Ismismus – Sagt seltener sexistische Kackscheiße

Sagt seltener „sexististische Kackscheiße“. Sagt seltener „rassistische Kackscheiße“.

Wenn man jemandem sagt, dass das, was er gesagt hat, rassistisch sei oder sexistisch, dann gibt es drei Möglichkeiten: Er geht in sich, lernt etwas über die Problematik und passt von nun an auf, was er sagt. Er wollte genau diesen Effekt erreichen und sieht sich bestärkt. Oder er ist beleidigt.

Die dritte Reaktion ist die übliche. Blöd, nicht wahr?
Es versteht nicht jeder, dass er kein Rassist sein muss, um rassistisch zu handeln, es hat sich nicht jeder mit Strukturen beschäftigt, die er jetzt verstärkt, er ist einfach nur beleidigt, wenn er mit einem Wort in Verbindung gebracht wird, das er benutzt, wenn er in den Nachrichten hört von Leuten, die jemanden totgeschlagen haben nur wegen seiner Hautfarbe.

Ich bin darauf gekommen, diesen Hinweis zu schreiben, als ich gerade auf Facebook gelesen habe, wie man wohl die Ernst Neger Bedachungs GmbH darauf hinweisen sollte, dass sie ihr Firmen-Symbol sehr unglücklich gewählt haben. (Link zu neger.de)

Alle, die sagen, dass Rassismus nicht da beginnt, wo jemand tot am Boden liegt, die haben absolut Recht, das ist überhaupt keine Frage. Man muss sich nur fragen, was man mit dem Vorwurf erreichen will. Will man die eigenen Truppen schließen? Dann kann man immer mit über das Ziel hinausschießendem Vokabular agieren.
Möchte man mit einem Menschen reden, dann sollte man klüger vorgehen.

Warum nicht jemandem, der unsensibel spricht, erklären, weshalb diese Art von Sprache Menschen verletzt?

Nun gilt der Wunsch nach Erklärung als klassische Derailing-Strategie, weshalb ich mich hier auf dünnem Eis bewege, ich habe jedoch immer erlebt, dass die Erläuterung auch offensichtlichst scheinender Sachverhalte für die Leser und vor allem für einen selbst ein Gewinn ist. Ob ich nun über ein Pädophilenforum geschrieben habe oder die NPD oder die Frage, warum man Mörder nicht umbringt. (Ich habe nur Artikel aus meiner Anfangszeit als Blogger ausgewählt, als ich also das Bloggen noch mehr oder weniger als Hobby betrieben habe, damit nicht der Vorwurf kommt, man könne in seiner Freizeit nicht wieder und wieder von Null anfangen bei seinen Erklärungen).

Nun ist es natürlich eine wunderbare Sache, in jedem Werbeplakat einen Sexismus zu sehen oder Exotismus oder Wasweißichismus. Da kann man dann saftig reinkloppen und mit Sicherheit bekommt man vier oder fünf Kommentare, die sagen: Ha, genau.

Das ist in etwa so hochpolitisch wie die Konsensplakate, die in den Achtzigerjahren in allen AStA-Büros hingen: dort war Helmut Kohl eben ein Nazi, was in seiner Schlichtheit zwar ein gutes Gefühl beim Betrachten brachte, aber den Erfolg hatte, dass Kohl immer und immer wieder gewählt wurde.

Macht man sich die Mühe nicht, ist es Masturbation.
Es ist ein ganz ernstgemeinter Schreibhinweis: Benutzt möglichst keine Ismen (ich habe es selber viel zu oft getan). Ihr macht es euch damit zu einfach, Ihr kürzt Eure eigenen Denkprozesse ab, Ihr seid letztlich zu faul.
Für jedes hingerotzte „sexistische Kackscheiße“ stirbt ein Gedanke.

57 comments

  1. Wenn jemand kackscheisse sagt disqualifiziert erst sich damit bei mir sofort selber, denn dieses eher infantile Wort wird eigentlich NUR von Leuten verwendet die sich gerne aus Prinzip aufregen, nicht von denen die wirklich von so einem Problem betroffen wären. In dem Sinne: Am besten gar nicht mehr Kackscheisse sagen. Und nicht mehr über Dinge aufregen die euch nicht betreffen, wo nichteinmal das vermeintliche opfer ein Problem sieht.

