Schnellschüsse


24
Jun 11

Warum ich mich nicht für Frauenfußball interessiere

Als Teresa sich vor kurzem auf Facebook darüber erregte, dass sich Juniorennationalspielerinnen für den Playboy ausgezogen haben, postete ich eine Reihe halbnackter Fußballer.
Sie sagte darauf, Männerfußball habe schließlich auch kein Akzeptanzproblem, Frauenfußball dagegen schon.

Meine Antwort, Frauenfußball habe kein Akzeptanz-, sondern ein Geschwindigkeitsproblem habe ich mir gespart.

Frauenfußball ist lahm. Leute stehen auf dem Platz rum, ab und an dribbelt mal einer, einer passt, eine Torfrau rutscht aus, Tor.
Es sieht aus wie Fußball früher mal aussah.

Aber Männerfußball war doch früher auch schon beliebt, 1974 zum Beispiel. Wenn man da die Jugoslawen spielen sieht, ist man ganz sicher, dass sie Zigaretten im Mundwinkel hängen haben.
Warum sind langsame Männer geiler als langsame Frauen?

Zum einen aus Gründen der Tradition. Wettbewerbe brauchen Zeit, um interessant gefunden zu werden. Die Organisatoren der ersten Welt-Turniere der Herren, die beinahe ein Jahrhundert nach Erfindung des Sports und knappe sechzig Jahre nach der Regelfestlegung stattfanden, hatten ziemliche Mühe, überhaupt Teilnehmer zu finden. In Uruguay 1930 nahmen Deutschland, Spanien und England beispielsweise freiwillig nicht teil.

Die überbordende gesellschaftliche Bedeutung des 1954er Titelgewinns der deutschen Mannschaft soll dem Sieg auch erst im Nachhinein aufgepfropft worden sein, gut möglich, dass 1954 ursprünglich nur ein Sieg in einem Spiel war.

Noch in den 70ern verbot der DFB seinen Vereinen, Frauen auf ihren Plätzen spielen zu lassen. Die Zahl der Menschen, die sich daran erinnern, wo sie beim ersten Finale der deutschen Frauenmannschaft waren (und wo das überhaupt stattfand), dürfte Schulklassengröße haben, na gut: Schulhofgröße.

Vor 15 Jahren verlor Deutschland das WM-Finale gegen Norwegen, es war die zweite Frauen-WM. Wir befinden uns, was die Tradition angeht, also ungefähr in den vierziger Jahren (damals fand aus dem geschichtlich interessierten Leser möglicherweise bekannten Gründen keine WM statt).

Das ist so eine Situation, mit der Frauen auch in anderen Gebieten zu tun haben: Erst lässt man sie etwa 2000 Jahre nicht mitmachen, und wenn man sie dann lässt, tut man so, als müsse das jetzt bitte genau so klappen wie bei den Männern.

WIR HABEN DOCH GLEICHBERECHTIGUNG, HERRGOTTNOCHMAL!

Eine Erinnerung an den Feminismus: Der Kapitalismus wird dem Feminismus immer gerne helfen, wenn es ihm denn nutzt. Akzeptanz für Frauenfußball schaffen durch Nacktfotos? Total ok.

Fernsehzeiten freischaufeln für die lahme Frauenfußballliga? Gibt der Markt nicht her, sorry.

Auf Feminist Frequency kann man sich anschauen, aus was für Klischees weibliche Rollen im Film zusammengeschraubt sind.

Der Blogger Pastabagel ist der Frage nachgegangen, warum die Filmindustrie uns ausschließlich Klischees anbietet, wo doch Frauen einen größeren Anteil am Kinopublikum haben.

Seine Antwort: Weil Frauen in Jungsfilme gehen, Männer aber ungern in Filme, in denen Frauen die Hauptrollen spielen.

