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Dez 08

Drogenführer Teil III: Legal erhältliche Naturdrogen

Teil I
Teil II

Alle legal erhältlichen Naturdrogen (deren Zahl recht unüberschaubar ist, weshalb ich mich hier auf einige Beispiele beschränke) haben gemeinsam, dass ihre Wirkung nicht abzusehen ist. Obwohl sie legal sind, werden sie nicht häufiger konsumiert als die illegale Droge Ecstasy:

2004 kam die Drogenaffinitätsstudie der BZgA zum Ergebnis, dass etwa gleich viele Zwölf- bis 25-Jährige Erfahrungen mit psychoaktiven Pilzen und Pflanzen gemacht hätten wie mit Ecstasy: jeweils rund 4 Prozent.

Stechapfel

Die Rauschwirkung des Stechapfels wird durch Scopolamin ausgelöst. Sie soll dem Vernehmen nach ungefähr so angenehm sein wie eine Chemotherapie in einer Dunkelkammer und vermutlich gibt es nur Erstkonsumenten. Es heißt ja, man müsse alles einmal ausprobiert haben, aber bevor man Stechapfel konsumiert, sollte man zunächst einmal an einem Stierkampf teilgenommen haben, möglichst als Stier.

Ein ehemaliger Kommilitone von mir, der durch den berühmten Stechapfel-Fall (NStZ 1985, 25 f.) auf die Droge aufmerksam wurde, schreibt:

Also wie sich das für einen Drogen-Experten gehört, muss ich mit dem Setting anfangen. Freitag- oder Samstagabend vorm Weggehen war ich allein zu Hause und hab mir so einen Tee gebraut. Erwähnenswert ist vielleicht, dass ich von der NJW dazu angestiftet wurde und auch das Rezept daraus hatte. (NJW wird aber wohl trotzdem nicht verboten.)

Ich also so nen Tee getrunken und wie immer nix gemerkt. Mir war nach ner Weile n bisschen mulmig und vielleicht auch schwindelig, aber nur ganz leicht und nicht so auf die breite Art. War mir der Sache nicht ganz sicher. Ich bin dann auf zum H., wo alleine Freunde schon fleißig gesoffen haben. Ich bin langsam und behutsam gegangen, irgendwie fühlte ich mich nicht breit, aber mir war die Sache nicht so ganz geheuer. Mein Mund war wahnsinnig trocken, aber Bier konnt ich keins trinken. Ich hab mich dann eher schüchtern zu den anderen gesetzt und als ich dann so was sagen wollte wie „Ich habe gerade einen Stechapfeltee getrunken“, kam das nicht raus. Hab nur leise was angesetzt zu sagen. S. guckt mich an und rallt, dass irgendwas nicht stimmt und platzt raus „Ey Junge, du bist ja total breit“ und ich sitz nur da und reagiere mit einem etwas verlegenen Lächeln. Da merkte ich, dass ich irgendwie gelähmt war. Also deutlich unter Einfluss, aber nicht enthemmt wie beim Saufen oder abgespact wir beim Kiffen oder irre wie beim Acid oder aufgedreht wie beim Extasy. Sondern gelähmt.

Dann machte auch der NJW-Drogenratgeber wieder Sinn. Die standen doch auch einfach nur neben ihrem Kumpel, der im wadenhohen Wasser ertrunken ist. Gelähmt.

Hab das nicht nochmal gemacht und wüsste auch nicht warum, es sei denn, ich müsste 6 Wochen auf nem Sklavenschiff unter Deck verbringen. Aber wer gern Valium nimmt, dem gefällt vielleicht auch Stechapfel.

Eine andere Bekannte hat einfach mehrere Stunden mit jemandem geredet. Klingt undramatisch, wird aber durch die Tatsache interessanter, dass niemand im Raum war.

Dem jungen Mann in dem Video geht es ebenfalls nicht so gut.

Muskatnuss

Ich hielt es immer für eine Legende, dass Muskatnuss eine Wirkung haben soll. Wenn man es schafft, genug zu sich zu nehmen (der Geschmack soll außerordentlich ekelerregend sein), entfaltet das in der Muskatnuss enthaltene Myristicin seine Wirkung.

