Die Piraten und die Wirklichkeit

“Also wenn Frauenquoten eingeführt werden, ist es gut, und wenn Gleichberechtigungsquoten eingeführt werden und Männer mal gefördert werden ist es schlecht.
Also entweder es gibt eine Quote wo die Minderheit gefördert wird, oder garkeine. Dann gehören die Frauenquoten aber auch abgeschaft. Ich finde Quoten in diesen Bereich sowieso hinderlich. Man sollte immer die nehmen die am Besten Qualifiziert sind. Nur sowas bringt einen weiter.”
Das schreibt der User mitro im Forum der Piratenpartei. Andreas082 ergänzt:
“Die Frauenquote bevorzugd einseitig die Frauen und die Männer sind benachteiligt. Sowas gehört abgeschafft.”

Das Problem, das die Piraten zur Zeit mit der Gleichberechtigung haben, besteht darin, dass sie sie entweder für bereits verwirklicht halten oder wenigstens der Meinung sind, innerhalb ihrer Partei seien sowieso alle gleich. Die Piraten sind also schon gegendermainstreamt, daher brauchen Frauen keine eigene Mailingliste, keinen Sitz im Vorstand und man kann, wo immer sie sich äußern, aus der Haut fahren, als habe gerade Alice Schwarzer den eigenen kleinen Bruder auf dem Podium mit einer Gartenschere entmannt.
Es gibt da bloß ein Problem: die Realität.
Man kann nicht mit letzter Sicherheit entscheiden, ob Männer und Frauen von Geburt an unterschiedlich sind. Es gibt feststellbare statistische Unterschiede in Verhaltensweisen und Vorlieben, die für die einzelne Person nichts aussagen, aber nun einmal so sind wie sie sind. Es ist dabei gleichgültig, ob sie von Natur aus gegeben sind oder durch die deutlich unterschiedliche Erziehung, es ist jedoch offensichtlich, dass die bisherigen Bemühungen um Chancengleichheit in eine Sackgasse geführt haben.
Schon zum Jahr der Frau 1975 schrieb der Spiegel, dass Mädchen deutlich bessere Schulnoten als Jungs hätten und die Männer vermutlich abgehängt werden würden.
Fast wortgleich werden heute dieselben Sorgen durch das Feuilleton getragen, als hätten nicht die vergangenen 35 Jahre gezeigt, dass bessere Noten für die Frauen nicht mit einem besseren beruflichen Fortkommen einhergehen. Für eine Karriere braucht man Eigenschaften, die Frauen nicht anerzogen werden und man braucht einen Partner, der einen unterstützt. Es verhält sich in der Wirtschaft so, als würden ein Mann beim Hundertmeterlauf der Frauen teilnehmen. Die Regeln sind so gemacht, dass sie Männern nutzen, sie sind von Männern gemacht und Männer bestimmen die Teilnahmeberechtigung.
Man bräuchte neue gesellschaftliche Regeln für ein Miteinander, man bräuchte eine Gesellschaft, in der nicht der, der am lautesten Alphamännchen spielt, sich durchsetzt, Männer müssten die Hälfte der Hausarbeit machen, aber solange dass nicht der Fall ist, braucht man Quoten.
Eine moderne Partei braucht ganz selbstverständlich eine Frauenquote, wie man bei den Grünen sieht, gibt es dann auf einmal auch genug gute und geeignete Frauen. Es gibt nicht viele Politiker, die die riesigen Eier von Renate Künast toppen können, aber niemand könnte mit Sicherheit sagen, ob wir sie je zu Gesicht bekommen hätten, wenn der lärmende Joschka Fischer – wie in anderen Parteien üblich – für 25 Jahre den Posten des Parteivorsitzenden inne gehabt hätte.
Los, Piraten, schaut mal raus, die Wirklichkeit lehrt euch auch, dass Frauenparkplätze nicht dazu da sind, euch zu ärgern. Frauenparkplätze erkennen einen Unterschied an, der zu gravierenden Nachteilen führt. Ihr könnt von Geburt an ohne Angst durch dunkle Parkhäuser laufen, Frauen brauchen da etwas Unterstützung (außer denen, die Kung Fu können).

Ihr habt euch immer schon nach vorne gedrängelt und habt eure Ellenbogen trainiert*, Frauen sind darauf gedrillt worden, zart und süß und leise zu sein.
Also, macht Halbe/Halbe, Frauen und Männer kommen beide von der Erde und jedem steht die Hälfte davon zu.

*Sorry, ich vergaß, ihr seid ja Nerds, also: Keine Ellenbogen, dafür aber CAPS im Kommentarstrang.

79 comments

  1. Bevor die Piraten eine Frauenquote einführen, wird ihr Schiff gekentert sein.

    Die historische verpasste Chance. Dumm gelaufen ohne Frauen.

  2. oh mann, das nervt mich immer so: das ich mir einen ast abbreche was aufzuschreiben und dann kommst du um die ecke und formulierst das rund und knackig und so, wie ich das eigentlich sagen will, aber nicht kann, weil aus mir immer zu viele worte herauskommen. gemeinheit! oder anders gesagt: ich schliesse mich lantzschi an: word!

  3. Zu dieser Einsicht kommen viele Quotengegner leider erst, nachdem sie sich nicht nur auf theoretischer Ebene mit den Spielregeln von Wirtschaft und Politik auseinandergesetzt haben. Sprich: eine Frau in ihrem Leben oder sie selbst werden mit der Realität konfrontiert.

    wunderbarer Text, dankeschön.

  4. Die Piraten werden schon allein deshalb eine Frauenquote niemals einführen, weil die Grünen eine haben (scheißegal, ob alle anderen auch eine haben…).

    Aus irgendeinem wahnsinnigen Grund verstehen sich die Piraten ja als die Anti-Grüne…

  5. gut auf den punkt gebracht. bravo.

  6. Wir haben nur eine Handvoll Frauen. Und die sind alle in den Landesverbänden (Hamburg, NRW, Rheinland-Pfalz) Vorstände bzw. stellvertretende Vorstände (Baden-Württemberg). Die Strukturen der Piratenparteien erfordern im übrigen keine Ellbogen. Und Parteiämter sind abgesehen davon nicht besonders beliebt, nicht nur bei Frauen. Naja. Vielleicht schaut ihr ja mal auf einen Stammtisch rein.

  7. Übrigens braucht auch (manchmal) die deutsche Sprache eine Quote, besonders bei vermeintlich alltäglichen vermeintlich ironischen Bemerkungen. Renate Künast hat nämlich gar keine riesigen Eier. Die braucht diese Metapher nämlich gar nicht, was soll die auch mit Hodenkrebs.

  8. @incredibul
    Ich werfe euch ja nicht Sexismus vor, sondern eher Blauäugigkeit. Wenn Ihr eine Quote hättet und dann wirklich so wenige Frauen, dass ihr die Ämter nicht der Quote entsprechend besetzen könntet, dann wäre das halt so (wobei sich dann ja schon die Frage stellen würde, warum die Piraten für Frauen so unattraktiv sind).
    Aber warum nicht eine Quote einführen, um gerade damit Frauen anzuziehen?

  9. Führungspersonen, auch in Parteien, repräsentieren.

    Wenn 95% der Piratenwähler in die demographischen Kategorien A, B und (inklusives und) C fallen, ist es angemessen, wenn diese Wähler durch Personen repräsentiert werden, die ebenfalls in diese demographischen Kategorien fallen. Es ist nicht notwendig, aber sicher nicht moralisch verwerflich, so wie du das hier ein wenig darstellst, Malte.

    Bei den Piraten sind das, aufgrund des Themas Datenschutz, Freies Internet, Transparenter Staat spannenderweise überproportional viele Männer. Geschlecht ist eine von viele demographischen Variablen. Intelligenz bzw. Bildungsgrad könnte eine andere sein, so gut kenne ich die Zahlen hier aber nicht (und weiß auch gar nicht, ob das untersucht wurde).

    Und bei den Piraten reden wir nicht von 60 vs. 40%, sondern tatsächlich eher von 90 vs. 10% (ich habe die aktuellen Zahlen aus NRW nicht im Kopf, aber bei der BuTaWahl war das so).

    Jetzt 50% Frauenanteil zu fordern schafft das Problem mit sich, dass es vielleicht an 50% qualifizierten Frauen fehlt. Das ist nicht geschlechtsspezifisch, sondern rein statistisch: wenn wir davon ausgehen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person für einen Parteivorsitz o.ä. persönlich qualifiziert ist, bei beiden Geschlechtern je 1/100 beträgt, dann gibt es hier eben vielleicht nicht genug qualifizierte Frauen für 50% der Posten.

    Etwas strapaziertes Beispiel, um meinen Punkt zu verdeutlich: Lesbenpartei. Selbst wenn wir davon ausgehen, dass Männer ebenso qualifiziert für den Job eines Repräsentanten wären (müssen beide Geschlechter immer bei allem gleich gut sein?), gibt es in der Partei vermutlich nicht genug Männer, um bei einer Qualifizierungsrate 1/100 50% der Posten zu füllen.

