29
Mrz 10

Ein Arsch für die Ewigkeit

Meine Träume interessieren mich sehr. Nicht, weil sie so ausgeklügelt wären, sie müssen allesamt nicht einmal gedeutet werden – wenn ich mich vor einer Prüfung fürchte, dann träume ich nicht von Schlangen, ich träume, dass ich in einer Prüfung sitze, wenn ich verliebt bin, dann träume ich nicht, dass ich fliege, sondern die Frau, in die ich verliebt bin, beugt sich über mich und ich räkel mich behaglich (seltsamerweise verknüpfe ich Sex immer mit Behaglichkeit, aber das ist eine andere Geschichte). Träume beeinflussen einfach die ersten Stunden meines Tages. Früher, als ich noch komplett wahnsinnig war, wusste ich gar nicht, wie ich mit einem Mädchen umgehen sollte, wenn es mich gerade äußerst rückstandslos verlassen hatte und nun neben mir lag und lächelte. Gerade noch hatte ich ihr Gesicht boshaft verzerrt gesehen und wurde nun dieses Bild nicht los. Einmal träumte ich, es war in den frühen 90ern, eine Ex-Freundin habe bei Arabella Kiesbauer erzählt, ich sei sensationell schlecht im Bett. Zu meinem Unglück war gerade Sommerloch und so wurde ich zum Titelthema im Spiegel: “Wie schlecht kann ein Mann im Bett heute noch sein?” Ich wurde zum Skandal, Friedmann empörte sich, Däubler-Gmelin forderte meinen Rücktritt und ich versuchte mit meinen bescheidenen Mitteln, das Gerücht zu streuen, ich hätte meine Ejakulation im Griff. Nur Helmut Kohl weigerte sich, etwas zu dem “Unsinn” zu sagen.
Meine freudianischste Traumphase hatte ich während des Studiums, als ich gar nichts mehr tat. Zu dieser Zeit verpasste ich Nacht für Nacht einen Zug und mich beschlich das Gefühl, der Zug sei für mich abgefahren. Bis ich merkte, dass meine neue Wohnung in der Nähe einer Bahnstrecke lag und die Geräusche tagsüber bloß von der Fernstraße überdeckt wurden. Gestern Nacht hat ein großer schwarzer schwuler Mann mir seine Liebe gestanden und ich sagte, dass sich schon ewig kein Schwuler mehr in mich verliebt habe, ich sei zu alt und haarig und dann fügte ich rasch hinzu, dass ich natürlich nicht glaube, dass alle Schwulen sich nach den gleichen Kriterien verlieben. Als ich aufwachte, fragte ich mich, ob ich überhaupt noch als Ich träume oder nicht schon längst als Larry David. White fucking guilt.
Heute Nacht nun sagte ich zu einem alten Schulfreund: “Wenn man stirbt, was bleibt als Erinnerung? Einschulung, erste Liebe, erste Droge, Abi, Studium, Heirat – wenn man Glück hat. Hat man aber Pech, dann geht man in die Ewigkeit ein mit dem Bild im Kopf, dass Jörn Wuttke einem mit seinem fetten Arsch auf dem Gesicht herumrutscht. Viel bleibt nicht, aber es könnte schlimmer sein.”
Meinen Träumen bleibt nichts hinzuzufügen.


24
Mrz 10

Fuck Da Poor

(Bild von Citénoir)

Als ich am Sonntag mit einem halben Auge und einem dreiviertel Ohr Hermann Otto Solms bei dem Versuch zusah, die Reaktionen auf Westerwelle als Homophobie zu deuten, da dachte ich nichts, weil ich nämlich mit anderthalb Augen und eineinviertel Ohr den Guilt Song sah und hörte:

Scheiß doch auf die Armen, dachte ich, wenn ich selbst einmal dazu gehöre, dann kann ich immer noch die Linkspartei wählen. Solange ich wie einst der Millionär Berti Vogts zweimal am Tag warm essen kann, meine Macs mehr Strom verbrauchen als das Rathaus von Kimpala, meine Katze besser ernährt ist als die meisten Kinder in der Welt (inclusive derer, die für mich Schuhe nähen), solange ich für jedes denkbare Ungemach einen sicheren Platz in jeder Talkshow habe, mir jeden Tag eine Krankheit ausdenken kann, weil es kaum noch eine gibt, solange ich den Bundesgrenzschutz jeden einwandernden Bären abknallen lassen kann, aber von irgendwelchen Hottentotten mit einem Lächeln im Gesicht verlange, sich die Dörfer nachhaltig von Elefanten verwüsten zu lassen, bin ich die FDP.
Wir alle sind die FDP.

Und weil ich jetzt auch die FDP bin, will ich mehr Netto vom Brutto. Von allem. Jetzt.

Und ich hätte wirklich gerne mehr Sklaven. So, jetzt ist es raus.


18
Mrz 10

Auftau’n

Hoerzu – Fruehlingszeit from Gestammelte Werke by RCBIN


17
Mrz 10

Nestlés Versuch, einen Greenpeace-Spot sperren zu lassen

Um diesen Spot geht es:

Und wie lässt man so etwas sperren?
Na klar: Copyright.


