Sind Frauen Weicheier?

Meine Frau schreibt ihre Doktorarbeit und ist schwanger. Sie ist Stipendiatin und arbeitet daher unter paradiesischen Bedingungen am Exzellenzcluster der FU Berlin. Weil sie schwanger ist, bekommt sie ein Jahr länger Geld für ihre Forschung.
Das ist ohne Frage ein Zeichen für eine fantastische Entwicklung, meine Frau hat unter diesen paradiesischen Bedingungen beinahe so gute Möglichkeiten wie ein Mann.
Warum nur beinahe? Keiner ihrer Kollegen wird jemals schwanger sein.

Die Schwangerschaft meiner Frau verläuft verhältnismäßig erträglich. Rund um die Uhr schlecht war ihr nur in den ersten Monaten und Luft bekommt sie eigentlich immer genug, es sei denn, sie bewegt sich oder redet.
Aber es gibt natürlich auch andere Schwangerschaften. Es können durch den Hormonmix Depressionen aufkommen oder Diabetes, der Blutdruck kann lebensbedrohlich ansteigen oder sich eine Autoimmunerkrankung entwickeln, Blutarmut gehört für einen großen Teil der Frauen zu den Begleitumständen.
Und so trennen sich hier für gewöhnlich die Karrierepfade von Frauen und Männern, spätestens aber mit dem zweiten Kind.
51% aller Studierenden sind weiblich, der Anteil der Frauen an der Professorenschaft beträgt dagegen gerade einmal 17%. Und bis zu 90% der Professoren haben Kinder, aber nur 5% der Professorinnen.
Doch eine Schwangerschaft ist keine Krankheit, heißt es, man kann arbeiten bis kurz vor der Geburt, heißt es, man muss sich eben durchbeißen, heißt es. Sind Frauen Weicheier?
Doch genau darum kann doch Gleichberechtigung nur gehen: Dass es nicht nur die körperlich und geistig härtesten und stärksten Frauen nach oben schaffen.
Genau wie noch den größten Waschlappen unter den Männern eine Karriere gelingen kann.
Wäre Josef Ackermann gut damit zurecht gekommen, dass ihm drei Monate lang schon übel ist, wenn er an Essen denken muss, er gleichzeitig aber immer Hunger hat?
Hat sich Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, dadurch qualifiziert, dass er Verhandlungen auch dann knallhart führen kann, wenn ihm beim Reden die Luft wegbleibt, weil seine eben noch winzige Gebärmutter auf Medizinballgröße wächst und dabei alle Organe, auch die wichtigen, einfach zur Seite drückt?

Auf einmal heult ein sonst so nüchterner Mensch los, weil die Bahn schon weg ist – könnte ein Mann mit einem hundertfach erhöhten Östrogenspiegel besser umgehen?
Musste Martin Winterkorn (VW) alle fünf Minuten auf die Toilette rennen, und hat ihm sein Chef Ferdinand Piech, der zwölf Kinder hat, dann gesagt, es sei alles nur eine Frage der Organisation?
Hat, wo wir gerade bei Piech sind, Ferdinand Piech seine zwölf Kinder eigentlich alle gesäugt?

In hunderten von Büchern und zehntausenden von Internetseiten wird Frauen gesagt, dass sie ihr Kind möglichst lange stillen müssen. Es droht Autismus, psychische Verwahrlosung, Anfälligkeit für Allergien, plötzlicher Kindstod.
Auf der Seite netmoms.de heißt es, dass durch das Säugen „das Kind die Fähigkeit erhält, lebenshungrig, durchhaltefähig, fleißig und initiativreich zu werden“. Zwar sei es besser, sein Kind mit der Flasche zu füttern, als es verhungern zu lassen, aber der Schaden, den man dem Kind zufügen könne, solle einem bewusst sein.
Wer sein Kind nicht stillt, der könnte es genauso gut einem Rudel Hyänen anvertrauen und es vorher mit Currysauce einreiben.
Wie haben sich also die deutschen Vorstände und Politheroen entschieden in dieser zur Ethikfrage aufgeblasenen Alltagsentscheidung?
Und wie lange sind sie bei ihren Kindern geblieben nach der Geburt?
Ein halbes Jahr, ein ganzes? Oder ein Leben lang?

Wenn man also stillen soll bis nichts mehr kommt, und eine Schwangerschaft einen unter Umständen für Monate lahm legt: Ist dann ein zusätzliches Jahr tatsächlich so paradiesisch?
Aber muss meine Frau auch unbedingt während ihrer Doktorarbeit schwanger werden? Und konnten nicht die Trümmerfrauen als alleinerziehende Mütter wie nebenbei ein ganzes Land aufbauen? Ist man nicht einfach selber Schuld?
Die Entscheidung, ob man ein Kind möchte oder nicht, gilt als freiwillig, weshalb man, so das nie geäußerte Argument, in einer freien Gesellschaft eben die Konsequenzen zu tragen habe.
So scheinen die meisten zu denken. Als ich für diesen Text mit meinen Bekannten darüber gesprochen habe, was der Staat tun müsste, damit sie mehr Kinder bekommen, war die Antwort häufig: „Was soll denn der Staat damit zu tun haben?“

New York City Subway Stairs from Dean Peterson on Vimeo.

Die U-Bahn-Station in der 36sten Straße in Brooklyn, New York, verfügt über eine Treppe, in der eine Stufe ein paar Zentimeter höher ist als die anderen. In einem Video des Filmemachers Dean Peterson auf dem Portal vimeo.com ist zu sehen, dass jeder U-Bahn-Nutzer an dieser Stufe stolpert. Sieht man jedoch einen Einzelnen an dieser Stufe stolpern, denkt man, er habe sich eben dämlich angestellt. Ebenso wie der Einzelne denken wird, es sei sein Fehler, dass er stolpert.

