August, 2009


11
Aug 09

Russischer Humor. Kriegt mich immer.


10
Aug 09

Vera Lengsfeld hat dicke Brüste und einen Daumen

vera_lengsfeld

Nach Horst Schlämmer und “Die Partei” ist nun auch die Spaßpartei CDU in den Wahlkampf eingestiegen. Vera Lengsfeld ist die Kandidatin für meinen Heimatbezirk.

Die Vollbluthumoristin volkstümelt, gekonnt den anbiedernden Jargon auf Protestwähler zielender Kleinstparteien persiflierend, auf ihrem Blog:

“Hallo, liebe Freunde und alle, die es werden wollen,

gehen Ihnen die Politiker auch auf die Nerven? Haben Sie die Nase voll von Versprechen, die nie eingehalten werden, können Sie die immergleichen Phrasen nicht mehr hören? Aber sind Sie trotzdem der Meinung, dass wir die Politik brauchen? Dann sind Sie auf meinem Blog goldrichtig.”

Eine charmante Collage, die Lengsfeld neben der Gelegenheitsregierenden Merkel zeigt, wird zusammen mit dem Slogan “”Wir haben mehr zu bieten” derzeit in unserem umkämpften Bezirk plakatiert.
Ein Brüller. “Busen statt Birne”, mit diesen Worten schloss Merkel einst das Kapitel Kohl, “Lieber Holz vor der Hütt’n als Brett vor dem Kopf”, so lautet nun das Motto der CDU.

Die Stimmungskanone Lengsfeld, die 2003 dem Satireblatt “Junge Freiheit” gegenüber den Abgeordneten Hohmann verteidigte, ist eine echte Bereicherung für den Wahlkampf. Bei ihr gibt es immer andere Phrasen und jedes Versprechen wird gehalten.
Titten für alle!


10
Aug 09

Die Geschichte vom guten und vom bösen Kinderpornobesitzer

wehrmachtssoldaten

Manuel H. ist ein engagierter Neonazi. Er hat viel Zeit für sein Hobby, den nationalen Widerstand, denn er ist ALG-II-Empfänger. Nun aber möchte er sich in der IT-Branche weiterbilden. Und apropos Computer: Auf seinem Rechner wurde Kinderpornographie gefunden. Seine Kameraden von den Freien Nationalisten München fordern nun seine Erschießung.
Auf Rocknord.net heißt es: “Aufgrund dieser schlimmen Nachricht versammelten sich heute Abend kurzfristig über 25 wütende nationale Aktivisten in seiner Wohngegend und protestierten lauthals gegen verkommene Subjekte, die ihren kranken Trieb am Leid kleiner Kinder befriedigen. Nach der Verlesung der Auflagen wurden unter den Versammlungsteilnehmern Fackeln verteilt und entzündet.”

Verkommene Subjekte, die Kinder zu Zehntausenden abschlachten, stehen jedoch seit jeher in hohem Ansehen bei den Kameraden. Nazilogik halt.

Wenn nun ein Nazi sich Kinderpornographie auf den Rechner lädt, dann ist das zwar einerseits folgerichtig, schließlich findet er es ja sehr gut, wenn man Kinder tötet, andererseits auch reichlich bizarr, denn offiziell darf man Kinder ja nur töten, ohne dass man sie vorher gefickt hat. (Ob sich allerdings Soldaten der Wehrmacht vor jeder Vergewaltigung, die sie im Osten, Süden und Westen begingen, vergewissert haben, dass das Opfer über 14 Jahre alt war?).

Manuel H. ist bei weitem nicht so leidenschaftlich Kinderpornograph wie er ein Nazi ist. Wenige Minuten Materials wurden bei ihm gefunden, dazu ein bisschen Tierpornographie (was ja wiederum exakt das ist, was man bei einem Nazi auf dem Rechner vermutet, aber vielleicht habe ich da auch bloß Vorurteile). Er ist vermutlich eher ein neugieriger Nazi als ein kindervergewaltigender Nazi, aber für seine Kameraden ist dies nicht weiter von Belang, denn eine Gelegenheit zum Rummarschieren mit Fackeln kann man sich natürlich nicht entgehen lassen.

