Februar, 2010


28
Feb 10

BBC-Dokumentation “Sex crimes and the Vatican” über die Vertuschung sexuellen Missbrauchs durch die katholische Kirche

Die Dokumentation “Sex crimes and the Vatican” lief im Oktober 2006 in der BBC. Sie handelt davon, dass Kardinal Ratzinger die Vertuschung sexueller Gewalt gegen Kinder angeordnet hat. Im deutschen Fernsehen lief “Sex crimes and the Vatican” meines Wissens noch nicht. Das ist mit Sicherheit ein Zufall und hat nichts mit der Zusammensetzung des Rundfunkrats zu tun.

oder alternativ auf youtube:
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24
Feb 10

Haben wir Politically Incorrect bisher falsch verstanden?

In mancher Hinsicht ist Politically Incorrect das erfolgreichste deutsche Blog. Es hat mehr Unique Visitors als das Bildblog (94000), es wird gerne als Beispiel für die Niedertracht des Internets herangezogen und seine Schauermärchen werden in den Feuilletons diskutiert. Warum ist es so erfolgreich? Es liegt am Humor. Der Adplanner von Google weiß, was an uns allen bislang vorbeigegangen ist: Das gegenseitige Ängstigen, der launige Rassismus, die putzige Simplifizierung – alles nur ein Witz.


24
Feb 10

Ein Formel 1-Start ist eine Wnn-Wnn-Situation

form hat ein neues Tape, also natürlich kein Tape, sondern eine lose Folge vom mp3s, die den unfassbaren Titel “Ein Formel 1-Start ist eine Wnn-Wnn-Situation” trägt. Und wo wir gerade bei Titelträger sind: Wäre der Abiturientenrap jemals zum Studentenrap gereift, dann sähe er heute so aus. Manchmal entspannt, manchmal bis an die Grenzen der Hörbarkeit nervös, immer Herr der Tonlage. Ein junger Mann, für den Frauen nicht einfach Vagina mit überflüssigem Fleischrand sind. Herr Eichinger, verfilmen Sie bitte forms Leben, aber mit allen Dialogen.
Hier geht es zum Download.
Und hier zum Stream.
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24
Feb 10

Westerwelle im Endstadium

Die FDP, tja, wie soll ich das jetzt sagen: Vielen ihrer Wähler dürfte es gehen wie nach dem Brasilien-Urlaub – der Rum war billig, die Nutten und die Stricher sogar noch billiger, aber jetzt juckt das Geschlechtsorgan und der Urologe schüttelt den Kopf und sie denken, dass Sparen sich nicht IMMER lohnt. Wenigstens ein Gummi hätte man benutzen können, damals in der Wahlkabine. Huch, jetzt bin ich aus meinem eigenen Bild gerutscht.
Es ist schwierig, über die FDP zu schreiben. Immer, wenn ich gerade dazu aufrufen will, sie vom Verfassungsschutz beobachten lassen (immerhin gehört Artikel 20 auch zum GG), steht Sabine Leutheusser-Schnarrenberger auf und sagt etwas Großartiges, hier nämlich zum Beispiel: “Es ist leider nicht erkennbar, dass sie (die Verantwortlichen der katholischen Kirche) ein aktives Interesse an wirklich rückhaltloser Aufklärung haben.” Continue reading →


23
Feb 10

Ein Mädchen, eine Videokamera – und ein leerer Flughafen

Selten kann man sich den Worten eines Youtube-Kommentators so rückhaltlos anschließen:
“This is the triumph of the human spirit against fear and mindless conformity. Way to go, girl. World B. Free! I would marry you except that I don’t know you and I am a 53 year old black man.”

Habt keine Angst! Macht Quatsch mit Kameras!