Hier der Disney-Test (Einspielergebnisse von Disneyzeichentrickfilmen in den USA – f=weibliche Hauptrolle, m= männliche)

f – Little Mermaid (1989) – $211 million
f – Beauty and the Beast (1991) – $337 million
m – Aladdin (1992) – $504 million
m – Lion King (1994) – $783 million
f – Pocahontas (1995) – $346 million
f – Hunchback of Notre Dame (1996) – $325 million
m – Hercules (1997) – $252 million
f – Mulan (1998) – $304 million
m – Tarzan (1999) – $448 million
f – Lilo and Stitch (2002) – $273 million

Pastabagel zieht den Schluss, dass Mütter zwar ok damit sind, ihre kleinen Mädchen in Toy Story zu schleppen, aber ihren Jungs eher nicht mit Pocahontas kommen.

Das ist also der Grund, warum ich mich nicht für Frauenfußball interessiere: Weil ich nie damit behelligt wurde. Weil jeder glaubte, ich würde mich dafür nicht interessieren.
Und kommt mir nicht mit Biologie.


17
Jan 11

Frauen und Männer passen nicht zusammen – Auch nicht in der Mitte: “Warum hat dein Buch so einen beknackten Titel?”

Gerade habe ich eine Mail von einem Leser bekommen, der sagt, er sei froh, sich trotz des Titels überwunden zu haben, das Buch zu kaufen. Das habe ich nun schon häufiger gehört. Da darüber hinaus auch meistens spekuliert wird, Piper habe mir den Titel aufgedrückt, habe ich das Gefühl, dass eine Erklärung nicht schaden kann.
Die Idee, ein Sachbuch über die Liebe zu schreiben, hatte ich etwa 2006/2007. Arbeitstitel war “Der Sexualmarkt”. Als Titel eines Buchs hat es der Begriff in diesen Text über Paul geschafft (Auszug: “Ich blättere in einem Exemplar von Matzes „Der Sexualmarkt“. Die Bücher fliegen hier überall rum. Ja, da steht, dass ich verloren bin: Auf dem Sexualmarkt gilt das Matthäusprinzip. Wer hat, dem wird gegeben. Das ist natürlich äußerst ungerecht, aber ein unverrückbares Prinzip.“)
Den Titel habe ich irgendwann während der Arbeit an dem Exposé wieder aufgegriffen, mein Agent fand ihn allerdings zu technisch. “Frauen und Männer passen nicht zusammen (…)” geht, anders, als es im Buch erklärt wird, nicht auf ein Abendessen mit meiner Familie zurück (der Ich-Erzähler im Buch ist mittelfiktional), sondern auf einen Running Gag zwischen meinem Freund B und mir. Er klagte sein Leid, ich sagte “Frauen und Männer passen eben nicht zusammen” und er sagte daraufhin: “Außer in der Mitte”. Es kann auch sein, dass er den ganzen Satz selber gesagt hat, ich erinnere mich da nicht genau. Woran ich mich erinnere: Ich habe dabei immer an übereinander liegende Gummibärchen gedacht.
Irgendwann Anfang 2009 erwähnte ich dann gegenüber meinem Agenten den Titel in seiner jetzigen Form. Er hat gekichert. Das Kichern setzte sich bei Piper fort, ebenso bei zahlreichen Freunden, die ihn gehört haben. Der Titel hatte zudem den Vorteil, dass er sich vage durch den Inhalt des Buchs erklären lässt.
Genau das, eine Deckungsgleichheit herzustellen zwischen Titel und Inhalt, ist nämlich gar nicht so einfach. Überhaupt ist es schwierig, sich einen Titel auszudenken. Für einen Artikel ist es einfach, schreibt man für Printmedien, denken sich sowieso die Redakteure einen aus, aber ein Buch ist so erstaunlich lang und ein Titel verhältnismäßig kurz, selbst wenn er so lang ist wie meiner.
Entweder wählt man einen deskriptiven Titel, dann klingt es, als habe man ein soziologisches Fachbuch geschrieben. Oder man entscheidet sich für ein selbsterfundenes Wort, etwa Neosexualität oder Postsexualität oder etwas in der Art. Es gibt auch die Möglichkeit, dass einem etwas Großartiges einfällt, das zufällig schon einem anderen eingefallen ist.
Hier drei Beispiele aus dem Denkprozess:
Die Liebe ist ein Nazi (Ja! Nazi! Aber ist die Liebe ja eigentlich gar nicht)
Die Liebe in Zeiten der Schweinegrippe (Juhu! Aber Schweinegrippe ist so 2009)
Generation Arschkarte (Arschkarte, hihi. Aber Generation geht gar nicht)
Nun zu der Frage, ob Piper mich gezwungen hat: Erklärt sich eigentlich schon, da selbst bei Piper niemand durch die Zeit reisen kann, aber etwas ausführlicher: Der Autor ist der Autor. Das Buch ist sein Buch.
Dass der Verlag etwas entscheidet, ohne es mit dem Autor abzustimmen, ist vermutlich in der Praxis möglich, erfordert jedoch einen einknickbereiten Autoren.
Der Titel ist also, kurze Antwort: Albern, aber nicht beknackt. Albern ist gut, weil ich flachen Humor durchaus zu schätzen weiß, wenn er nicht länglich wird. Und der Titel ist von mir und von mir allein (übrigens auch nicht Loriot, dem ist er nur so ähnlich vorher eingefallen, ich kannte sein Buch allerdings als einziger Deutscher nicht).


