Wie wird man eigentlich pädophil?

“Die Mehrheit der Sexualmediziner geht heutzutage davon aus, dass die Entwicklung der Sexualität im Wesentlichen mit dem Ende der Pubertät abgeschlossen ist und eine grundsätzliche Änderung der pädophilen Sexualpräferenz nicht möglich ist.”

Zu diesem Ergebnis kommt die Wikipedia auf Basis der Studie “Pädophilie. Leipziger Studie zur gesellschaftlichen und psychischen Situation pädophiler Männer.” von Horst Vogt.

Ursula von der Leyen allerdings weiß es besser.

“Natürlich wird man nicht als Pädophiler geboren.”

Ist die sexuelle Prägung also mit der Pubertät abgeschlossen oder können danach magische Bilder noch Unheil anrichten?
Ich selber kann natürlich nicht beantworten, ob Pädophilie eine sexuelle Orientierung oder eine sexuelle Neigung ist.
Aber von der Leyens Kenntnisstand weicht weit von dem ab, was ich in meiner – wenn ich es mit dem vergleiche, was ich aus dem Freundeskreis gehört habe – recht üblichen Sexualentwicklung erlebt habe.

Wenn der sexuelle Trieb erwacht, dann ja als etwas, das vorher in anderer Form da war. Helen Fisher bezeichnet Liebe als Trieb und dieser Trieb ist zu Beginn noch ganz losgelöst von der Sexualität. Mit den Hormonen setzt dann auf einmal die Neugier ein. Plötzlich reifte das Bewusstsein, dass die Mädchen in meiner Klasse unter ihren Sweatshirts nackt waren. Ich wollte möglichst jedes Mädchen, das ich kannte, nackt sehen, außer Stephanie Slutkowski, soweit ging die Neugier dann doch nicht.

Mein ultraperverses Bewusstsein entzündete sich an komplett angezogenen, pickeligen Mädchen, an bekniestrumpften Lehrerinnen, am Hintern der Putzfrau.
Aber doch nicht an Pornos!

Es gibt keine Studie, die belegen würde, dass Kinderpornographie Pädophilie verursacht. Man will nicht riskieren, dass dies der Fall sein könnte. Und es gibt natürlich Spekulationen über solche Zusammenhänge, ähnlich denen über Gewalt und Videospiele. Aber (nachvollziehbare) kriminologische Vorsicht ist noch kein wissenschaftlicher Beleg.

Man wird lernen müssen, mit Pädophilen umzugehen. Wer sie darstellt als Menschen, die sich freien Willens in diese Situation gebracht haben, kann sie nicht erreichen. Es kann kein Ausweg sein, eine Bevölkerungsgruppe, die durch was auch immer dazu verdammt ist, keine Liebe erfahren zu können, Sündenbock sein zu lassen für eine Volkshysterie.

Noch einmal: Kindesmissbrauch geschieht in der Regel durch Nicht-Pädophile.

“Nur zwischen zwei und zehn Prozent der sexuellen Übergriffe auf Kinder werden von pädophilen Tätern begangen. Alle anderen Täter halten sich an Kinder, obwohl ihre sexuelle Präferenz auf Erwachsene gerichtet ist.”

Gelegenheitstäter aus dem familiären Umfeld sind das Problem. Und dieses Problem lässt sich nicht durch Voodoo aus der Welt schaffen, vielleicht lässt es sich gar nicht beheben.
Aber wie viel sinnvoller wären Schulpsychologen oder Vertrauenslehrer, denen wirklich Vertrauen geschenkt werden kann, als die Verbreitung unwissenschaftlichen Blödsinns.

Oder ist jemand von euch schwul geworden durch Brokeback Mountain?

29 comments

  1. “Stephanie Slutkowski”: *atomrofl*

  2. Brokeback Mountain & schwul: Beinahe, wenn ich ehrlich bin. Ich habe darüber nachgedacht, war fast soweit schwul zu werden, als mir einfiel, dass das ja nicht automatisch tolle Berge und pathostriefende Musik bedeutet.