  2. Es ist einfach zu schön:
    https://twitter.com/KapuzenAuf/status/235633063567167488

    @HighOnCliches RT @fasel Herrklärungsmalte belehrt wann man was sagen darf und wann’s zu viel ist. #donotwant

  3. Ich denke, diese, nennen wir sie „Antifa-Sprache“ (und das soll nichts generelles zur Antifa aussagen, sondern nur zeigen, wo das wohl herkommt) hat schon etwas aufgebrochen. Viele sind nicht differenziert, aber es ist nützlich, dass sich heute mehr Personen als früher mit „Feminismus“ bzw, präziser hier, „Antisexismus“ identifizieren.

    Aber für die tiefergehende Kritik ist so ein Holzhammer, ein Kackehaufen ins Gesicht natürlich kontraproduktiv. Und auch, um Personen zu überzeugen, die den Argumenten nicht zustimmen. Weil, ein Argument ist das ja nun mal nicht. Sondern nur ein Label.

  4. Ach naja. Man soll die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich Menschen weiterentwickeln. Dazu sieht man ja auch schon Ansätze:
    „Mit diesem Tweet hat der Netzfeminismus den Übergang von der analen in die orale Phase vollzogen: http://bit.ly/JSuC03
    https://twitter.com/xbg/status/197656606018777088

  5. Sehe das wie John. Und ratet mal, wie ernst dich Leute aus der Generation unserer Eltern oder Großeltern nehmen, wenn du ihnen mit dem „Argument“ der rassistischen Kackscheiße kommst um ihnen zu erklären, warum sie z.B. nicht mehr Mohrenkopf oder Negerkuß sagen sollten. Wer schreit und/oder Fäkalsprache benutzt hat automatisch an Autorität und die Diskussionshoheit verloren, und wenn er im Kern noch so Recht haben mag.

  6. Unsere Großeltern kennen sich ja mit Rassismus & Sexismus eigentlich gut aus.

  7. Verstehe das alles nicht – die feministische / antirassistische Szene ist doch selber voll mit Rassisten und Sexisten. Wieso sollte man sich von denen was erklären lassen?

  8. Ich halte solches Name Calling („Kackscheiße“) weniger für Faulheit als für einen Soziolekt: Es drückt eine Zusammengehörigkeit in eine bestimmte peer group aus. Genauso lässt sich der Habitus interpretieren, jemandem Irgendwassismus vorzuwerfen und gleichzeitig aber die Erklärung zu verweigern.

    Das ist sogar menschlich und verständlich, aber einen wie auch immer gelagerten Diskurs bringt so etwas bestenfalls zufällig voran.

    • Sach m kannste ooch deutsch reden? Das versteht ein handelsüblicher Akademiker doch nicht was Du da von Dir gibts…

  9. Um mal vom dem Werbeplakat wegzukommen – die Utopie wäre ja, sich in einer Welt zu bewegen, wo eine wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit/Gleichheit für alle herrscht. Radikal und für jeden gültig. Vielleicht beflügelt das letzten Endes dann doch wieder die Kunst. Womöglicherweise auf einer uns noch völlig unbekannten Ebene.

  10. An einem Diskurs ist in der angesprochenen Szene eh niemandem gelegen – aus dem einfachen Grund, dass nicht das Gesagte gewicht hat, sondern der Sagende bzw. dessen Diskriminierungen.

    Und Diskriminierende sind ja per Definition Privilegierte. Und mit Privilegierten diskutiert man nicht, da die Aufgabe des Privillegierten das Zuhören ist. Das Bilden einer eigenen Meinung ist im Konstrukt der Definitionsmacht nicht vorgesehen.

  11. „sexistische kackscheiße“ als Bezeichnung hat etwas infantiles.

    Es ist schade, dass es häufig als alleiniges Argument gebracht wird und damit für viele bereits die Argumentation und auch die Diskussion beendet ist.

    Ich denke auch, dass es dann eher um Bestätigung und Identitätspolitik geht und ich bedauere, dass mit diesem Kampfbegriff eine Auseinandersetzung in der Sache gerne unmöglich gemacht wird.
    Gerade in der inflationären Verwendung, die der Begriff leider momentan erfährt, scheint alles sexistische Kackscheiße seien zu können, was sich irgendwie als traditionellen Geschlechterverhalten bezeichnen lässt oder Unterschiede zwischen den Geschlechtern zeigt

  12. Klar Situationen sind immer anders und ein klärendes Wort hier und da können nicht schaden.
    Aber wenn 2 und 2 oft genug 4 war, nunja, dann zählt man halt nicht mehr jedes mal nach, sondern sagt gleich 4.

