Kurze Frage eines Urhebers: Wo ist mein Schotter?

Ich werde von einer Literaturagentur vertreten, die in dem Ruf steht, besonders gute Vorschüsse für die von ihr vertretenen Autoren herauszuhandeln. Zu ihren Klienten zählt eine ganze Reihe von Bestsellerautoren. Und doch sagt mein Agent, kaum einer seiner Schützlinge könne alleine vom Schreiben leben.
Meine Bücher erscheinen bei Piper. Piper gehört neben einer ganzen Reihe von anderen Verlagen und Zeitschriften der schwedischen Familie Bonnier.
Die Bonniers sind Milliardäre. (In ihrer Gesamtheit. Familienintern unterteilen sich die Bonniers in “Den rika”, die Reichen, “Den fattiga”, die Armen, und “Den kåta”, die Geilen.)
Thalia, die zweitgrößte deutsche Buchhandelskette, gehört zur Douglas Holding AG. Die wiederum gehört mehreren Eignern. Darunter die Familie Krekel, die es auf ein Privatvermögen von 500 Millionen Euro bringt, die Familie Oetker, die 6,5 Milliarden Euro ihr Eigen nennt, und die Familie Erwin Franz Müller (0,9 Milliarden). (Alle Zahlen stammen aus dem ManagerMagazin und können von mir nicht garantiert werden.)
Ich weiß nicht, wie groß das Vermögen der Familie Hugendubel ist. Ihr gehört zusammen mit dem Weltbild Verlag die größte deutsche Buchhandelskette. Der Weltbild Verlag ist eine hundertprozentige Tochter der katholischen Kirche.
Der größte Player auf dem weltweiten Buchmarkt ist Amazon. Gründer und Präsident ist Jeff Bezos, sein Vermögen beläuft sich auf etwa 13 Milliarden Euro.

Wir Urheber bekommen momentan Geld für unsere Schöpfungen, weil es diese sehr reichen Familien gibt. Und die katholische Kirche.
So wie Michelangelo Geld für seine Schöpfungen bekam, weil es die Renaissancefürsten gab. Und die katholische Kirche.

Nun: Seit es beinahe überall (in Europa) Demokratien gibt, gibt es kaum noch Renaissancefürsten, an deren Hof man leben kann.
Aber es gibt noch Maler, Bildhauer und Architekten.

Also: Ich stelle hiermit die These auf, dass das bisherige Finanzierungsmodell der Urheber ins Wanken geraten ist, so wie das Finanzierungsmodell der Hofmaler durch das Verschwinden der Höfe ins Wanken geraten ist.
Ich stelle darüber hinaus die Nebenthese auf, dass das bisherige Finanzierungsmodell nicht am Internet scheitert, sondern daran, dass eben verdammt nochmal selbst in einer Zeit, in der alle an der Herstellung und Verteilung der Kunst Beteiligten sehr, sehr reich wurden, der Künstler selber nur in seltenen Fällen davon leben konnte, so dass nun, in weniger fetteren Jahren, die Künstler eben tun, was sie ja sowieso am besten tun sollen: hungern.

Und da die Künstler hungern, werden sie von den Milliardären vorgeschoben, und auf einmal soll irgendein halbes Kind in Augsburg oder Iserlohn oder Vierhinterwalde, das noch nie von Malte Welding gehört hat, Schuld sein, dass es Thalia nicht gutgeht? Oder die öffentlich-rechtlichen Tatort-Autoren bekommen zu wenig Geld, weil Rüdiger aus Braunschweig sich “Mein Kampf” bei Rapidshare saugt?

Nein, nein, ich weiß, so einfach ist das Alles nicht. Der Verlust von Geld tut natürlich reichen Menschen mehr weh als armen. Sie haben Geld mehr lieb.

Die Behauptung, das Internet sei Schuld, dass es Künstlern finanziell schlecht gehe, wäre dasselbe wie im Jahr 18hundertundeinpaargequetschte zu sagen, der Dichtkunst gehe es schlecht und schuld sei die Demokratie.
Es gibt natürlich auch in allen erwähnten Konzernen einen Haufen von Angestellten, die großartige Arbeit verrichten, und die sich jetzt sorgen müssen (und was man auch nicht abtun sollte mit einem “Niemand hat Verkäuferinnen bei Hugendubel eine Geldverdiengarantie gegeben”). Aber auch deren Unterbezahlung hat nicht Rüdiger aus Braunschweig verursacht.

(Klarstellung: Ich kann vom Schreiben leben, bin aber auch kein Künstler. Und ich habe auch nichts gegen Milliardäre. Ich wünschte, einige meiner Freunde wären welche.)

67 comments

  1. [...] “Kurze Frage eines Urhebers” (2.4.2012, Malte Welding) [...]

  2. “Wir Urheber bekommen momentan Geld für unsere Schöpfungen, weil es diese sehr reichen Familien gibt. Und die katholische Kirche.”
    Was so übrigens nicht stimmt. Zwar handelt es sich bei Thalia und der DBH um die größten Buchhandelsketten im deutschen Buchmarkt, ihr Marktanteil zusammen beträgt aber noch nicht einmal 30%, selbst die 10 größten Filialisten kommen zusammen nur auf ca. 38 % (lt. Buch und Buchhandel in Zahlen 2011). Der größte Teil des Umsatzes der Branche entsteht weiterhin in unabhängingen Buchhandlungen.
    Familie Krekel ist im Übrigen auch ganz gewiß nicht mit Thalia reich geworden, genausowenig wie Familie Oetker oder Familie Müller, ganz im Gegenteil. Hierzu sei ein Blick in die entsprechenden Firmenberichte empfohlen.
    Und es gäbe noch ein paar andere Hinwesie darauf, daß es eben so einfach alles nicht ist.
    Richtig ist allerdings, daß “das Internet” an alledem nicht Schuld ist. Gerade auf Verlagsseite wird da viel verschlafen, wenn auch weit weniger als weithin behauptet.
    Im Übrigen würde ich auch das entsprechende Gejammer der Akteure nicht so hoch hängen, das kennt man auch aus allen anderen Branchen (man bedenke nur das regelmäßige Geheule der Autobauer, wenn mal wieder irgendeine Umweltauflage tausende von Arbeitsplätzen bedroht).