23
Feb 10

Deutsche Blogs und ihre Zwillinge unter den Zeitungen

Meedia.de hat die Online-Ableger deutscher Tageszeitungen in den Adplanner von Google eingespeist. Auf Platz 1 steht erwartungsgemäß Bild.de mit über sechs Millionen Unique Visitors im Monat. Ab Platz 25 tummeln sich in der Liste die Angebote aus den deutschen Provinzmetropolen, im Grunde ist diese Liste von da an deckungsgleich mit der Ewigen Tabelle der zweiten Liga. Wie schlagen sich nun die deutschen Blogs* im Vergleich? Hier die Speerspitze der Moderne, bewaffnet nur mit Linkschleuder und Laptop, dort die Pixel gewordene Fußgängerzone mit Primelbottich. Continue reading →


22
Feb 10

Eine gute Sache. Rainer Langhans über Missbrauch durch Priester.

Rainer Langhans hat dem Münchner Radio afk ein Interview gegeben.

Interviewerin:
“Wie stehen Sie denn jetzt selbst zu der Verbindung, die Bischof Mixa da schafft zwischen der 68er-Bewegung und den sexuellen Missbrauchsfällen?”

Langhans:
“Ja, das ist ja berechtigt. (…) Natürlich sind wir dann auch mit den Kindern anders umgegangen. Ich selbst auch. (…) Das sind aber, wie ich finde, auch ganz normale Angelegenheiten. Und man muss natürlich auch fragen “Was haben die da gemacht?”. Und man muss auch fragen “Ist das nicht in vielen, vielen Fällen damals – auch mit den Priestern – eine gute Sache gewesen?” Continue reading →


22
Feb 10

It’s a known Issue

Wenn Malakoff Kowalski morgens aufsteht, dann ist er Louis de Funès auf Angel Dust, ein nervöser, herumbrüllender, aber im Grunde liebenswerter Zeitgenosse, der gerade auf dem Sprung ist. Aber wenn er das Netz betritt, dann läuft er grün an, schnallt den Gürtel seiner Kalaschnikow enger und legt los (Auszug aus seiner Info-Page bei Facebook): Continue reading →


18
Feb 10

Ratzinger befahl Bischöfen die systematische Vertuschung sexuellen Missbrauchs

2003 berichtete der Observer von einem vertraulichen Dokument, das vierzig Jahre zuvor mit dem Siegel von Papst Johannes XXIII an alle katholischen Bischöfe weltweit gesandt wurde (hier das Dokument als pdf).
2005 legte das amerikanische Polit-Blog Daily Kos nach. Der damalige Präfekt der Glaubenskongregation Joseph Ratzinger, heute besser bekannt als Benedikt XVI, hatte 2001 in einem weiteren Rundschreiben ausdrücklich die Weitergeltung des päpstlichen Dokuments von 1962 bestätigt.

Für den Fall, dass die Opfer des Missbrauchs sich an kirchliche Stellen wenden, sollen auch sie einen Eid schwören, dass sie Stillschweigen bewahren werden.

Auszug aus dem Dokument:

Die sexuelle Revolution sei Schuld an den Missbrauchsfällen, sagte der Augsburger Bischof Walter Mixa, Träger des bayerischen Verdienstordens, im Gespräch mit der Augsburger Allgemeinen Zeitung: “Die sogenannte sexuelle Revolution, in deren Verlauf von besonders progressiven Moralkritikern auch die Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert wurde, ist daran sicher nicht unschuldig.”

Seit 48 Jahren organisiert die katholische Kirche von höchster Stelle aus Täterschutz, lässt die Opfer Schweigegelübde ablegen, deckt also Kindesmissbrauch und Missbrauch von Schutzbefohlenen. Das ist in diesem Ausmaß nichts anderes als Organisierte Kriminalität. Wie viele Fälle von Strafvereitelung mögen da zusammenkommen? Aber was rede ich?
Schuld sind ja die Hippies.