    Ich kann mich der Lobhudelei hier also mal nicht anschließen. Gegen Quoten in kleinen und extremen demographischen Gruppen. Für Quoten, sobald das statistisch Sinn macht (was hoffentlich bald bei den Piraten der Fall ist).

    ta-ta
    E.

  10. @ntropie

    Was wäre denn die Alternative? Huge Vagina?

  11. PS.: Im übrigen hat man Constanze nicht umsosnt zur Sprecherin des CCC gemacht, auch wenn Frauen dort gelinde gesagt unterrepräsentiert sind. “Nerds” wissen in Deutschland sehr wohl, dass Frauen den Job sehr gut machen können.

  12. @e.
    Aber gewählt werden wollen die Piraten schon auch von Frauen, oder nicht?
    Und diese Wählerinnen fühlen sich dann repräsentiert durch andere demographische Faktoren?

  13. @e. Lesbenpartei… ist dieser Vergleich pro Piratenpartei gedacht? Du fragst nicht, warum das Geschlechterverhältnis gerade bei den Piraten 90/10 ist, sondern nimmt es einfach so hin (“rein statistisch”)? Wow. Das erklärt ja dann die 90/10 besser, als mir lieb ist.

    @Malte: du bist der Autor! Erfinde eine neue schweinische Metapher für “mir fallen in Zusammenhang mit ‘mutig’ nur gerade männliche Genitalien ein”. ;)

  14. Kathrin Passig

    Auf welcher Statistik beruht denn die Aussage, Männer könnten von Geburt an ohne Angst durch dunkle Parkhäuser laufen, Frauen aber nicht? (Mal abgesehen davon, dass meines Wissens auch Männer nicht von Geburt an laufen können.)

  15. @Kathrin
    Ich war noch nie ein guter Parkhausläufer, schon gar nicht nächtens, aber mein Vergewaltigungsrisiko ist nahe null.

  16. @ntropie
    Schweinisch habe ich das letzte Mal 1987 gehört, als mein Vater meine Ralf König-Comics auf dem klo gelesen hat.

  17. Frauenquote in der Politik im Zeitalter Merkel. Das ist so 80iger. Damals sinnvoll und wichtig. Heute können die Frauen doch auch ohne so etwas Politik machen. Wenn nicht: Arme Frauen.

  18. Kathrin Passig

    @Malte Das ist keine Antwort auf meine Frage. Ist das Vergewaltigungsrisiko von Frauen in Parkhäusern höher als nahe null, und wenn ja, aus welcher Quelle stammt diese Angabe? Und warum werden nur Vergewaltigungen berücksichtigt? Theoretisch denkbar wäre ja durchaus, dass es andere Gewaltverbrechen gibt, denen Männer in Parkhäusern wiederum häufiger zum Opfer fallen als Frauen, aber auch da gilt: ohne Zahlen ist alles nur Herumgefühle.

  19. @Malte: Was Vergewaltigung angeht ja, aber als Mann hast du ein wesentlich höheres statistisches Risiko, Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden, wie als Frau.

    “Ihr[Männer] habt euch immer schon nach vorne gedrängelt und die habt eure Ellenbogen trainiert, Frauen sind darauf gedrillt worden, zart und süß und leise zu sein.”
    Dann kennst du offenbar andere Frauen und andere Männer als ich.

    Der Vergleich mit den Grünen ist natürlich schwierig, weil in der Anti-AKW- und Friedensbewegung immer schon eine hohe Frauenquote war und die Grünen ja auch Sammelbecken der Frauenbewegung waren.

    Dass allerdings tatsächlich einige aus dem Piratenumfeld mit Frauen irgendwie nicht so gut klarzukommen scheinen, zeigen leider Sachen wie http://www.piratenweib.de/?p=1341.

  20. @Kathrin
    Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend begründet die Notwendigkeit von Frauenparkplätzen so: “Da in Tiefgaragen Frauen häufiger als Männer Opfer von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung sind, kann die Errichtung von Frauenparkplätzen eine sinnvolle Maßnahme sein, um solchen Straftaten vorzubeugen.”

    Das hessische landeskrimnalamt weist jedoch darauf hin, dass Parkhäuser nicht besonders gefährlich seien.
    “Im Jahr 2003 kam es in Hessen zu insgesamt 3.308 Straftaten in öffentlichen Parkhäusern. Dabei kam es in vier Fällen zu sexuellen Übergriffen, dies entspricht einem Anteil von 0,1 %. Die Einrichtung von gut beleuchteten und videoüberwachten Frauenparkplätzen, die zudem nah an den Ein- und Ausgängen liegen und den Frauen weite Fußwege ersparen, kann neben der Kenntnis dieser objektiven Zahlen eine Maßnahme sein, die das Sicherheitsgefühl der Frauen erhöht.”

    Da schreibt sogar das LKA von Gefühl, obwohl ihre eigene Statistik gar keinen Grund für dieses Gefühl hergibt. Darf das das?

  21. Seconded!

    Diese Argumentation mit dem ’90/10′ zeigt es doch schon. Euch gibt’s 3 Jahre – seit einem Jahr zeigt ihr deutlich, dass ihr es nicht so mit den weiblichen Wählern und der Akzeptanz der Genderdebatte habt.

    Wenn das so weiter geht habt ihr bald ’99/01′ (1% = weibliche Piraten, die sich von der Piratinnen-Debatte abgrenzen wollen). Meinst du für mich als Frau seit ihr in irgendeiner Weise wählbar? Eure Themen aus dem ersten Jahr sind genau meine Herzthemen. Free Internet is my Castle. Aber wenn ich an Piraten, und euren derzeit gezeigten Machoismus, die Ignoranz und Naivität denke, schüttelt es mich nur noch.

    Ich halte es da wie Twitteruser @dave_kay: Balls of Steel Award an Leena, weil sie sich trotz der absurden Gehässigkeiten der Wikidebatte spontan zur Wahl zur stellvertretenden Vorsitzeden gestellt hat (danke Nilzenburger für den Artikel, der war echt super, keine Angst :)).

  22. Und was genau sollte die Piratenpartei tun, damit die Wählerschaft aus mehr Frauen besteht? Freies Internet und gleichberechtigt freie Kindergartenplätze fordern?

    Jede Frau hat die Möglichkeit sich dort zu engagieren. Aber kennt Ihr irgendeine Frau außerhalb Eurer Netzbekanntschaften, die sich für Open Access, Urheberrecht, Patentrecht und informationelle Selbstbestimmung interessiert? Nee, ich kenne auch mehr, die eine Payback-Karte besitzen. So ist es leider, und ich weiß nicht, ob man wirklich der frauenfeindlichen erziehung und Umgebung die Schuld dafür geben kann.

  23. Unbesehen der sog. Sachargumente scheint es doch ein tiefes Unbehagen mit dem Quoten-Gedanken bei den Piraten zu geben, das aus einem (vulgär)-liberalen Weltverständnis amerikanischer Prägung herrührt, das wiederrum ich mal – küchensoziologisch freilich – u.A. auf die (manchmal etwas einseitige?) piratische Sozilisation im Netz zurückführe. Dies wird in der jüngsten Diskussion um die absolute Geltung der Meinungsfreiheit deutlich, denn da trifft die Position der PP im Kern auch eher NYT vs. Sullivan als den Art. 5 GG…

  24. Kathrin Passig

    Der “Unterschied, der zu gravierenden Nachteilen führt” wäre also der, dass Frauen sich zu wenig für Statistik interessieren?

  25. Sanníe hat das schon schön gesagt: Man kann so viele Frauenquoten einführen, wie man will, ohne Frauen in der Partei (die für ein höheres Engagement bereit sind), wird man die Quote nicht erfüllen können.

    Also Quote her, vielleicht lockt das die ein oder andere Frau mit Karrierewillen an, sich überhaupt bei den Piraten zu engagieren. Mehr Frauen bei den Piraten wäre toll, schlimm genug, dass man in der von malte beschworenen Realität mit den Piratenthemen bei fast allen Frauen auf herablassendes bis offensives Desinteresse stößt. Wenn eine Quote hier hilft, her damit. Wir (also die gesamte Bewegung) brauchen einfach mehr laute Frauen, um die Themen in der Gesellschaft zu verankern und aus der Nerd-Ecke raus zu kommen.

    Was gibt es zu verlieren? Selbst wenn die Auswahl an qualifizierten Frauen gering wäre, hat man halt ein paar unfähige Leute in leitenden Positionen; das ist aber auch mit nur Männern eher der Normalfall als die Ausnahme.

  26. 100%ige Zustimmung.

    @Nathanael: Wenn sich keine Frauen finden, die bereit sind für ein Amt (oder einen Listenplatz, Posten, etc.) zu kandidieren, dann kann es enstprechend von einem Mann besetzt werden. So ist das zumindestens bei den Grünen.