    Es ist natürlich auch nett jetzt den „rassistische/sexistische Kackscheiße“ Rufern erklären zu wollen, das das total unproduktiv ist, was sie da tun.

    Dürften sie aber auch selbst wissen, die sind ja nicht doof.
    Aber gleichzeitig dürfte man auch mal weiter denken und sich fragen, wo dieses „rassistische/sexistische Kackscheiße“ rufen herkommt, wenn wir mal unterstellen, das es sich dabei nicht um dumme Menschen handelt.

    Tipp: Als Einzelperson/kleine Gruppe gegen gesellschaftliche Strukturen anzugehen kostet Kraft. Kraft, die man Tag ein Tag aus damit verbringt Menschen nicht den Hals umzudrehen, weil der 100. jetzt erklären möchte, warum dieses und jenes nicht rassistisch/sexistisch war und man ihm wieder höflich seine Argumente auseinander nehmen soll, bis er es kapiert oder der nächste Maskulinist um die Ecke kommt, um dazwischen zu grätschen.

    Und irgendwann platzt die Geduld und im Zweifelsfall ist „rassistische/sexistische Kackscheiße“ dann der letzte Hilferuf à la „ich habe hier was entdeckt, aber ich habe nicht mehr die Nerven, es auszufechten, bitte nehme sich jemand anders dessen an, ich will das so nicht stehen lassen“

    Auch du lieber Malte bist herzliche eingeladen auf diese Hilferufe zu reagieren und zu erklären, weshalb diese Art von Sprache Menschen verletzt?

    Danke

  13. […] Welding hat da so einen Text geschrieben, über Ismismus und warum man seltener “Kackscheiße” sagen soll. Denn der […]

  14. Danke Papi, dass du mir so schön die Welt erklärst. Alleine wäre ich da gar nie drauf gekommen!

  15. Kein Ding, Mutti.

  16. […] Welding hat einen Post veröffentlicht indem er dazu aufruft weniger sexistische Kackscheiße zu sagen. Ich kann den Ansatz den Malte verfolgt deutlich verstehen, doch der Post geht gar nicht. Beispiel […]

  17. Ich finde „Rassistische Kackscheisse“ durchaus angemessen. Gerade zur EM habe ich das wieder benutzen müssen, als so ein „Rassistisches Arschloch“ sich über Gerome Boateng hergemacht hat.

    Zu Deiner Kernaussage nur soviel: „Warum nicht jemandem, der unsensibel spricht, erklären, weshalb diese Art von Sprache Menschen verletzt?“ – das kannst Du vielleicht an Dir selbst beobachten, wirkt bei Mobbing in der Schule ähnlich, dann verlangen diejenigen, die Mobben auch noch von den Verletzten und Gedemütigten, dass sie sich gefälligst „mäßigen“ und „erklären“ – und schwupps (das hast Du ja selbst verlinkt) wirkt Ausgrenzung wieder.

    … und am Ende ist das wohl so, so verstehe ich das, dass man beim 200.ten Mal einfach nicht mehr kann. Da haut man dem Arsch in die Fresse, verbal oder anders – oder man zieht sich zurück – ich kann das gut verstehen.

  18. Sicher macht es beim Fußballgucken Sinn jemanden zu sagen, dass er ein rassistisches Arschloch ist. Aber die Situation die Malte beschreibt, findet ja in der Regel in Blogs / auf Twitter statt, wo durchaus Zeit bestehen würde zu erklären – zumal ja viele auch echtes Interesse daran haben. Und wenn dann nach Erklärung gefragt wird, wird das mit dem angesprochenen Derailing abgewiesen und auf die Definitionsmacht verwiesen. Klar – kann man machen. Aber führt halt zu nix. Abgesehen von der angesprochenen Masturbation.

  19. Frei nach einem Filmzitat aus „Thank you for Smoking“

    In der Regel will man nicht den überzeugen, mit dem man diskutiert, sondern alle anderen die zuschauen.

    Die Meinung einer Person per direkter Diskussion mit ihm zu beeinflussen, halte ich für seeehr unwahrscheinlich.

    Trotzdem kann man natürlich darüber nachdenken, ob es eine gute Idee ist Sprache auf niederem Niveau zu benutzen.

  20. Johannes 'fish' Ziemke

    „-istische kackscheisse“ ist der verbale Schlag in die Fresse. Der soll den Addresaten nicht „umdrehen“. Er soll ihm einfach zeigen, dass er für dieses Verhalten (wenn auch verbal) auf die Fresse bekommt.
    Das mag mal mehr oder mal weniger sinnvoll sein.

