Papas Staatskino ist tot: Hamburger Manifest von Klaus Lemke – Protest gegen das Filmfest 2010

ICH FORDERE INNOVATION STATT SUBVENTION. ICH FORDERE DAS ENDE JEDWEDER FILMFÖRDERUNG AUS STEUERMITTELN. DER STAAT SOLL SEINE GRIFFELN AUS DEM FILM ENDLICH WIEDER RAUSNEHMEN.
13 JAHRE STAATSKINO UNTER ADOLF UND DIE LETZTEN 40 JAHRE STAATLICHER FILMFÖRDERUNG HABEN DAZU GEFÜHRT, DASS DER DEUTSCHE FILM SCHON IN DEN SIEBZIGERJAHREN AUF KLASSENFAHRT IN DER TOSKANA HÄNGENBLIEB; DASS AUS REGISSEUREN SOFT SKILLS-KASTRATEN UND AUS PRODUZENTEN VEREDELUNGSJUNKIES WURDEN.
WIR BAUEN DIE SCHÖNSTEN AUTOS.
WIR HABEN DIE SCHÖNSTEN FRAUEN.
ABER UNSERE FILME SIND WIE GRABSTEINE.
BRAV. BANAL. BEGÜTIGEND. GOETHEINSTITUT.
ABER FILM IST KEINE AUSSTERBENDE TIERART. FILM IST AUCH KEIN INTELLIGENZBESCHLEUNIGER. FILM MUSS NOCH NICHT MAL GUT SEIN.
FILM MUSS NUR WIRKEN.
DAS TUT DER DEUTSCHE FILM SCHON LANGE NICHT MEHR.
RETTUNG KANN ALLEIN VON OMAS HÄUSCHEN KOMMEN, DAS MAN HEIMLICH BEI DER BANK BELEIHT. DENN NUR FÜR DAS EIGENE GELD LOHNT ES SICH NACHZUDENKEN – WENN ES IN GEFAHR IST. UND GELD
BEIM FILM IST IMMER IN GEFAHR. OHNE DAS WIRDS NICHTS.
GELD VOM STAAT IST IMMER EIN TRITT GEGEN DIE EIGENE KREATIVITÄT. VOR EIN PAAR WOCHEN WURDE KLAMMHEIMLICH DIE ENGLISCHE FILMFÖRDERUNG EINGESTELLT – DIE EINZIG ERFOLGREICHE IN EUROPA. ABER EBEN AUCH VOLLKOMMEN UNNÖTIG. DER FÖRDERWAHN FÜHRTE DEN ENGLISCHEN FILM INS NIRVANA. ACH DIESE ENGLÄNDER! ES GIBT NOCH HELDEN. BEI UNS NUR EINEN: DOMINIK GRAF. WÜRDE MAN JEDE FILMFÖRDERUNG AUS STEUERMITTELN ÜBER NACHT EINSTELLEN – WIR WÄREN IN ZWEI JAHREN DAS KREATIVSTE FILMLAND IN EUROPA UND EINE ECHTE KONKURRENZ ZU HOLLYWOOD. WEITER SO WIE JETZT BLEIBEN WIR DIE TOPLANGWEILER WELTWEIT. DER DEUTSCHE FILM GEHÖRT ENDLICH BEFREIT AUS DEN GEFÄNGNISSEN DER FFA. NO PAIN. NO SPAIN. LEMKE.

42 comments

  1. wo kann man das manifest unterschreiben? ich unterschreibe links unten.

  2. Endlich sagts mal einer, haha.
    Ja, er hat durchaus Recht.

  3. Fühle mich angeschrien. Im Programm vom Hamburger Filmfest 2010 habe ich Lemkes aktuellen Film „Schmutziger Süden“ nicht gefunden. Ob das was mit dem Manifest zu tun hat? Ernstgemeinte Frage.

  4. Gebt Bescheid, wenn der das mit der Groß- und Kleinschreibung geübt hat. Dann les ichs auch mal – so ist zu anstrengend.

  5. @bEn: und das von dem, der sich bEn nennt ;-) #groß/kleinschreibung

  6. Robin Meishammer

    @Deef: Als Geschenk an die Stadt Hamburg, zeigt Lemke am Freitag Abend im Lichtmess Kino um 20 Uhr SCHMUTZIGER SÜDEN.

  7. Was kostet denn so ein Pfund Kreativität?
    Filme werden massentauglicher wenn man die Förderung streicht. Wer glaubt, dass sie damit zwangsweise kreativer werden, der hat entweder wenig Ahnung vom breiten Publikum oder aber eine spannende Definition von Kreativität.