Jeder Einzelne hat in Deutschland individuelle Schwierigkeiten, ein Kind zu bekommen und großzuziehen, jeder mag sich selbst die Schuld geben. Aber die deutsche Geburtenkrise ist eine Hausgeburt. Es versagt das ganze Land, der Staat, die Gesellschaft. Manche Stufen sind einfach zu hoch. Allein durch individuelles Versagen lässt sich das rasante Schrumpfen Deutschlands schließlich nicht erklären. Bis zum Jahr 2060 wird Deutschland etwa eine DDR verloren haben, 17 Millionen Menschen. Die Weltbevölkerung jedoch wächst jedes Jahr um 80 Millionen, also um ein Deutschland.
Ich kann nicht beurteilen, ob die deutsche Entwicklung angesichts der globalen Zustände nicht ein Segen ist, mich interessiert die Zukunft auch nicht viel mehr als sie die deutschen Politiker interessiert.
Aber ich sehe die Gegenwart. Denn es gibt den demographischen Wandel eben nicht erst seit gestern – die Auswirkungen sind längst greifbar. Man muss gar nicht in die Zukunft schauen, um sich zu gruseln.
Deutschland ist jetzt schon das drittälteste Land der Welt nach Japan und Monaco, der durchschnittliche Niederländer ist drei Jahre jünger, der durchschnittliche Amerikaner sechs, der durchschnittliche Chinese sogar zehn Jahre.

Der Dramatiker Heiner Müller sagte, es habe „mit dem Lebensgefühl“ zu tun, „wenn die Geburtenrate sinkt: ein Volk, das sterben will.“ Gleichzeitig wolle das Volk „nichts abgeben. Dafür ist die Bundesrepublik exemplarisch. Man will hierzulande alles Bier trinken, und wenn man selbst kein Bier mehr trinken kann, soll es keines mehr geben.”

Es liegt ein Grauschleier über dem Land. Warum glaubt kein anderes westliches Land so wenig an die Zukunft?
In der deutschen Seele, sollte es sie geben, gäbe es gleich zwei Urverunsicherungen: den ersten und den zweiten Dreißgjährigen Krieg. 1618-1648 und 1914-1945 haben die Empfindung hinterlassen, dass das Beste, was passieren kann, ist, dass alles bleibt wie es ist.
Kann diese Sehnsucht nach Nichtveränderung so weit gehen, dass schon die Fortpflanzung zuviel des Neuen ist?
Oder klingt „Geburtenpolitik“ schon zu sehr nach nationalsozialistischem Mutterkreuz und Lebensborn? Lange galt Kinderkriegen als reaktionär, aber das scheint vorbei, Kinder sind durchaus wieder beliebt unter Jüngeren.

Wie kann es also so schwer sein, in einem der reichsten Länder nicht nur der Erde, sondern der Geschichte, die Entscheidung zu treffen, Kinder zu bekommen?
Die allermeisten meiner Bekannten sind zwischen Mitte Zwanzig und Anfang Vierzig, also im Reproduktionsalter. Einige wenige haben früh entschieden, keine Kinder bekommen zu wollen, noch weniger haben schon mit Anfang Zwanzig ein Kind bekommen, ansonsten gilt: Wer in seinen frühen Zwanzigern oder auch mit Mitte Zwanzig eine stabile Beziehung etabliert, die auch mit Dreißig noch anhält, bekommt mit diesem Partner in der Regel mit Ende Zwanzig oder Anfang Dreißig ein Kind.
Bei den meisten bleibt es bei diesem einen Kind, manche bekommen noch ein zweites, zwei Familien kenne ich mit drei Kindern, ich kenne privat keinen einzigen Menschen, der vier Kinder hat.
Aber was, wenn man nicht das Glück hat, in seinen Zwanzigern eine stabile Beziehung etabliert zu haben?
Man ist dreißig, seit ein paar Monaten Single, seit ein paar Jahren oder Monaten im Beruf. Man lernt jemanden kennen. Soll man sofort Kinder bekommen? Schließlich sind es nur noch wenige Jahre, bis die natürliche Fruchtbarkeit zu sinken beginnt?
Oder soll man etwas warten, bis die Beziehung sicherer ist? Ein nervenraubendes Dilemma.
Wenn man sich aber nach drei, vier Jahren trennt ohne Kinder bekommen zu haben, dann muss der nächste Partner schon der sein, mit dem man Kinder bekommt, spätestens aber der übernächste.
Manche haben Pech und bleiben ungewollt kinderlos, manche schaffen es noch so gerade und bekommen ein Kind.
Mein Bekanntenkreis spiegelt also ziemlich genau die demographische Situation: Viele Spätgebärende, einige Kinderlose, keine Familien mit vielen Kindern.
Die Kinderlosigkeit der einen wird nicht durch Kinderreichtum von anderen ausgeglichen.

Bisher war von Geld noch gar nicht die Rede. Erste Voraussetzung für die Allermeisten ist zunächst eine stabile Beziehung. Also tatsächlich: Was soll der Staat tun? Der Staat kann schließlich nicht den passenden Partner besorgen.

Der Staat selbst weiß es besser. Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung schreibt: „In der ehemaligen DDR sank das Geburtenniveau zunächst bis Mitte der 1970er Jahre ebenfalls (Anmerkung: wie in Westdeutschland) stark ab. Der danach folgende Wiederanstieg war vor allem durch familienpolitische Maßnahmen verursacht, die ein Vorziehen bzw. Nachholen von Geburten bewirkten.“

Und er kennt auch die zahlreichen Studien, aus denen hervorgeht, wie erfolgreich eine gezielt geburtenfördernde Politik sein kann.
Vielleicht passiert in Deutschland politisch ja etwas, wenn sich die Erkenntnis durchsetzt, dass man mit so geburtenschwachen Jahrgängen nie wieder Fußballweltmeister wird. Das Leben in einer überalterten Gesellschaft bedeutet bereits jetzt: Rentenmisere, Pflegenotstand und in den Albumcharts stehen für immer uralte Schlagerbarden wie die 3 Amigos.
Man sollte also meinen, dass dem Land daran gelegen ist, wieder jünger zu werden, wieder eine Zukunft zu bekommen. Aber die deutsche Politik sorgt dafür, dass die Menschen keine Kinder bekommen.