    Ich bin mir sicher, dass das nicht Maltes Absicht war, allerdings finde ich es problematisch, dass jetzt dieses Verhalten als grosses Problem dargestellt und die „Rassisten“ und „Maskulinisten“ implizit als Opfer einer infantilen Hetze darstellt werden.

    Ich denke das Problem ist nicht der „infantile“ Umgang mit dem Problem, sondern die große Akzeptanz des „latenten“ Rassismus und Sexismus. Natürlich kann man sich in dieser oder jenen Gruppe durch ein lautstartes „sexistische kackscheisse“ positiv darstellen. Aber selbst ich, der sich in einem ziemlich deutlich linken Spektrum einordnen würde, bekommen trotzdem aus der peer group eher ein „reg dich nicht so auf“, „ist doch nur Spaß“, „nicht so verbissen sein“ wenn ich mich über Fussballnationalismus oder Mario Barthschen Humor aufrege.

    Schreihälse im Internet gibt es überall, jeder couleur. Was ich aber viel schlimmer finde: Es gibt viel zu wenige „Bildungsbürger“, viel zu weniger „Vorbilder“ die Menschen mit rassitischen oder sexistischen Einstellungen zeigen: Das geht zu weit. Hier überwiegt der Egoismus. Ja nicht anecken, ja keinen Chance verbauen, mit möglichst vielen Menschen das Netzwerk halten.

    Kurz gesagt: Ich will mehr Mut zu „sexistische kackscheisse“. Und zwar nicht von irgendwelchen anonymen Namen unter YouTube Videos oder in Blog Kommentaren. Ich will Politiker, Manager, Journalisten, Musiker die sich öffentlich so äußern. Ich will Talkshows in denen man Sarrazin keine Bühne einrichtet sondern ihm sagt, was für ein Arschloch er ist und dass seine Argumente es nicht Wert sind diskutiert zu werden.

  21. „“-istische kackscheisse” ist der verbale Schlag in die Fresse. Der soll den Addresaten nicht “umdrehen”. Er soll ihm einfach zeigen, dass er für dieses Verhalten (wenn auch verbal) auf die Fresse bekommt.“

    Johannes, genau damit disqualifiziert ihr euch aber von jeder Diskussion. Leute die so denken, werden mit Recht nicht ernstgenommen. Ist es dir auch nur EINMAL passiert, dass jemand auf den Vorwurf des -ismusses hin irgendwas geändert hat? Wohl kaum.

    „Ich will Talkshows in denen man Sarrazin keine Bühne einrichtet sondern ihm sagt, was für ein Arschloch er ist und dass seine Argumente es nicht Wert sind diskutiert zu werden.“

    Und genau diese Denke ist Futter für die „Das wird man jawohl nochmal sagen dürfen“-Leute. Die fühlen sich nämlich (wieder, mit Recht) von Leuten wie Dir in ihrer Freiheit eingeschränkt. Damit erschaffst Du Rassisten – weil irgendwann Leute von sich sagen „Oh, dann bin ich wohl Rassist“, wenn Du und deine Kumpane ihnen oft genug sagen, dass „Negerkuss“ sie zu welchen macht.

  22. „Warum nicht jemandem, der unsensibel spricht, erklären, weshalb diese Art von Sprache Menschen verletzt?“

    Wenn man seeeehr viel Zeit und eine Eselsgeduld und die Haut eines Elefanten hat …
    Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass Schmerz zu erklären nichts bringt. Vor allem dann nicht, wenn man selbst betroffen ist und das Gegenüber „schuld“. Vielleicht in einer ruhigen Minute, wenn man sich sowieso nahesteht („in sich gehen“). Vielleicht dann.
    Ansonsten ist es für den/die Betroffene(n) nur weiter verletzend, wenn auf „Das hat mir gerade wehgetan“ Argumente folgen, weswegen es nicht wehgetan haben sollte („War doch nicht so gemeint“, „Jetzt hab dich nicht so“, etc.)
    Was, wenn jemand einem auf den Fuß steigt und sich nicht entschuldigt, wenn man ihn/sie darauf hinweist? Da greift ein saftiger Fluch vielleicht besser als Argumente. „Kackscheiße“ ist immerhin ein derart derbes Wort, dass vielleicht der erste Schock, der „verbale Schlag in die Fresse“ ein Signal sein könnte: Bis hierhin und nicht weiter. Vielleicht erinnert sich das Gegenüber dann beim nächsten Mal daran.

