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Sep 13

Homosexualität ist Neuland

Es kommt vor, dass homosexuelle Menschen auch für die Wissenschaft ein dunkler Kontinent bleiben. Ich habe von einer Studie gelesen, in der monogam lebende schwule Männer erforscht werden sollten. Aber man fand keine.
Nun kenne ich zufällig ein schwules Paar, das seit zwanzig Jahren zusammenlebt, aber ich habe auch einen weiten Monogamitätsbegriff: Wer ein Paar bleibt, ist monogam, da bin ich sehr klassisch.
Interessant ist ja nicht, wo jemand kommt, sondern wo jemand bleibt.
Dieses Paar also, dieses völlig unhassbare Paar, das möchte keine Kinder adoptieren. Denn das vergisst man in der dann doch wieder sehr bedrückenden Debatte um das Adoptionsrecht homosexueller Paare rasch: Adoption ist eine riesige Herausforderung. Es ist wie “Drei Männer und ein Baby”, nur ist das Baby vielleicht vier Jahre alt und verhaltensauffällig, sieht auch nach genauestem Hinschauen kein Stück aus wie eines der Elternteile, und selbst wenn man heterosexuell ist wie die Fußballbundesliga der Herren, ist die Erschaffung einer Familie ohne genetische Verwandtschaft ein Kunststück.
Aber sie gelingt, Menschen sind adaptionsfähig. Und machen wir uns nichts vor: Katzen sind mit uns auch nicht so irre verwandt.
Kommen wir zurück zum Neuland Homosexualität: Wir wissen nicht, wie homosexuelle Menschen sich fortpflanzen. Wir wissen nicht, wie ihr Paarverhalten ist. Wir beginnen zu begreifen, dass wir sie irgendwann mitmeinen müssen, wenn wir “Wir” sagen, denn vielleicht, also vermutlich, also doch ganz bestimmt, teilen sie unsere Werte.
So sagt es sogar die Kanzlerin.
Aber Kinder adoptieren, das dürfen nur Heteros.
Auch denen wird es nicht leicht gemacht, obwohl sie im Grunde auch ziemliches Neuland sind. Dass die heterosexuelle Frau masturbiert, weiß man erst seit einer Generation, warum sie einen Orgasmus hat, da ist man nicht so sicher. Es ist Mehrheitsmeinung, dass heterosexuelle Männer mehr Sex haben als heterosexuelle Frauen, aber es bleibt ein Rätsel, mit wem sie diesen Sex haben. Man geht mittlerweile davon aus, dass 50% einander fremdgehen, aber da man nie weiß, welche 50%, kann man daraus eine ganze Film- und Musikindustrie, die sich um sexuelle Treue dreht, machen und sogar noch zwei, drei Religionen fallen ab.
Kinder haben übrigens immer seltener genetisch etwas gemeinsam mit dem Mann, mit dem sie als Vater zusammenleben, aber das nur nebenbei.
Bei Heteros heißt das Patchwork.
Kommt das mal bei Homosexuellen vor, dann heißt das Regenbogenfamilie, zumindest in liberalen Magazinen.
Wenn aber ein Paar nun zusammen ein Kind haben möchte, auf diese komplizierte Weise, wenn es sich für diesen denkbar steinigen Weg entscheidet, dann müsste man schon sehr gute Gründe haben, ihm das zu verweigern.
Schließlich erweisen sich Tag für Tag Swinger und Fremdgeher und Freier und Pornogucker als hervorragende Eltern.
Ihr kennt die Pointe: Kanzlerin Merkel braucht gar keine Argumente. Sie verweist auf das Kindeswohl, aber es geht um das Wählerwohl.
Sie zu wählen ist Kreuzchen gewordenes Ressentiment.

Mit der Liebe ist es wie mit Gott: Man kann nicht ein wenig an sie glauben.