18
Dez 10

Frei

Das Verfahren gegen mich wegen Beschimpfung religiöser Bekenntnisse ist erwartungsgemäß eingestellt worden.

Falls es für jemanden von Interesse ist: Hier der Brief, den ich den Ermittlungsbehörden in der Angelegenheit geschickt habe, also meine Stellungsnahme.

“Sehr geehrter Herr

Ich habe mich nicht der Beschimpfung religiöser Bekenntnisse schuldig gemacht.

Das Bild zeigt eine Jesusikone in einer katholischen Kirche in der amerikanischen Kleinstadt Warr Acres, Oklahoma. Die Jesusabbildung hat dort für eine Kontroverse gesorgt, da die Bauchmuskeln der Jesusfigur phallisch wirken; die untere Bauchpartie ist unnatürlich breit und gewölbt und verjüngt sich nach oben hin.
Die Kontroverse hat weltweit für recht großes mediales Aufsehen gesorgt, das Bild verbreitete sich im ganzen Internet.
Ich habe diesem Bild nichts hinzugefügt, es fehlt also schon an einer wie auch immer gearteten Tathandlung. Ich habe des weiteren aber auch überhaupt nicht mit dem Vorsatz gehandelt, die religiösen Gefühle meiner Leser zu beschimpfen.
Auch die Künstlerin, die in Warr Acres die Jesusikone geschaffen hat, hat nicht mit der Absicht der Gotteslästerung gehandelt. Im Gegenteil ist diese Art der Darstellung der Bauchmuskeln des Gekreuzigten ein verbreitetes Motiv (die Bauchmuskeln sind angeblich deshalb so auffällig phallisch, weil sie „Anspannung“ zeigen sollen, möglicherweise ist aber das Phallische ursprünglich durchaus gewollt gewesen), da sie auf das San-Damiano-Kreuz zurück geht.

Vor diesem Kreuz hörte der Heilige Franz von Assisi der Legende nach die Worte „Franziskus, geh hin und stelle mein Haus wieder her, das, wie du siehst, schon ganz verfallen ist“.

Beispielsweise auf der Internetpräsenz der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuze ist ebenfalls ein Bild dieses Kreuzes zu sehen.

Die Schwestern sind der Beschimpfung religiöser Bekenntnisse doch offensichtlich unverdächtig.

Das Bild ist von mir nicht mit Photoshop bearbeitet oder sonstwie manipuliert worden. Der Gedanke, die Bauchmuskeln sähen aus wie ein Penis, stammt ebenfalls nicht von mir, sondern wurde unter anderem von Fox News, dem größten amerikanischen Nachrichtensender, verbreitet.

Und auch die größte amerikanische Tageszeitung USA Today hat ihren Lesern die Debatte nicht vorenthalten.