  23. „Sexistische Kackscheiße“ ist ungefähr die Sprachebene, die ich auf den Post-its verwende, die ich über genau solche Werbeplakate klebe. Ich wende mich damit nicht an die produzierende Firma, sondern an alle, die daran vorbeigehen, um sie aufzurütteln. Insofern also eine ganz bewußte Wahl des Registers, das sowohl meine Verachtung ausdrückt als auch Aufmerksamkeit erzeugen soll.

    Christoph: „Damit erschaffst Du Rassisten“

    Es besteht ein erheblicher Unterschied zwischen den Aussagen „Du bist ein Rassist“ und „Was Du getan/gesagt hast, war rassistisch“. Die typische Verteidigungsstrategie von Leuten besteht darin zu sagen „Aber ich bin doch kein Rassist!“. Im direkten Gespräch ist es einfach klarzustellen, daß nicht die Person sondern ihre Tat kritisiert wurde. Wer danach von sich sagt, „oh, dann bin ich wohl Rassist“, der hat den Kackscheißehammer verdient.

  24. Johannes 'fish' Ziemke

    @christoph: Ich habe überhaupt nicht behauptet, dass es darum geht „ernst genommen zu werden“. Es geht darum als Gegengewicht die eigene Position auf den Punkt zu bringen. Offensichtlich bin ich bei dir, allein durch den Versuch einer Erklärung in einer Schublade gelandet. Genau _das_ ist, warum ich den Artikel für problematisch halte. Und ja, es ändert etwas, wenn – wie ich bereits schreibt – nicht nur die üblichen verdächtigen Schreihälse -ismus vorwerfen sondern Vorbilder und Bildungsbürger.

    Und der Sarrazin-nicht-ernstnehmen-schafft-Rassisten ist schon wieder die gleiche Opfer-Logik. Auf das Argument gehört genau so drauf geschlagen. Niemand hat vor Sarrazin seine Meinung zu verbieten. Bedingung für Meinungsfreiheit ist nicht jede Meinung zu akzeptieren. Ich würde auf die Straße gehen, damit Sarrazin seine Meinung weiterhin kundtun darf. Ich will ihm nicht den Mund verbieten, ich will dass seine Argumente so behandelt werden wie es ihnen gebürt: Ignorieren oder in den Dreck ziehen.

  25. Apropos Dachdecker: Dürfte man den besagten Personen eigentlich „Heile, heile Gänschen“ entgegensingen, oder würde das als Beleidigung interpretiert?

  26. […] lustig. Malte Welding erklärt den Antirassist_innen und Feminist_innen, dass es für einen ernsthaften Diskurs nicht […]

  27. […] there is a discussion surrounding the term “sexistische Kackscheiße”. Malte Welding isn’t happy with using it and there are a few people who disagree with him. Attempting to regulate discourses and terminology […]

  28. Man möchte natürlich nicht sein Leid durch andere beschrieben haben. Niemals nicht. Die Annäherungspunkte sind da auch schwierig, aber zum Zuhören gehört beispielsweise auch Nachfragen. Und die Fragen sind vermutlich nicht immer bedacht, da ist nicht alles rahmengemäß – weil jeder aus einem Kulturkreis stammt, der ihn geprägt hat und schon im nächsten Moment von Frager II unterscheiden kann.

    Ich plädiere für behutsame Annäherung. Immer. Wer „behutsam“ nicht kann – der muss das eben lernen. Es ist ein Lebensprozess – ein immerfortwährendes Lernen.

    Was nicht verbietet, die Ansprüche an solche Kommunikationsprozesse hoch zu gestalten. Im Gegenteil – das ist das Muss.

    Es bedarf gegenseitigen Respekts. Großen Respekts.

  29. wie jetzt, rassistische oder sexistische kackscheiße. irgendwie wäre bei einem thema bleiben echt nicht schlecht. beide paar schuhe in einen topf werfen und dann mit der argumentationsgabel fest umrühren. oida fux. aus feministischen standpunkt heraus müßte bis heute diskriminierendes verhalten bei den leuten angekommen sein, und in den meisten fällen, wenn mensch einfach besonders dumm nachfrägt, stellt sich schnell heraus, dass es sehr wohl ein unrechtsempfinden bestünde. (es meistens aber um akzeptanzgrenzen ausloten geht) mir is einfach meine zeit zu schade einen sexistischen shitstorm entgegen zu argumentieren. oder mit faschisten zu diskutieren, dass nazisein so überhaupt nicht nett ist!?!? und hier ein adäquates #wtf, der ausdruck kackscheiße ist ein leicht infantil angehauchter ausdruck, aber auch ein ausdruck von „geht so gar nüscht!!!“ und im beisatz, „ich will darüber nicht diskutieren müssen, du weißt haar genau, dass das way over it is“ oiso warum meine augen bluten lassen, bei solch scheinintellektuellen gefechten.