    (Nicht, dass ich die Idee prinzipiell schlecht finde, aber als heilsbringende Lösung ist sie für mich viel zu kurz gegriffen. )

  8. @Kaal
    ich denke auch, dass der deutsche film noch andere probleme hat. allerdings ist es doch so, dass der markt auch nischen hat. pay-tv ist doch nun einmal ein extrem marktwirtschaftlichtes medium, und doch hat es uns großen film gegeben in den vergangenen jahren.

  9. In den letzten Jahren, wahrscheinlich Jahrzehnten hat es keinen großen deutschen Film der nicht mindestens von einer oder zwei öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt oder einer Förderanstalt mitfinanziert wurde.

    Meist kommen deren Credits erst ganz zum Schluss beim Abspann.

    Wenn du allerdings einen Film kennst, der nicht gefördert wurde, würde ich gerne kennen lernen.

  10. @Malte
    Das amerikanische Pay-TV hat eine besserverdienende Zielgruppe (gebildet und über 25), die bereit ist, für „anspruchsvollere“ Unterhaltung mehr Geld auszugeben als nur die regulären Fernsehgebühren.
    Höhere Preise ersetzen das fehlende Masseninteresse und unterm Strich kommt (offenbar) ein Plus raus.

    Im deutschen Film gibt es so ein Geschäftsmodell nicht (mehr), alleine die Masse der verkauften Karten (und DVDs) bestimmt die Einnahme, unabhängig ob der Film in drei Jahren oder in drei Minuten entstanden ist.

    Nebenbei: Hat das deutschen Pay-TV inzwischen auch sehenswerte Eigenproduktionen? Falls ja, habe ich offensichtlich einiges verpasst. Falls nein, wäre das womöglich eine gute Nische für sehenswerte deutsche Produktionen.

  11. Er hat ja teilweise Recht mit seiner Kritik, aber der Schwachsinn mit „Wir haben die schönsten Frauen!“, der Ton, der selbst ohne Capslock (gehts noch?) hysterisch wäre und die Gleichsetzung Filmförderung in NS-Zeit und heute disqualifziert ihn in meinen Augen.

    Und:
    „WÜRDE MAN JEDE FILMFÖRDERUNG AUS STEUERMITTELN ÜBER NACHT EINSTELLEN – WIR WÄREN IN ZWEI JAHREN DAS KREATIVSTE FILMLAND IN EUROPA UND EINE ECHTE KONKURRENZ ZU HOLLYWOOD.“
    Glaubt er doch nicht wirklich? Wie soll das denn gehen? Wenn die staatlichen Subventionen erstmal weg sind, dann entstehen hier Riesenproduktionfirmen und der deutsche Film wird plötzlich aufregend und mutig? Come on.

    Btw. Große Filme aus Deutschland in den letzten Jahren: Fatih Akins „Gegen die Wand“ und „Auf der anderen Seite“ können Hollywood locker das Wasser reichen, zeigen aber: Ob ein Film gut oder scheiße ist, liegt eben doch hauptsächlich daran, wie gut oder schlecht diejenigen sind, die ihn machen.

    Also: Auch in FFA-Deutschland lassen sich großartige Filme drehen. Und aus einem Deutschland ohne Subventionen würden auch nicht automatisch bessere Filme kommen.

  12. Mir fällt jetzt bei Filmen ohne Förderung direkt „Schwarze Schafe“ ein. Ist vielleicht nicht jedermanns Sache. Der Verzicht auf Filmförderung hat hier aber dafür gesorgt, dass die Schauspieler ohne Gage gespielt haben (nur Gewinnanteile, wenn ich richtig informiert bin) und der Film ist in den Kinos auch nicht besonders gut gelaufen.

  13. BTW: Die Deutsche Filmförderung finanziert seit Jahren Hollywood-Produktionen, sowohl hier vor Ort, als auch drüben in Arnis Regierungsbezirkchen.

  14. Der Typ soll sich erstmal die Umschalttaste seiner Schreibmaschine reparieren lassen, bevor er solchen Unsinn in die Welt posaunt. Ich mag da eigentlich nur zurückschreien:
    „Na dann mach doch ohne Staatsknete, du Trottel! Zwingt dich doch keiner!“

    Schon sein
    „WIR WÄREN IN ZWEI JAHREN DAS KREATIVSTE FILMLAND IN EUROPA UND EINE ECHTE KONKURRENZ ZU HOLLYWOOD.“
    Das soll ein Witz sein, oder? Das impliziert erstens, dass Hollywood „kreativ“ ist (schonmal sehr lustig), und zweitens, dass es erstrebenswert sei, sich in Konkurrenz(!) zu eben dieser Unterhaltungsindustrie zu begeben. Wie sollte sich etwas wahrhaft Gutes an diesem Abfall überhaupt messen können? Bemisst man Erfolg dann in Einspielergebnissen, Anzahl der Oscars, Höhe des Produktionsbudgets? Völlig bescheuert …

    Naja … warum geht er eigentlich nicht einfach nach Hollywood, wäre sicher kein tragischer Verlust …

  15. Wo ist das Problem? Wenn er keine Filmförderung will soll er keine beantragen. Ich war jedenfalls lange nicht mehr im Kino, erinnere mich aber an gute Filme.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Sophiiiie!
    Filmförderung Hamburg.