  3. Word! Ich kann hier gern noch einmal an die “Liebe”-Ausgabe der DUMMY erinnern. In einem Artikel werden zwei Pädophile porträtiert und wie sie mit ihrer Orientierung (in dem Artikel spricht der leitende Arzt der Charité für die Pädophilenbetreuung – etwas trivial ausgedrückt – davon als wissenschaftliche Erkenntnis) umgehen. Lesenswert.

  4. Jetzt, wo du es sagst: Ich bin mal beinahe durch “Die Geheimnisse von Pittsburgh” schwul geworden.
    Allerdings zu einer Zeit, als ich auch einen Lastkraftwagen vergewaltigt hätte, wenn mir ein hübsches Automobilbuch unter die Finger gekommen wäre.

  5. Ich bin durch Brokeback Mountain schwul geworden. ^^

    Komischerweise wollte ich in der Pubertät immer nur Frauen nackt sehen, bin aber trotzdem keine Lesbe geworden.

    Dein Artikel geht allerdings schwerst an dem vorbei, was Ursel gemeint hat. Vielleicht hättest Du ihr Zitat nicht so aus dem Zusammenhang reissen sollen. Sie sagte danach noch folgendes:

    “Experten sagen, dass es bei manchen eine gewisse Neigung dazu gibt, die zur Sucht werden kann. Es ist die Flut der Bilder, die bei Pädophilen den Hunger nach mehr verstärkt. Das kann im Extrem darin münden, das nicht nur virtuell erleben zu wollen, sondern real.”

    Was sie also eigentlich meint, wenn sie sagt, niemand werde als Pädophiler geboren, ist, niemand wird als pädophiler Sexualstraftäter geboren. Ob die Theorie mit den süchtigmachenden Pornos, die einen dann dazu zwingen, seine Neigung in der Realität auszuleben, stimmt, wage ich allerdings auch zu bezweifeln.

  6. Was sie eigentlich meint, wenn sie etwas ganz anderes sagt, wird in einer medialen Wirklichkeit, in der nichts ohne den Segen des Interviewten nach manchmal mehrmaligem Nachbessern abgedruckt wird, wohl kaum so abweichen.

    Und es bleibt ja wissenschaftlich nicht haltbar.

  7. Ja sorry, Malte, aber mein Zitat kommt direkt nach Deinem Zitat. Es ist also ziemlich offensichtlich dass sie zwischen “Pädophiler” und “pädophiler Sexualstraftäter” nicht unterscheidet — was natürlich auch schon hanebüchen ist, aber ich lehne es entschieden ab, jemanden absichtlich falsch zu
    verstehen.

  8. Dann erklär mir doch bitte, warum sie den Begriff Pädophiler überhaupt hineinbringt in die Debatte.
    “Niemand wird als Kindervergewaltiger geboren, dazu bedarf es Pornographie” – dieser Satz wäre auch Blödsinn, würde aber wenigstens nicht den Fokus auf eine Gruppe setzen, die schlicht und ergreifend nicht die Haupttätergruppe darstellt.

  9. Du verlangst etwas viel wenn ich jetzt auch noch erklären soll, warum vdL so wirr redet. Natürlich ist das, was sie sagt, auch Blödsinn, aber halt ein anderer Blödsinn als der, den Du anprangerst.

  10. Das ist doch mal wieder die alte Mär mit den süchtig machenden Pornos und der daraus entarteten Sexualität. Hab ich damals schon bei den fundamentalistischen Christen gehört.

    Was meinte neulich ein Sexualmediziner im Interview. Der Durchschnitts-Nicht-Pädophile würde, wenn er zufälligerweise Kinderpornographie fände, sie einfach als eklig und sexuell uninteressant empfinden.

    @Maltefan:
    Diesmal hat sie es so gesagt. Sie hat es auch schon deutlich allgemeiner formuliert. Das ändert alles in allem nichts daran, dass Zufallsfunde im Web die Ausnahme sind und dass das Stoppschild den zuvor ergangenen Entschluss eines Neukonsumenten nicht aufhalten wird. Denn nun weiß er, dass er seine DNS-Adresse ändern muss.

  11. @Timo: Weiss ich auch.