  30. Ziemlich dämlich jemandem klar machen zu wollen, dass er jemandem vor den Kopf gestoßen hat, indem man ihm selbst vor den Kopf stößt. Merkt ihr nicht, dass so eine aggressive Ansprache natürlich nur zu Trotzreaktionen und Defensive führt? Das ist kontraproduktiv.
    Genau das Gleiche mit Sarrazin. Wenn man ihn aus Talkshows auslädt, dann schüttet man mehr Öl ins Feuer als er selbst jemals könnte.
    Claudia Roth tut mit ihrer Art mehr für das erstarken rechtsextremer Kräfte als es die NPD tut. Lasst die reden und die Leute merken, was das für ein Haufen ist. Mit Nazis muss man diskutieren. Wem das zu anstrengend ist, der kann gerne Karten spielen oder aus dem Fenster gucken, aber dann darf er sich eben auch nicht Antifaschist nennen. Was denkt ihr denn? Das zweimal Rassist brüllen hilft den Rassismus überall und für immer abzuschaffen? Dass Steine auf Nazis werfen etwas ändern wird? Wenn es euch zu „anstrengend“ ist dann lasst es einfach und macht es bitte nicht noch schlimmer. Wie will man Menschen resozialisieren, wenn man nicht mit ihnen spricht und sie überzeugt? Menschen werden auch Rassisten, weil sie von irgendwas ausgegrenzt sind und das dann auf Menschen mit anderer Hautfarbe projezieren („Die nehmen uns die Jobs weg“) Wenn man die dann noch weiter ausgrenzt wird es nicht besser, im Gegenteil. Es gibt auch hier leider zu viele die meinen „Niemals mit Nazis disktutieren“ Ja was wollen wir denn sonst machen? Erschiessen? Für immer einsperren? Es kann nur der Dialog sein und der dauert und ist anstrengend.
    In dem man versucht Leute mit ismen zu brandmarken macht man alles nur schlimmer. Wenn ihr euch mal mit ganz normalen Menschen unterhaltet merkt ihr, dass die immernoch nicth wissen, warum „Neger“ eher nicht so ne coole Ansprache ist, sondern die haben einfach nur Angst als Rassist dazustehen. Auch ein Verdienst von euch. Die haben nichts gelernt, sondern einfach nur Angst. So ein Klima ist Gift für wirkliche Entwicklungen.
    Über das Missbrauchspotenzial von ismen brauche ich nicht mehr auslassen, da gibts genug Shitstorms, die sich im Nachhinein als absolut Nichts rausgestellt haben oder sogar von klaren Antirassisten waren, es nur wieder mal falsch verstanden wurde. Je belieber man einen ismus benutzt, desto mehr entwertet man das Wort. Je öfter jemand einfach Rassist genannt wird ohne nachprüfen, desto weniger wird wirklicher Rassismus ernstgenommen. (Die Geschichte von dem Jungen, der immer „Wölfe, Wölfe“ rief.) Sarah Kuttner mal als letztes Beispiel, wo sich auch genug Leute überschlagen haben, ohne die Hintergründe zu kennen.

  31. „mir is einfach meine zeit zu schade einen sexistischen shitstorm entgegen zu argumentieren“
    Dein gutes Recht, aber dann nenn dich bitte auch nicht feminist oder antirassist.
    das hier ist keine wohlfühlveranstaltung, wo man rumheulen kann, das etwas anstrengend ist oder einem die zeit zu schade. wenn du von der sache überzeugt bist wirst du auch kämpfen und motivation finden können, oder in deinem falle eben nicht finden können.
    ich kann doch auch nicht den mount everest besteigen wollen und mich dann über kälte und weite weg beklagen.
    bleib im tal, wir werden den hügel schon noch erreichen, wird halt ein wenig dauern.