Ebenso hat Huffington Post, das bekannteste Blog der Welt, darüber berichtet.

Sie sehen: Das mir vorgeworfene Delikt habe ich nicht begangen.
Mit freundlichen Grüßen, Malte Welding”


9
Dez 10

Hey Journalismus! Lick my Wiki!

Heute habe ich mich mal auf der Submissions-Seite von Wikileaks umgeschaut:
1. Material we accept

Wikileaks will accept restricted or censored material of political, ethical, diplomatic or historical significance.

Was Wikileaks nicht annimmt: Gerüchte.

Spulen wir im Geiste um einige Wochen zurück. Damals erreichte das SZ-Magazin einen neuen Tiefpunkt: Aus anonymen Interviews mit vorgeblichen Exfreundinnen Jörg Kachelmanns wurde dort ein dermaßen ungenießbarer Sud aus Verdächtigung, Rufmord und allgemeiner Arschlochigkeit gekocht, dass ich am liebsten ein SZ-Abo erstanden hätte, nur um es demonstrativ kündigen zu können. Es gab in dem Artikel keine Information von Relevanz und er basierte ausschließlich auf Gerüchten.

Cablegate überzeugt mich nicht von der Arbeit von Wikileaks, ich bin der Ansicht, dass mit der Veröffentlichung der Botschaftsdepeschen niemandem gedient ist. Aber Entschuldigung: In deutschen Presseerzeugnissen sind ungefähr 97% reiner Dreck, Informationsdurchfall.
In Deutschlands Redaktionsstübchen wird lustig oder unlustig Dienst nach Vorschrift gemacht, Interviews muss man sich vom Interviewten absegnen lassen und der Rest der Arbeit besteht aus dem Verfassen von staatstragenden Konsenskommentaren und Serviceartikelchen. Welchen Skandal hat ein deutsches Nachrichtenmagazin zuletzt aufgedeckt? Wann soll das gewesen sein? Die Barschel-Affäre? Würmer in Nordseefischen? Oder ist alles in Ordnung?
Ist klar: Zu Guttenberg hat seine 600 Millionen durch harte Arbeit verdient, seine Frau ist eine grandiose Streiterin für die Unversehrtheit von Kinderseelen, der Papst hat von überhaupt nichts gewusst (weder von Vergewaltigungen in seinen Klöstern noch von deren Vertuschung) und Felix Magath ist der böseste Mann Deutschlands (tausend Euro für den Journalisten, der einen solchen Artikel, wie er diese Woche über einen Fußballtrainer in der ZEIT zu lesen war, über einen deutschen Minister verfasst – leicht gesagt, die werde ich nie zahlen müssen).

Deutsche Journalisten, die darauf hinweisen, nur der gute alte Journalismus könne in so verwirrenden Zeiten noch helfen, sollten mal auf andere Medikamente umsteigen. Es ist das Zetern der Altersimpotenten über die Niedertracht der Erektion.