  3. [...] Welding erscheint die Urheberrechtsdebatte ein notwendiger Reinigungsprozess zu [...]

  4. @Gachmuret
    Danke für den Hinweis. Aber Vorschüsse erhält man meines Wissens eher bei den größeren Verlagen, und die gehören erstaunlicherweise allesamt sehr reichen Menschen.

  5. Das dumme an der Argumentation ist aber, dass das Urheberrecht gerade ein Kind der franzoesischen Revolution ist. Wer einen Papst als Sponsor hatte, brauchte kein Urheberrecht.

  6. Ich bin doch gar nicht gegen das Urheberrecht.

  7. Wie schaffst du es, vom Schreiben zu leben, wenn kaum einer deiner Agentur-Mates das hinkriegt? Haben die Bestsellerautoren alle einen irrsinnig übersteigerten Lebenstandard, der mit Schreiben nicht zu refinanzieren ist, oder bist du irrsinnig anspruchslos, oder zahlt die Berliner Zeitung so irrsinnig gut?

  8. @malte wofür auch immer du bist, biederst du dich immerhin den Kritikern des urheberrechtes an. Sollte tatsächlich eine digitale Revolution stattfinden, dann ist es eine, die auf kosten der sozialen Gerechtigkeit gehen wird, und damit meine ich nicht den sozialstatus von Autoren, es geht um abertausende Arbeitsplätze.

  9. @Dietrich
    Lies: vom BÜCHERschreiben.
    Bei mir kommen zu den Büchern Essays, die Magazinkolumne und andere Beiträge in verschiedenen Druckerzeugnissen.
    Dazu sind wir Doppelverdiener.
    Und schließlich: Selbst in einer erfolgreichen Agentur sind natürlich die meisten Autoren keine Bestsellerverfasser, die allermeisten.

  10. @t p
    Bis jetzt sind Bücher in Deutschland praktisch überhaupt nicht von Urheberrechtsverletzungen betroffen. Der Stand jetzt, also: Verhältnismäßig arme Autoren, Lektoren und Kassiererinnen auf der einen Seite, ziemlich unverhältnismäßig reiche Konzernbesitzerfamilien auf der anderen Seite, der ist vom Internet noch recht ungetrübt.
    Inwiefern biedere ich mich an? Und was würde mir das bringen?

  11. Zum Thema: “ziemlich unverhältnismäßig reiche Konzernbesitzerfamilien” – dazu schreibst du selber: “Der größte Player auf dem weltweiten Buchmarkt ist Amazon. Gründer und Präsident ist Jeff Bezos, sein Vermögen beläuft sich auf etwa 13 Milliarden Euro.” Das ist tatsächlich unverhältnismäßig, wenn man das mit dem Vermögen klassischer Buchverlage vergleicht! Deine Argumentation biedert sich insofern an, weil sie ein Feindbild aufbaut, von dem vor Allem Amazon (analog zu Google/youtube) profitiert. Der Punkt ist: die Hugendubels und Bonniers dürften es überleben, aber das Geschäftsmodell engagierter Kleinverlage, unabhängige Buchhändler etc. haben wenig Zukunft, sollte die digitale Revolution “die Spielregeln” tatsächlich völlig neu definieren. Inwiefern Autoren sich da neue Betätigungsfelder suchen, ist nur ein Punkt, soziale Gerechtigkeit setzt früher an, nämlich bei dem “Haufen von Angestellten, die großartige Arbeit verrichten, und die sich jetzt sorgen müssen”. Wenn deren Bezahlung gesichert oder sogar verbessert werden soll, dann sicher nur so, indem die Verlage sich auch in Zukunft ihre Einnahmequellen sichern.

  12. [...] Welding hat einen sehr kurzweiligen Text über Buchautoren und deren Bezahlung veröffentlicht. Darin klingt an, dass viele am Buchgeschäft [...]

  13. Aber ich bin doch der Letzte, der Verlage daran hindert, sich auch in Zukunft ihre Einnahmequellen zu sichern. Es wäre mir eine helle Freude, würden sie das Netz zu ihren Gunsten nutzen.

  14. @tp Welches Recht hat eine Industrie auf Umsätze und Gewinne ?
    Keines, entweder sie passen sich den geänderten Marktverhältnissen an oder gehen unter, das nennt man gemeinhin Kapitalismus.
    Deiner Argumentation folgend hätte beispielsweise der Tonfilm verhindert und verboten gehört, wurde er von der damaligen Stummfilm Industrie doch als der Untergang der Kinokultur verteufelt, der dazu auch noch viele Kinopianisten in die Arbeitslosigkeit treiben würden.

    @malte sehr schön zusammengefasst, eine These als Denkanstoss.
    Der Künstler hat kein Recht darauf zu verlangen, dass er für seine Kunst entlohnt wird, erst wenn er zum Verkäufer wird und seine Werke verkauft hat er ein “Recht” auf finanzielle Entlohnung, aber als Verkäufer seiner Werke und nicht als Künstler.

    Wie eine solche Entlohnung in der digitalen Welt aussehen kann ist die Frage die auf Kulturschaffende zukommen wird, ob sie wollen oder nicht.
    Die Vertriebsindustrien werden sich mit Händen und Füssen dagegen wehren, aber garantiert nicht aus Sorge um das Wohl der Kulturschaffenden.