    • Das du Sophiiiie für nen guten Film hälts, spricht nicht für dich…
      Klaus Lemke nicht mehr hier zu haben wäre ein schwerer Verlust.
      Als guter Film aus meiner Sicht sei dir „Rocker“ empfohlen von ebendiesem Lemke.

  16. @bongokarl
    Ich sehe wie du die Auferstehungsaussichten nicht so optimistisch.

  17. Lief Lemkes Ding bei ZDF oder ARD?
    „Unsere“ Filmförderung verdanke ich Fatih Akin, die guten Werner Herzog Filme und … KIKA. Freiem Wettbewerb hingegen Transformers. Und Transformers 2. Bald übrigens sicherlich Transformers 3. Also: Blöde Idee. Und nicht mal richtig provokativ. Nur … blöd.

  18. Man könnte Transformers aber auch Zweiohrküken gegenüberstellen. Gefördert mit 900000 Euro. Prädikat: Wertvoll.

  19. Godwin in der 5. Zeile, da brauch ich irgendwie gar nicht weiterlesen? Habs trotzdem getan und einen Haufen Logikbrüche gefunden, naja ich bin zumindest schon mal aus Prinzip nicht seiner Meinung.

  20. Ich bin mir nicht sicher, ob wirklich der „Wirtschaftszweig“ Subvention dafür verantwortlich ist, oder ob es nicht eher die Besetzungsliste der Entscheidungsträger und Umsetzungshoheitsinhaber ist. Vom Drehbuch über das Schauspiel über die Herstellungsleitung über die Produktion über die Regie über den Schnitt bis hin zum Marketing.

    Fatih Akin z.B. beweist, dass man auch trotz Förderung lebensnahe, unlangweilige und störrisch-charmante Filme machen kann. Frage: Wie schafft der das….? Warum schafft der das…?
    Tom Tykwer ist/war ja z.B. auch mal so jemand.
    Detlef Buck hatte seinerzeit ebenso „entgegen des Mainstream“ agiert.

  21. Ich glaube mit diesem Trailer sind jegliche Zweifel an der Kreativität des Deutschen Films ausgeräumt:
    http://www.youtube.com/watch?v=VXZak4Z9VEI&feature=player_embedded

  22. ICH LESE DOCH KEINEN GANZEN TEXT IN GROSSBUCHSTABEN!??!EINSEINSELF!!

  23. Soul Kitchen fand ich beispielsweise wahnsinnig schlecht, aber das ist Geschmackssache. Natürlich kann und sollte man die Frage stellen, ob die kostenintensive Filmförderung als Ganzes erhaltenswert ist. Doch wohl kaum dafür, dass man in fünf Jahren ein bis zwei okaye bis gute Filme zu sehen kriegt.

    Anscheinend werden in Deutschland vor allem möglichst realitätsnahe, historische Filme als förderungswürdig betrachtet. Filmproduktionen müssen nicht unbedingt radikal den Marktgesetzen unterworfen werden. Aber dann müssen die Fördermittel so intelligent verteilt werden, dass Vielfalt entsteht und nicht der immer gleiche monothematische bull-shit.

    Pay-TV ist für Deutschland wahrscheinlich eher kein Ausweg. Die Zahl der Abonnenten dürfte zu gering sein, um wirklich hochwertige Inhalte produzieren zu können.

  24. super klaus lemke. endlich mal den ganzen subventionierten kunstfuzzis den arschtritt verpasst, den sie verdienen!!!!

  25. Ja, ich glaube, es läuft wirklich auf die Geschmacksfrage hinaus. (Mal „Crossing the bridge – The sound of Istanbul“ von Akin gesehen, btw?) Und das Stichwort ist hier wirklich Vielfalt. Denn mit welchem Recht nennt man entweder das eine „Keine Kunst, öder Scheiß“ (wobei ich mich genau da anschließen würde! Aber es ist trotzdem eine lediglich subjektive Meinung, denn es bedient ja offenbar genug Leute) und das andere „Viel besser, spannender, qualitativ wertvoll“?

