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Ich befinde mich in einem Dilemma. Einerseits möchte ich der jüngst über uns eingezogenen Bande von Dreijährigen nur ungern in ihre Vorstellung, die sie offenbar von der Gestaltung ihrer Sackhüpfwettbewerbe, Rollschuhturniere und Bürostuhlumwerfkämpfe haben, hereinreden, andererseits bin ich mit der nur schwer zu vermittelnden Phobie geschlagen, die Decke könnte über meinem Kopf zusammenbrechen.
Vor meinem geistigen Auge sehe ich einen kleinen berollschuhten Fuß, der durch die Decke bricht, erst rieselt ein wenig Putz und schließlich stürzen Dielen, Geröll und Eishockeyschläger über mich herein.
Zu meiner Phobie gesellt sich der ganz normale, ins Asoziale spielende Egoismus des kinderlosen Doppelverdienerpaares, das seinen spießigen kleinen fortpflanzungslosen Vergnügungen nachzugehen trachtet ohne dabei Zeuge einer naturgetreuen Abbildung des Spiels Spanien gegen Südafrika werden zu wollen, das samt Tröten über seinen Köpfen stattfindet.

Gerade untersagt Ijoma Mangold beim Bachmannwettlesen einem berlinernden Autor, seinen eigenen Text zu interpretieren, da wird über uns eine Hüpfburg aus Blech errichtet, Stahlkappenschuhe werden geschnürt, Schni-Schna-Schnappi der Dezibelzahl eines landenden Airbus angeglichen und mit den Lauten eines balzenden Wookie die jüngste Ausgabe von Celebrity Deathmatch in Szene gesetzt.

Nun weiß man als Paar, das bislang zur Rentensicherung nicht mehr beigetragen hat als sporadisch Rürup und der Künstlersozialkasse Tribut zu zollen, dass man nicht die moralische Autorität hat, auf Ruhe zu bestehen. Schließlich sind wir ja dafür verantwortlich, dass Deutschland zum Friedhof wird.

Wir könnten halt auch Kinder bekommen, ihnen ein Drumset schenken und Benjamin-Blümchen-Kassetten, Pauken, Trompeten, Feuerwerkskörper, Ritterrüstungen, Kreidetafeln samt Kreide und von australischen Lärmologen entwickelte Spielzeugwaffen. Sowie Klötzchen. Viele, viele Klötzchen.

Vielleicht wäre das die Lösung. Sollen doch die unter uns um ihr Leben fürchten.

18 comments

  1. Umziehen?

  2. Ich finde sich-beschwerende, nicht gegen Geschrei abgehärtete Dinks-Nachbarn gehören dazu, wenn man Kinder kriegt, also nur zu…

  3. Beschweren! Ist immer der richtige Weg ;-)

  4. Und nach dem Beschweren? Was sollen die Eltern dann machen?
    Selber Krach machen ist wahrscheinlich die beste Lösung. Wie wär’s mit einer anständigen Heimkinoanlage?
    (auch Altbaudecken halten übrigens einiges aus)

  5. Ja eben: Beschweren würde ja im besten Fall dazu führen, dass die Kinder angebunden werden und im schlechtesten dazu, dass wir ihnen zum Fraß vorgeworfen werden. Lose-Lose-Situation.

  6. Wenn ich nicht wüsste, dass du ganz woanders wohnst, würde ich jetzt annehmen, dass du mein Nachbar sein musst. Ich wohne nämlich unter den gleichen Leuten und stelle mir die gleichen Fragen.
    Mit dem Zusatz, dass die Eltern über mir offenbar schon versuchen, Rücksicht auf die Nachbarn zu nehmen, indem sie ihren Kindern regelmäßig so etwas zubrüllen wie “Ruhe jetzt!” oder “Andere Leute wollen schlafen!”, was dann üblicherweise mit einem kurzen “Ich hasse dich!” oder “Sei doch selber ruhig”, beantwortet wird.
    Scheint vielleicht unvorstellbar, aber man kann auf dieser Basis durchaus eine halbstündige Konversation abhalten.

