Deutschland: Schweiz

So ein Testspiel ist natürlich kein richtiges Fußballspiel. Spielerwechsel sind nicht taktisch bedingt, sondern pädagogisch, das Spiel dauert wegen allgemeiner Kräfteschonung und Eh-Egalheit nur 70 Minuten und auf einmal steht Lahm im rechten Mittelfeld und Hitzlsperger dreht eine Pirouette im eigenen Strafraum.

Trotzdem ein paar Beobachtungen:
Westermann qualifiziert außer der Verletzung von Metzelder nichts zum Nationalspieler, nachdem Schweinsteiger Ballack nicht ersetzen konnte und Trochowsky erst recht nicht, konnte auch Ballack Ballack nicht ersetzen und Herr Lehmann hatte keine Gelegenheit, tja – je nach Sichtweise – einen Fehler zu machen/sich auszuzeichnen.
Béla Réthy hat arg verkrampft versucht, aus dem strammen Blick des Teilzeittorwarts eine gute Leistung abzuleiten. Aber es führt kein Weg dran vorbei – soll weiterhin das Leistungsprinzip gelten und die Nationalmannschaft nicht zur Meritokratie werden, dann muss Lehmann zuhause bleiben (wenn er verspräche, brav zu bleiben, könnte man ihn auch mitnehmen, aber Robert Enke ist eher zuzutrauen, sich freundlich lächelnd auf die Bank zu setzen).
Schweinsteiger pubertiert heftigst, Podolski ist momentan der bessere offensive Mittelfeldspieler, trifft jetzt sogar als Joker, Klose hält sich zu oft am eigenen Strafraum auf, das ist zwar nett, aber taktisch (von ihm oder vom Trainer) falsch gedacht. Denn verteidigen kann er nicht/ nicht ohne Foulspiel und vorne fehlt ihm die Konzentration. Fritz war ordentlich und einmal sehr ordentlich, Lahm und Mertesacker waren die besten. Von den normalen Spielern. Außergewöhnlich in seiner Schönheit und Verehrungswürdigkeit: Mario Gomez. Zuletzt so gut in Form war ein deutscher Spieler nach der WM 2002. Damals hieß der Spieler, der jedes Spiel entschied, Michael Ballck. Schneider hat nicht mitgespielt, nicht einmal für eine aufpäppelnde Einwechslung hat es gereicht. Aber wenn sein Zivi beim nächsten Spiel Zeit hat, darf er bestimmt wieder dabei sein.

Verschoben hat sich die Mannschaft erstaunlich gut, die Kombinationen liefen dagegen nicht besonders flüssig.
Das 0:4 war eher der Schweizer Harmlosigkeit zu verdanken als der deutschen Dominanz.

Aber schließlich: unter Rudi Völler wäre so ein Spiel von Anfang an eine Abwehrschlacht gewesen, nach dem 0:0 hätte man die Schweizerianer den erwartet rottrikotigen Gegner genannt, unter Klinsmann hätte man sich an einem retroaktiven 5:4 erfreut, das aber gestern: das war schon fast ein Fußballspiel.

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  1. Testspielstimmen SUI-GER | EURO 2008

    [...] Malte Welding dann doch noch mal zur T-Frage: Aber es führt kein Weg dran vorbei – soll weiterhin das Leistungsprinzip gelten und die Nationalmannschaft nicht zur Meritokratie werden, dann muss Lehmann zuhause bleiben (wenn er verspräche, brav zu bleiben, könnte man ihn auch mitnehmen, aber Robert Enke ist eher zuzutrauen, sich freundlich lächelnd auf die Bank zu setzen). [...]

  2. Moment, das 1:0 war vor allem ein Geschenk unseres Torhüters. Unsere Abwehr war praktisch und faktisch und überhaupt während 90 Minuten inexistent. Ans 4:0 kann ich mich schon gar nicht mehr erinnern, weil das Debakel nach dem 2:0 erahnend mit maximaler Anzahl Bier optimal verdrängt. Ich sags mal so, wenn unsere Kicker so weiter kicken, dann heisst unsere EM-Motto: Europa zu Gast bei fussballtraumatisierten Alkoholikern.

  3. “…soll weiterhin das Leistungsprinzip gelten und die Nationalmannschaft nicht zur Meritokratie werden, dann muss Lehmann zuhause bleiben…”

    malte darling, meritokratie und leistungsprinzip sind ein und das selbe, der satz ist quatsch.

  4. @westernworld
    ich verstehe und meine das folglich auch anders: in der meritokratie wird man für vergangene verdienste durch ämter belohnt – das leistungsprinzip bezieht sich auf die aktuelle leistung

  5. @Ugugu:
    Das war hierzulande auch schon 2006 das Motto nach der Niederlage gegen die Petzen vom Stiefel (Frings wird ab sofort bei _jedem_ Spiel gegen Italien nominiert, und wenn er mit 94 Jahren nur noch auf der Bank sitzen und in den Katheter pischern kann).
    @Malte:
    Ballack hat seine Zeit in der Nationalmannschaft hinter sich, meistens stört er nur noch den Spielaufbau. Bis 2002 war OK, aber seitdem hat er ungefähr soviel zum “deutschen Spiel” beigetragen wie seitdem Matthäus.

  6. Ich fand die deutsche Abwehr beim 0:1, das ja dann doch keines war (God save the abseitsregel), erschreckend unkoordiniert. Die Hereingabe zum 1:0 (dem echten dann, also der deutschen Führung) war sehr schön, die hätte dann auch eine rostige Aschetonne vollenden können.

  7. @malte, danke für die erläurerung, deine lesart ergibt sich nicht wirklich aus der begrifflichkeit selbst da die begriffe für gewöhnlich synonym gebraucht werden. so wird der satz sinvoll als aussage.

  8. wenn ämter nach vergangenen diensten vergeben werden, befinden wir uns nicht mehr in einer meritokratie, sondern in der gegenwart. eine andere lesart des begriffes existiert nicht.

  9. Also ich wegen dem hier am 9.6.das hier. Nu überlege ich schon, ob ich dieses Mal ganz frech die ganze Zeit für die Orangen sein soll, aber dann wird das Vergnügen so kurz.

    Steht die Blogger-Tipprunde eigentlich schon?

  10. Spiel-dich-schön » Ach so - Das Spiel ist aus

    [...] stehen in Treue fest, und der Westen könnte sich insgesamt genötigt sehen, gute Miene zu seinem dummen Spiel zu machen, um schlimmeres zu verhüten. Er wird uns das als Erfolg verkaufen – Kanzler des [...]

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