Dem Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung zufolge könnten in Deutschland „bis zum Jahr 2050 rein rechnerisch ungefähr 850.000 Kinder mehr zur Welt“ kommen, würden wie in Dänemark drei In-Vitro-Fertilisationen, also Reagenzglasbefruchtungen, von den Kassen erstattet. Unter der rot-grünen Regierung Schroeder wurden in Deutschland den Paaren mit Kinderwunsch die Hälfte der Kosten aufgebürdet, was im Folgejahr die Zahl der Behandlungen halbierte.
Darüber hinaus werden Kinder davor bewahrt, alte Eltern, homosexuelle Eltern, unverheiratete Eltern zu haben. Für keine dieser Gruppen steht die Fortpflanzungstechnologie zur Verfügung.
So dringend ist der Wunsch des Gesetzgebers, die Kinder davor zu schützen, dass er sie lieber gar nicht erst zur Welt kommen lässt.
Ist Nichtexistenz besser als zwei sich liebende Mamas zu haben?

Immer mehr Menschen werden alt, also gibt es immer mehr künstliche Hüftgelenke und Herzschrittmacher. Man sagt den Leuten nicht: „Na, dann benutzt eure Hüften und eure Herzen halt weniger“, man entwickelt eine medizinische Lösung.
Medizinische Hilfe für Unfruchtbare aber wird nicht nüchtern betrachtet als Notwendigkeit unserer Zeit. Soll man stattdessen eben mit 18 Kinder bekommen.

Wenn der Staat also nichts tun will, ist es Zeit für gute Ratschläge. So sagt also etwa die Spiegel-Autorin Claudia Voigt den Leserinnen, sie sollten eben einfach sehr viel früher Kinder bekommen. Wie kommt es, dass über Fortpflanzung nachgedacht wird, als würden Menschen sich durch Parthenogenese verbreiten, durch Jungfrauengeburt wie die Blattläuse?
Warum bleibt alles an den Frauen hängen?

Das Lieblingsspiel der Politik ist Teilen und Herrschen. Also wird die Bevölkerung in vermeintliche Interessengruppen aufgeteilt. Frauen gegen Männer. Heteros gegen Homosexuelle (angeblich soll schon die reine Existenz von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften auf Kosten der Familien gehen, so etwa die CDU-Abgeordnete Katherina Reiche) oder Kinderlose gegen Familien (wobei dann die vermeintlich egoistischen Kinderlosen zu einem Ablasshandel gezwungen werden sollen, man denke nur an die von jungen CDU-Abgeordneten geforderte Sonderabgabe).

Die gerade einmal 20.000 eingetragenen Lebensgemeinschaften sprengen also den Bundesetat. Sind Schwule Griechenland?
Man kann nicht die Kinderlosen als Egoisten darstellen, die den altruistischen Familien alles wegfressen. Es ist eine Maßgabe der Freiheit, sowohl die Entscheidung für Kinderlosigkeit treffen zu können als auch für eine Großfamilie. Hat aber niemand mehr viele Kinder außer ein paar Milliardären und ein paar Sozialhilfeempfängern, dann ist das eben auch ein Freiheitsproblem.
Vielleicht will ich gar nicht die Freiheit, auf der Autobahn 200 fahren zu dürfen, sondern die Freiheit, 5 Kinder aufziehen zu können?
Frauen und Männer sitzen gemeinsam in der Tinte. Seitdem es akzeptiert ist, dass Frauen arbeiten, ist es auch notwendig geworden, dass beide arbeiten – immer weniger Einzelne können noch drei Menschen ausreichend versorgen.
Kinder sind erst dann ein echtes Armutsrisiko, wenn sie in kleinen Horden auftreten (mit dem dritten Kind steigt die Gefahr, zu verarmen), weil es dann beinahe unmöglich ist, dass beide arbeiten, noch zuverlässiger treiben sie nur in die Armut, wenn der Erziehende alleine ist.
Sowohl die Entscheidung, nicht fünf Kinder zu bekommen, als auch die Entscheidung, mit der ersten Geburt zu warten, bis man sich des Partners sicherer ist, sind also vollkommen rational.
Nicht arm sein zu wollen, das ist keine egoistische Überlegung, das ist ein Menschenbedürfnis.
Wer wartet, wer nach dem zweiten Kind aufhört mit der Fortpflanzung, der spiegelt mit seiner angeblich individuellen Entscheidung einfach nur die Gegebenheiten. Jeder stolpert an der Babyschwelle.
Jahr für Jahr gebären die Frauen in Deutschland zweieinhalb Monate später zum ersten Mal. Die Angst wird größer.
Aber die Sicherheit kann nicht allein in der Liebe gefunden werden. Beziehungen können sich heute eben lösen, egal wie lange man sie testet. Mehr Sicherheit kann nur der Staat geben – nicht durch Partnervermittlung, sondern durch eine gezielte kinderfreundliche Politik.

Die amerikanische Denkfabrik RAND Corporation kam in ihrer für die Europäische Kommission erstellten Analyse „Low Fertility and Population Ageing“ zu dem Ergebnis, dass nationale Maßnahmen unter den richtigen Umständen erfolgreich sein können, das Altern der Bevölkerung und seine Konsequenzen umzukehren, aber keine Einzelmaßnahme sei ein Erfolgsgarant. Es könne indirekte Einflüsse von Maßnahmen geben, die dazu geeignet sind, auf breiter Ebene soziale und ökonomische Bedingungen zu verbessern, da aber Bevölkerungspolitik wenigstens eine Generation brauche, um sich zu bewähren, sei sie politisch unattraktiv.

Hier wird sozialer Wohnungsbau gekappt, die Lehrmittelfreiheit abgeschafft, Studiengebühren eingeführt. Es wird wirklich keine Gelegenheit ausgelassen, Kinder unbezahlbar zu machen.

In Frankreich, das wissen selbst meine Bekannten, da gibt es Krippenplätze. Und ja, das wäre schon ganz schön, wenn es die hier auch geben würde. Und nein, man versteht nicht so ganz, warum es so schwer ist, hier welche anzubieten.
Dabei ist es ganz einfach: Die Politik tut nichts für eine familienfreundliche Gesetzgebung, weil es eben zu lange dauert. Die ganzen alten Frauen und Männer, die uns regieren, sind schon lange tot und damit unwählbar, wenn die Maßnahmen greifen würden.