  32. kein sorge bin eh feministin und antirassistin. und nehme mir das recht heraus nicht darauf einzugehen, wenn sie nicht einmal versucht haben den kern meines gerülpse zu verstehen. genau diese ignoranz zeichnet gut den stream wieder, welchen sich diskriminierte menschen gegenüber sehen.
    @mike vielen dank dafür, dass sie tagtäglich gegen intoleranz, sexismus und rassismus argumentieren. solche menschen wie sie, bräuchte es öfter!

  33. omg

    btw: Ich brauch Geld!

  34. Hatte ja schon Ferris Bueller gesagt, vor vielen Jahren: Isms in my opinion are not good. Äh, oder so.

    Ansonsten ist ein dahingerotztes „*istische Kackscheisse“ ja auch ein stückweit faschistische Kackscheisse, mit dem primären Ziel, jemanden auszugrenzen und sich selbst als Mitglied einer (hier: moralisch) überlegenen Gruppe hervorzuheben.

  35. Soll ich Malte Welding in Islamabad umbringen? (buchtechnisch)

  36. […] malte-welding-institut für die freundlichere beurteilung rassistischer und sexistischer kackscheiß… stellt vor: das malte-welding-siegel für nicht-so-ganz-okaye inhalte. damit können die […]

  37. Ich lass mich auch nicht gern als ‚Arschloch‘ titulieren.
    Ja was erwarten denn diese Leute bei offensichtlichen Beleidigungen was dann passiert?
    Die meisten Menschen werden sich herabgesetzt und angegriffen fühlen, was ein natürlich die Kackscheisse-Rufer in ihrer Meinung bestätigt.

    Wem Rassismus und Sexismus ein wirkliches Anliegen ist, der wird das Thema auch zum 100 mal erklären, denn er müsste ja eigentlich wissen das wir in einer Gesellschaft leben in der sich die meisten mit dem Thema nicht auskennen.

  38. Mike: Super. Danke.

    wow: „genau diese ignoranz zeichnet gut den stream wieder, welchen sich diskriminierte menschen gegenüber sehen.“

    Wessen jetzt nochmal?

  39. In meiner Welt gibt es keine Rassissten und sie bekommen auch keinen Eintritt.

  40. Ich finde die Kackscheiße-Rufer machen es sich mit „Wir sind aber müde“, „jetzt sollen sich die Opfer auch noch erklären“ und „so ist aber >unser< Vokabular" zu leicht.

    In allen Bereichen des Lebens, in alle kritischen Auseinandersetzungen ist man angewiesen auf einen bestimmten Umgangston.

    Sagt ein Abgeordneter "Scheiße" wird er zurechtgewiesen, aber bei Widerholung verliert er seine Sprechrecht.

    Diskutiere ich mit meinem Vater über Politik und erkläre ihm, dass die Amis mMn Nazis sind, hört er auf mir zuzuhören. Wie übrigens die meistn Menschen wenn man Nazivergleiche bringt. Egal wie passend sie sind.

    Will ich aber z.B. Dinge über Feminismus/Sexsimsus lernen, lerne ich als erstes, dass ich verdammt nochmal zu akzeptieren habe welche Worte einem da ins Gesicht geknallt werden, wie dort gesprochen wird. Oder mich verpissen.
    (http://antiprodukt.de/feminism-for-dudes-from-a-dude-translated-by-a-dude/)

    Mensch soll akzeptieren, dass "die" nun mal so reden. Das ist einfach so.
    Findet Mensch es beleidigend – Pech.
    Aber ich soll doch bitte drauf achten, "die" nicht zu beleidigen, keine Begriffe verwenden die "die" kackscheiße finden.

    Und wenn Mensch dann doch das Maul aufmacht, kommen die so Menschen mit Kommentaren wie "KapuzeAuf", "Melanie" oder die Ruhrbarone mit nicht nachvollziehbarem Sarkasmus und ordentlicher Aggro zwischen den Zeilen.

    Würde Mensch sich jedoch darauf einlassen können eine neutrale und nicht aggressive Sprache zu verwenden, würde Mensch vermutlich auch nicht so viel erklären/verteidigen müssen.
    Funktioniert zumindest auf der ganzen Welt in allen Möglichen Bereichen so.

    Tucholsky sagte: "Sprache ist eine Waffe. Schärfe sie"

  41. Johannes 'fish' Ziemke

    q.e.d

  42. […] mag das etwas seltsam vorkommen. Nun ja. (Nicht irritieren lassen.) Der Begriff hat heute für Gesprächstoff gesorgt. Hier und […]

  43. Kleines Update aus der Heimat:
    In Aachen fährt auch ein Kastenwagen eines Handwerkers namens „Mohr“ rum, mit ähnlichem Logo.