  15. [...] schön dieses Statement eines direkt Betroffenen: Malte Welding: “Kurze Frage eines Urhebers: Wo ist mein Schotter?“ Er stellt mal die richtigen Fragen in der laufenden Diskussion! Share this [...]

  16. @david ich spreche nicht vom untergang des films, der literatur, der musik, ich spreche davon, dass google, amazon und youtube sich schamlos am geistigen eigentum anderer bereichert. das gilt es zu regulieren.

    wer meint, das neoliberale geschwätz vom markt, der alles reguliert, wäre mit dem untergang der fdp verstummt, der irrt, denn jetzt haben wir ja piraten wie dich, die das lied der entrepreneurs anstimmen, während diese nichts sehnlicher erwarten können als mit ihren startups eines schönen tages von google gekauft zu werden.

  17. [...] doch sagt mein Agent, kaum einer seiner Schützlinge könne alleine vom Schreiben leben. zum Artikel Posted in Allgemein Tags: Agenturen, Amazon, Buchverlage, Hugendubel, Krekel, [...]

  18. @t p
    Amazon ist ja einfach nur ein Händler. Wenn du findest, dass Handel in jedem Fall “schamloses Bereichern” ist, dann ist das eine interessante Position, aber doch eine ziemlich radikale. Google als Suchmaschine macht Inhalte auffindbar. Ohne Google wären Inhalteanbieter darauf angewiesen, dass man sich die Links zu ihren Seiten hin- und herschickt. Also auch hier kann von schamlosem Bereichern keine Rede sein.
    Anders sieht es bei Youtube (und somit Google in seiner Rolle als Youtube-Eigentümer) aus: Das sollte ursprünglich mal ein Selbstdarstellungskanal sein, ist aber tatsächlich großgeworden durch Inhalte Dritter.

    Ganz grob liegt hier eine Art GOA vor. Youtube hat sich als Sender dazugesellt ohne zu bezahlen. Das ist nicht in Ordnung (aber für den Konsumenten ungeheuer bequem). Hier ist es an Youtube, soviel zu verdienen, wie es Radiosender tun, damit es die gestreamten Künstler angemessen entlohnen kann.

  19. @malte “Hier ist es an Youtube, soviel zu verdienen, wie es Radiosender tun, damit es die gestreamten Künstler angemessen entlohnen kann.”

    Falsch. Es ist schon jetzt an Youtube, die gestreamten Künstler angemessen zu entlohnen, und nicht erst dann, wenn es für Google tatsächlich die erhoffte Goldgrube geworden ist.

  20. “Ich bin kein Künstler.”
    Tja, das mag eine kokette Art von Understatement sein, ist aber falsch. Schriftsteller und Journalisten sind in Deutschland Künstler im Sinne des Gesetzes.
    Allein schon zu behaupten, “ich bin nicht was ich bin”, weist den wahren Künstler aus. ;-)

  21. @tp
    Bitte erklär mir, warum Google mehr als das, was es mit Youtube einnimmt, an die Künstler ausschütten muß. Das ist eine ernstgemeinte Frage. Warum sollen sie das tun?

  22. Noch eine Frage: Nehmen wir mal an, die Musikindustrie würde ein eigenes Youtube aufziehen. Würde dieses Portal dann auch einen festen Betrag pro Stream an die Urheber ausschütten, egal ob dieser auch eingenommen wird?

  23. Ich finde den Text sehr ergiebig. Natürlich versuchen Zwischenhändler (wie Verleger es sind), Profit aus den Produkten anderer zu generieren. Hier geht es v.a. um Kulturproduktion.
    Und offenbar kann durch die Digitalisierung der Kulturprodukte für einen Teil der Kulturproduktion (mal abgesehen von Plastiken, Gemälden u.ä.) der Zwischenhändler nicht mehr das Monopol (exklusive Verwertungsrechte) aufrecht erhalten.
    Vermutlich bedeutet dies, dass auf lange Sicht der Zwischenhändler völlig überflüssig wird (sogar materielle Kulturprodukte wie Plastiken können Produzenten selbst im Netz vermarkten). Natürlich haben die Zwischenhändler bisher Milliarden akkumuliert (danke für diesen Gedanken, Herr Welding!) – und sie werden versuchen, die so einzusetzen, dass sie vom Staat möglichst lange und weitreichende Monopolrechte garantiert bekommen. Ich bin gespannt, wie lange das Geld reicht.

  24. @Ulf J. Froitzheim
    Ja, ich bin schließlich auch in der Künstlersozialkasse.
    Aber Kunst im Sinne eines der Deutung völlig offenstehendes Werks, die betreibe ich eher selten.
    Ich werde recht oft so verstanden, wie ich verstanden werden will.

  25. Meine These: Noch nie in der Geschichte konnten so viele Menschen vom Singen, Malen, Nasebohren so gut leben wie heute – und zwar obwohl gleichzeitig ganz viele Sänger, Maler, Nasebohrer prekär leben. Was darüber hinaus auffällt, ist, dass in der Kultur die Skaleneffekte des Kapitalismus so schön deutlich werden. Konkret: Eine Maria Furtwängler könnte von vier Tatorten pro Jahr vernutlich super leben, während ihr Sidekick Ingo Naujocks so dahinkrepelt. Dennoch: so viel Knete wie heute, gab es für brotlose Kunst noch nie.

  26. Zitat:

    @malte sehr schön zusammengefasst, eine These als Denkanstoss.
    Der Künstler hat kein Recht darauf zu verlangen, dass er für seine Kunst entlohnt wird, erst wenn er zum Verkäufer wird und seine Werke verkauft hat er ein “Recht” auf finanzielle Entlohnung, aber als Verkäufer seiner Werke und nicht als Künstler.

    Dieser rhetorische Trick wird gerne in der Urheberrchts-Diskussion ausgefahren.