In Frankreich aber, da gibt es eben nicht nur Krippenplätze. Es gibt in Frankreich mehr als 30 verschiedene Maßnahmen. Bedarfsorientierte Leistungen, Steuerentlastungen, Gemeindewohnungen, günstige Hypotheken für kinderreiche Familien, verbilligte Tickets für öffentliche Verkehrsmittel, man muss nicht Zuhause bleiben, man muss nicht verheiratet sein, Krippen und Kindertagesstätten werden gefördert. Vor allem aber gibt es diese Politik bereits seit 60 Jahren, es herrscht große Einigkeit über die Notwendigkeit, die Bevölkerung kann sich darauf verlassen.

Frankreich hat natürlich keine paradiesischen Zustände. Nicht alle Maßnahmen greifen. Aber die Politik hat schon früh erkannt, dass sie Alleinerziehende und Kinderreiche nicht allein lassen darf.

Politik müsste also auch in Deutschland einige Faktoren berücksichtigen.
Die Menschen wollen nicht arm werden.
Sie wollen in ihren Entscheidungen nicht limitiert werden.
Sie wollen ihren Berufen nachgehen können.
Diese Faktoren sind natürlich eng miteinander verwoben, man kann am Ende sagen: Die Menschen können nicht all ihre Zeit auf Kinder verwenden.
Es gibt in Deutschland keine Mehrgenerationenhaushalte mehr. Das haben sich nicht die derzeitig in Deutschland lebenden Generationen aus Hedonismus einfallen lassen, Deutschland ist eben eine der ältesten Industrienationen, die Landflucht und Vereinzelung begann hier schon vor mehr als 150 Jahren (weshalb es in Deutschland auch keine bedeutenden regionalen Küchen gibt, aber das ist eine andere Geschichte).
Was also in anderen Ländern die Familie leistet, die Entlastung der Eltern durch Großeltern, Onkeln, Tanten, Cousins, Cousinen, Neffen, Nichten in Form von Mitpflege, Babysitten, Nachhilfe, durch Rat und Tat also, das leistet hier, wenn es nicht der Staat tut, niemand. Die Eltern müssen also entweder in die Lage versetzt werden, ihre Kinder irgendwo abgeben zu können, oder man muss seine Kinder mit zur Arbeit nehmen dürfen.
Glücklich die, die gesunde Eltern haben, die in derselben Stadt wohnen, die haben wenigstens ab und an jemanden, der auf das Kind aufpasst. Die anderen sind auf Krippenplätze angewiesen oder geben für Babysitter, die sie Brutto bezahlen, mehr Geld aus, als sie Netto verdienen.

Zum letzten Mal in derselben Stadt wie meine Eltern habe ich mit 20 gewohnt, meine Frau mit 19, meine Eltern sind tot, die meiner Frau geschieden, unsere Geschwister wohnen in verschiedenen Städten: Es gibt keine Verwandten, die mal eben einspringen könnten. Freunde aber, sagen die Bekannten, die Kinder haben, fragt man eher nicht. Am Ende wird Kinderarmut vererbt, wobei der Begriff verwirrend ist, denn arm sind ja die Kinderreichen.

Lassen Sie mich nun offen sprechen, als säße ich bei Markus Lanz auf der Couch: Das Aussterben der Deutschen bereitet mir keine schlaflosen Nächte. Ich pflanze mich nicht fort, um Deutschland zu retten.
Und doch bekomme ich jetzt ein Kind. Mit 38 Jahren, einige Jahre später als der Durchschnitt, werde ich nun Vater. Ich kann mir sagen lassen, ich hätte viel eher ein Kind bekommen sollen, ich kann mir sagen lassen, ich hätte nicht so einen unsicheren Beruf auswählen sollen. Aber ich bin nicht der einzige, der stolpert, was auch immer ich falsch gemacht habe.
Wer also hilft mir?

Nicht alles, was gut gemeint ist, taugt. Elterngeld? Wie soll ich als Selbständiger meine Arbeit so lange ruhen lassen? Soll ich einen Freund bitten, meine Kolumne zu übernehmen? Und 65% des Nettogehalts? Zahle ich auch nur noch 65% Miete?

Im uns anerzogenen Einzelkämpfermodus kommen wir gar nicht auf die Idee, der Staat könne irgendetwas für uns tun.
Aber Kinder dürfen nicht ein individueller Glücksfall sein, den man erleben kann, wenn die Eltern und Großeltern genug Geld haben, die Liebe groß genug ist, und man gerade zwischen zwei Jobs Zeit hat. Kinder zu bekommen muss normal werden. Ist es aber nicht. Um das wieder hinzubekommen bedarf es einer – darf man nationale Anstrengung sagen? – bedarf eines Projekts, das größer ist als der Plan, zum Mond zu fliegen. (So scheint es wenigstens, wenn man Kristina Schröder gehört hat, wie sie die Länder anbettelt, wenigstens den zusätzlichen finanziellen Bedarf für das Einrichten von Krippen an den Bund zu melden.)

Ich bin kein Politiker und muss nicht sagen, woher ich das Geld nehmen will. Offenbar sind Krippen und Kindergärtnerinnen ja ungleich teurer als Bankenrettungen. Ich kann fordern. Und gerade das wird von meiner wohlerzogenen, als egoistisch geltenden Generation zu wenig getan. Glaubt man gar nicht. Es geht den jüngeren Generationen in Deutschland so wie den Untertanen in feudalen Staaten: Sie müssen den allmächtigen Alten eine Veränderung abringen, die diese nicht wollen.
Liebe Oma, dein Enkel hat kein Geld für Kinder. Nein, tausend Euro reichen nicht.