  27. westernworld

    da du wie ein blinder von der farbe aus dem berliner parkettaltbau redest verlinke ich einfach mal eine piratin.

    http://www.mela.de/archives/1236-Warum-ich-mich-fuer-kein-Amt-innerhalb-der-Piratenpartei-zur-Verfuegung-stellen-werde.html

  28. Die vergangenen 35 Jahre haben gezeigt, dass schlechtere Noten für Männer nicht mit einem besseren beruflichen Fortkommen einhergehen.

    Frauenquote hat immer was von Schwerbehindertenausweis. Weil jemand etwas nicht alleine kann, muss ihm die Gesellschaft helfen. Frauen können aber alles.

    Die Frau von heute ist stark, intelligent und durchsetzungsfähig. Sie braucht keinen gesonderten Artenschutz.

    Gleichheit heißt, niemanden zu benachteiligen, aber auch niemanden zu bevorzugen.

    Alles weitere regelt das Gleichbehandlungsgesetz.

    Wenn auf einem fernen Parteitag die Mehrheit entscheidet, dass es eine Frauenquote geben soll, bitte. Aber bitteschön demokratisch. Ich bin wirklich kein Fan der Piraten, aber es ist und bleibt deren Sache.

    Vielleicht hätte es eine Frau wie Angela Merkel allerdings mit Quote weitergebracht.

  29. @Matthias

    “Die Frau von heute ist stark, intelligent und durchsetzungsfähig.” Da hast du völlig recht, doch warum werden Frauen nach wie vor von Strukturen und Mitgliedern der Gesellschaft benachteiligt. Gegen die Strukturen kann sich frau als Einzelperson wohl wenig wehren. Alles andere regelt das Gleichbehandlungsgesetz.

    Quoten sind nur dazu da, ungleiche Machtverhältnisse auszugleichen. Wer das als Benachteiligung von Männern/Bevorteilen von Frauen missversteht, der sieht auch keine Problemfelder. Wie die Piraten eben.

  30. Eine Frauenquote von 50% in einer Partei, die sich für Netzpolitik einsetzt, ausschließlich von Männern aufgebaut (!) wurde und wegen ihrer Zielsetzung nur einen Bruchteil der weiblichen Bevölkerung überhaupt anspricht?

    2% männliche Kindergärtner stören keinen, aber 2% weibliche Piraten sind ein klares Zeichen für Sexismus?

    Oh Mann.

  31. Der Frauenanteil bei den Piraten deckt sich nach meiner Beobachtung in etwa mit dem Frauenanteil in der IT-Branche. In beiden Fällen finde ich die Geschlechterverteilung bedauerlich, aber letzlich ist in beiden Fällen die Entscheidung, ob man sich beteiligt oder nicht, eine individuelle und somit müssen die Interessenten weiblichen Geschlechts da selbst in die Pötte kommen.

    Im übrigen haben die Frauen bei den Piraten, die sich zu einer Kandidatur entschließen, im Allgemeinen offenbar ganz gute Karten wie man an den folgenden Landesvorständen erkennen kann: Ba-Wü, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Meck-Pom, Niedersachsen, NRW, Rheinland-Pfalz, Saarland und Sachsen

  32. So komisch es klingt, ich glaube die Piraten sind mit ihrer Gendereinstellung unserer Zeit voraus. Zu weit voraus. So weit voraus, dass es sehr schädlich ist.

    Ohne mich genau auszukennen behaupte ich mal: Das Ziel der Emanzipationsbewegung ist es, dass die Unterscheidung männlich/weiblich so irrelevant wird wie die Unterscheidung blond/dunkelhaarig.
    Bewerben sich eine Frau und ein Mann für eine Stelle, so ist das Ziel, dass das Geschlecht so viel Bedeutung für den Bewerbungserfolg hat wie die Haarfarbe – nämlich keinen. Dieser Status wäre eine Art “Postgender-Ideal”.

    Hat die Gesellschaft diesen Status erreicht, werden auch Dinge wie Frauenabende oder Männerabende, die ja heute immer noch stattfinden, so sinnvoll sein wie ein blonde-Menschen-Abend.

    Und ich denke, diesen Stand hat die Piratenpartei zu großen Teilen. Sie erheben bei den Mitgliedern nicht das Geschlecht und finden Mailinglisten für Piratinnen sinnlos, da das so sinnvoll sei wie Mailinglisten nur für blonde Piraten.

    Problem ist jedoch, dass unsere heutige Gesellschaft zwar große Fortschritte bei der Geschlechtergleichberechtigung gemacht hat, noch von meinem “Postgender-Ideal” noch weit entfernt ist, den wir führen immer noch die Unterscheidung männlich/weiblich durch. Bei jeder Statistik, bei jeder Datenerhebung. Und auch viele Menschen, die vom Sexismus weit weg sind, machen immer noch Männerabend bzw. Frauenabende.

    Frauenquoten sorgen zwar tlw. für Diskriminierung, indem sie unter Umständen eine Frau bevorzugen, obwohl es einen besserqualifizierten Mann gäbe. Dies ist jedoch vergleichsweise minimal und eher ein unerwünschter Nebeneffekt. Frauenquoten sollten eine Übergangslösung sein, bis das “Postgender-Ideal” erreicht ist, aber keine Dauerlösung. Das muss klar sein, um eben eine Diskriminierung von Männern auf lange Sicht hin auch zu unterbinden.

    Ich befürworte Frauenquoten, aber warum führt man diese ohne “Verfallsdatum” ein und sorgt so für eine permanente Unterscheidung?
    So nebenbei: Auch bei den Grünen gibt es nur einen Frauenanteil von 37% (Beleg: http://www1.bpb.de/files/UV8VWN.pdf ).

    Die Piratenpartei erkennt leider nicht an, dass die Gesellschaft vom Ideal noch weit entfernt ist, und lebt ihr “postgender”. Sie hält Kategoriesierung für Diskriminierung, was so durchaus richtig ist. (Vergleiche “Mauer in den Köpfen”: für die nach 1989-Geburtsjahrgänge wie mich gibt es die Mauer nur noch durch die Medien und dem Alltag der älteren Generationen.)
    Es ist nur ein Problem, wenn andere kategorisieren und diskriminieren, während man selber aufgrund fehlender Kategorisierung keine Diskriminierung feststellen kann. Die Piratenpartei muss weniger postgender werden, bis die Gesellschaft mehr postgender ist.

  33. Um ehrlich zu sein hatte ich von dir in dieser Thematik keine so differenzierte Abhandlung erwartet. Zumindest im ersten Teil. Dann: Frauäääänquotääää!!! Weil die armen Frauen dazu erzogen werden von Männern dominiert zu werden. Ist das das was du sagen willst?
    Frauen sind heutzutage genauso selbstbewusst und karrierebewusst wie die Männer wie du sie hier darstellst.
    Die CDU hat eine Frau zur Bundeskanzlerin gemacht – ohne Frauenquote meines Wissens.
    Selbst wenn die Piratenpartei nicht nicht voll post-gender oder post-feministisch wäre (post-feministisch würde feministisch bedeuten, wenn es den faschistoiden feminismus von alice schwarzer nicht gegeben hätte – siehe dazu ihren wikipedia artikel), dann ist genau das der ansatz. und nicht mit ideen, die vor dreißig jahren interessant waren, als Oswalt Kolle noch wichtig war. Die zeit ist längst vorbei. Noch nicht in den Köpfen der Blogger so scheint mir.
    Wenn Frauen in den Vorstand der Piraten wollen, sollen sie sich aufstellen lassen. Fertig. Punkt.

  34. Ich habe auch so meine Erfahrungen mit der Gender- und Quotendiskussion gemacht. In den 1990er Jahren haben wir bei den Jusos bei jeder Delegiertenkonferenz darüber diskutiert und gestritten.

    Dabei bin ich zu einer Erkenntnis gelangt die sich seit dem immer wieder bestätigt hat.

    Die Diskussion und die Quote wird so lange notwendig sein, bis es selbstverständlich ist, dass 50 % der Mitglieder Frauen sind ohne das darüber diskutiert werden muss. Die Quote ist übrigens nur ein Instrument oder Indikator, sie zeigt an, ob eine Organisation in der Lage ist sich Frauen zu öffnen oder ob weiterhin ein Männerverein bleibt.

    Es gibt einige, auch in der SPD, die meinen die Quote müsse sich an der Demografie der Mitglieder orientieren, doch im Grunde ist das der größte Blödsinn, denn man macht ja nicht Politik für die Partei, sondern für das gesamte Land und da ist die Demografie nun einmal 50/50. Übrigens wissen die Piraten nicht einmal wie viele Parteimitglieder Frauen sind.