    Ich denke, es müsste einfach mehr Vielfalt geben. Andererseits kann man nicht behaupten, es gebe sie nicht. Halt bloß nicht im großen Stil. Es braucht einfach mehr unkonventionell Geplottetes. Und mehr Medienleute auflagenhoher Formate, die das anpreisen, daran heranführen. Und dann natürlich auch Leute, die das konsumieren. Teufelskreis…

    Wenn Film wirklich nur wirken muss, siehe Manifest, dann würde ich sagen: Tut er doch bereits ?! Volle Dröhnung auf allen Kanälen.

  26. Wobei Lemke da schon recht hat, dass die Subventionierungen einschläfernd wirken…. die Leute, die sie erhalten, können sich sicher sein, dass sie sie erhalten, die Beziehungen sind sehr tragfähig….

    Aber dann gibt es ja auch wieder so etwas wie Einschaltquoten und Programmkinos und, ach, das ist ein weites Feld….

  27. Was soll dieses Pamphlet in einem Postfach?

  28. […] Bekenntnisformat”. Also genau jene Form von Kino, gegen die sich Klaus Lemkes lesenswertes Hamburger Manifest wendet. Abgelegt unter: […]

  29. WIR (also WIR tollen DEUTSCHEN!) könnten so gut sein! Doch dank „Subvention statt Innovation“ in Good Old Germany war Hollywood gerade eben schon wieder einmal viel, viel kreativer:
    http://www.dradio.de/kulturnachrichten/2010100211/5/

    Verdammt aber auch! Sowas wäre selbst mit „Welt am Draht“ in 4D nicht mehr zu toppen!

    Auch hier kann man sehen: WIR brauchen dringend eine total durchprivatisierte Filmfinanzierungsinfrastruktur in UNSEREM schönen Land.

    Ansonsten laufen zu unserer Schande auch weiterhin so ultrakreative Leute wie Emmerich ins Superfilmland USA davon. Schade, schade!

    Apropos Hollywood:
    http://www.dradio.de/kulturnachrichten/201009071800/7

  30. Übrigens auch ein schönes Beispiel dafür, dass es auch mit Förderung geht: „Same Same“ von Detlef Buck

  31. @malte:
    sicher, einzelne doofe entscheidungen gibt es. und warum gewinnorientiere (-prädestinierte) filme gefördert werden ist mir ein absolutes rätsel.

  32. und sowieso mal: ANTICHRIST.

  33. Ich hab mal ein Interview mit Akin gelesen, im Vorlauf zu Chico, indem er sich auch über die Filmförderung beklagte. Dass sie in Deutschland einfach kein Genre-Kino zulässt, weil sich jedes Projekt an einer plakativen, pädagogischen Aussage orientieren muss.

    Ich will deutsches genre-kino. hell yea.

  34. […] HAMBURGER MANIFEST, ZUR PERSON […]

  35. Unterschrift auch von mir. Was ich Filmförderungen schon gesehen habe. Die Kotze floss in Strömen.

  36. […] gibt ja eine lange Diskussion um den Sinn von staatlicher Filmförderung, die letztes Jahr mit dem Manifest von Klaus Lemke neues Feuer gefangen hat. Ich denke, dass man viel gutes über die deutsche Filmförderung sagen […]

  37. So,

    ich habe jetzt alle Kommentare aufmerksam gelesen und muss sagen…ich habe das Gefühle, hier entsteht viel Neid der Besitzlosen.

    Ich lese hier viel von dem „Hollywood Schrott“ und dass das ja alles nur Müll ist der da produziert wird. Wer entscheidet das? Wessen Ansprüchen muss so ein Hollywoodfilm genügen? Euren persönlichen? Warum? Seid ihr Filmwissenschaftler? Seid ihr Medienwissenschaftler?
    Wie kann man sich ohne gute Grundlage erdreisten zu sagen, ein Film wie Transformer (nur als Beispiel!!!) sei schlecht, WEIL er vielen Leuten gefällt, bzw viel einspielt?

  38. […] « Papas Staatskino ist tot », le manifeste de Klaus Lemke contre l’hégémonie du cinéma subventionné — http://www.malte-welding.com/2010/09/28/papas-staatskino-ist-tot-hamburger-manifest-von-klaus-lemke-… […]

  39. […] KLAUS LEMKE, jahrgang 1940, kult-regisseur, authentizitäts-fetischist, spontanitäts-freak. 90 minuten live, ein telefonat, ein paar fernsehbeiträge als rohmaterial. geschnitten, resampled und nachbearbeitet. eine zitatcollage in großbuchstaben. weil‘s wirkt. Categories : de  life Tags : Film  Klaus Lemke  Regisseur  Revolution  Zitatcollage trackback /* […]