(Der Text ist in der Berliner Zeitung erschienen)

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39 comments

  1. Du hast bestimmt Recht aber tl:dr …

  2. Irgendwie geht es immer. Dieses Basare im Herbst und Frühling helfen einem schon, sind aber auch z.T. recht teuer geworden (die Leute haben nichts mehr zu verlieren)
    Die ersten Jahre gehen, sofern man auf einen Haufen Ansprüche verzichten kann.
    Schlimm wird es erst, wenn die Kinder zur Schule gehen. Wenn Du Deine Kinder zu Leistungen animieren musst, und zwar so, dass nicht nach der vierten Klasse an Burn-Out leiden. Wenn Du Dich fragst, was Du falsch gemacht hast, wenn sich keine Freundschaften der Kinder entwickeln. Wenn Du die von den Lehrern geforderten “Pelikan-Tuschkästen” und “Lamy-Füller” und “Faber-Castell Grip Blei- und Buntstifte” glücklich kaufen darfst.
    Wenn Du dann an die Etuis schaust, und gefühlte Tausend Radiergummis kaufst…

  3. Ich habe für mich entschieden, keine Kinder zu bekommen. Meine Frau genauso. Trotzdem: du hast recht, sowas von. Hauptgrund für mich (und sie) ist, dass wir unsere gemeinsame Zeit (die dank Nebenjobs/Ausbildung/Studium eh schon zu spärlich ist) nicht mit einem Kind teilen möchten.

    Und, um Bezug zum Artikel zu nehmen, dass wir beide aus relativ zerrütteten Verhältnissen kommen und es als Kind nicht toll hatten. Stichwort Alleinerziehend. Ich persönlich würde niemals ein Kind kriegen, wenn ich diesem nicht auch “etwas bieten” könnte.

    Aber:

    Kind = Geld.
    Geld = wird immer weniger für Otto, den Normalbürger. (Bei Bedarf einfach mal nach “reallöhne Deutschlan 1990 bis 2010″ o.ä. im Netz suchen, da kommen auch Berichte von vermeintlich “seriösen” Zeitungen zum Vorschein)

    Weniger Geld = Weniger Kind.
    Lösungsansatz: Mehr Geld für Kinder bereitstellen.

    Problem: hier könnte man jetzt populistisch argumentieren, “wir retten lieber die banken, is’ keins da”. Leider ist es ja wie so oft dann doch etwas komplexer. Da aber soweit ich weiß nicht einmal (bis auf wenige Ausnahmen) ernsthaft versucht wird, mal den Ist-Zustand zu analysieren und ernsthafte, durchdachte Lösungskonzepte zu erarbeiten (was selbst jahrelang dauern kann), gehe ich von der gleichen Annahme wie du aus, überspitzt/vereinfacht gesagt: “Wählen uns nicht, interessieren uns nicht”.
    Lösungsansatz: ?

    …und so lange dieses Fragezeichen nicht ersetzt werden kann, wird das auch nix. Und das zu ersetzen, sehe ich als ziemlich unmöglich an.

  4. [...] ist er nun, der Link. Gefällt mir:Gefällt mir5 bloggers like [...]

  5. Ich stimme Dir in der Analyse völlig zu. Glaube aber gleichzeitig, dass du völlig falsch liegst. Kinder passen zu keiner Zeit in die Lebensplanung und bedeuten immer einen finanziellen Einschnitt und eine Beschränkung der Freiheit. Ich habe übrigens zwei und wir können unser Leben ohne wirklich schmerzhafte Einschränkungen weiterleben (Brauche ich das neue iPhone wirklich? ). Wer denkt, voll blöd, er wollte doch noch mal nach New York und den ganzen Tag durch die Stadt laufen und abends in den Club, der hat natürlich auch ein Problem. Ist aber auch wahrscheinlich noch nie mit seinen Kindern in Ameland über den Strand gerannt.

    Kinder sind ein Haufen Logistik, ein Haufen Ärger, alles richtig. Aber von den Kernaufgaben der Erziehung nimmt mir der Staat nichts aus der Hand. Und wer einmal die Methoden in einem französischen Kindergarten gesehen hat, will sein Kind da nicht betreut wissen. Ich jedenfalls nicht.

    Hunderprozentige Zustimmung aber bei deiner Schilderung der Umstände im Zusammenhang mit Reproduktionsmedizin. Da kann man nur den Kopf schütteln – meine Frau arbeitet in der Branche und was sie erzählt macht mich sprachlos. Manchmal auch wütend.

    Wenn man die Reproduktionsmedizin aber einmal aussen vor lässt, rate ich einfach zur Gelassenheit. Diese Überemotionalisierung des Elternwerdens verstehe ich einfach nicht. Macht doch einfach. Jeder Plan, den ihr euch zurechtlegt ist ohnehin Makulatur, wenn man das Kind im Arm hält. Das wäre für mich Normalität.

    Dessen ungeachtet stimmt wie gesagt deine Analyse zu den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen natürlich.

  6. @Dominik
    Ich bin mit dem Punkt “Für Banken ist Geld da” so auch nicht zufrieden, weil das mit Sicherheit unterkomplex ist. Ich will da aber tatsächlich gar nicht gegeneinander aufrechnen, sondern zeigen, dass der Staat durchaus Schulden aufnehmen bzw riesige Summen generieren kann – warum also nicht für Krippen oder anderweitige familienpolitische Maßnahmen?

  7. @Stefan
    Ja, Kinder passen nie, aber warum passen sie hier so besonders wenig? Darum geht es ja.

  8. Zwei Aspekte dazu:
    1) Kinder bekommen benötigt Sicherheit. Wer eben nicht in einer stabilen Beziehung ist und auch nicht in stabilen Arbeitsverhältnissen ist, sollte keine Kinder kriegen. Und wer halt wie es etwa junge Akademiker so machen müssen ständig zwischen verschiedenen befristeten Jobs quer durch Deutschland hechelt, der wird keine Familie aufbauen können. Schon alleine, weil es keinem Kind zumutbar ist, alle 24 Monate die Schule zu wechseln.
    2) Alle Debatten über Demographie unterschlagen einen wichtigen Aspekt: Deutsche müssen nicht mehr Kinder bekommen. Die Erde ist so oder so bereits absolut überbevölkert. Es gibt da draußen Millionen Menschen, die liebend gerne hier im Land arbeiten würden und sich über Rentenbeiträge freuen würden. Mit einer vernünftigen Einwanderungspolitik ist es kein Problem, die Rente zu finanzieren.