    Niemand verlangt das man den Urheber bezahlt, einfach nur so weil er Urheber ist.

    Es wird lediglich verlangt, dass wenn man etwas von dem Urheber nutzt/konsumiert auch das bezahlt, was er dafür verlangt oder besser gesagt, dass man das Lizenzmodell des Urhebers respektiert.

    Wer etwas nicht lesen/hören/konsumieren möchte ist frei es zu lassen.

  27. David bringts auf den Punkt: Wie eine solche Entlohnung in der digitalen Welt aussehen kann ist die Frage die auf Kulturschaffende zukommen wird, ob sie wollen oder nicht.
    Die Vertriebsindustrien werden sich mit Händen und Füssen dagegen wehren, aber garantiert nicht aus Sorge um das Wohl der Kulturschaffenden.

    So siehts aus. Im Moment ist der Verkäufer in den wenigsten Fällen der Urheber, sondern ein Rechteverwerter.

  28. Ach, das ewige Künstlerprekariat… wie lange muss es noch in der Gosse der Gesellschaft schmachten? Einige hundert Jährchen dürften es schon noch sein – von dieser Utopie sollte es sich jedenfalls besser verabschieden, denn: Seit der Renaissance – ach, schon viel länger – ist der Künstler ein ärmlicher Vasall seiner knausrigen Herren. Die wenigen Ausnahmen zum Trotz, die bisher jede Epoche hervorgebracht hat, können darüber nicht hinwegtäuschen. Dennoch, hoffentlich ist dir und deinen Standesgenossen bald ein besseres Los beschieden!

  29. @sascha David verdreht die Tatsachen. Richtig wäre die Aussage:

    Wie eine solche Entlohnung in der digitalen Welt aussehen kann, ist die Frage die auf Vertriebsindustrien zukommen wird, ob sie wollen oder nicht.

    Die Vertriebsindustrien vertreten die Interessen der Kulturschaffenden, sie sind die Rechteverwerter der Urheber. Gegen andere Modelle sollten sich die Kulturschaffende mit Händen und Füssen wehren, garantiert auch aus Sorge um das Wohl der Vertriebsindustrien, den von dem hängt auch ihr eigenes Wohl ab.

  30. “Bitte erklär mir, warum Google mehr als das, was es mit Youtube einnimmt, an die Künstler ausschütten muß. Das ist eine ernstgemeinte Frage. Warum sollen sie das tun?”
    Aus dem gleichen Grund, aus dem ein Autohersteller seine Zulieferer auch dann bezahlen muss, wenn er die Autos unter Materialwert verkauft. Ich nenne es mal Marktwirtschaft.
    Wobei die Gema im Radiobereich Tarife hat, die sich am Einkommen des Senders orientieren. Insofern scheitert es eher daran, das Google den Teufel tun wird, zu verraten, wieviel sie tatsächlich mit dieser Sparte verdienen.

  31. [...] Kurze Frage eines Urhebers: Wo ist mein Schotter? Malte schreibt über das Urheberrecht, reiche Menschen die gerne noch reicher wären und über arme Künstler. Ich stelle hiermit die These auf, dass das bisherige Finanzierungsmodell der Urheber ins Wanken geraten ist, so wie das Finanzierungsmodell der Hofmaler durch das Verschwinden der Höfe ins Wanken geraten ist. …Der Verlust von Geld tut natürlich reichen Menschen mehr weh als armen. Sie haben Geld mehr lieb. [...]

  32. @Mister T
    Du sagst also, Google gibt die Videos unter Wert heraus. Aber was ist denn der Wert? Wert ist das, was jemand dafür zu zahlen bereit ist, das ist Marktwirtschaft.
    Und damit sind wir wahrscheinlich wieder bei der Kostenloskultur. Denn: Was bist Du bereit zu zahlen für einmaliges Anschauen eines Musikvideos?

    Magst Du die zweite Frage ja vielleicht auch noch beantworten?

  33. Ich verstehe nicht den Sinn einer Auflistung, die nicht im entferntesten Rückschlüsse auf Ursachen gibt.

    Könnte es nicht auch sein, dass Verlage eben gerade so unwirtschaftlich sind, dass sie von Konzernen wie Oetker etc. spielend aufgekauft werden können?

  34. @Sanníe:

    Was, wenn ich einen Cent zahlen würde für ein Video? Könnte ich als Konsument damit leben und ich als Künstler hätte auch nichts dagegen, wenn ein Video von mir, das 10.000 Mal angeklickt wird, mir dann vielleicht so ca. 80 Euro bringt.

  35. Mag ne doofe Anmerkung sein, aber irgendwie fehlt mir hier der innere Zusammenhang. “Dein Schotter” ist das, was du für deine Bücher kriegst. Und dein Vorschuss wird natürlich davon abhängen, wie viele Bücher dein Verlag abzusetzen glaubt. Das ist doch nicht gebunden an das Vermögen der Besitzer der Verlage oder Buchhandelshäuser.
    Wer Geld von Reichen haben will, egal wie viel Bücher er verkauft, der will eine Rückkehr zum Mäzenatentum. Ich (als Künstler, denn ich habe kein Problem, mich so zu nennen) will das jedenfalls nicht.