  44. […] Welding hat mal wieder einen Artikel geschrieben, in dem er die Praxis einiger Feministinnen kritisiert. Diesmal geht es um den inflationären […]

  45. Heiliger Bimbam

    Danke für den Artikel.

  46. schon okay, malte, dir war langweilig.

    jetzt ist mir langweilig …

  47. Will Magneted

    Zum Glück weiß das Internet eine Lösung:

    http://kackscheis.se/malte.php?url=http://www.neger.de/

  48. Voll supi erklärt dieses Dingens, Malte! Danke und Flausch!!!!!

  49. Nichts gegen deutliche Sprache – ein braunes übelriechendes Ausscheidungsprodukt kann man durchaus beim Namen nennen – aber KACKscheiße? Diese Doppelung ist wirklich infantil und führt dazu, dass ich das nur noch als unnötigüberflüssig, ekelerregendwiderwärtig und dummblöd, um nicht zu sagen absolut hirnverbranntidiotisch finde, was da so geäußert wird. Verstärkt wird dieses Gefühl noch durch die seltsame Neigung, diesen Begriff anstelle von Argumenten zu verwenden. Es macht müde, immer wieder dasselbe erklären zu müssen? Ach Gottchen, das ist ein Problem, das alle Menschen haben, die sich in irgendiener Weise politisch betätigen oder Aufklärungsarbeit leisten. Wem das zuviel ist, der sollte es halt lassen…

  50. […] mit den fehlenden Ausrufungszeichen und Formulierungsfragen auf. Das ganze anhand der ersten beiden Sätze: Sagt seltener “sexististische Kackscheiße”. Sagt seltener “rassistische […]

  51. Milena,

    „Kackscheiße“ ist kein „derbes Wort“. „Kackscheiße“ ist die Erfindung eines Fünfjährigen, der gelernt hat, daß „Kacke“ und „Scheiße“ ganz böse Ausdrücke sind, und zu dem Schluß gekommen ist, daß ihre Kombination folglich ein noch böserer Ausdruck sein muß.

    Sollte sich das Wort irgendwann in der linguistischen Tretmühle abgegriffen haben, empfehle ich als Steigerung „Kackpißfickwixscheiße“, kurz KPFWS. Am besten zusätzlich mit dem Fuß auf den Boden stampfen. Der Fünfjährige hat längst gemerkt, daß das beim Affektabbau hilft.
    Oder George Carlin fragen.

    Und was das „Argumentieren braucht zu viel Zeit“-Argument angeht: Ich habe von einer tollen Erfindung namens WWW gehört. Da kann man ganze Seiten reinstellen und bei Bedarf verlinken.
    Gut, darauf sind einige Leute auch schon gekommen. Jetzt müßte der Link nur noch statt auf „Derailing for Dummies“ auf „Warum Äußerung X Yistisch ist“ zeigen.
    (Die momentane Praxis hat bei mir nämlich zu der Überzeugung geführt, daß DfD eigentlich „Argumente, die wir auf sachlicher Ebene nicht widerlegen können und deshalb diskreditieren müssen“ heißen sollte. Ist aber natürlich weniger handlich.)

    Bombe 20

  52. […] soon introduce stricter guidelines about how the Twitter API is used. I’d like to give…Ismismus – Sagt seltener sexistische KackscheißeSagt seltener “sexististische Kackscheiße”. Sagt seltener “rassistische […]

  53. Ich muss mich hier mal über meinen Lehrer auslassen… ich hab ja versucht im klarzumachen das seine euserungen mich beleidigen… und ich hab im die möglichkeit gegeben darüber nachzudenken… viel ist nicht passiert! Eigentlich garnix! Das nächste mal bekommt er einen Sexistische Kackscheise aufkleber von mir…

    Eine chance zur besserung sei jedem gegeben… nur blickens die meisten nicht… da helfen nur beleidigende worte… und falls das nicht hilft gibts beschwerdestellen (mein 3ter anlaufweg)

  54. Wer so spricht, zeigt seine Dummheit. Aber das passt ja zu irgendwelchen antideutschen Antifa-Spinnern…

  55. Hirnverbrannte Kackscheiße, verfickte!

  56. […] und- Stiefel- Fetischsten- Vereinigung sein Mir wäre danach hier noch die Phrase “Sexistische Kackscheisse” zu erwähnen – aber das lasse ich lieber. Weiterleiten:FacebookTwitterGoogle […]