  9. Die Unsicherheit sehe ich in meinem Bekanntenkreis auch häufig. Gerade den ersten, halbwegs festen Job, eine Beziehung, die mal länger als ein paar Monate/ein Jahr dauert – das alles trägt dazu bei, dass viele spät oder gar nicht Kinder bekommen. Meine Schwester hat erst mit 39 meinen Neffen bekommen, Kindergartenplatz vor dem 2. Jahr? Keine Chance! Da hätte sie quasi bei der Planung des Kindes schon einen Antrag ausfüllen müssen.

    Meinen Kinderwunsch habe ich leider auch erstmal begraben. Als ich schwanger wurde, war ich gerade in einem Praktikum, am Beginn meiner jetzigen Karriere, konnte mich kaum selber ernähren, meine Beziehung gerade 2 Monate alt. Das Kind hätte ich gerne gehabt, doch die finanziellen Unwegbarkeiten und die Unsicherheit in der Beziehung liessen mich eine Entscheidung fällen, die ich auch nach über 2 Jahre zutiefst bereue. Ein weiteres Baby wollten wir in 1-2 Jahren “in Angriff nehmen”, wenn es uns besser geht – so war die Entscheidung, doch dann starb der Vater in spe.

    Leben ist halt nie, so wie man es plant und ich werde sehen, was die Zukunft bringt. Auch wenn ich finanziell gut dastehe, ist der Kinderwunsch immer noch sehr wage. Kann man es sich heute noch leisten, 1-2 Jahre aus dem Berufsleben weg zu sein, wenn man einen guten Job haben will? In Deutschland leider kaum, wenn man sich das überhaupt leisten kann, 2 Jahre nicht zu arbeiten. Dabei liebe ich Kinder sehr. :(

  10. Ich vermute, dass es viel um Sicherheit geht. Das denke ich auch, wenn ich Romys Kommentar lese. Die gefühlte Sicherheit dürfte in Deutschland deutlich abgenommen haben. Man wohnt weit weg von den eigenen Eltern, ein Studium ist keine Garantie mehr auf einen Job, und von überall stürmt der Druck auf einen ein: Du musst dich am Riemen reißen, sonst fällst du durchs Raster, dann macht ein anderer deinen Job! Ratgeberliteratur sucht den Fehler beim Individuum, ganz wie bei der Treppe in New York. Wer zu viel arbeitet muss eben Yoga machen, zum Ausgleich. Und schon ist wieder eine neue Anforderung geboren. Und Beziehungen basieren auf Liebe, und die scheint auch flüchtig; oder wenigstens durch die anscheinend (?) geforderte berufliche Flexibilität oft in Gefahr, unter die Räder eines Ortswechsels zu kommen. Und jetzt kommt ihr daher und wollt auch noch, dass man Kinder bekommt?

    Die einzige verbliebene Sicherheit ist, vermögend zu sein. Und wer ist das schon wirklich? Vielleicht hat auch Hartz4 damit zu tun. Wir haben eine Unterschicht designed, auf die man spucken darf. Es ist ein Unding. Und es hat vermutlich Nebeneffekte: Die Angst vor dem Abstieg steigt, selbst wenn Hartz4 noch weit weg sein sollte. Also stellen wir den Job ganz vorne an, und mit weitem Abstand vorne. Viele, so habe ich den Eindruck, noch vor dem recht natürlichen Wunsch, ein glücklicher Mensch zu sein.

  11. Geburtenkontrolleur

    Ihr Kind wird sich bestimmt wohlfühlen, mit einem so weinerlichen IMM-Studenten als Vater.

  12. Wer mit befristetem Arbeitsvertrag setzt schon ein Kind in die Welt?
    Das ist ein sehr sicheres Verhütungsmittel.

  13. [...] Malte Welding schreibt einen Artikel über Frauen, Geburten und ein Volk, das sterben will … [...]

  14. der artikel ist leider ziemlich daneben, das muss hier jetzt geschrieben werden. denn:
    1. wieso steht fest, dass alle frauen ihren berufen nachgehen WOLLEN? mich würde interessieren, was filialleiterin bei netto in neukölln oder die spülkraft inner großküche dazu sagt, wenn sie abends nach hause kommt, egal ob schwanger oder nicht. die MÜSSEN das (oder sowas ähnliches) tun, um leben zu können!
    2. dieses völkisch-nationalistische geseie in der mitte ist blöd. erstmal kommt die bemerkung zum rest der welt, dass dem schreiber dort das bev. wachstum egal sei; hauptsache die deutschen halten ihr volk in eigenregie am leben oder machen es besser noch größer. Das ist quatsch. die deutschen sind ein politisches volk. Deutscher ist man, wenns im pass steht, egal wo man von wem geboren wurde.
    Selbst wenn hierzulande der unwahrscheinliche fall eintreten würde, dass die gesellschaftlich notwendige arbeit zur versorgung der ganzen alten von den hier verfügbaren arbeitskräften nicht mehr zu schaffen wäre, könnte man doch einfach die grenzen aufmachen, die weltbev. wächst ja wie blöd und es gibt jede menge leute, die nur drauf brennen, hier auch für´n euro weniger als die deutsche konkurrenz zu arbeiten! aber die sind dem autor egal… weil das ausländer sind oder weil sie die löhne drücken? hoffentlich nicht beides, dann wären wir bei der NPD angelangt (siehe parteiprogramm!).
    3. “sind schwule etwa griechenland?” wird da gefragt. damit stellt der autor gleichzeitig fest, dass das urteil über die erwünschtheit von menschen dem deutschen staat gegenüber (schwule hier, griechen dort) maßgeblich durch ihren ökonomischen wert bestimmt wird. Deutsche schwule sind daher für den staat besser oder jedenfalls im vergleich zu griechenland immer noch das “kleinere übel”. da muss man doch schon auch rauslesen, dass der staat hier nicht für die menschen da ist, sondern dass es andersherum ist.
    dem Inhalt nach geht der Artikel an seinem Anliegen vorbei, zu kritisieren dass die Menschen hierzulande die natürliche sache des kinderkriegens nicht mehr schaffen vor lauter alltag und arbeit. Dazu braucht es weder so einen völkisch-nationalen imperativ der reproduktion, noch die hetze gegen die alten, die ja immer älter werden (neugeborene sterben auch immer seltener – daran kanns nicht liegen). Man muss sich zuallererst fragen: unter was für umständen kann ein mensch leben und – wenn er möchte – auch kinder kriegen. um art- oder volkserhaltung sollte es dabei nicht unmittelbar gehen – außer man möchte primär dem vaterland dienen und sich erst dann um sein eigenes leben, um liebe und familie kümmern. ob man dazu dann schwul, lesbisch oder hetero ist, spielt eine vergleichsweise geringe rolle in einer aufgeklärten gesellschaft. Ei- und Samenzellen gibts auch von lesbischen vätern und schwulen müttern.