30
Nov 10

Jugendmedienschutz ist für’s Arsch

Achim Schröder, Professor für Kulturpädagogik und Jugendarbeit, schreibt in dem Aufsatz “Die Illusion der Sexualaufklärung: “(…) im Hinblick auf sexuelle Darstellungen im Fernsehen kann man beobachten, dass Kinder, die sich von einer genitalen Sexualität noch weit entfernt fühlen, die entsprechenden Sendungen ausschalten und meiden. Sie schauen nicht hin, hören nicht zu, nehmen nicht wahr.”
Er zitiert aus einer qualitativen Studie, die im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung erstellt wurde: “Gesehenes wird in der Regel erst dann mit Interesse wahrgenommen, wenn das Thema biografisch ansteht.”
Obst verdirbt, Kinder nicht, Kinder schalten ab. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind bewusst eine Geschichte wie Paul im Puff liest und danach eine Karriere als Prostituierte anstrebt, ist nicht existent. Aber was ist mit Jugendlichen? Wenn ein Siebzehnjähriger Pauls Untergang liest, möchte er dann nicht zwangsläufig auf LSD masturbieren und sich von seiner Freundin verlassen lassen?
Entschuldigung, verehrte Behörden, mein Gehirn verweigert leider gerade die Mitarbeit: An mir, dem Autor, soll es hängen, die Entscheidung darüber zu treffen, wer meine Texte verarbeiten kann? In Selbsthilfeforen steht regelmäßig vor Texten der Warnhinweis “Vorsicht, könnte triggern!”. Das ist ein netter Zug, ich bin jedoch nicht die Mama meiner Leser und ich wäre ein lausiger Schreiber, würde ich mir diese Rolle anmaßen.
Ich bin in diesem Jahr zwei Mal angezeigt worden, zwei Mal hatte ich putzige Gespräche mit LKA-Beamten, die durch so einen Käse von ihrer Arbeit abgehalten werden. Der eine ist normalerweise mit dem Abhören von Kindervergewaltigern beschäftigt. Er hat mir erzählt, was er da so hört. Verehrte Beamte, die Sie gerne hätten, dass ich meine Blogartikel nach jugendverderbendem Material durchkämme: Wie erklären Sie eigentlich Ihren Kollegen, die sich mit der ekelerregenden Wirklichkeit beschäftigen, Ihre Tätigkeit, die ausschließlich darin besteht, genau diesen Kollegen mehr Arbeit zu machen?
Jugendliche brauchen nicht mehr Schutz. Ich brauche ein Visum für ein freies Land.

Im Rahmen eines Forschungsprojekts der Sozialpädagogen Constanze Bausch und Stephan Sting, dass die Auswirkung von Medien und Medienkultur auf die Sozialisation von Kindern untersucht, drehten 10-12-jährige Kinder aus einem Berliner Innenstadtbezirk eigene Werbeclips.
Binol und Wladimir schwingen ihre Hintern und Murat schreit in die Kamera: “Das ist das Parfüm für’s Arsch!”.
Die Kinder? Die machen Witze. Und Ihr macht Ernst. Ihr Idioten.


1
Okt 10

Definieren Sie Gewalt

Heribert Rech, der Innenminister Baden-Württembergs, beharrt im ZDF darauf, die Demonstranten seien gewaltbereit gewesen.

Hier ist ein gewaltbereiter Demonstrant zu sehen. Rechts im Bild ein friedlicher Polizist mit Pfefferspray.

Der Polizeisprecher Stefan Keilbach erklärt, wie denn nun die Gewalt der Bürger aussieht: “Die Polizei geht deswegen so massiv vor, weil die Demonstranten sich so massiv wehren, den Platz, die Straßen, zu verlassen.”

Ah, passiver Widerstand. Das kann natürlich ganz schön wütend machen, wenn einer einfach nicht weggeht. Fragen Sie doch einmal einen Jubelperser, der weiß, WIE wütend das macht.


16
Aug 10

Jetzt beschimpfe ich auch noch Bekenntnisse

Wegen dieser Abbildung von Jesus Christus habe ich heute Post vom LKA bekommen. Vorwurf: Beschimpfung von Bekenntnissen. Es handelt sich nicht etwa um eine Photomontage, das Bild stammt aus der Kirche von Warr Acres und hat wegen der phallisch anmutenden Bauchmuskeln eine Kontroverse ausgelöst. Die Polizei ist wirklich nicht zu beneiden. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ein Christ hinter der Anzeige steckt.

I received mail today by the State Office of Criminal Investigation regarding an illustration of Jesus Chris on twitpic I linked to several weeks ago. I am accused of profanity.
Interestingly, the picture was taken in the Church of Warr Acres and is not photoshopped. Just recently it ignited a debate about the phallic depiction of the abdominal muscles.

I don’t envy the police. And I don’t think that the complaint was religiously motivated, but if it was, I don’t consider it to be very Christian.