Kommen wir nun zum guten Kinderpornobesitzer. Dessen Kameraden zeigen keine Neigung, ihn an die Wand stellen zu wollen. Piraten neigen auch nicht zum Marschieren mit Fackeln.
Jörg Tauss wurde stattdessen öffentlich hingerichtet. Wozu ist ein Prozess in seinem Fall überhaupt noch nötig?
Manuel H. wurde zu 40 Tagessätzen verurteilt, bei ihm machte das 800 Euro Geldstrafe. Bei Tauss würde die Strafe im Falle einer Verurteilung wahrscheinlich etwas höher ausfallen. In beiden Fällen liegt jedoch die eigentliche Urteilsgewalt in den Händen der Öffentlichkeit. Ist für den Staat der Besitz von Kinderpornographie ein Bagatelldelikt, was die Strafen angeht, und ein Kapitalverbrechen, was den Ermittlungseinsatz betrifft, so ist dieser Straftatbestand für die veröffentlichte Meinung irgendwo zwischen Genozid und Omaerdrosselung angesiedelt.
Und zwar ganz ohne Rücksicht auf die Besonderheiten des Falls. So wenig es die Kameraden des Neonazis H. interessiert, wie wenig Material sich bei ihm fand, so wenig interessiert die Öffentlichkeit die Gründe, die Tauss hervorbringt. Schutzbehauptung heißt es dann.
Ein Beschuldigter darf sich nun einmal schützen und die Zivilgesellschaft muss, um Zivilgesellschaft zu sein, ihm diesen Schutz zubilligen. Tauss ist unschuldig, solange ihm niemand eine Schuld nachgewiesen hat.
Ich habe eine Meinung zu seiner Behauptung und auch zu seiner Vorgehensweise, aber das ist hier nicht der Punkt. Will man die Rechtssprechung Spiegel Online und dem Volksempfinden überlassen, will man die Unschuldsvermutung außer Kraft setzen, wenn ein Staatsanwalt behauptet, er habe etwas gefunden, dann kann man schon die Stiefel schnüren und herummarschieren und vielleicht nach einem hübschen Baum Ausschau halten, an den man die Verdächtigten knüpfen kann. Ich komme dann allerdings nicht mit. Ich habe auch gar keine Fackel.


9
Aug 09

Wer will nicht mit Gammlern verwechselt werden? Wir.

Wer kann eure sinnlose Faulheit nicht fassen?
Wir.


7
Aug 09

Schlacht um die Offliner

Im aktuellen Blogblick geht es um die Frage, ob die Netzsperren ausgeweitet werden. Ich denke, dass in naher Zukunft Pokerseiten und ähnliche Angebote dran sein werden. Schon 2006 wollten die Länder das Glücksspiel im Internet verbieten – jetzt ist endlich die Möglichkeit gegeben, den Plan in die Tat umzusetzen.

Wenn auch der Widerstand der kleinen Bloggerschar durchaus nicht aussichtslos ist: Momentan werden die Bürger von dem Thema nicht recht erreicht. Gestern erst meinte eine Bekannte, die mitbekommen hat, dass ich gerade was zu dem Thema schreibe: “Ja, ich hab da auch mal gelesen, dass das jetzt ganz gefährlich sei, weil die sich jetzt so aufregen, dass sie nicht mehr auf die Seiten kommen.” Wir reden hier von einer netten, intelligenten jungen Frau, die von Netzsperren nur sehr am Rande mal etwas gehört hat. Wie kommt man an die Leute ran, die keinen Facebookaccount haben, nicht twittern und schon gar nicht bloggen?


6
Aug 09

Giorgio Moroder singt Máh-Ná-Máh-Ná 1969

Erstaunlich: Bei dem Sesamstraßen-Klassiker handelt es sich gar nicht um einen exclusiven Puppensong. 1968 komponiert für einen Mondo-Film, nahm Moroder Máh-Ná-Máh-Ná ein Jahr später auf.

Ein paar Jahre später hat er dann den Westbam-Sound vorweggenommen:

Anonsten machte er Musik für ein paar unbedeutende Filme und Sportereignisse. Aber etwas wie Máh-Ná-Máh-Ná gelang ihm nie wieder.


5
Aug 09

Habt Ihr eigentlich keine Freunde?

Regieanweisungen:
“Könnt Ihr das bitte noch ein bisschen zwangsjugendlicher machen? Lea, mach mal wie in den Rap-Videos immer so mit deinen Fingern, ja genau, als würdest du einer schwulen Fliege High 5 geben. Und bitte: Leier doch mal so wie eine 9Live-Moderatorin, die ganz genau weiß, dass niemand mehr zuhört. Kann jemand die Bumsmusik lautermachen?!?”