  15. [...] Sind Frauen Weicheier? | Malte Weld­ing. This entry was posted in Allgemein by Dogma Pillenknick. Bookmark the permalink. [...]

  16. Dieser Artikel ist lang, aber auch wiederum sehr kompakt dafür, dass er einen Großteil der Probleme, die Deutschland hat und haben wird (ich glaube, längerfristige Probleme, als wenn man eine Bank sterben ließe, aber das ist nur “unterkomplexes” Gemutmaße), so exakt beschreibt. Und den Mulm, den ich habe, weil meine Frau und ich (auch 38) auch unser erstes Kind erwarten und uns gewisse Sorgen machen; Luxussorgen, weil sie Lehrerin ist, aber Sorgen.

  17. Hier werden die Gründe genannt. Ist aber politisch so unkorrekt, daß Ihr das eigentlich nicht lesen solltet. v-weiss.de/zyklisch

  18. Vielen Dank für diesen wundervollen Artikel!

  19. @Kritik
    Zu Punkt 1:
    “Frauen und Männer sitzen gemeinsam in der Tinte. Seitdem es akzeptiert ist, dass Frauen arbeiten, ist es auch notwendig geworden, dass beide arbeiten – immer weniger Einzelne können noch drei Menschen ausreichend versorgen.”
    Zu Punkt 2:
    Das Reproduktionsoutsourcing wird von manchen Wissenschaftlern als Mittel der Wahl gesehen, von den meisten allerdings nicht. Es geht in dem Text jedoch gerade nicht um den Erhalt der Deutschen.
    Zu Punkt 3:
    Da kann ich keinen Dissens feststellen.

  20. Die zurecht angemahnte Sicherheit in zweifacher Hinsicht gesellschaftspolitisch zu schaffen ist nicht besonders schwer:

    1) Löhne erhöhen (wenn nötig zwangsweise), so daß ein Gehalt wieder für eine ganze Familie ausreicht

    2) Scheidungen nur noch bei guten und beweisbaren Gründen erlauben

    Beides hat sich in Jahrtausenden bewährt, aber ist dem Links-Liberalen vermutlich aus ideologischen Gründen verwehrt, so daß er sich in Fantasiewelten flüchten muß, die von geklonten Homosexuellen bevölkert werden.

  21. Ja, für mich ist hier viel Wahres dran… Ich habe meine Tochter auch recht spät bekommen, vorher hat mein Job einfach zu viel Spaß gemacht und mich zu sehr gefordert – ich war noch nicht bereit für ein Kind. Nach einem Karriereknick und dem steigenden Alter, dann die Überlegung: jetzt wäre es schön – aber wenns nicht klappt kein Beinbruch. hat geklappt – aber: mein Berufsleben ist weg, mit Kind wäre es undenkbar gewesen so weiter zu arbeiten. Allerdings geht es bei uns auch gut, dank festem Job meines Mannes, meinem angesparten Geld und ab und zu kleiner (nicht notwendigen) Finanzspritzen der Familie. Trotzdem lauern die Sorgen: was ist, wenn der Mann den Job verliert, danach nur noch einen schlechter bezahlten bekommt? Was ist mit meiner Altersvorsorge? Were ich noch einmal Arbeit finden? Die Option einfach weiterzuarbeiten und das Kind zur Tagesmutter zu geben, wäre wirtschaftlicher Blödsinn gewesen – ganz abgesehen davon, dass eine müde, genervte Mutter am Abend auch nicht wirklich spaßig für ein Kind ist. Hätten wir nicht feste Jobs und eine stabile Beziehung mit einem guten sozialen Umfeld gehalbt, gäbe es auch bei uns kein Kind. Und ich sehe mit Schrecken, dass vor allen Dingen jüngere Menschen mit niedrigeren Löhnen auskommen müssen und dann nur von einem Zeitvertrag zum nächsten hoffen – mutig, wer sich dann für Kinder entschließt. Klar, verhungern muss hier niemand, aber ein Spießrutenlauf durch die Ämter ist auch nicht jedermanns Sache…. Hier fände ich die Hilfe des Staates deutlich angebrachter, als Subventionen an Unternehmen mit großen Gewinnen zu zahlen, damit diese ihre Produkte weiterentwickeln.

  22. Welch ein Schmarren, wowohl im Text als in den meisten Kommentaren. Hey, das Leben ist manchmal/oft nicht planbar. Wer den Anspruch hat, dass die Gesellschaft für alle Lebenslagen ein Lösung bereithält und die Volksvermehrung als staatspolitisches Grundziel definiert, unter dem sich alles andere unterzuordnen hat, dem hätte man früher gesagt “geh doch nach drüben”. Das realsozialistische Staatsexperiment ist aus gutem Grund gescheitert.

    Gut, Malte, du bist 38. Aber sprichst jedoch sicherlich für die Mitte-20-Jährigen. Die sollen doch mal einfach bei ihren Eltern bezüglich “Unsicherheit” nachfragen. Eltern, die in den 60er Jahren geboren wurden, Jahrgänge mehr als doppelt so stark wie heute, 40 Kinder in der Grundschulklasse, Lehrstellenknappheit und überfüllte Unis, zu denen die heutige Situation paradiesisch anmutet, es gab Akademikerarbeitslosigkeit, usw. Dagegen heute: Arbeitslosenquote von Akademikern beträgt derzeit 2,5 Prozent.