via reddit


16
Feb 10

Paul im Puff

„In den Puff? Ist das auch ein hochironischer Akt, Sexsklavinnen durch Konsum zu befreien?“
„Käse, du hast natürlich falsche Vorstellungen. Das sind Fair-Trade-Huren, das ist der Bioladen unter den Puffs. Von einer Frau geführt, die Hälfte sind Studentinnen, du kannst auf der Seite nachlesen, welchen Anteil der Laden behält, die können absagen, wie sie wollen. Alles super.“
„Aber das hast du doch echt nicht nötig.“
„Siehst du, auch da hast du falsche Vorstellungen. Das hat nichts mit „nötig haben“ zu tun. Puff ist Wellness, kein Lügen, kein Gebagger, kein Gemurkse an deinem Schwanz, die wissen, was sie tun, glaub mir, das wissen sie sehr genau.“
Ich habe nichts gegen Puffs. Also nicht aus ideologischen Gründen. In Coupling heißt es, Stripbars seien der Albtraum eines Mannes, „Porno der dich ansieht“. Der Autor von Coupling ist der einzige Mensch, der mich versteht. Zum ersten Mal heute spüre ich meinen Schwanz nicht.
„Ok, ich komme mit, aber erst muss ich noch Elisa anrufen.“
„Klar, du Baggerkönig, ich mach mich noch untenrum frisch.“