    Ich denke auch, man sollte ein bisschen Fairness den Verlagen gegenüber walten lassen. Ein Großteil der Autoren hat keinen Schimmer von Rechtschreibung und Schwierigkeiten beim Textaufbau. Die brauchen Lektoren und Korrektoren. Wer bezahlt das? Der Verlag. Außerdem sind die meisten Autoren gerade mal dazu fähig, den Computer einzuschalten und ein Textverarbeitungsprogramm zu starten. Das heißt, auch Layout/Satz muss jemand anderes machen. Wer bezahlt das? Der Verlag. Ein Cover muss gemacht werden, denn mit einem blanken weißen Einband kommen die meisten Bücher nicht in die Einkaufskörbe von Buchlesern. Wer bezahlt das? Der Verlag. Du veröffentlichst bei Piper? Glückwunsch. Das heißt, du profitierst davon, dass du bei einem großen Verlag bist, weil deine Bücher eine Chance haben, tatsächlich bei Thalia etc. im Regal zu stehen. Deine Bücher werden in den Händlervorschauen von Piper präsentiert. Und wer bezahlt das? Der Verlag. Und dann bekommen Autoren bei seriösen Verlagen noch ihren Vorschuss, den sie selbst dann nicht zurückzahlen müssen, wenn gar nicht genug Bücher verkauft wurden, um diese Summe zu erreichen. Ein großer Teil von Autoren bringt Verlagen gar kein Geld ein, das müssen dann Verkäufe von Büchern anderer Autoren ausgleichen. Verlage schmeißen jedes Halbjahr eine ganze Reihe von Titeln an die Wand und hoffen, dass möglichst viel davon kleben bleibt.

    Ich veröffentliche meine Bücher nicht bei einem Verlag, sondern als Book on Demand, und das durchaus bewusst, weil ich die Freiheit mag, die ich habe. Mir redet keiner rein, was den Titel angeht, ich kann selbst das Cover wählen, wie ich es mag, ich muss auch nichts zensieren, wenn ich nicht dazu gerichtlich gezwungen werde. Das heißt aber auch, dass ich selbst korrigieren muss, das heißt, dass ich selbst Coverbilder organisieren und bezahlen muss, das heißt, dass meine Bücher nie in einer Buchhandlung im Regal stehen werden. Meine Bücher werden nicht von Laufkundschaft profitieren. Ich habe auch keinen garantierten Vorschuss. Ich habe viel Bequemlichkeit geopfert. Und ehrlich gesagt: Das Geflenne von Autoren über ihre Verlage kotzt mich langsam an. Wenn es euch so beschissen geht bei euren Verlagen, wenn ihr euch dauernd betrogen fühlt – dann hört auf, neue Verträge mit den Verlagen abzuschließen.
    Macht eure Bücher doch selbst, ist heutzutage technisch gar kein Problem mehr und finanziell auch nicht sonderlich aufwändig, wenn man technisch nicht unbegabt ist. Aber verdammt noch mal: Wenn ihr freiwillig an den Titten der Verlage saugt, dann beschwert euch nicht darüber, dass ihr nicht die ganze Milch kriegt.

  36. Wieso muss es denn die Verwerter in 50 Jahren in ihrer jetzigen Form noch zwingend geben? Schau z. B. mal hier: http://paidcontent.org/article/419-exclusive-how-kindle-singles-authors-are-faring/

    Oder anders gefragt: Geht es denn ohne die Verwerter überhaupt nicht?

    (Derartige Analysen findet man seit ca. einem jahr zu Hauf. Bin zu faul, die jetzt alle aus der Box zu kramen.)

  37. Im Focus las ich, dass circa 35% des Vermögens das in Deutschland existiert einem Prozent der deutschen Bevölkerung gehört. Dieses Ungleichgewicht hat laut dem Focus seit den letzten 40 Jahren immer stärker zugenommen. Zugegebenermaßen kann ich mir das unschwer vorstellen. Es gibt in den meisten Firmen keine “fairen” Löhne. Es gibt zumeist nur noch Löhne, die dem Unternehmen bzw. dem Chef Gewinne einbringen, für die die Arbeitnehmer schuften.

  38. [...] Beharren auf alten Rechtsmodellen ihrer Verwertungsrechte verpassen. Heute las ich den Artikel von Malte Welding zum Thema. Seine Kernaussage: Die Behauptung, das Internet sei Schuld, dass es Künstlern [...]

  39. [...] Beharren auf alten Rechtsmodellen ihrer Verwertungsrechte verpassen. Heute las ich den Artikel von Malte Welding zum Thema. Seine Kernaussage: Die Behauptung, das Internet sei Schuld, dass es Künstlern [...]

  40. Ich finde, Malte spricht hier was Wichtiges an. Da gibt es das böse Urheberrecht, das böse Internet, und noch vieles andere in der öffentlichen Diskussion. Dass es aber auch Leute gibt, die mit Büchern Milliarden machen, und dass die eben nicht Autoren sind, das wird eher verschwiegen. Bei der Musikindustrie müsste man mal nachschauen, aber da ist Ähnliches vorstellbar. Und das reiht sich eben nahtlos ein in unsere immer weiter aufgehende Schwere zwischen Arm und Reich. In Jahren der Dauerkrise machen die Hersteller von Statussymbolen wie Porsche oder Daimler sehr gute Umsätze. Das Geld ist ja nicht verbrannt, wenn es Dir fehlt, es ist nur wo anders.

    Die Lösung “mach’s dir doch selber” ist eigentlich keine Lösung. Das habe ich in Bezug auf Musik vor längerem mal in einen Rant gepackt: http://zwei.drni.de/archives/954-Machs-dir-doch-einfach-selber.html

  41. [...] Malte Welding sieht das ähnlich, hat sich aber kürzer gefaßt als ich. [...]