  35. @Kathrin Passig
    Wolfgang Schmidbauer hat gesagt, dass er in seiner psychoanalytischen Praxis lange unterschätzt hat, wie tiefsitzend Vergewaltigungsängste in seinen Patientinnen seien. (Eine Statistik legt er dieser Aussage nicht bei, ihm ist wohl in dreißig Jahren einfach bloß kein Mann mit solchen Ängsten untergekommen.)
    Ob nun Parkhäuser besonders gefährlich sind, ist doch gar nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass Frauen ungleich häufiger von sexueller Gewalt betroffen sind.
    Warum sollte man da nicht auch zu Mitteln greifen, die die gefühlte Sicherheit erhöhen.
    Tut mir leid, ich verstehe den Punkt nicht.

  36. “Der Punkt ist, dass Frauen ungleich häufiger von sexueller Gewalt betroffen sind”, echt? Die Dunkelziffer bei Männern ist höher als die bei Frauen.

  37. Frauenparkplätze sind vielleicht doch kein so gutes Beispiel, sie stammen aus einem subjektiven Bild, welches nicht unbedingt stimmen muss. Eine bessere Beleuchtung in so mancher Parkgarage und Wachpersonal welches gut erkennbar mal durchläuft würden die subjektive Sicherheit wohl allgemein steigern aber am Ende ist das alles nur ein Nebenschauplatz.

    Entscheidet ist doch, dass die Piraten nicht außerhalb der Gesellschaft agieren, sie sind Teil dieser Gesellschaft. Und die Gesellschaft hat die Diskriminierung von Frauen noch lange nicht überwunden. Und wer mir jetzt mit Angela Merkel kommt, hat vergessen wer sie in die Position gebracht hat, damit sie Parteivorsitzende und Bundeskanzlerin werden konnte, nämlich Helmut Kohl.

  38. Ich gehöre zu der exotischen Spezies, die sicht trotz Weiblichkeit für “Open Access, Urheberrecht, Patentrecht und informationelle Selbstbestimmung”, oder verwandte Sonderlichkeiten interessiert. Und ich käme nicht auf den Gedanken, mich den Piraten (als Partei, nicht einzelnen Piraten) weiter als bis auf Twitter-Distanz zu nähern.

    Nun interessiere ich mich nicht nur für Technikkram, sondern hege auch noch feministische Gedanken. Damit gehöre ich sicherlich zu einer völlig zu vernachlässigenden Minderheit, aber jedenfalls: wer sich öffentlich so darstellt wie die Piraten, könnte auch ein Banner oben auf der Website anbringen, auf dem in etwa steht ‘Fuck you, wir können gut auf Euch verzichten. Wir finden uns super. Wir bleiben lieber unter uns’. Bezogen auf ungefähr alle, die nicht dem klassischen Nerd-Stereotyp entsprechen (weiß, deutsch, männlich, zwischen 30 und 40, Akademiker).

    Naja, und das ist ja auch eine Entscheidung. Ob das politisch sinnvoll ist, ist eine andere Sache.

    Ich kann, ganz rational betrachtet, mit meiner Zeit viel sinnvollere Dinge anfangen, als zu versuchen, so einen Karren aus dem Dreck zu ziehen.

  39. >Es gibt da bloß ein Problem: die Realität.

    Das stimmt, denn mit der Realität in der Piratenpartei hat dein Artikel nur sehr wenig gemein. Hast du mal Stammtische und Parteitage besucht, um dir ein Bild von der sagenhaften Benachteiligung von Frauen bei uns zu machen? Eine Reduzierung auf das Geschlecht ist mit den Piraten hoffentlich nie zu machen. Wir wählen lieber nach Kompetenz und so soll es auch bleiben.

  40. Ich hatte in der Vergangenheit immer das Gefühl, dass Frauenquoten immer nur zu Aussagen wie “Die ist ja nur wegen der Quote hier, nicht wegen ihrer Leistung.” führen. Das ist für tatsächliche Gleichberechtigung doch garantiert nicht förderlich.
    Gerade bei der Piratenpartei sollte man eigentlich das Nicht-Vorhandensein von ranzigen Vorstellungen vom Hausmütterchens und dem schaffenden Vater in der 1,5 Kinder-Familie voraussetzen können. Zumindest würde ich mir das wünschen.

  41. @zrendavir

    entschuldige bitte, aber deine definition von post-gender ist genauso wenig wie die der piratenpartei: die definition von post-gender. wer frauen diskriminiert, sexismus zum leitprinzip erklärt und androzentrismus in reinkultur lebt, ist überhaupt nicht post-gender.

    post-gender bedeutet nicht gleich gender-unsensibel. ich finde es ehrlich gesagt unerträglich, wie die piratenpartei sich hinter diesen begriff flüchtet und versucht ihn umzudeuten. post-gender kann man (wenn das überhaupt möglich ist) erst sein, wenn man sich mit feminismus, gender, strukturalismus, identitätstheorie und dekonstruktion auseinandergesetzt hat (also weiß, wovon man spricht) und es schafft, seine lebenslange sozialisation völlig auszublenden und zu negieren. das heißt, jedes mitglied soll bitte aufstehen und ab sofort sagen: Ich bin kein Mann. Ich bin keine Frau. Nichts tun, was geschlechtlich konnotiert ist. Eigentlich kann man dann gleich aufhören, zu existieren, weil die Gesellschaft solche Räume bisher so gut wie nicht zur Verfügung stellt.

    wenn das männliche als unhinterfragbare Norm deklariert (denn die Partei besteht ja zum Großteil aus Männern, orientiert sich auch inhaltlich in vielen Punkten an deren Bedürfnissen – was ich nicht mal kritisch sehe), jedoch alles, was nicht dieser Norm entspricht als abweichend und hinterwäldlerisch inszeniert wird, dann, so leid es mir tut: lebt die Partei, bessergesagt ihre Mitglieder, fernab jeder Realität.

    Soviel Borniertheit und sexistischer Handlungspraxis kann man nur eins entgegen bringen: Ignoranz.

    Was mich noch interessiert: Wenn schon so darauf gepocht wird, Diskriminierung als solches zu verurteilen und damit auf Kategorien zu verzichten, die Differenzen und Diskriminierung schaffen…wo bleiben die Ideen und Vorschläge dazu? Wo kümmern sich Piraten um die Belange von Menschen mit Migrationshintergrund, mit Behinderung, von alten Menschen, homosexuellen Menschen, religiösen Minderheiten? Ich sehe da nichts.

    Bevor man sich an die Auflösung von Kategorien macht, sollte man erstmal anfangen, Ungleichbehandlung zu bekämpfen, bis alle gleichberechtigt leben können und deshalb Kategorien vielleicht überflüssig werden könnten. Nur weil ich sage: Das gibt es nicht, existiert es fortan nicht mehr.

  42. Ich tue mich etwas schwer zu entscheiden, ob eine Quote jetzt was gutes oder schlechtes ist, vor allem, nachdem ich Melas und Silkes Beiträge gelesen habe. Beide Seiten der Quotendiskussion haben gute Argumente.
    Was ich aber neben der Frauenhasserfraktion auch zum kotzen finde, sind Leute, insbesondere Männer, die meinen, Frauen, welche die Quote ablehnen, zu unterstellen, sie seien ja nur Fremdgesteuert, und wollten ja nur den männlichen Piraten gefallen etc. Das ist mindestens genauso ekelhafterer Sexismus.
    Weiter sind es zwei paar Schuhe, ob in der PP Frauen gut in Führungspositionen und überhaupt in der Partei repräsentiert sind (wegen Repräsentation der Wähler/ des Volkes) oder ob Frauen es schwerer haben, in Verantwortung zu kommen, weil sie nicht gewählt werden, sich nicht trauen sich aufzustellen usw.

  43. Ich stimme dem Blogeintrag in weiten Teilen zu, aber das Bild mit dem Parkhaus halte ich für …ähm… fragwürdig. Am häufigsten Opfer von Gewaltstraftaten werden immer noch Männer. Trotzdem haben Frauen mehr Angst (auch aus der begründeten Vermutung, bei einem möglichen Angriff oft kräftemäßig unterlegen zu sein).

    Tatsächlich müssten Männer mehr Angst haben, sie werden ja häufiger Opfer. Trotzdem fordert niemand Männerparkplätze. Aber soweit zu gehen, Frauen als einzige Opfer von Straftaten zu bezeichnen, das geht nicht mal mit zwei zugedrückten Augen. Die letzten beiden Sätze klingen meines Erachtens einfach naiv. Schade für den Blogeintrag.

  44. Und wo genau ist da das Argument gegen eine Männerquote? Meiner bescheidenen Meinung nach braucht das Land, und auch die Grünen, beides: Frauenquoten, weil die Welt nun mal so ist, wie sie ist, und Männerquoten, weil wir es nicht schadet, aber Kritikern den Wind aus den Segeln nimmt.