  12. @Maltefan: Dann sind wir uns ja einig.

  13. ohne weiterzulesen:
    “Stephanie Slutkowski”
    Are you serious? :D

  14. ich schließ mich hier mal Maltefan an. Ich denke auch, dass entsprechende Filme bei einem Pädophilen unter Umständen einen Prozess anstoßen können, der vorher aus Unrechtsbewusstsein und Scham unterdrückt wurde. Schon allein die Erkenntnis, nicht allein so krass drauf zu sein, bewirkt ein Umdenken.
    Und ich finde es schon gar nicht gut, bei der Diskussion um Internetsperren auf diesen Zug der Argumentation aufzuspringen.

    Außerdem muss man schon mal ganz klar festhalten, dass es für einenPädophilen nur ein unerfülltes Leben und unterdrückte Sexualität geben kann. Und er hat die Verpflichtung, sein Leben entsprechend zu organisieren / sich Hilfe zu holen, und diesen auf ewig unbefriedigenden Zustand zu akzeptieren. In eine virtuelle Realität zu flüchten ist da sehr gefährlich – und sehr traurig und beschämend, wenn diese virtuelle Realität gar nicht so virtuell ist

  15. @christoph: Du schließt Dich nicht mir an, sondern Ursel.

  16. Und das ist dann doch ein erheblicher Unterschied.
    @Moe
    Viel zu selten

  17. @Maltefan
    Du hast mich falsch verstanden
    Oder ich Malte

    ich bin gegen die Einrichtung von Internetsperren, und ich finde es einfach nur zum kotzen, fadenscheinige Begründungen für selbige wieder und wieder, krasser und krasser Wiederzukäuen. Entsprechend finde ich es nicht so toll, auf diese Begründungen überhaupt einzugehen. Geschweige denn, sich mit der These aufzutun, Kinderpornografie ist halb so wild.

  18. Ich bin im Podcast mit Daniel Erk (der zur Zeit nicht abrufbar ist) ausführlich darauf eingegangen, warum ich das Verbot von Kinderpornographie für sinnvoll halte.
    Ich bitte dich, mir nicht die These unterzuschieben, sie sei “halb so wild”.

  19. @Malte
    den letzten Satz könnte man durchaus so lesen

  20. Frau von der Leyen und unsere geliebte Bundesregierung wollen nur die Kinder schützen. Es geht auf keinen Fall darum, durch unsinnige Maßnahmen, irgendwelchen Minderbemittelten oder Rentnern (oder beidem) Wählerstimmen aus dem Knie zu leiern.

    Dieser Beitrag übelste Propaganda – zum Glück ist hier ja bald ein Stopschild vor und damit der Beitrag weltweit aus dem Internetz entfernt und das ist auch gut so.

    Wer die Wahrheit verbreitet ist ein Lügner! ;-)

  21. @Christoph
    Der letzte Satz bezieht sich lediglich auf den Zusammenhang zwischen sexueller Umprägung und Bildern.
    Es gibt andere, bessere Gründe, Kinderpornographie zu verbieten. Ja, sogar die sehr vage Möglichkeit, dass es einen Zusammenhang geben könnte zwischen Bildern und sexuellem Verhalten, kann für ein Verbot ausreichen.
    Das ändert aber doch nichts daran, dass man eben nicht sexuell geprägt wird, weil man mit 40 sieht, wie ein Krokodil beschlafen wird.

  22. Zum Nachdenken angeregt hat es mich jedenfalls. Mich würde mal interessieren, ob es wissenschaftliche Untersuchungen über Pädophile gibt, die auf Nabokows “Lolita” hängengeblieben sind.

  23. @Malte
    nagut, dann sind wir uns wohl hier einig

    @Bernd
    ich finde nicht, dass ein Roman, der sich mit den Seelenqualen eines Pädophilen und denen seines Opfers auseinandersetzt, irgentetwas mit dem zu tun hat, was derzeit unter Kinderpornografie zusammengefasst wird.