Ach, Parteienwerbung. Aus einer Zeit vor der Erfindung professioneller Reklame stammend, verbreitet sie stets den Charme regionaler Kinowerbung für den Copyshop von um die Ecke. Weil man keine Freunde hat, die echte Musik machen, versteht man absichtlich das Gema-frei-Signet von “Blasen auf dem Zahnfleisch: Ich ficke deine Oma, Teil 8″ falsch, schaut dann irgendwo zwischen betroffen (Republikaner, Endzeitler, die Tierschutzpartei) und optimistisch (die Grünen, die Doofen, die Tierschutzpartei) in die Kamera, ist dann mal ganz unpeinlich und wirft schließlich den Windows Movie Maker an für die Postproduktion.

Findet mir nur einen Clip, bei dem man nicht das Gefühl hat, Oliver Kalkofe müsse gleich aus der Kulisse springen und ich finde mein Vertrauen in die Demokratie wieder.


4
Aug 09

Politik und Sprache

Die größten Sätze des vergangenen Jahrhunderts stammten von Politikern oder Lothar Matthäus.
“Ich bin ein Berliner!” (John F. Kennedy)
“Ich glaub’ mich tritt ein Pferd.” (Hans Apel)
“Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort.” (Uwe Barschel)
“Hol’ mir mal ‘ne Flasche Bier!” (Gerhard “Naturhaar” Schröder)
“Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise…” (Hans-Dietrich Genscher)
“Ich hab gleich gemerkt, das ist ein Druckschmerz, wenn man drauf drückt.” (Lothar Matthäus)

Der Leser merkt: Nur Lothar Matthäus war in der Lage, der Menschheit tatsächlich zeitlose Sentenzen zu schenken, der Politiker lebt vom Kontext. Ein Politiker sollte aber auch gar nicht Zeitloses sagen wollen.
Friedrich Dürrenmatt legte sich fest: “Je öfter sich ein Politiker widerspricht, desto größer ist er.”

Hören wir uns diesen aufstrebenden Staatsmann an:
“Das Blut, das auf dem europäischen Kontinent seit dreihundert Jahren vergossen wurde, steht außer jedem Verhältnis zu dem volklichen Resultat der Ereignisse. Frankreich ist am Ende Frankreich geblieben, Deutschland Deutschland, Polen Polen, Italien Italien. Was dynastischer Egoismus, politische Leidenschaft und patriotische Verblendung an scheinbaren tiefgreifenden staatspolitischen Veränderungen unter Strömen von Blut erreicht haben, hat in nationaler Beziehung stets nur die Oberfläche der Völker geritzt, ihre grundsätzliche Markierung aber wesentlich kaum mehr verschoben. Hätten diese Staaten nur einen Bruchteil ihrer Opfer für klügere Zwecke angesetzt, so wäre der Erfolg sicher größer und dauerhafter gewesen.
Wenn ich als Nationalsozialist in allem Freimut diese Auffassung vertrete, dann bewegt mich dabei noch folgende Erkenntnis: Jeder Krieg verzehrt zunächst die Auslese der Besten.”

Seit Hitler hat sich die Politik deutlich professionalisiert. Konnte man dem Postkartenmaler und Ex-Soldaten diese Rede noch Jahre später vorhalten und ihn der Lüge bezichtigen, lässt sich heute kein Staatsmann, der etwas auf sich hält, zu Aussagesätzen hinreißen, die von irgendeinem Menschen einfach so verstanden werden können.

Thomas Jurk, sächsischer Staatsminister für Wirtschaft und Arbeit, antwortete in einem Chat auf die Frage von Gast 208:

(Gast208) “Wieso schränkt die SPD die einfachsten Grundrechte durch die (wirkungslose) Internet-Zensur des Zugangserschwerungsgesetztes ein? Für mich verstößt die SPD damit gegen das Grundgesetzt!”

Thomas Jurk: “Hallo lieber “Pirat”. Wenn wir gegen das Grundgesetz verstossen, weil wir Pädophilen unmöglich machen kinderpornografische Bilder aus dem Internet herunterzuladen, dann nehme ich das in Kauf. Ich persönlich hoffe darauf, dass wir das Problem lindern, wenn wir den Kunden von Kinderpornografie das Leben schwerer machen. Wenn deshalb irgendwo auf der Welt nur ein Kind nicht zu pornogrfischen Bildern mißbraucht wird, hat sich das gelohnt.”

Thomas Jurk könnte damit gemeint haben: “Was juckt mich das Grundgesetz?”.
Vielleicht wollte er aber auch sagen: “Wenn jemand glaubt, dass allein dadurch, dass der Zugang zu Kinderpornografie erschwert wird, das Grundgesetz in Mitleidenschaft gezogen wird, dann muss ich akzeptieren, dass es diese irrigen Meinungen gibt.”