  45. Hier mal so eine Küchenpsychologische Erkärung eines Mannes aus melas Blogeintrag:

    “Die Diskriminierung von Frauen in der PP ist unzweifelhaft. Das kapieren die meisten Piratinnen auch nicht, dass es keine Sache von befindlichkeiten ist, sondern von Fakten und Statistiken. Es gibt auch Frauen die wenn sie geschlagen werden ihren Freund verteidigen gegenüber ihrer Umwelt und zu ihm stehen. Sagst Du dort dann auch: Sie wird nicht geschlagen? Es gibt Symptome und Ursachen. Simple as that. Ob Du es nun sehen kannst/willst oder nicht.”

  46. Ich habe zwar nicht jeden Kommentar gelesen (ab der Hälfte aufgegeben), aber so langsam finde ich, dass es echt absurde Formen annimmt und ich verliere zunehmend die Fähigkeit es noch ernst zu nehmen.
    Das es jedem Menschen selbst überlassen bleibt, wo er sich einbringt und wo nicht (und wie mitgearbeitet wird wenn), ist doch gerade der Punkt an Demokratie. Wenn die Partei jetzt keine gesellschaftlichen 50% an Frauen hat, dann kann man diese ja wohl schlecht zum Eintritt zwingen. Duh. Genau das müsste man aber, wenn man diesen albernen Gedanken konsequent weiterdenkt. Man kann doch die Legitimation eines Parteiziels nicht davon abhängig machen, wie viele Frauen daran beteiligt sind. Das ist doch bei anderen Organisationen und Vereinen [...] auch nicht so. Was müsste man immer alles ungetan lassen, nur weil man gerade nicht genug Frauen dafür zusammentrommeln kann? Vollständig lächerliche Einstellung.
    Wenn Frauen bei den Piraten irgendwie blöd angemacht werden oder benachteiligt werden, dann muss dagegen zweifellos etwas getan werden (wie überall), aber im Gegensatz zum obigen ist das immerhin ein konkreter Anlass.
    Die Piraten wären sicherlich die ersten, die sich über mehr Frauen freuen würden (eigentlich über jedes neue Mitglied…), aber das ist eben wie bei der Party anderen Typs. Wer auftaucht ist da. Ich versuche mir auch gerade vorzustellen wie ein solches Unterfangen überhaupt realisiert werden sollte. Einfach keinerlei Männer mehr aufnehmen und nur noch Frauen, bis sich der Prozentwert genug erhöht hat? Wer _so_ anfängt, kann die Partei dann wirklich direkt dichtmachen…
    Wenn übrigens alle anderen so toll darin sind, jederzeit wahnsinnig viele Frauen auftreiben zu können, dann wird es euch ja sicherlich leicht fallen den Piraten hier auszuhelfen. Oder besser noch: Macht ein Unternehmen auf, dass Parties organisiert. Es gibt sicherlich genug Kerle, die dafür zahlen würden, der einzige Mann auf einer Party mit 100+ Frauen sein zu dürfen. Yay!
    So und jetzt widme ich mich dem IMHO wesentlich dramatischeren Problem des Frauenmangels in meinem Bett. Ich sollte eine Quote einführen. Mindestens zwei Frauen… Denn es kann ja nicht sein, dass in einem Bett nur 1 Mann alleine liegt. Gute Nacht.

  47. “Was tut die Piratenpartei für Gruppe X” ist eben das Problem. Die haben als One-Issue-Partei angefangen, und während die Grünen es rausgeschafft haben, verweigern die Piraten sämtliche Öffnung.
    Deshalb ist eben dieser Parteitag auch so peinlich gescheitert: es ist unmöglich, irgendetwas außer Netzpolitik mit dieser Partei zu machen. Keine Friedenspolitik (“Bundeswehr raus aus Afghanistan.” Toller Beschluss. Sehr innovativ. Man hätte sich mit extremen Forderungen, wie Bundeswehr komplett abschaffen und nur eine gemeinsame europäische Armee zu unterhalten Profilieren können), keine Sozialpolitik. Keinen Feminismus.

    Naja und jetzt zeigt sich eben, weshalb die Männerpartei, die Rentnerpartei, die Nazis, die seltsamen Öko- und Esoparteien nichts werden, One-Issue geht eben nicht, das verstehen die Piraten nicht, die Piraten werden nicht mehr relevant.

    Wo auch? Sie haben ja nichtmal eine Nische in denen sie sich ausbreiten könnten. Das einzige Feld, in dem sie ein bisschen punkten konnten, Netzpolitik, ist mittlerweile schon ausreichend von den Anderen besetzt worden (sogar die SPD!). Und sämtliche Felder, die sie jetzt versuchen, zu besetzen, sind schon abgedeckt. Und für richtig innovative, extrem liberale Ideen sind sie zu feige. Man könnte fast glauben sie hätten irgendetwas zu verlieren… Spießer.

    Und die wären in der einmaligen Position gewesen, den anderen liberalen Impulse in die richtige Richtung zu geben. Denn die haben völlig irrationale Angst vor den Piraten und kopieren alles ungeprüft.

  48. “Die haben als One-Issue-Partei angefangen, und während die Grünen es rausgeschafft haben, verweigern die Piraten sämtliche Öffnung.”

    Wieso sind die Piraten in NRW dann mit einem Bündel von Themen angetreten?
    Irgendwie beschränkt sich alles Wissen, was viele Surfer über die Piratenpartei haben, auf 1 oder 2 bizarre Blogeinträge, die sie mal kurz überflogen haben. Oder auf Forumseinträge, die nicht von Parteimitgliedern verfasst wurden (weil jeder dort schreiben darf).

    “Man hätte sich mit extremen Forderungen, wie Bundeswehr komplett abschaffen”

    Super Idee. Dann können Blogger und etablierte Zeitungen endlich schreiben, dass die Piratenpartei plant weltweit Schiffe zu überfallen, weil die ja dann nicht mehr von der Bundeswehr beschützt werden. Und was sich daraus wieder für tolle Folgeartikel erstellen lassen würden! OMG!

    “Das einzige Feld, in dem sie ein bisschen punkten konnten, Netzpolitik, ist mittlerweile schon ausreichend von den Anderen besetzt worden (sogar die SPD!).”

    LOL! Klar. Nur das man mit den anderen Parteien, die schon alles besetzen (zumindest das stimmt), dann halt ganz schnell Filter, neue VDS usw. bekommt. Also alles, wogegen die Piraten stehen.
    Es gibt nicht eine einzige Partei, die erreichen möchte, was den Piraten wichtig ist. Aber wer meint das Parteien wie die SPD alle Netzpolitik ausreichend besetzen (!), interessiert sich sowieso einen Dreck dafür.
    Die SPD hat jede Überwachungsmaßnahme schön brav zusammen mit der Union beschlossen. Da passt kein Blatt Papier zwischen.

    “Und für richtig innovative, extrem liberale Ideen sind sie zu feige. ”

    Eine 2% Partei hat echt andere Sorgen, als vorzugeben die Antwort auf jede Frage der Menschheit zu besitzen. Zumindest DAS machen ja außerdem schon die anderen.

  49. @lantzschi:

    Vielleicht missinterpretiere ich deinen Ton, aber ich bin weder Mitglied, noch Sympathisant der Piratenpartei, die mir in vielen Punktenunsympathisch erscheint.

    Ich habe schon vorangestellt, dass ich von Genderthemen kein Fachwissen habe, ich habe lediglich für mich in etwa definiert, was ich die “intelligenteren Piraten” in etwa mit Post Gender meinen. Wenn der Begriff bei den Genderstudies eine andere Definition hat: gerne. Ich habs halt der Verständlichkeit so definiert, wie beschrieben und extra noch Anführungszeichen gesetzt.

    Und “Sexismus zum Leizprinzip erklären”, sorry. So sehr ich denke, dass die Piratenpartei viele Fehler macht – Sexisten sind sie noch lange nicht. Viele einzelne Mitglieder der Partei mögen sexistischen Mist ablassen und wer am lautesten brüllt wird auch am ehsten wahrgenommen. Aber nach dem, was ich so gelesen habe, muss man fairerweise einfach sagen: die meisten Piraten sind ziemlich naiv im Bezug auf Geschlechterrollen, aber nicht sexistisch.

    Ich glaube es ist ein großer Fehler bei der Debatte “Piraten vs. Feministen”, dass man sich gegenseitig nur Sexismus bzw. Veraltetheit vorwirft. Beides ist falsch und durch diese unsachlichen Vorwürfe, die meistens durch Trolle bei den Piraten angestachelt werden, wird jeder konstruktive Dialog verhindert.

    Ob eine tatsächliche Diskriminierung stattfindet, ließe sich übrigens doch grob überprüfen. Es werden ca. 10% Frauen bei den Piraten geschätzt. Wie hoch ist denn der Frauenanteil bei den Listenplätzen und Vorständen? Gefühlt etwa auch bei 10%…
    Mathematisch gesehen muss man eben auf die Grundgesamtheit schauen. Wenn ein Verein 80% weibliche Mitglieder hat und nur 50% der Vorstände weiblich sind ist das ja auch keine Gleichberechtigung. Genauso fair sollte man bei den Piraten sein.
    Das Problem ist doch viel eher, warum sind nur so wenige Frauen überhaupt Mitglied der Piraten. Das würde ich auch nur bedingt den Piraten zuschieben, wenn ich mir die IT Branche anschaue.