    Und da schließt sich der Kreis zu dem, was ich im ersten Kommentar versucht habe, rüberzubringen: Es ist blöd, sich auf diese Diskussion einzulassen, weil der Eindruck entsteht, schlechte Argumente dagegen würden für die Sperren sprechen.

  24. Ich fände mal die Meinung eines Pädophilen interessant. Vielleicht macht Malte ja mal einen kleinen Podcast o.ä. mit einem der Patienten der Charité.

  25. Durch Brokeback Mountain wäre ich beinahe hetero geworden.
    SO wollte ich nun wirklich nicht sein.

    “Kindesmissbrauch geschieht in der Regel durch Nicht-Pädophile.”? Bizarre These. Mal Deinen alten Artikel lesen, aber noch glaub ich’s nicht :)

  26. @Manniac
    Aus der Wikipedia
    Nach vorsichtigen Schätzungen fallen etwa 90 Prozent der Taten auf Männer zurück, deren primäre sexuelle Präferenz auf Erwachsene gerichtet ist. Aufgrund der leichten Verfügbarkeit von Kindern greifen sie zur sexuellen Befriedigung auf Kinder zurück. Man spricht deshalb auch von einem Ersatzobjekttäter. Der pädophile Typ folgt mit etwa 2 bis 10 Prozent an zweiter Stelle. Der soziopathische Typ tritt nur in wenigen Einzelfällen auf. Die Sexualität dient ihm nicht primär zur sexuellen Befriedigung, sondern als Mittel zur Unterdrückung. In diesem Zusammenhang wird auch von einem sadistischen Typ gesprochen.[1]

    In der öffentlichen Wahrnehmung spielt fast ausschließlich der dem Opfer unbekannte Täter eine Rolle, der es verschleppt und ihm Gewalt antut. Statistisch gesehen verhält es sich anders: Ungefähr 70 bis 90 Prozent der Täter und Opfer sind einander bekannt. Täter sind zumeist Familienmitglieder wie Mutter, Vater, Stiefvater, Bruder, Stiefbruder, Lebensgefährte der Mutter, Verwandte, sowie Hausbewohner, Nachbarn, Bekannte, Freunde der Familie, Sporttrainer, Babysitter, Erziehungs- oder auch Autoritätspersonen wie Geistliche, also Personen aus dem sozialen Nahbereich des Opfers.

    Primärquelle:

    Rund ein Drittel der Täter sind selbst noch Kinder oder Jugendliche und nur ein Zehntel sind über 50 Jahre alt, d.h., die Kinder und Jugendliche werden am häufigsten von Gleichaltrigen oder nur geringfügig Älteren sexuell missbraucht

  27. VdL weiß so Vieles besser, interessanterweise oft, obwohl sie es eigentlich besser als besser wissen müsste. Aber dass sie mehrfach nachweislich gelogen hat, wissen wir alle – und selbst Uninteressierte wissen es hoffentlich seit dem Interview mit Franziska Heine und vdL, dass in der ZEIT geführt wurde.

    Die von dir zitierte Studie ist mir neu, obwohl ich eine Weile bei der Polizei auf dem Sektor gearbeitete habe – der Name des Wissenschaftler im übrigen ebenso. Allerdings ist meine Beschäftigung mit dem Thema auch schon knapp 3 Jahre her, seitdem hat sich sicher einiges getan (http://www.revelation-of-silence.com/2006/06/05/verkehrte-sexualitat/).

    Aus Sicht eines klinischen Psychologen ist es in jedem Falle sehr fragwürdig, dass bestimmte Art von Pornographie sexuelle Orientierung grundsätzlich ändern kann. Vielfach nachgewiesen ist allerdings, dass Fetische durch simple klassische Konditionierung entstehen können (weshalb ich auch die massive Unterordnung der Frau in moderner Pornographie extrem schwierig finde – wenn Jugendliche das erstmal 5 Jahre konsumieren, bevor sie überhaupt sexuelle Kontakte haben, kann das zu bleibenden “Schädigungen” führen).

    ta-ta
    E.

  28. …hab noch eine Seite gefunden zum Thema “Wie wird man pädophil”: http://www.itp-arcados.net/bin-ich-paedophil.php

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