31
Dez 09

So basteln Sie sich einen Partyhit für Silvester

Für einen Partyhit, der alle Sinne anspricht, benötigen Sie Zutaten aus den Bereichen Disco, Northern Soul, Wave, Science-Fiction, Funk und Pop. Ich wünsche Ihnen viel Freude bei Ihrem Silvesterpunsch der akustischen Art und alles Gute für das Jahr 2010.
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15
Dez 09

Eine wirklich wahre Weihnachtsgeschichte

Jeschua wurde um das Jahr 750 ab urbe condita geboren. Seine Mutter war eine warmherzige Glucke, etwas naiv, aber stets drauf bedacht, dass es dem kleinen Jeschua an nichts fehlte. Die Ehe mit ihrem viel älteren Mann war kalt, aber sie beschwerte sich nicht, denn sie hatte ja ihren Augenstern, den sie anbeten konnte. Sie mochte gar nicht aufhören, ihn zu stillen, erst als er vier Jahre alt war, musste sie ihn von der Brust verstoßen, weil sie wieder schwanger geworden war. Obwohl sie doch ihren Mann, den sie vor Jeschua manchmal „den alten Trottel” nannte, immer bat, bitte aufzupassen.
Jeschua war ein gutmütiges Kind, aber er litt schrecklich darunter, dass ihm nicht mehr die ungeteilte Aufmerksamkeit seiner Mutter zuteil wurde. Er bemühte sich jetzt mehr um seinen Vater, machte sogar ein paar Ansätze, ihm in der Werkstatt zu helfen, aber der Vater blieb ihm immer fremd.
Jeschua hatte jedoch den scharfen Verstand seines Vaters geerbt und lernte sehr früh lesen und verschlang von da an religiöse Schriften. Es gab halt nichts anderes zu lesen. Mit den Jahren beschränkte er sich nicht mehr darauf, nur zu lesen, er dachte nun auch nach. Und ihm fiel auf, dass das alles Unfug war. Der, der das alles geschaffen hatte, den wundervollen See, der sie alle mit Fisch versorgte, die Schafe, die ihnen Milch gaben, ja sogar das Himmelsgewölbe und den Sonnenschein – der sollte ein kleingeistiger Krämer sein, jemand, dem man seine Vorhaut opfern musste und den interessiert, was man am Sabbat treibt, als sei er ein pedantischer Nachbar und nicht so etwas wie ein liebender Vater?
Er nahm nun häufig Drogen und je mehr er Drogen nahm, desto klarer wurden seine Gedanken. Was bräuchte man ein Himmelsreich, wenn doch die Menschen einander den Himmel auf Erden bringen könnten, würden sie sich nur lieben?
Wenn man die Römer, die ihnen allen immer zusetzten mit brutalen Strafen und erdrückenden Steuern, wenn man die lieben könnte wie man sich selbst liebt und die Römer liebten einen zurück, dann bräuchte gar kein Messias kommen, dann hätte jeder schon sein Plätzchen im Garten Eden.
Irgendwann beschloss er, mit den Drogen aufzuhören und stellte fest, dass er seine Ideen immer noch überzeugend fand. Also brachte er sie unter die Menschen.
Aber die reagierten gelangweilt.
„Römer lieben? Da kann ich ja gleich ein ägyptisches Krokodil zur Gemahlin nehmen“, riefen sie ihm hinterher, wenn sie ihn aus der Stadt jagten. Gerade einmal zwölf Menschen überzeugte er mit seiner Botschaft von der Liebe, einer von ihnen war Scha´ul, der einzige von seinen Anhängern, der klüger war als er selbst.

Scha´ul sagte, dass das so nicht weitergehe. Unter all den Auserwählten, die die Straßen Jerusalems verstopften, bräuchte Jeschua ein Alleinstellungsmerkmal. Er solle mal ein bisschen kreativ mit seinen Daddy-Issues umgehen und wieder mit dem Kiffen anfangen, den Rest werde er dann schon erledigen.

Jeschua und seine Schar machten ab da also mehr Hokus Pokus, die Botschaft mit der Liebe wurde nur noch im Subtext verabreicht, unter wilden Geschichten, die Jeschua sich bekifft ausgedacht hatte. Er machte einige Konzessionen an den konservativen Zeitgeist und löschte die Sexualität vollständig aus dem Programm, das ganze Kiffen hatte sowieso eher libidohemmende Wirkung, aber im Kern blieb er dabei: eigentlich is all you need Love.