16
Mrz 10

DAS WTF zum Abend II


16
Mrz 10

Was der Säugling braucht

Kürzlich erzählte die Lieblingslektorin, dass 35% aller Menschen als unsicher-gebunden gelten. Für ein Gefühl von sicherer Bindung ist von entscheidender Bedeutung, dass der Mensch im Säuglingsalter mit seinen Mitteln erreichen konnte, was er benötigte.
Stellt das Kind fest, dass es das nicht kann, entwickelt es eine Bindungsstörung. Der so genannte unsicher-vermeidende Typ beispielsweise ignoriert im Experiment, wenn er von der Bezugsperson (für einige Zeit) verlassen wird und tut auch so, als bemerke er es nicht, wenn sie wieder kommt. Das unglückliche Kind hat dabei einen ungeheuren Stress, hat aber aufgegeben, etwas dagegen zu tun.
“Man muss also immer tun, was das Baby will?”, fragte ich. “Auch während Fußballspielen?” Die Lieblinslektorin nickte.
“Und was will das Baby?”
“Liebevolle Zuwendung. Das Baby merkt schon, wenn es genervt gewickelt wird.”
“Ach, komm. Babys haben als Hobby Milchtrinken und wenn sie etwas größer sind, dann interessieren sie sich dafür, große Brötchen in ihren leicht klebrigen Fingerchen zu halten, aber denen ist doch egal wie du guckst.”
Na, da lag ich aber falsch. Dieses Video zeigt das Still Face-Experiment. Die Mutter guckt eine kurze Zeit lang neutral und reagiert nicht auf das Kind. (Ab 1:36, wenn die Mutter in dem Experiment es merklich nicht mehr aushält, bricht einem übrigens, sollte man über eins verfügen, das Herz.)
Liebe ist etwas erstaunliches. Es sollte mehr davon geben.

Hier noch eine ausführlichere Version über die Auswirkungen.


15
Mrz 10

Das WTF zum Abend


15
Mrz 10

Die einzig mögliche Antwort auf Frauenarzt: Carlos die Klinge

Mein Nachbar Hiob ist der wütendste Mensch unter der Sonne. Oft wirkt es, als brülle er auf jemanden ein, aber wenn man dann bei ihm klingelt, stellt sich heraus, dass er allein ist. Er beklagt sich beim Dasein über sein Sosein, er schreit seinen Schmerz über seine Arbeitsbedingungen und seinen Kater, der immer noch nicht gelernt hat, sich selber den Hintern abzuwischen, und seine respektlose Chefin und all die Fotzen sowieso und über das wenige Geld und die vielen Schulden und die allgemeine Aussichtslosigkeit und das Alleinsein und die ganzen Leute und das Finanzamt und die Sparkasse und die Regierung gegen die Wände.
Und drei Mal im Jahr, wenn alles nichts mehr hilft, dann legt er Frauenarzt und Manny Marc auf und singt. Hey, was geht ab, wir holen die Meisterschaft. In diesem Jahr natürlich: Hey, was geht ab, wir steigen niemals ab.
Man kann kaum unangenehmer geweckt werden. Aber jetzt habe ich was dagegen.


15
Mrz 10

Das Evolutionsbaby sagt: Kein Scheiß

Auch eine mögliche Lehre aus dem, was zur Zeit rauskommt: Kindern grundsätzlich nicht so viel Unsinn erzählen.

„Susi Neunmalklug erklärt die Evolution” ist im vergangenen Jahr erschienen.


12
Mrz 10

Eine kleine Korrektur

Kein Problem. Eine kleine Korrektur nur, sagt die Lektorin, hier noch einen Übergang machen, da ein bisschen kürzen, dort das Thema von oben noch einmal aufnehmen.
Ich setze mich sofort dran, gerade noch einen Kaffee, in der Küche macht die Katze ein seltsames Geräusch und ich versuche herauszukommen, was es bedeutet. Es gibt tatsächlich keine Seite im Netz, die zuverlässig Katzenzirpen übersetzt. Ich erinnere mich, dass ich ihr genau an dieser Stelle, wo sie das Geräusch gemacht hat, einmal Hairballs gegeben habe und gehe rasch welche einkaufen, beim Spaziergang kommen ja sowieso die besten Einfälle. Sonnenschein, frische Luft, jetzt weiß ich sogar, wie ich diesen Übergang machen muss, bloß Worte dafür fehlen mir noch, ich könnte mit einer Konjunktion beginnen. Ich lege die Hairballs auf das Band und frage die Kassiererin, warum man nicht ein Wellness-Geräusch anstelle des nervenzerfetzenden Piepens der Scannerkasse gemacht hätte und wie sie das eigentlich aushalte. Sie sagt, an der Wellness der Mitarbeiter sei die Geschäftsleitung nicht interssiert, aber es gehe schon, sie höre das beinahe nicht mehr, nur Nachts töne es halt etwas nach. Continue reading →