  42. zum thema Amazon ist nur ein Kaufhaus, bitte das hier mal lesen: http://seattletimes.nwsource.com/html/businesstechnology/2017889877_amazonpublisher02.html

    und: wer kunst machen will, darf sich in Zeiten wie diesen nicht wundern, dass er schlecht bezahlt wird. Nur Kunst. Crossmedia Strategen können vom Schreiben leben, ok. Und Bestseller leben sogar vom Schreiben von Kunst. Ende. Der Rest publiziert Bücher, vielleicht zwei drei, vielleicht bei einem renommierten Verlag, und dann? Wie viele Autoren kennt Ihr, die jedes Jahr oder sagen wir alle drei Jahre ein Buch rausbringen und sonst weder in Zeitungen schreiben, Lesungen machen, als Herausgeber fungieren? Die meisten machen irgendwas mit Medien nach dem zweiten Buch, das sich ok verkauft. Mehr aber auch nicht. Das ist nicht das Intenet. Das war immer so. Ob die Verbreitung von E-Books (bisher unter 3 % Marktanteil in D) die Urheberrechtsfragen neu stellen werden? Keine Ahnung. Ich glaube aber, dass ein Großteil der Bücher ohnehin analog bleiben wird. Dieser ganze Digitalisierung ÜBER alles Wahn wird sich schon noch beruhigen. Inzwischen kaufen die Leute sogar wieder Vinyl. Ja und Cds….

  43. @Klopfer und @Dr.NI: Die Lösung machs dir doch selber wird aber die Lösung werden. Was Malte mit seiner These angesprochen hat, ist genau das, was mittelfristig aufhören wird, weil es aufhören muss.

    Diese Annahme, man wäre gezwungen Verlagen, Vertrieben, Verwurstern, Geld zu geben, ist eben nicht (mehr) die Realität in der wer leben.

    @Dr.NI nochmal: Ich bin selber Musiker und ich kann deinen Rant sehr wohl nachvollziehen aber wäre es dir nicht lieber, diese Entwicklung, die ja bereits läuft, würde so weit gehen, dass das ganze “drumherum” eben nicht über einen Vertrieb sondern über Menschen, im besten Falle andere Künstler laufen würde?

    Ich sehe nämlich keinen Unterschied zwischen dem Tontechniker, der seinen Job aus Liebe macht, und einem PR-Menschen, der seinen Job aus Liebe macht, und die zusammen einen Musiker, der seinen Job aus Liebe macht, mit dem was sie tun unterstützen wollen. Eben, weil es ihnen um das geht, was dabei rauskommt. Natürlich nicht umsonst aber warum ein starres Label, wenn man die Möglichkeit hat zu kollaborieren? Verträge gibt es ohnehin immer und überall. Warum denn dann unbedingt mit denen, die in erster Linie gar kein Interesse an der Kunst haben?

    Du sagst ja selbst: Der Selbermacher sucht sich andere Selbermacher, das war bis vor kurzem unmöglich und das wird in naher Zukunft noch viel viel viel einfacher.
    Das ist keine Utopie, keine Wunschvorstellung, das ist einfach der ganz naive Optimalfall, der in jedem Fall besser für die Beteiligten ist, als einem selbsternannten “Label, dass sich um alles kümmert, damit der Künstler Kunstmachen kann” Geld zu geben, weil es, und das ist der einzige Grund, vorher welches hatte. Und eben das ist doch wohl erstrebenswert, oder nicht?

  44. [...] Malte Welding sieht das ähnlich, hat sich aber kürzer gefaßt als ich. [...]

  45. @Malte: Interessante Analyse, aber alles in allem würde ich sagen: Marx lässt grüßen, oder auch: Willkommen im Kapitalismus. Diejenigen mit Geld machen mehr Geld, diejenigen, die (kreative oder sonstige) Arbeit liefern, machen sehr viel weniger Geld. Und dabei ist es egal, wie viel Anteil sie an der eigentlichen Wertschöpfung haben, wichtig ist nur, wie das Machtverhältnis am Markt ist.

    Der einzige Vorteil, den man als Autor hat: theoretisch besteht die Chance, den Riesenbest- und longseller zu schreiben, der einen auf Lebenszeit saniert. Klar, ein Lottogewinn ist wahrscheinlicher, aber diejenigen, die in Fabriken Autos zusammenschrauben, haben nicht einmal diese Hoffnung. Und da reden wir noch gar nicht von den ätzenden Auswüchsen unserer Gesellschaft und den Kids, die in irgendeinem armen Land gerade für ein paar Cent die Schuhe zusammenkleben, für die wir hier viel Geld ausgeben.

    @Sascha: Was ist denn Amazon in deinem Link anderes als ein Verwerter? Dazu passt, dass die gerade direkt ins Verlagsgeschäft einsteigen. Ob es für die Autoren besser sein wird, wenn sich noch mehr Marktmacht in wenigen Händen ansammelt? Klar, weniger Schritte vom Kreativen zum Konsumenten sind wünschenswert, aber ohne nennenswerte Konkurrenz ändert sich am Verhältnis Künstler-Verwerter wenig.

    Wobei Amazon wenigstens Konzepte im Ebook-Bereich hat. Was die meisten Verlage hierzulande leisten, grenzt schon eher an Arbeitsverweigerung. Für mich übrigens ein ständiger Quell der Frustration.

    @petelectro: Das wird im Laufe der Zeit sicherlich mehr werden, aber als jemand, der hauptberuflich Romane schreibt, kann ich dir sagen, dass ich weder Zeit noch Energie habe, meinen eigenen kleinen Mini-Verlag zu basteln. Bücherschreiben ist verdammt aufwendig, und dann soll ich mich auch noch um all das kümmern, was getan werden muss, wenn man davon leben will? Wann genau soll ich das leisten?

    Ganz abgesehen davon, dass das Hauptproblem ganz simpel und einfach Aufmerksamkeit ist. Dafür sind Verwerter da, das leisten sie (im Idealfall): sie bringen meine Texte an die Menschen, die sie gerne lesen und vielleicht sogar Geld dafür bezahlen. Das alleine, oder selbst im kleinen Verbund zu leisten, ist (momentan) kaum möglich. Vielleicht ändert sich das, aber ich denke, dass auch in Zukunft bestimmte Strukturen nötig sind, um die Kultur an die richtigen Leute zu bringen.