Ein Leser schreibt:

Es passierte ungefähr eine halbe Stunde nichts, so dass ich auch nicht mehr mit irgendeiner Wirkung rechnete. Der Fernseher war zufällig an und es war alles wie immer.
Irgendwann hatte ich dann das merkwürdige Gefühl, dass der Sprecher mich direkt anspräche. Ab da bemerkte ich, oha, jetzt gehts doch los. Der widerliche Geschmack der Nüsse kam auch wieder und ich fühlte mich generell nicht wohl.
Es hatte was von der leicht paranoiden Verstimmung auf Cannabis, wenn ihr wisst was ich meine… Negative Gedanken, depressive Grundstimmung, Grübeln. Es war alles in allem gut, dass ich allein war in dem Moment. Ich löste mir ein bisschen Ascorbinsäure in nem Wasserglas auf, daraufhin wurde der “Trip” angenehmer.
Insgesamt nicht zu empfehlen.

Es gibt einige Videos auf YouTube, die die extreme Länge und Willkürlichkeit der Wirkung bezeugen. Das Video, das ich rausgesucht hatte, ist leider schon wieder gelöscht worden. Auch der dort gezeigte Trip war eher unangenehm und vor allem: Er dauerte, wenn ich mich recht erinnere, zwei Tage.

Spice

Um Spice wird momentan reichlich Wirbel gemacht, was dazu führen dürfte, dass die Besitzer der Läden, die diese Mischung verschiedener exotischer Naturdrogen anbieten, von der allgemeinen Krisenstimmung noch eine Weile verschont bleiben.
Der Spiceladen schreibt:

Alle hier aufgeführte Produkte sind zum Verräuchern bestimmt, und nicht zum inhalieren oder zur oralen Aufnahme. Falls Sie dennoch beabsichtigen diese Produkte andersweitig zu verwenden, bitten wir Sie hiermit Ihren Einkauf abzubrechen.

Ein Leser hat die Produkte anderweitig verwendet:

Spice gibt es in drei Varianten – oder besser: Güteklassen. Silver mutet mehr als Abfallprodukt der Gewürzmischung an und enthält sogar noch kleine Ästchen. Gold ist annehmbar und für den weniger Betuchten die Wahl, während Diamond qualitativ am besten die schnellere sowie größere Wirkung erzielt. Die Wirkung kann sich sehr unterschiedlich auswirken, fängt aber meist mit einem Lachflash (Auslöser oft Banales) an und geht weiter bis zu Dingen die man zu sehen glaubt, die aber nicht exisitieren (zB. Vögel die einen angreifen – nicht selbst erlebt). Die Dosis dazu muss aber recht hoch sein. Um eine angenehme und unterhaltsame Phase zu haben, ohne sich abstürzen zu lassen, reichen 3 g. Am besten Pipe oder Joint. Ich bevorzuge Pipe.

Ein weiterer Leser schrieb mir:

Meine Erfahrung beziehen sich auf etwa vier Gramm Spice Gold, geraucht jeweils im dicht gestopften Blunt als ca. 1:3 Spice/Knaster Mische. Ab etwa 1 Gramm für mich alleine gibt es definitiv einen leichten Flash, sehr angenehm übrigens. Unterscheidet sich etwas vom THC-Flash, aber nicht grundlegend. Problem: Gras ist viel billiger (weil man weniger braucht), wirkt besser und ist gut erforscht. Bei Spice weiß man nicht, was man raucht und wie es wirkt. Gruselig, aber allemal eine Alternative, wenn es legal sein muss oder man grad kein Gras da hat.

Psylocibin ist seit 2005 verboten und wird daher unter illegalen Halluzinogenen behandelt.

Man sieht: Nicht alles, was legal ist, sollte man brauen, essen, schnupfen oder rauchen. Aber Skeptiker der Drogen-Legalisierung sollten sich vor Augen führen: Die meisten Menschen sind von Natur aus nicht wahnsinnig genug, mit Drogen zu experimentieren. Oder hat sich Eure Mutter schon eimal verschämt Muskatnuss aus dem Mundwinkel gekratzt, wenn Ihr sie in der Küche überrascht habt?