  7. Ist das jetzt ein verkappter Hinweis an deine bessere Hälfte, dass du Kinder willst? ;-)

  8. hattest du nicht in einem podcast, ich glaube mit den sodomisten, mal gesagt, dass du dich jetzt immer mehr mit dem thema “kinderbekommen” auseinandersetzen musst (in deinem alter)?! also ran! kinder bringen mehr freude in dein leben :D

    (bei deinen ganzen alten podcasts funktioniert übrigens der player auf der seite nicht mehr (wahrscheinlich hat M.R. das podcasting-plugin nicht mehr an oder so … da sollte man nochma gucken. bei dem betreffenden Link wird auch deutlich, dass manche bilder für dein neues theme nicht so besonders günstig sind!)

  9. @Endur
    Bist du Jurist?:)

  10. @Christian
    Da gibts eh gerade ein Problem, aber: Läuft.

  11. hmm? mit den kinder oder mit der internet seite? es schien mir, als wärst du ein experte in der kunst der praktiken zur kinderherstellung (TAFKAP = the artist formally known as pornomalte)- ich schließe also mal keck, dass du dich eher auf die technik deiner internetseite beziehst!

  12. Genau … selber Kinder bekommen. Meins wird mal Opernsängerin, wenn es groß ist. Oder Feuerwehrsirene; sie kann sich noch nicht so recht entscheiden.

  13. Leia hat gerade ihre erste Trotzphase.

    Sollen wir mal vorbeikommen?

  14. Selber Kinder kriegen nützt gar nichts, davon werden nur die Schlafphasen kürzer, was den nachbarschaftlichen Lärmpegel nicht gerade besser erträglich macht.

    Besser ist eine subversive Vorgehensweise:

    1. Finde durch geheucheltes Interesse heraus, wann die lieben Kleinen ins Bett gebracht werden. Besonders gut geeignet ist die Mittagsschlafzeit.

    2. Dreh genau zu der Zeit “Scooter” oder sonstige schlimm basslastige Interpreten auf volle Lautstärke. Oper ist auch hervorragend geeignet, weil Tenorstimmen sehr schön durch Wände hallen. Außerdem macht es vielen Kindern Angst. Du kannst auch während der Zeit einen Kaffee trinken gehen.

    3. Wenn Beschwerden kommen sagst Du: “Ich liebe Musik und ab und zu ist das doch kein Problem; es ist ja auch noch nicht Zehn Uhr/ es ist doch mitten am Tag.”

    Ruhe kehrt so zwar auch nicht ein, aber Du bist Deinen Ohnmachtsgefühlen nicht mehr so ausgeliefert.

  15. der nette man von nebenan

    ok, ein paar Schnellschüsse:

    …Fenster auf – Harcdcore-Porno an (schön laut). In nullkommanix sind die lieben Eltern mit ihren Kindern mal schnell ins Kino, Eis essen oder zu mcdonnalds…

    …schenk den lieben kleinen doch deine alte playstation oder gameboy oder was sich in der richtung da findet… auch dann ist schnell ruhe. zumindest trampeln sie dann nicht mehr so.

    ..Pitbulls kann man übrigens auch mieten ;-)

    …Hanf im Hof und Vorgarten sähen

    …nachts, wenn sie gerade im bett geschickt wurden – schön laut horror-videos

    …Poster an der Türe: Ich bin gegen Internet-Sperren!

    Tipp: Bloß selber keine Kinder, lieber Katzen!!!

  16. @Bernd
    @der nette mann von nebenan

    Was ist mit mir los, dass ich die Vorschläge für durchaus besonnen und umsetzenswert halte?

  17. Soziale Verrohung durch übermäßigen Medienkonsum?

  18. Auf jeden Fall reagieren bevor es zu Übersprungshandlungen kommt. Da ich selbst sehr laut bin und sich schon einige bei mir beschwert haben, habe ich da eine gewisse Toleranz gegen andere Krachmacher entwickelt, aber Kinder sind wohl nochmal eine andere Liga. (Ich muss dazu sagen, dass ich überall wo ich gewohnt habe, gehasst wurde. Und es war mir egal.)
    Ansonsten ist es immer schön, einen höflichen Hinweis mit einer netten Geste zu verbinden. Andererseits darf man da auch nicht zu unterwürfig wirken. Mein Vorschlag: Deine Freundin soll es entscheiden. Männer taugen nicht für hyperkomplexe Sozialszenarien.

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