Politiker sind heutzutage im Flippermodus. Der Wähler merkt: Der will uns etwas sagen. Allein: Der Sinn der Worte muss dunkel bleiben. Ebenso verhielt es sich mit dem Interview, das Ursula von der Leyen dem Hamburger Abendblunt gegeben hat.

Will sie nun die Zugangssperren ausweiten oder nicht? Weiß sie, ob sie es will? Will sie die Umfragen abwarten und es dann je nachdem immer schon gesagt haben? Oder sind Jurks und von der Leyen keine Muttersprachler?

Früher haben Politiker gelogen. Die Lüge setzt voraus, dass der Lügner die Wahrheit kennt. Jurks und von der Leyen traue ich so viel Reflexionsvemögen nicht zu. Sie sind Politdarsteller wie Dieter Bohlen ein Musikerdarsteller ist oder Jürgen Klinsmann ein Trainerdarsteller. Man möchte beinahe Kulturpessimist werden. Aber andererseits: Was hat es uns genutzt, dass Hitler schöne Reden halten konnte?


3
Aug 09

Nicht-haarender Berliner mit vollständigem Gebiss und erstaunliche Sie (alterslos) suchen

Mathias Richel, der Mann, der für mich bedeutet, was eine äußerst technikaffine Adlermutti für ihr Küken, das gern mit Puppen spielt, dem Sie also mit anderen Worten dieses Blog verdanken, dieser Mann braucht nun selbst ein Nest. Und Netz! Das brauch er auch immer.

Wohnungsfluche.

Ich mag meine Wohnung. Wirklich. Ein Traum für Singles. Zwei Zimmer, die eher loftartig aneinander geschnitten sind, Dachterasse, Einbauküche, große Badewanne und Platz für meinen ganzen Männershize. Zeitschriftenstapel, Abwaschberge, Socken und einen etwas zu groß geratener, aber dennoch völlig angemessen daherkommender Fernseher.

Hier hätte ich eine Weile drin wohnen können. Continue reading →


1
Aug 09

Volksbeschäftigung

Frank-Walter Steinmeier möchte bis 2020 die Arbeitslosigkeit besiegen und alle lachen ihn aus.
“Wann lernen die endlich, dass es Vollbeschäftigung nie wieder geben wird?”, twittert es Steinmeier entgegen. Hat irgendein renommierter Forscher ein Naturgesetz des deutschen Arbeitsmartkes entdeckt, von dem ich nichts weiß?
Sicher, die Wahlkampfaussage einer Partei zu glauben, deren Vorsitzender ausdrücklich betont, es sei unfair, sie an ihren Wahlkampfaussagen zu messen, mag naiv sein.

Aber was ist die Alternative zum Versuch, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen? Soll man Deutschland zum Billiglohnland machen?

In der Pflege, da hat Steinmeier Recht, werden nicht nur jetzt schon zusätzliche Stellen benötigt, in Zukunft wird sich dieser Bedarf dramatisch erhöhen. Wenn der Staat in Aussicht stellt, diesen Bedarf zu decken: Was ist daran schlecht oder auch nur utopisch?

Und der Bereich Umwelttechnologie, der laut Steinmeier dazu dienen soll, Deutschland “zum Silicon Valley umweltschonender Industrieproduktion” zu machen?
Na endlich. Während sich Mitglieder der Jungen Union vor Atomkraftwerken anketten, hat die SPD mittlerweile verstanden, dass Umweltschutz und Arbeitsplatzerhalt einander nicht ausschließen, sondern im Gegenteil bedingen.

Abschließend zum vermeintlichen Naturgesetz, dass es in Deutschland nie wieder Vollbeschäftigung gegen könne.
Ja, es gibt in Deutschland viele Menschen, die so schlecht ausgebildet sind, dass sie auch für einfache Verrichtungen vom Arbeitsmarkt ignoriert werden.
Nein, man kann sich damit nicht einfach abfinden.

Der Glaube, menschliche Systeme seien unabänderlichen Bedingungen unterworfen, ist zwar ein starkes Mem, aber kaum zu halten, wenn man sich historische Entwicklungen anschaut. Die vorgestellte lineare Verlängerung einer Bewegung endet natürlich immer entweder in der Glückseligkeit oder in der Hölle. Aber das Leben, das weiß jeder, der RTL-Soaps schaut, verläuft in Wellenbewegungen. Warum nicht darauf setzen, dass wir eine Aufwärtsbewegung hinbekommen?