    “post-gender kann man (wenn das überhaupt möglich ist) erst sein, wenn man sich mit feminismus, gender, strukturalismus, identitätstheorie und dekonstruktion auseinandergesetzt hat”
    Dieser Satz ist in etwa so sinnvoll wie der Satz: “Ich kann nur tolerant gegenüber Ausländern sein, wenn ich mich mit Identitätstheorie, Kulturanthropologie und der Rechtsphilosophie der Menschenrechte auseinandergesetzt habe.”
    Es werden viele Vordenker, fähige Politiker etc. benötigt um Toleranz und Gleichberechtigung in einer Gesellschaft durchzusetzen – ich selber kann jedoch auch für Emanzipation sein ohne Gender Studies studiert zu haben.

    “Wo kümmern sich Piraten um die Belange von Menschen mit Migrationshintergrund, mit Behinderung, von alten Menschen, homosexuellen Menschen, religiösen Minderheiten?”
    Ganz ehrlich: Ich glaube das liegt eher an der Ein-Themen-Fokussierung der Piraten als an fehlendem Willen zur Diskriminierungsbekämpfung. Auch hier wieder: die Piraten machen viel Schwachsinn weswegen ich sie sobald nicht unterstütze, aber deine Kritik an ihnen ist unsachlich.

    Ich würde die Bedeutung der Kategorisierung bei der Diskriminierung wirklich nicht unterschätzen. Ich wäre von allein nie auf die Idee gekommen, dass das deutsche “man” als männlich zu interpretieren, wenn jemand auf die tolle Idee gekommen wäre “frau” zu sagen. Und mit Geburtenjahrgang 1990 käme ich auch nie auf die Idee, zwischen Ost- und Westdeutschen zu unterscheiden, wenn der Unterschied nicht in jeder Statistik gemacht werden würde.

    Wohin genau deine Kritik an mir gehen soll weiß ich letzten Endes aber auch nicht so recht, denn den letzten Absatz von dir kann ich genauso unterschreiben, weil ich dasselbe auch geschrieben habe:
    “Es ist nur ein Problem, wenn andere kategorisieren und diskriminieren, während man selber [Piraten] aufgrund fehlender Kategorisierung keine Diskriminierung feststellen kann.”

  50. @Swiss: es geht doch um den Wahlkampf, nicht um die Realität. Und weil die Piraten noch viele Jahre nicht in die Verlegenheit kommen werden, Regierungsverantwortung zu tragen (oder überhaupt: Abgeordnete zu haben), könnten sie sich exzellent aus dem Fenster lehnen.

  51. @Malte
    Da du das nicht zu wissen scheinst: IT, Internet und Kram like that SIND nunmal Dinge die für den Großteil der Frauen sehr unattraktiv sind. Nicht so sehr wie der Monstertruck-Fanclub, aber immerhin. Das ist Fakt. Und das sind bisher die Piraten nun einmal. Der Bundesparteitag bestand aus langen Haaren, wuscheligen Bärten, schwarzen T-Shirts und weißen Aufdrucken. Dazu Laptops und Nerdkram.
    Erkennt mal die Realität an.

    Die ganze Thematik wurde vom Großteil der Blogger nicht im Ansatz verstanden. Da aber Blogger grundsätzlich so tun als hätten sie alles umrissen, argumentieren sie gedanklich in den 80ern.

  52. Ich bin in der Piratenparteidiskussion nicht besonders drinnen, weil ich sie aus ganz anderen Gründen als Partei für mich nicht ernst nehmen kann (liegt daran, dass politische Ziele nicht nur etwas mit dem Netz zu tun haben können.) Daher frage ich mich in der Diskussion gerade eines, warum sind bei den Piraten denn keine Frauen in die Spitze gewählt worden …

    a) weil sich keine Frauen haben aufstellen lassen?
    b) weil aufgestellte Frauen nicht gewählt wurden?

    Persönlich so mit inzwischen 45 Jahren auf dem Buckel, kann ich für mich nur sagen, möchte ich keine Quote mehr für Frauen. Sie ist nicht mehr standesgemäß für 2010. Quote hat zu offensichtlich leider zu überhaupt keiner nennenswerten Änderung geführt für Frauen in Deutschland. Wir haben die gruseligste Frauenpolitik seit Merkel für’s mis en place zuständig ist, seit den 70igern. Quotenministerinnen, deren sachliche Kompetenz ich ernsthaft anzweifle, werden in Quotenpositionen, die sich mit Familie oder Arbeitslosigkeit beschäftigen dürfen, also primär hausgemachten KnowHow, eingesetzt. Alleine, dass sich keine dieser Frauen mal getraut hat zu sagen, „Nein, dieser Ministerposten kann mir als Frau nur zu blöd sein und reicht mir nicht.“, sagt alles.

    Dabei verdienen Frauen nach wie vor 33 Prozent weniger bei gleicher Eignung im Job, machen Frauen nach wie vor den größten Anteil ihrer Existenz mit Minijobs. Und man hat ein neues Scheidungsunterhaltsrecht eingeführt, dass nicht wenige Frauen aus der Generation 1960 direktamente in die Altersarmut führen wird – obwohl man die Regelung wissend um diese Problematik auch hätte anders auslegen können für die Frauen, die Ehe noch als Versorgungsmodell begriffen und Jahrzehntelang gelebt haben.

    Was ich sagen will, wir können noch wochenlang über die Männerdominanz in einer kleinen Partei diskutieren. Für mich sind die Piraten längst tot und sie werden nicht wirklich mehr groß werden, denn außer der Tatsache, dass die aktiven Frauen innerhalb der Partei unzufrieden sind: ich bekomme außer dieser Diskussion in der Öffentlichkeit nicht mehr mit von der eigentlichen Parteiarbeit und dem Anliegen – seit einem halben Jahr ungefähr. Das macht es rein imagebedingt schwer an die Piraten zu glauben. Dann erlebt man Interviews einer FDP-Spitzepolitikerin, die in Brüssel geparkt wurde, die den Posten eines Verteidigungsministern für die nächsten Jahrzehnte für eine Frau unmöglich gemacht hat. Der Trend geht dazu, die Quotenfrau mit jemanden zu besetzen, die wenig Rückgrat hat, wenig Fachwissen (Künast als Ausnahme sei dank), wenig Kampfgeist, um wirklich gute Politik zu machen.

    Wir haben in Berlin seit Jahren einen Senator für Wirtschaft, Technik und Frauen (in dieser Reihenfolge!). Wenn so offensiv Priorität im Namen kundgegeben wird, braucht’s keine Quote. Quote bedeutet in Deutschland nämlich, dass in Behörden bei Prüfungen gerne bemängelt wird, dass die Frauenquote unter aller Sau ist – und dennoch wird der nächste frei Posten von einem Mann besetzt. Quote birgt keinerlei Konsequenz – worüber reden wir also?

    Insofern sind aber auch die Piraten für mich kein Ort, wo man Belange von Frauenquote und deren Erfolg diskutieren muss. Die Probleme von zu wenig Frauen in der Politik sind größer und sie werden an ganz anderer Stelle nicht gelöst. Und genau dorthin sollte die Kritik fließen, das ist ein Kampf, der viel Kraft und Energie abverlangt – ich halte es für eine völlige Verschwendung die Energie ausgerechnet bei den Piraten zu verpulvern.

    Vielleicht bringt es die Piraten weiter, vielleicht nicht. Frauen bringt sie auf alle Fälle nicht weiter.

  53. Mich kotzt es gelinde an, daß ein paar wenige Trolle uns aussenwirkungsträchtig so massive Probleme andichten, und dann die Machotrolle (Diskussionen im Wiki) das Bild komplettieren, so daß kluge Köpfe wie Anne Roth sich abwenden. Diese lauten Stimmen sind Ausnahmen, und die Folge von festgefahrenen Grabenkämpfen. Diese Außenwirkung verhindert, daß wir intern das Problem korrekt angehen können. Dieses Problem ist: Wie macht man die Piraten für Frauen attraktiv. Denn Frauen, die es so reingeschafft haben, wurden meines Wissens nach noch nie diskriminiert, das Schlimmste, was ich erlebt hatte, war unsachliche Kritik ggü einzelnen weiblichen Personen, aber nicht bezogen auf ihr Geschlecht, sondern bezogen auf einen total verfahrenen Grabenkampf und eine Historie an unproduktiven Provokationen. Weder Frauen, noch eine korrekt geführte Genderdiskussion werden abgelehnt. Der berüchtigte interne Schutzraum der “Piratinnen” wurde eingerichtet und wurde bis dato noch von keiner Frau benötigt, die ML ist nach Aussagen von Teilnehmerinnen faktisch tot.