  46. [...] malte-welding.com: Malte Welding: Kurze Frage eines Urhebers: Wo ist mein Schotter? Ich stelle darüber hinaus die Nebenthese auf, dass das bisherige Finanzierungsmodell nicht am Internet scheitert, sondern daran, dass eben verdammt nochmal selbst in einer Zeit, in der alle an der Herstellung und Verteilung der Kunst Beteiligten sehr, sehr reich wurden, der Künstler selber nur in seltenen Fällen davon leben konnte, so dass nun, in weniger fetteren Jahren, die Künstler eben tun, was sie ja sowieso am besten tun sollen: hungern. [...]

  47. @t p
    Zitat: “@malte wofür auch immer du bist, biederst du dich immerhin den Kritikern des urheberrechtes an. Sollte tatsächlich eine digitale Revolution stattfinden, dann ist es eine, die auf kosten der sozialen Gerechtigkeit gehen wird, und damit meine ich nicht den sozialstatus von Autoren, es geht um abertausende Arbeitsplätze.”

    Wenn gar nichts mehr hilft, dann geht immer noch das Totschlagargument/Angst: Arbeitsplätze!

    Sie sollten sich mit dem Thema Bedingunslosem Grundeinkommen befassen, dann wissen Sie vielleicht auch alle mitverdienen an der sozialen Gerechtigkeit. Würde man den “Sozialstaat” abschaffen, könnte man jeden Menschen von der Gerburt bis zum Tod 1000 Euro überweisen monatlich.

    Was wollen Sie denn hier beweisen, oder wen wollen Sie verdumm verkaufen? Reicht es nicht langsam mit der Verdummung? Siehe Video zum BGE, ganz einfach gehalten, damit es auch der letzte rafft, vielleicht auch Sie?

    http://www.youtube.com/watch?v=hRowZ_7IQPk

  48. @t p
    Zitat: “@malte wofür auch immer du bist, biederst du dich immerhin den Kritikern des urheberrechtes an. Sollte tatsächlich eine digitale Revolution stattfinden, dann ist es eine, die auf kosten der sozialen Gerechtigkeit gehen wird, und damit meine ich nicht den sozialstatus von Autoren, es geht um abertausende Arbeitsplätze.”

    Wenn gar nichts mehr hilft, dann geht immer noch das Totschlagargument/Angst: Arbeitsplätze!

    Sie sollten sich mit dem Thema Bedingunslosem Grundeinkommen befassen, dann wissen Sie vielleicht auch alle mitverdienen an der sozialen Gerechtigkeit. Würde man den “Sozialstaat” abschaffen, könnte man jeden Menschen von der Gerburt bis zum Tod 1000 Euro überweisen monatlich.

    Was wollen Sie denn hier beweisen, oder wen wollen Sie verdumm verkaufen? Reicht es nicht langsam mit der Verdummung? Siehe Video zum BGE, ganz einfach gehalten, damit es auch der letzte rafft, vielleicht auch Sie?

    Link findet sich als HP oben

  49. Beim oberen Video handelt sich um ein anderes Video, zwar auch BGE, aber kannte ich selber noch nicht. Hier auf meinen Namen geklickt ist jenes Video, welches aufzeigt wieso ein bedinungsloses Grundeinkommen sofort finanzierbar ist, selbst Schäuble hat dies schon ausgerechnet…

  50. [...] Und falls ihr das Thema interessant findet hier noch 2 Blogposts von Urhebern. “Kurze Frage eines Urhebers: Wo ist mein Schotter?” und “Mein Plattenladen heißt Herunterladen“ Dieser Eintrag wurde [...]

  51. @petelectro: Liebe ist wundervoll. (Ein Grund, Malte zu lesen.) Aber was die Liebe zum Machen angeht: Liebe füllt eben keinen Kühlschrank. Als Musiker wirst Du ja abschätzen können, wie viel Gage Du bekommen müsstest, um von Deiner Musik leben zu können. Jetzt kannst Du Dir überlegen, dass die Liebesmacher von Grafikern, Tontechnikern, Produzenten, Whatever auch mindestens so viel einschieben müssen.

    Am Ende braucht dann jeder einen Brotjob, weil die Liebe nicht trägt. Da wären wir dann wieder bei Sascha Lobo und Holm Friebes “Wir nennen es Arbeit”. Hat man den nicht, dann wird man immer Aufträge annehmen müssen, die mit Liebe allein nicht zu bewältigen sind. Dahin ist der Optimalfall à la “jeder macht nur noch, was ihm gefällt”.

    Alternativ natürlich, das wäre dann der Optimalfall nach meinem Gusto, ein bedingungsloses Grundeinkommen. Von mir aus kannst Du gerne so lange warten, bis wir das eingeführt haben.

  52. @Sanníe
    “Du sagst also, Google gibt die Videos unter Wert heraus. Aber was ist denn der Wert? Wert ist das, was jemand dafür zu zahlen bereit ist, das ist Marktwirtschaft. Und damit sind wir wahrscheinlich wieder bei der Kostenloskultur. Denn: Was bist Du bereit zu zahlen für einmaliges Anschauen eines Musikvideos?”
    Ich ertrage dafür ein Werbebanner am rechten Seitenrand, eine Werbeeinblendung über dem Video, die ich wegklicken muss oder auch einen kurzen Spot, der dem Video vorgeschaltet wird. Wie bei MTV früher oder im Radio ist die Musik der Weg, um die Werbung erträglich zu machen. Das ist das Konzept dieser Vermarktung, dass sich bisher auch gut getragen hat.
    “Magst Du die zweite Frage ja vielleicht auch noch beantworten?”
    Die Musikindustrie ist seit jeher unfähig, irgendwas aufzuziehen. Da braucht man sich nichts vormachen. Können die nicht. Das scheitert schon allein daran, dass der Mehrwert des Produkts für die Musikindustrie ein anderer ist, als er für Google & Co wäre. Daher muss ein Verwerter mehr in die Kette, das ist halt Youtube, Apple oder Amazon, der dafür dann auch sein Stück vom Kuchen will.
    Ich habe den Verdacht, dass dies nicht an der Größe der Kuchenstücke scheitert, sondern daran, dass genau dieser Verwerter nicht verraten möchte, wie groß der Kuchen wirklich ist. In einer Industrie und Medienlandschaft, die sich noch bildet, ist es albern über Cents und Euros zu sprechen, als handelte es sich dabei um statische Werte. In verschiedenen Situationen ist ein Klick unterschiedlich viel wert und Google weiß das, weshalb sie unbedingt einen pauschalen Deal haben werden wollen.

