Bei Nerdcore wirft René Don Alphonso (der in seinem Blog bei der FAZ Probleme mit Kommentatoren aus einem Gamer-Forum hatte und an der Blogbar darüber einen Artikel geschrieben hat) vor, Gamer mit Nazis zu vergleichen. Ich habe dort kommentiert. Es könnte auch für Nicht-Nerdcore-Leser, also meine, interessant sein, was ich zu der aktuellen Debatte denke.
Ich frage mich seit Mittwoch, ob Computerspiele irgendwie paranoid machen.
Es sterben in Winnenden 15 junge Menschen und worum geht es bei Twitter und in zig Blogs: “Hoffentlich nehmen die uns unsere Games nicht weg.”
Und wenn man dann mal hinhört, was Dr. Pfeiffer, den der gemeine Gamer fürchtet wie der Teufel knoblauchisiertes Weihwasser, tatsächlich sagt, ist man doch etwas überrascht: “Ein Verbot hilft niemandem, wichtig ist mehr pädagogische Arbeit, es ist allerdings für jemanden, der psychisch labil ist, nicht sinnvoll, 14 Stunden jeden Tag vor dem Rechner zu sitzen.”
Kann ich unterschreiben.
Und zurück zum eigentlichen Thema: Nicht alles, was aussieht wie ein Nazivergleich, ist einer. Und der Spaß daran, sich als mutterfickender Bastard bezeichnen zu lassen, kann einem nach dem 80sten Kommentar dieser Art schon einmal vergehen.
Man kommt doch als studierter Mensch, der einer bestimmten Freizeitbeschäftigung nachgeht, nicht umhin sich zu fragen: “Mit wem sitze ich da eigentlich in einem Boot?”
Nehmen wir Fußball: Werde ich zum Proleten, weil da Zuschauer einen Torschützen der gegnerischen Mannschaft mit Gegenständen bewerfen? – Natürlich nicht. Je mehr mir jedoch am Fußball liegt, desto deutlicher muss ich mich von denen distanzieren, die mit Fußball nicht umgehen können, die ihn dazu nutzen, Defizite auszugleichen und ihr Leben mit etwas wie Sinn zu füllen.
Einige Nerdcore-Leser kommen mir vor wie das Präsidium von Dynamo Dresden (ein Vergleich! ein Vergleich). Mit den Dresdner Fans gibt es ein extremes Gewaltproblem, aber stets wird dieses Problem durch das Präsidium verniedlicht, die Polizei wird beschuldigt, selbst Schuld zu sein, Hauptsache, der Zusammenhalt von Anbieter und Käufer – Entschuldigung: Verein und Fans – steht.
Der kaum zu leugnende Zusammenhang zwischen Games und Gewalt ist nicht, dass Games zu Gewalt führen, sondern dass von Gewalt faszinierte Menschen gerne entsprechende Games spielen.
Muss man dazu kein Wort verlieren?
(Mein Beileid den Angehörigen der Opfer, die hoffentlich nicht mitbekommen, für welchen Aspekt der Tat sich die Blogosphäre interessiert).