    Das heißt für mich, daß wir kein Problem haben, aber unbedingt Problemen vorbeugen müssen. Wir müssen Strukturen schaffen, die Frauen ansprechen und wir müssen öffentlich festschreiben, was wir (jetzt schon intuitiv) tun, um Diskriminierungen gegen JEGLICHE Individuen sofort zu ersticken umd zu verhindern.

    Das dämliche “piraten machen nix und sind daher unwählbar” Geblöke ist inhaltlich falsch, und schadet der Partei, den Frauen in der Politik und damit ganz Deutschland! Und es behindert die echten politisch motivierten und dialogfähigen Piraten, die tatsächlichen Probleme zu identifizieren und zu bekämpfen

  54. @zrendavir

    post-gender ist kein wort, dass man einfach so frei umdeuten kann, auch wenn man von gender studies und soziologie noch nie gehört hat. das ist ja genau das, was ich meine. menschen, die keine ahnung haben, maßen sich an über ungleichheitsverhältnisse und begriffsdefinitionen, über unterdrückungsmechanismen zu urteilen, wie es ihnen passt – weil sie von ihrer privilegiertenposition gar nicht sehen, wie sehr sie selbst teil davon sind. natürlich muss man dafür all das nicht studiert haben, aber post-gender hat nun einmal auch nichts mit deinem sonderlich hinkenden toleranzvergleich zu tun. tolerant zu sein ist keine leistung, es bedeutet menschen in ihrer vielfalt zu schätzen und zu achten. post-gender bedeutet hingegen das negieren von der wirkmächtigkeit von geschlecht, dazu bedarf es allerdings erstmal das negieren der eigenen geschlechtlichkeit und das unwirksammachen von geschlechtlichen konnotationen und zuschreibungen. alles andere ist augenwischerei. die piraten denken, sie könnten das eine ohne das andere haben, und nebenbei unter dem deckmantel von pseudogelaber noch sexistischen müll reden. post-gender ist keine entschuldigung für hegemoniale männlichkeit.

    achso: sexismus ist also neuerdings so etwas wie eine charaktereigenschaft. und wer sexistisches zeug labert, ist kein sexist. das ist eine so dermaßen typische abwehrhaltung von privilegienträgern. rassisten würden sich auch nie rassistisch nennen, nur weil sie “n****” sagen… wie definierst du denn sexismus?

  55. Eine einfache Frage:

    Wenn jede Partei bereits ihre Frauenquotenforderungen und ihre jeweiligen anderen Instrumente zur Frauenförderung hat, aber keinerlei Verständnis von Datenschutz und Internet, dies aber die Piratenpartei als ihr Kernziel ausgibt (und nur dies als Kernziel).

    Warum sollte die Piratenpartei – mit ihren begrenzten Ressourcen!! – so sein wie alle anderen, während sie doch gerade als Nischenpartei eine perfekte Ergänzung für bestimmte Themen (Internet, Datenschutz) perfekt wäre?

    Wozu andere kopieren? Wenn alle anderen schon so sind?

  56. nach 57 Kommentaren steig ich nicht mehr ein,
    aber 1a Text, gut abgefeiert und mich selbst wiedererkannt – leider nur inhaltlich – machma dein Buch

  57. @Sleeksorrow: Daran müsst ihr euch halt gewöhnen. Ihr werdet immer wegen euren Trollen angegriffen werden, von unsachlichen Wahlkämpfern wie z.B. mir. Und deshalb müsst ihr eure Trolle eben unter Kontrolle bringen, und nicht in Ämter wählen und dann höchstpeinlich und öffentlich versuchen sie loszuwerden.

    Klar klingt das mies und nicht sonderlich liberal, aber was eine politische Partei unbedingt braucht, sind Einpeitscher, die dafür sorgen, dass die Basis nicht gegen sie arbeitet. Schau dir die anderen an: wenn irgendjemand aus einer anderen Parteibasis herumtrollt, färbt das praktisch nie negativ auf die Partei selbst ab, weil die es stets schaffen, ihr äußeres Bild zu kontrollieren. Dass die bis vor kurzem völlig unpolitischen Piraten das noch nicht können, ist verständlich. Und dass sie es nicht wollen, weil es unehrlich und undemokratisch wirkt, ist auch klar.

  58. Wie wäre es denn statt Quoten mit Kursen für ein selbstbewußteres Auftreten bereits in der Schule? Und für eine Betonung wie wichtig Parteiarbeit ist?

    Interessanterweise gibt es Frauenparkplätze übrigens nur im deutschsprachigen Raum. Andererorts scheint man gut ohne sie zurechtzukommen.

  59. Ich bin für 50/50 Quoten…dann allerdings auch bei der Wehrpflicht, in Afghanistan, auf dem Bau, unter Tage…usw. Den Spass würde ich mir gerne mal anschauen…;) Sollten die Frauen es schaffen das Deutschland nicht auf das Niveau eines Dritte-Welt-Landes fällt, dann soll es auch Quoten für Mangerposten usw. geben…wenn es allerdings nicht klappt, dann sollten die Frauen wieder zurück an den Herd…

    Ich finde man sollte diese 50/50 Quoten mal ausprobieren, aber zuerst in den Bereichen in denen fast nur Männer arbeiten, und dann werden wir ja sehen…ohne ein Prophet zu sein: Das geht aus wie das Hornberger Schiessen.

    Die Frauen früher im und nach dem 2. Weltkrieg hätten es gepackt (arbeit in Munitionfabriken, Trümmerfrauen). Bei den heutigen Frauen bin ich mir nicht so sicher.

  60. “…würden ein Mann und die habt eure Ellenbogen…”

    …konterst du damit “bevorzugd abgeschaft”?

    ;¬)

  61. @marcel
    gottverdammt! und der erste, der was sagt, meldet sich nach 40 stunden. danke!
    nie wieder ohne aspirin.

  62. hab’ solange gebraucht es zu lesen.

    ;¬)

  63. Einige Gedanken zur Geschlechterfragendiskussion bei den und um die Piraten…

    Anlässlich des Bundesparteitags der Piratenpartei am letzten Wochenende kocht gerade wieder mal die Gender-Suppe. Konkret geht es um die Frage pro oder contra Frauenquote bei den Piraten und es wird heiß diskutiert. Malte Welding hat einen interessante…

  64. Also eins muss man dem Thema schon lassen – für massig Kommentare ist es immer gut. Sollte es vielleicht auch mal aufgreifen.

  65. der herr schroeder

    Was meinen Sie, was passiert, wenn Sie da noch ne iPad-Verlosung dazupacken.

  66. @creezy
    Ich bin sehr erstaunt, dass das neue Scheidungsunterhaltsrecht so wenig thematisiert wird. So wie die gesellschaftlichen Verhältnisse bei uns sind, ist man mit dem neuen Unterhaltsrecht als Frau nur noch in den Arsch gefickt. Und keiner stellt sich hin und klärt unsere jungen Geschlechtsgenossinnen mal darüber auf, dass sie einfach nur noch bescheuert sind, wenn sie für Kindererziehung auf Karrierechancen verzichten. Der liebe Ehemann gibt Dir dann nach 20 Jahren nen Tritt in den Arsch, gründet ne neue Familie, und Du kannst sehen wo Du mit Deinem Dödeljob bleibst (zu mehr hat’s ja nicht gereicht weil man wegen der 3 Kinder zuhause bleiben musste).

  67. Okay, die Diskussion ist wahrscheinlich abgeschlossen, ich bin spät dran, möchte aber noch was schreiben, weil mir das hier völlig fehlt.

    “Die Frau von heute” – wer ist das? Und die kann alles?

    Manche Frau hat sich schon für stark und modern und eigenständig gehalten, bis sie eines Tages mit Gewalt, verübt von einem Mann, konfrontiert war und merkte: “Es gibt hier gerade einen klitzekleinen Unterschied in der Ausgangssituation: Der Typ ist doppelt so groß und schwer, und hat nur halb so viel Angst, zuzuhauen, und ist wahrscheinlich zweimal so geübt darin.” Hinterher war, wenn es glimpflich ablief, ein Auge blau, das Portemonnaie weg, und die Psyche nachhaltig gestört. Manche moderne Frauen lassen sich nach Einbruch der Dunkelheit “wie von Papi” von ihrem Partner abholen, vom Bahnhof, von sonstwo, und fühlen sich dabei im besten Fall “beschützt”. Oder sie steigen ins Taxi. Das kostet.
    Und da nützt das beste Ego nichts! Das beste Diplom versagt in dem Moment, in dem dir jemand gegenübersteht wie siehe oben. Weil kein Aggro sagt: “Zeig mal deine Abschlussnote. Oh, so gut? Dann lasse ich dich in Ruhe.”

  68. Und ich stimme Maltefan zu. Das ist oft genug Realität. Bzw. viel zu oft. Wir sind z.T. noch Lichtjahre von Gleichberechtigung entfernt!

  69. “Frauen sind darauf gedrillt worden, zart und süß und leise zu sein.”