Einmal stieß er auf eine Menschenmenge, die gerade dabei war, eine Dirne zu steinigen. Da machte er etwas, das vielleicht das Schönste war, was je ein Mensch getan hatte: Er stellte sich vor die Frau und rief dem Pöbel in Erinnerung, dass jeder von ihnen schon einmal gesündigt hatte und niemand sich anmaßen könne, über einen anderen zu richten. Der Pöbel schrie: „Du kannst mich mal, ich geb dir gleich Sünde, ich übertrete nie ein Gebot, du Hippiearschloch!“ und der örtliche Ältestenrat brüllte: „Und ob wir richten können, wir sind nämlich die Richter, du Penner!“ und dann zerrten sie ihn weg und gingen wieder ihrem Freizeitspaß nach, indem sie die Dirne zu Tode steinigten.

Jeschua war von da an nicht mehr derselbe. Er glaubte nicht mehr an das Gute im Menschen und hatte gar keine Lust mehr zu predigen, aber Scha´ul sagte „Jetzt erst recht, außerdem habe ich einen Werbevertrag mit Vinejuice Galore, dem führenden Hersteller alkoholischer Getränke, gell, du sagst doch, Wein sei okay, ich habe dir doch extra die Rede mit dem Weingarten geschrieben!“ und Jeschua ließ sich widerwillig drauf ein.

Wegen irgendeiner Lappalie wurde er dann verhaftet, wahrscheinlich hatte er sich am Sabbath beim Fluchen erwischen lassen, wegen eines Formfehlers fiel die Strafe dann drakonisch aus. Seine Jünger munkelten, es sei eher so eine Art Suicide by Cop gewesen, aber so genau weiß das niemand.
An seinem Grab sagte Scha´ul, die Menschen seien einfach noch nicht bereit für die Liebe gewesen, aber das werde sich bestimmt bald ändern, dann werde es keine Völker mehr geben, die die anderen demütigen und keine Todesstrafen und keine Kollateralschäden und keine abwesenden Väter.


02
Dez 09

Falco – You only die twice, the Money never lies

Ist es wohl möglich, die Erinnerung der Nachwelt an Falco so dermaßen zu beschädigen, dass man seiner als eine Art rappender Peter Maffay gedenken wird? Dieser Aufgabe haben sich Falcos musikalische Nachlassverwalter gestellt. Und man kann nicht behaupten, sie hätten es leicht gehabt. Schließlich hat Falco sich seit jeher zwischen Kunst, Schlager und Trunkenheit am Mikrofon bewegt. Von einem Lied wie Urban Tropical weiß ich noch nach 20 Jahren nicht, ob Falco sich einfach in den Sampler übergeben hat oder das Lied nicht doch eine der ganz großen deutschen Drogenhymnen ist. Das Allermeiste, was Falco produziert hat, war einfach Füllmaterial für Alben und als Falco schließlich Kirmes-Techno für sich entdeckt hat, da fror man vor dem Bildschirm aus Mitleid – und doch war da meistens noch etwas spezifisch Beschädigtes, verdruckst Größenwahnsinniges, was dem scooterigen Sound etwas mitgab und ihn heraushob aus dem eigenen Dreck. Liebhaber von Falco sind also nicht leicht zu verunsichern durch unterproduzierte, überinstrumentalisierte Stangenware mit Durchfalllyrik. Hauptsache, es ist noch etwas Falco drin.
Die Produzenten des neuen Albums haben es gegen alle Wahrscheinlichkeit geschafft. The Spirit never dies, der letzte Teil von Jeanny, ist da und man möchte seine Ohren einem befreundeten Nervenarzt zu treuen Händen geben, damit man ihnen nichts antut.
Es ist nichts Anrüchiges dabei, ein Grabräuber zu sein. Aus dem Straßenköter Tupac haben Plünderer einen West-Coast-Roland-Kaiser gemacht, Notorious BIG wurde zu einem künstlich am Leben gehaltenen Geldspeicher, der über Schlagerhits aus den 70ern vor sich hinbrummelte, Elvis machte Retortenhouse – alles völlig in Ordnung, The Money never lies. Falco allerdings ist beinahe gestorben durch diesen Gewaltakt. Man wird sich nun einschließen und den Kommissar auf Endlosschleife spielen müssen, um ihn wiederzubeleben.

Hier nun Jeanny III.


Supertalent Videos vom Casting bis zum Finale bei Clipfish

via Mathias Richel

Oh, Pardon, hier natürlich:


02
Dez 09

Die Piraten und das Minarett

Heute, da jeder Fußballverein und wahrscheinlich sogar Hertha BSC Berlin über eine Philosophie verfügt, da möchte die Piratenpartei postideologisch sein.

Politik ohne Richtung, das ist auf Dauer wie Denken ohne Hirn. Erst fühlt man sich noch seltsam befreit und dann bekommt man auf einmal gesagt, dass man nur noch Unsinn redet und es ruft auch keiner mehr an oder macht bei Petitionen mit. Wenn es erst einmal soweit ist, nutzt es auch nichts mehr, dass man nachschiebt, man sei in Wahrheit ja ein Linker, der manchmal rechts abbiegt.

Weiter in der Netzeitung.