich im Nachhinein als meinen größten Fehler identifizierte. Ich sagte also, ich wolle unsere Freundschaft nicht gefährden, was gelogen war, denn ich wollte einfach nur nicht mit ihr schlafen, weil ich sie körperlich abstoßen fand.
Sie sagte, sie habe schon oft mit Freunden geschlafen und noch nie sei dadurch eine Freundschaft problematisch geworden. Als ich mich dennoch weigerte, war sie beleidigt und drohte, nun nach Hause zu fahren.
Das war für mich nach den Erfahrung, allein auf LSD zu sein, eine Horrorvorstellung. Ich hätte alles getan, damit sie mich nicht allein lässt. Und das tat ich auch.
Ich steckte all meine verbliebene Konzentrationsfähigkeit in den Aufbau einer Erektion. Hätte ich keine Erektion hinbekommen, wäre sie vermutlich auch gefahren, also zwang ich mich, nur in ihre Augen zu schauen, weil ihre Augen das einzige waren, das mich körperlich nicht anwiderte.
Als es endlich vorbei war, wollte sie nochmal, rollte ihren schwitzenden Körper auf mich und rieb sich an mir. Aber ich stellte mich tot.
Ein Freund erzählte mir, bei ihm habe sie es auch versucht. Er hat sich von Anfang an tot gestellt, hatte so getan, als schliefe er, und sie hatte von ihm abgelassen.
Ich wusste von Dutzenden Männern, die halb besinnungslos besoffen mit ihr geschlafen hatten und sich nun schämten. Sie war etwas, das man sich nach dem dritten Bier gestand. „Die? Ja, Ich auch. Aber erzähl’s keinem.“
Ich fühlte mich beschmutzt. Ich hatte das Gefühl, nie mehr sagen zu können, dass ich irgendwelche Maßstäbe oder Ansprüche hatte. Ich hatte mit ihr geschlafen und jeden Respekt vor mir verloren.

So überfordert ich mich bei meiner Nachbarin gefühlt hatte, so sehr sie meinen Willen ignoriert hatte, so konnte ich die Geschichte doch für mich noch irgendwie auch positiv deuten. Bei meiner Freundin war kein Raum dafür. Ich schämte mich, ich ekelte mich vor mir selbst.

Haben mich diese beiden Frauen nun vergewaltigt?
Aus ihrer Sicht habe ich erst gezögert und mich dann doch dazu entschlossen, mit ihnen zu schlafen. Die Zwänge, die ich in beiden Situationen empfunden habe, waren innere. Sie haben mich nicht bedroht, erpresst oder gar mit körperlicher Gewalt gezwungen.
Sie haben gegen meinen Willen mit mir geschlafen, aber für sie muss es gewirkt haben, als hätte ich mich umentschieden. Denn warum hätte ich sonst mit ihnen geschlafen?

Ich hatte auch nie das Gefühl, dass sie bestraft werden müssten. Sie hatten mich beschämt und in eine ungeheuer unangenehme Situation gebracht, aber für mich hatte das nicht den Unrechtsgehalt einer Vergewaltigung. Ich hätte gehen können, es wäre mir nichts objektiv Schlechtes widerfahren, hätte ich meine Weigerung aufrecht erhalten.

Eine Vergewaltigung ist erst nach 20 Jahren verjährt. Bis vor drei Jahren hätte ich also meine Nachbarin anzeigen können.
Wir hätten vor Gericht gesessen, beide zwei völlig andere Menschen, ich ein erwachsener Mann, sie eine 56jährige Frau, und hätten Zeugnis abgelegt über unsere inneren Vorgänge. Vielleicht hätte sie den Brief vorgelegt, den ich ihr als Antwort geschrieben hatte. Ich habe darin geschrieben, dass wir uns nicht mehr sehen können. Von Vergewaltigung stand da nichts.

Meine Freundin aus dem Studium ist heute Anwältin. Ihre Erinnerungen an die Nacht werden andere sein als meine. Wir waren danach weiterhin befreundet.

Ohne einen erwiesenen Vorsatz kann es keine Verurteilung wegen Vergewaltigung geben.
Es ist grauenhaft, überall juristische Laien zu lesen, die aus ideologischen Gründen „Strafbarkeitslücken“ sehen. Eine Vergewaltigung sollten Männer wie Frauen, Linke wie Rechte, gleichermaßen verurteilen. Wenn sie bewiesen ist, wenn einem Täter also nachgewiesen wurde, dass er wissentlich einen anderen gezwungen hat, mit ihm zu schlafen.

Natürlich hätten beide nicht mit mir schlafen dürfen. Ich bin absolut dafür, dass vom anderen ein enthusiastisches Ja kommen muss, damit man Sex hat.

Das Strafrecht ist bei aller Ausgefeiltheit ein zu grobes Instrument, als dass man mit ihm alle Abirrungen des Lebens geraderücken könnte. Und auch gerechter Zorn kann ungerecht werden.

Die sexuelle Selbstbestimmung ist ein hohes Gut. Ich bezweifele, dass sie besser geschützt wird, wenn man den Begriff der Vergewaltigung verwässert. Aber vielleicht irre ich mich.