    Lieber Malte, das muss nicht einmal der Fall sein! Ich wurde z.B. von meinen Eltern darauf gedrillt, davon auszugehen, dass ich mich stets für mich selbst stark machen muss. Dass das kein anderer für mich tut. In den Ferien gab’s Rhetorik-Kurse, es gab kaum eine Sportart, die ich nicht lernen “musste”. Und trotzdem. Trotzdem kann es passieren, dass Frau sich plötzlich mit einem Typen konfrontiert sieht, dem das piepenhausen ist oder der sich davon sogar provoziert fühlt, und dann gibt’s eins auf die Nuss. Denn die Welt besteht nicht nur aus dem, was man selbst hineingibt. Einem Anderen ist das eigene Anliegen schnurz. Der will jetzt seine Aggressionen, oder weiß der Geier was, loswerden und basta.
    Genauso verhält es sich bei Gehaltsklassen.
    Bei Scheidungsurteilen (w.g.) etc etc
    Und mit das Schlimmste ist, dass sich Frauen dann auch noch gegenseitig in den Rücken fallen (schöne Formulierung…), weil die einen meinen, sie seien so modern und deswegen unkaputtbar, und die anderen – was auch immer.

    Bei diesem Unterpunkt “Gewalt an Frauen” sollte man auf jeden Fall mal die befragen, die selbst welche erlebt haben. Die werden sicher nicht sagen, dass Ausbildung und Selbstbild sie davor bewahrt hätten.

  70. “Manche Frau hat sich schon für stark und modern und eigenständig gehalten, bis sie eines Tages mit Gewalt, verübt von einem Mann, konfrontiert war und merkte: “Es gibt hier gerade einen klitzekleinen Unterschied in der Ausgangssituation: Der Typ ist doppelt so groß und schwer, und hat nur halb so viel Angst, zuzuhauen, und ist wahrscheinlich zweimal so geübt darin.” ”

    Huh? Was ist das für ein Unsinn. Männer werden also nicht überfallen?!? Das was du beschreibst ist einfach eine Situation, in der jemand von einem möglicherweise überlegenen Gegner körperlich bedroht wird. Das hat einfach gar nichts mit dem Geschlecht der bedrohten Person zu tun, denn das kann einfach jedem Menschen passieren.
    Ich möchte sogar behaupten, dass Frauen hier recht eindeutig in einer privilegierten Position sind (schlimm wenn eine Frau bedroht wird, okay/egal wenn es ein Mann ist), denn wer schlägt schon eine Frau? Die durchschnittliche, normale Person hat da echte Hemmungen. Für körperlich “schwache und unsportliche” Männer hingegen ist es normal, z.B. während der Schulzeit häufig verprügelt zu werden. Das interessiert auch niemanden und wird als völlig selbstverständlich angesehen.
    Ein echter Doppel-Standard.
    Welche Frau wurde nach dem Sportunterricht verprügelt, weil sie nicht schnell genug einen Hindernisparcours durchlaufen hat, oder nicht genug Tore geschossen hat?
    Das Männer immer sportlich und stark sind und keine Schmerzen fühlen würden wenn sie geschlagen werden ist /genauso/ ein Mythos, wie das Frauen aufgrund ihres Geschlechts bestimmte Berufe nicht ausüben könnten. Im Unterschied gibt es jedoch für Männer keine Stellen die solche Fälle aufarbeiten, weil es sich hier ja um Weicheier handelt die sowieso selbst Schuld sind. ;)

  71. “Für mich sind die Piraten längst tot und sie werden nicht wirklich mehr groß werden, denn außer der Tatsache, dass die aktiven Frauen innerhalb der Partei unzufrieden sind:”

    Also für jede Frau die unzufrieden ist, gibt es offenbar mindestens 2 die noch nie ein Problem hatten und diese Meinung nicht teilen. Da die Kritikerinnen ja auch folgenlos ihren Mund aufmachen dürfen, kann es bei den restlichen weiblichen Mitgliedern ja nicht daran liegen das sie Angst hätten sich mitzuteilen – zumal Diskussionen oft quasi-anonym im Netz geführt wurden/werden. Bis auf die viel genannte Lena kenne ich jetzt nur noch eine Piratin, die sich sehr kritisch geäußert hat. Alle anderen Frauen von denen ich Kritik hörte, sind selbst nicht in der Partei und haben auch keinen echten Bezug zu dieser. Ein paar peinliche Beiträge von Außenstehenden im Forum sind in gleich mehrfacher Hinsicht nicht die Partei.

    Ich bin wahnsinnig oft im IRC und habe es dort noch nie erlebt, dass eine Frau blöd angemacht wurde. Gerade dort müsste es aber zur Sache gehen, weil Leute in der Schein-Anonymität des Netzes viel mutiger/ehrlicher sind als von Angesicht zu Angesicht.

    Ich will mit all dem nicht mal sagen das es sicherlich kein Problem gibt (mein Überblick hat natürlich auch seine Grenzen), nur erkenne ich in all den Texten die ich von Außenstehenden las die täglich erlebte Praxis kein Stück wieder und muss mich über so einiges echt wundern.

    “ich bekomme außer dieser Diskussion in der Öffentlichkeit nicht mehr mit von der eigentlichen Parteiarbeit und dem Anliegen – seit einem halben Jahr ungefähr.”

    Das klingt so als würdest du es der Partei anlasten, dass deren politischen Gegner und sonstige Widersacher selbstverständlich schlecht über sie reden. Müssen sie doch? Auch Malte Welding hat doch im Bundestagswahlkampf pro SPD geschrieben und von den Piraten lediglich als “die verschenkte Stimme” gesprochen. Alle weiteren Beiträge, die die Piraten in ein schlechtes Licht rücken, sind da doch nur konsequent.
    Es klingt so als würdest du die SPD schlecht finden, weil du in ihrer Beurteilung durch die CDU nicht viel gutes über sie gelesen hast. Ist doch glasklar?
    Ich habe gerade vorhin einen Text der Piratenpartei zu dem Vorschlag gelesen, Ursula von der Leyen zur Bundespräsidentin zu machen. Den fand ich echt gut. Das ist es, was meine Wahrnehmung der Partei prägt.

  72. @ Maurice:
    Meine Aussage bezieht sich explizit auf “Opfer”-Frauen – und nicht im Umkehrschluss auf “Opfer”-Männer. Ich glaube sofort, dass Männer, die nicht auf körperliche Kämpfe geeicht sind, genauso beschissen dran sind, wenn es sie erwischt. Dass sie es sogar z.T. noch mehr sind, weil man von ihnen aufgrund des Genders erwartet, “ein Mann zu sein”, glaube ich auch. Aber vielleicht sind Schamgefühl und Ungerechtigkeitsempfinden bzw Empörung bzw Trauer am Ende doch vergleichbar? Ich weiß es nicht.

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  74. Ich bin der Quote auch eher abgeneigt, aber wenn man eine Quote einführt, dann bitte eine für sämtliche Minderheiten und entsprechend der Anteile (!) in der Partei… Ein Quote _nur_ für Frauen, die unweigerlich nur den Geschlechtsdualismus berücksichtigt und nichts dazwischen, ist sehr fragwürdig!

  75. Scherbenwelt

    Eine Welt, die von Männern für Männer gemacht ist? Eine Welt, in der alle Regeln von Männern definiert wurden? Und die Frauen hatten seit Jahrtausenden gar keine Chance, sich zu beteiligen?

    Entschuldigung… aber ich habe selten eine Kritik gelesen, die so nach hinten losgeht. So ein dummes Gendergeschwätz, das ohne den leisesten Drang nach Überlegung von sich gegeben wird. Was hier angedeutet wird, ist die Dicke Berta unter den Geschützen des Feminismus. Eine Welt und eine Gesellschaft, die der vermeintlichen dauernden Benachteiligung von Frauen rechnung trägt ohne die Männer zu benachteiligen? Ein “Umbau” der Gesellschaft?

    Liebe Güte, da sind ja selbst die Piraten noch realistischer und lehnen wenigstens in einer Diskussion diese aus der Alice-Mottenkiste geholten matriacharlischen Maßnahmen ab.

    Vielleicht sollte die einfache und ganz simple ACHTUNG unter den Menschen gefördert werden, ganz unabhängig von Geschlecht, Religion und Herkunft. Ansonsten müssen wie die Gesellschaft womöglich auch für zugewanderte Beduinen, Inder und Transgender umbauen.

  76. “Kluge Frauen wie Anne Roth wenden sich ab”

    Sorry was ein Quatsch … Wenn Sie wirklich so Klug ist reduziert sie die Piraten nicht auf dieses von Feministen und deren Arschkriecher herbeigezauberte Fascho-Thema…. Quote != Freiheit

  77. [...] Welding fordert eine rigorose 50%-Quotierung als logische Konsequenz von historisch gewachsenen Machtungleichheiten und Förderung von [...]

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