Wir fahren durch endlose Tunnel und kommen in einem Stadtteil wieder heraus, in dem ich noch nie war. Könnte auch Lima oder Göteborg sein. Ich fühle mich kurz sehr alt und dann wie ein Kind, das aus einem schrecklichen Traum erwacht ist. Wir steigen aus dem Wagen. Bei dem Puff steht nicht etwa Puff draußen an der Tür, sondern der Name einer Werbeagentur. Ein ganz normales Wohnhaus. Auf Matzes Klingeln hin geht der Summer und wir steigen die Treppen hoch in den dritten Stock. Eine überhaupt nicht puffmutterige Frau Mitte Dreißig im Rollkragenpulli steht am Türeingang und lässt uns freundlich lächelnd herein. Sie führt uns in ein Zimmer und bittet um einen Moment Geduld. Kann sie haben, das Gras hat mich geduldig wie eine indische Kuh gemacht.
Sieht das hier scheiße aus. Wenn Jeff Koons ein blinder Innenarchitekt wäre, würde er Wohnungen so einrichten. Grellbunte Aktzeichnungen, verspielte goldene Vasen und griechisch-chinesische Skulpturen. Ansonsten alles rot. Rote Tapeten, rote Glitzerstoffe, rote Kissen auf dem abartigen roten Riesenbett. Es läuft leise Bumsmusik.
Die freundliche Frau kommt wieder rein und fragt, was wir wünschen.
„Nichts Ausgefallenes, wie gewohnt, nur sehen, wer da ist“, sagt Matze.
Die Frau zählt ein paar schlecht ausgedachte Künstlernamen auf (Venus, Vanessa, Aphro, Chantalle, so die Liga) und Matze sagt: „Super, dann schick die doch mal rein.“
„Wollt ihr die gemeinsam buchen?“
Matze schaut mich fragend an und ich sage: „Um Gottes Willen.“
Dann vergehen ein paar Minuten, in denen ich meine wahnsinnig kalten Hände anstarre und schließlich kommt eine riesenbusige Greisin mit mal hübsch gewesenem Gesicht und klugen Augen herein.
Sie lächelt, gibt uns die Hand, sagt ihren Namen und geht wieder raus. Dann reißt eine junge Ultrabraune ungestüm die Tür auf, zuppelt an ihrer Lack-Korsage, lacht laut, gibt uns die Hand, Namen und raus. Dann drei wirklich Hübsche mit kleinen Fehlern. Die eine hat Plastiktitten, die andere hässlichen Nagellack und die dritte nicht den geringsten Hinweis auf Brüste. Bis jetzt alles Deutsche. Die nächste ist eine riesige Afrikanerin, die akzentfrei ihren Namen sagt, mir zuzwinkert und dann ihren unwahrscheinlichen Hintern herausträgt. Dann eine mit Perücke, eine mit Doppel-D-Hängebusen, eine mit braunem Lippenstift und Rastalöckchen und endlich zwei, die wirklich Studentinnen sein könnten, lustigerweise Soziologiestudentinnen.
Dann haben wir alle gesehen, es hat höchstens zwei Minuten gedauert. Alle hatten unglaublich hohe Schuhe an mit Plateausohlen, bis auf zwei mit Over-Knee-Stiefeln. Der Raum riecht jetzt nach Calvin-Klein-Nightflight-Gabriela-Sabatini und nassem Hund. Wahrscheinlich tragen alle Curious von Britney Spears.
„Ich kann mich gar nicht entscheiden“, sagt Matze. „Mona bläst mit Unterdruck, Arabella schreit beim Ficken als ginge die Welt unter und Cindy hat die schönsten Titten, die man sich vorstellen kann. Aber vielleicht probiere ich mal was Neues.“
Ich kann mich auch nicht entscheiden, aber aus anderen Gründen. Ich könnte was essen.
Jetzt kommt wieder die Eingangsfrau rein und fragt, für wen wir uns entschieden hätten.
„Wie immer schwierig“, sagt Matze. „Ich würde gern Cecilia nehmen.“
Beide schauen mich an.
„Ich will ja nicht unhöflich sein.“ Das ist jetzt aber unangenehm.
„Aber für mich war.“ Wie sagt man das denn?
„Also keine, also ich weiß nicht.“
„Gar kein Problem.“ Matze erlöst mich. „Wartest du dann unten auf mich?“
„Wie lange denn?“
„Ich buche erstmal eine Stunde.“
„Ok.“
Ich lasse mich rausführen. Ein paar Häuser weiter ist ein Sonnenstudio. Na dann. Ich lasse mich 20 Minuten färben und denke an Greta. Ich versuche sie mir in Plateauschuhen und Bräunungscreme mit Nuttenlächeln vorzustellen.
Als die Sonnenbank anfängt zu piepen, krieche ich hervor, wische mir den Schweiß vom Rücken und schaue in den Spiegel. Ich sehe traurig aus.
Draußen geht das Leben weiter und ich fühle mich wie jemand, der Hiroshima erlebt hat und jetzt auf einer Tagung von E.ON sitzt und sich von den Wundern der Atomkraft erzählen lassen muss.
Alle sehen so glücklich aus, so gesund und zukunftsorientiert, so gelassen und naturbraun und selbst die Rentner tragen heute ihre Milchzähne spazieren. Ich rauche zwei, drei Zigaretten, starre in ein paar Schaufenster. Die Zeit steht still, kein schöner Tag. Das einzig Revolutionäre an mir ist mein Magen. Der dreht sich, Säure sprudelt in meine Speiseröhre. Ich kotze den Rauch in einen Hauseingang und lasse mich von einer Rentnerin anbrüllen, ob ich das zuhause auch so mache, „Ich habe kein Zuhause“, murmele ich. Ich gehe zurück zum Puff.

Vor dem Eingang wartet Matze auf mich.
Er sieht entspannt aus.
„Jetzt fahren wir nach Hause und du schreibst was Tolles.“

Matze zögert nie. Er ist gedanklich so viel schneller als ich, er ist visionärer, skrupelloser, positiver.
Er ist Intelligenz ohne Angst.
Hillary Clinton hat mal zur Verteidigung von Bills Blow-Job-Eskapaden gesagt, Selbstzweifel seien die Kehrseite von Intelligenz. Aber Hilary Clinton kennt Matze König nicht.

Nachts träume ich, dass sich mein Schwanz in eine riesige Warze verwandelt. Meine Mutter kommt in Plateauschuhen herein und sagt, ich hätte Germanistik studieren sollen, dann hätte ich auch meinen über alles geliebten Schwanz noch. Ich schlage nach ihr, aber dann nimmt mich Greta in den Arm und sagt, das sei alles nur ein böser Traum.

Meine Träume sind so uninspiriert, dass mich jeder Psychologe rauswerfen würde.