    @Malte: In Zusammenhang mit den Posts der letzten Tage finde ich es sehr interessant, dass du die Diskussion aufteilst, also die Frage Verwerter vs. Urheber getrennt von Endkunde vs. Urheber behandelst. Dadurch entfernt sie sich gleich von der dämlichen Schlussfolgerung, dass der Urheber entrechtet werden muss, weil er keine guten Verträge aushandelt (oder was auch immer da die Piratenlogik ist).

  53. [...] "Kurze Frage eines Urhebers: Wo ist mein Schotter?" “Kurze Frage eines Urhebers: Wo ist mein Schotter?”: [...]

  54. [...] Kurze Frage eines Urhebers: Wo ist mein Schotter? Die Behauptung, das Internet sei Schuld, dass es Künstlern finanziell schlecht gehe, wäre dasselbe wie im Jahr 18hundertundeinpaargequetschte zu sagen, der Dichtkunst gehe es schlecht und schuld sei die Demokratie. [...]

  55. Urheberrecht pt.1…

    Wer sich derzeit zum Thema Urheberrecht äußert, muss schon ziemlich einen an der Waffel haben. Die Atmosphäre ist vergiftet, und es wird so viel Bullshit – von beiden Extrempositionen wohlgemerkt! – abgesondert, dass man eigentlich eine Hazmat Suit bra…

  56. Florian Blaschke

    Mister T: *Das* ist jedenfalls *nicht* die Piratenlogik. Es wäre schon ein riesiger Fortschritt, wenn man den Piraten endlich aufhören würde zu unterstellen, sie würden das Urheberrecht abschaffen wollen – und noch so einiges andere, was einfach nicht stimmt. Aber dann müßte man sich ja ernsthaft mit ihren Argumenten und Denkansätzen auseinandersetzen und das wäre natürlich unbequem.

    Vlad: Ist das eigentlich ein Symptom der unermeßlichen Eitelkeit und Überheblichkeit von Kreativen, daß sie automatisch davon ausgehen, daß, wenn ihre Werke irgendwo im Netz hochgeladen und dann möglicherweise sogar heruntergeladen werden, diese Werke auch Gefallen finden? Wieso heulen Kreative ständig rum, daß irgendwelche pickeligen Kiddies (nur zur Erinnerung: das sind *nicht* die mit dem Geld) ihren Schrott saugen, einmal konsumieren und dann entweder gleich wieder löschen auf der Festplatte rumliegen lassen? Das ist nämlich der wahre rhetorische Trick: So zu tun, als ob jeder Upload oder Download ein verlorener Kunde wäre.

    Ach ja, ich erinnere mich wieder, warum 99,99% aller Diskussionen nichts Neues bringen und von klugen Menschen einst FAQ-Listen erschaffen wurden.

  57. [...] Finanzierungsmodell der Hofmaler durch das Verschwinden der Höfe ins Wanken geraten ist, bloggt Malte Wedding auf Malte Wedding. Sharen mit:TwitterFacebookGefällt mir:Gefällt mirSei der Erste, dem dieser gefällt. Getaggt [...]

  58. Heute kann man für wenig Geld eine CD produzieren, CC-lizenzieren und sie weltweit anbieten: http://www.amazon.co.uk/gp/product/B00782OMJS/ref=dm_sp_alb/279-4196276-4513947
    Das ist alles kein Problem. Was wirklich zum Problem wird, ist der Zugang zu den etablierten Medien und die Möglichkeit, die Musik über diese zu verbreiten. Nur dann gibt es auch Geld dafür, egal ob mit GEMA oder CC-Lizenz. Für Musik, die Im Internet vertrieben wird fehlt eine entsprechende Regelung. iTunes und co kopieren lediglich das Geschäftsmodell des bisherigen Vertriebs physischer Tonträger auf den Online Marktplatz.
    Das Urheberrecht sollte als solches wieder ein Recht der kreativ gestaltenden Urheber selbst werden und nicht, so wie es gegenwärtig der Fall ist, ein Inkassorecht des monopolisierten Kulturvertriebs. Dazu gehört natürlich, dass Künstler ein Bewusstsein dafür entwickeln, ihre Marktplätze selbst zu organisieren, d. h. ihre Auftrittsmöglichkeiten, den Tonträgerverkauf und das Airplay. Es gibt was zu tun, kommt in die Hufe ;-)

  59. [...] Malte Welding sieht das ähnlich, hat sich aber kürzer gefaßt als ich. [...]

  60. [...] Malte Welding sieht das ähnlich, hat sich aber kürzer gefaßt als ich. [...]

  61. [...] 20.04.12, Malte Welding Kurze Frage eines Urhebers: Wo ist mein Schotter? [...]

  62. [...] 20.04.12, Malte Welding Kurze Frage eines Urhebers: Wo ist mein Schotter? [...]

  63. [...] Malte Welding sieht das ähnlich, hat sich aber kürzer gefaßt als ich. [...]

  64. Vielleicht sollten Verlage, Agenturen und Schreiber einfach mehr zusammenarbeiten, damit am Ende alle mehr davon profitieren.