30
Jul 10

Deus Ex Machina

Rainer Meyer hat für die FAZ ein neues Blog entwickelt.
Zur Einführung schreibt er:
“Journalisten weigern sich, Blogs zu lesen, Politiker möchte das Internet regulieren. Wenige Mitglieder der deutschen Eliten haben Lust, über dieses Ding da draussen in den Netzen anders als mit Abscheu zu reden, während anderswo Banken mit Bewertungsmodellen in Rechnern und Internethandel die Wirtschaft ungehindert an den Abgrund bringen, Unternehmen ihre Mitarbeiter mit Datensätzen ausspionieren und sich unter den Milliarden Internetnutzern durchaus kluge Leute finden, die was zu sagen haben. Mit denen man reden kann. Die man dort kennen und vielleicht sogar lieben lernt.”
Zusammen mit Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia, Violandra Temeritia von Avila und Don Alphonso Moltogulax Acedianus werde ich als Nicander A. Indescretius von Saage für Unterhaltung sorgen.


22
Jul 10

Schwuchtel

Seit einigen Wochen ist “Louie”, die neue Serie von Louis CK angelaufen. Nachdem seine erste HBO-Serie “Lucky Louie” nette Momente hatte, aber insgesamt trotz gesunden Masturbationshumors erstaunlich altbacken daherkam, ist “Louie” ein sofortiger Klassiker.

Das Leben ist in “Louie” eine alte Drecksau mit Mundgeruch, ein Date endet immer im Elend (selbst wenn es gut läuft, lebt man ein paar Jahrzehnte miteinander und dann STIRBT einer der beiden!) und die sonstigen Umstände, meist in Gestalt anderer Menschen, sind auch eher beklagenswert. Und dann versucht man auch noch, kein allzu großes Arschloch zu sein, na wie soll das denn klappen?

Von drei Berufsgruppen wünsche ich mir, dass sie den folgenden Ausschnitt aus der zweiten Folge anschauen, in Seminaren nacherzählen, memorieren, stenographieren und darüber diskutieren: deutsche Rapper, deutsche Berufsempörte und deutsche Comedians. Unser aller Leben könnte danach ein etwas kleinerer Drecksack sein. Aber Hoffnung, heißt es ja, die ist es, die dich wirklich tötet.


19
Jul 10

Das Internet: Der größte Tatort der Welt

Magersüchtige Mädchen werden hier in den Hungerselbstmord getrieben, Kinder werden vergewaltigt, ausgebeutet, erniedrigt, Menschen verkaufen ihre Körper gegen Drogen, Diktatoren tyrannisieren ihre Völker und machen dann Urlaub in den Bergen, Biosphären werden vernichtet, Serienmörder treiben ihr Unwesen.
Die Wirklichkeit ist die Hölle.
Das BKA Der Bund Deutscher Kriminalbeamter will jetzt eingreifen und da er nichts machen kann, beschäftigt er sich von nun an nicht mehr mit der Wirklichkeit, sondern mit den paradiesischen Weiten der Virtualität. Das Internet sei der größte Tatort der Welt, so der BDK.
Im virtuellen Raum liegt der Blutzoll seit Bestehen im überschaubaren Rahmen von Null Millilitern: Kein Mensch wurde jemals am Körper verletzt, niemand vergewaltigt, niemand verlor auch nur ein Kilo Gewicht.
Jeder Beleidiger verschwindet hier durch simples Ignorieren, durch gezieltes Nichtansteuern ist alles Unangenehme für immer aus den Augen verschwunden. Ginge das bloß in der U-Bahn!
Der größte Tatort der Welt, so nennt der BDK das Internet und man möchte dem BDK Blumen schicken mitsamt einer tröstenden Postkarte: “Mach‘ nicht so viele Überstunden, lieber BDK, geh einfach mal früher nach Hause, schmeiß den Rechner an, nimm eine bequeme Haltung ein, geh auf Cuteoverload, lies ein paar Sachbücher auf google.books, schau dir den ein oder anderen Stop-Motion-Film auf youtube an, vorzugsweise mit Legofiguren und dann lach halt mal. Am besten über dich.”