  23. Du bist bestimmt ganz nett aber voll;spack …

  24. Dem Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung zufolge könnten in Deutschland „bis zum Jahr 2050 rein rechnerisch ungefähr 850.000 Kinder mehr zur Welt“ kommen, würden wie in Dänemark drei In-Vitro-Fertilisationen, also Reagenzglasbefruchtungen, von den Kassen erstattet.

    Nicht alle, bei denen es mit der Schwangerschaft nicht klappen will, brauchen gleich eine Lösung aus der Reproduktionstechnologie. Bei unerfülltem Kinderwunsch ist nicht die Kinderwunschklinik die erste Adresse für alle (das besagt nur deren PR), sondern für die Frauen die Endokrinologie. Dort wird auch die Kassenpatienten schon heute gründlich und ohne Zuzahlung untersucht. Viele Frauen laufen nämlich mit einem unerkannten Schilddrüsenproblem herum, das zu Fehlgeburten führen kann, und Hausärzte erkennen es nicht immer, weil sie weniger diagnostische Möglichkeiten haben. Wenn mit der Schilddrüse wirklich alles in Ordnung ist, kann man immer noch nach selteneren Ursachen suchen.

    Mir hat schon mal eine Frau gesagt, ohne mich wäre sie immer noch nicht schwanger. Das ist mehr als mancher heterosexuell aktive Mann von sich behaupten kann ;-)

  25. Einer, der lebt.

    lach … sorry …
    aber ich kann morgens einen Nagel und einen Hammer in die Hand nehmen und in wohlklingenden Worten über die Veränderungen, die Risiken und was noch alles nachdenken – oder den Nagel einfach in die Wand schlagen, das Bild aufhängen und mich darüber freuen. Im ersten Fall hängt das Bild am Abend immer noch nicht, aber wieder wurde ein Tag des Lebens vergeudet.
    Diese hecheln nach … was eigentlich? Diese Angst, etwas zu verpassen, diese Suche nach Ursachen und Schuldigen, wobei wir selbst doch die Auslöser sind. Wir suchen nicht bei uns nach Chancen und Möglichkeiten, nein, wir fordern angebliche Rechte ein. Welche Rechte denn? Wir jammern auf einem verdammt hohen Niveau und wollen “genug” verdienen, vergessen dabei aber, dass verdienen von dienen kommt. Dem Leben dienlich sein.
    Und dabei will die Natur des Lebens doch so wenig von uns: Freue dich daran, nimm dein eigenes Leben in die deine Hand und vertraue.
    Und trotzdem ist unser Ja, oft nur ein lächerliches “vielleicht …. solange es keine Probleme gibt”. Wir wollen perfekt sein, fordern Perfektion und merken nicht, dass wir dadurch überhaupt nicht von der Stelle kommen und das Leben von uns wegläuft.
    Wir machen unsere Entscheidung über unser Glück zu leben abhängig von Umständen, die wir nicht beeinflußen können, warten ab, taktieren, planen und hangeln uns von “wenn, dann” zu “obwohl, aber”
    Doch uups – plötzlich 40? Das heißt, die Hälfte des Lebens ist statistisch schon vorbei, doch haben wir es bis dato in die eigene Hand genommen? Oder waren es die “Umstände”, die uns dorthin brachten, wo wir sind?
    Symptome der Altersmitte unserer Gesellschaft, deren Großteil wohl vergessen hat, dankbar zu sein für Gesundheit und das Leben an sich. In die Hände zu spucken und die Gegenwart zu gestalten und sich am Leben erfreuen, solange es geht.
    (By the way: weder reich geboren, noch in einem sicheren Beamtenverhältnis, sondern ebenfalls immer unwissend, ob Morgen noch Aufträge reinkommen. So what? Ich vertraue und handle, selten perfekt, aber immer zu meinem Wort stehend.)

  26. Danke für den Text. In klaren, deutlichen Worten die Situation (Deine und die Deines Umfeldes) analysiert. UND subjektiv, emotional und ehrlich geschrieben. Denn das fehlt vielen Beiträgen zum Thema.
    Aber genau darum geht es doch: alle sitzen im gleichen Boot und doch sind die Leben so verschieden. Und beim Thema Leben mit Kindern tun sich eine Menge Widersprüche auf.
    Widersprüche gibt es z. B. auch im Erwerbsleben, hier können wir ihnen aber in aller Regel rational und analytisch begegnen. Beim Thema Kinder jedoch sind wir anders beteiligt, tragen und fühlen eine andere Verantwortlichkeit.
    Und das wird von Politik, Erziehungs- und Gesundheitsratgebern schamlos ausgenutzt. Siehe Thema Stillen oder Flasche oder ab wann darf das Kind in die Krippe. Das sind höchst private Entscheidungen, die von der individuellen Lebenssituation abhängen und eh schon schwierig genug zu treffen sind. Durch widersprüchliche Ratschläge und lebensfremde politische Entscheidungen werden sie noch komplizierter gemacht.
    Ich wünsche Euch werdenden Eltern die Stärke und das Selbstbewußtsein, diesen Widersprüchen Eure Entscheidungen entgegenzusetzen und ein gutes Leben (wie auch immer das aussehen mag) zu haben.

    Und ja, die derzeitige Politik in Deutschland setzt auf Teilen und Herrschen ohne Nachhaltigkeit. Deshalb sind mehr von solchen Texten nötig, immer wieder den Finger in die Wunde zu legen und die Zustände und deren Folgen zu beschreiben.

  27. @malte welding: Ich sehe doch einen dissenz bezüglich des dritten kritikpunktes. wenn die erwünschtheit eines individuums vorm deutschen staat maßgeblich durch dessen ökonomischen nutzen bestimmt, bringt das auch eine praktische ungleichberechtigung von weiblichen staatsbürgern mit sich. denn frauen sind in der konkurrenz um arbeitsplätze männern praktisch unterlegen, weil sie eventuell (auch ungeplant) ausfallen dürfen, um ein kind zu bekommen – und das recht haben, danach wieder eingestellt zu werden. das klingt erstmal vernünftig. trotzdem bereiten genau diese rechte für frauen arbeitgebern bauchmerzen und sie stellen im zweifel lieber einen mann ein. es entsteht die blöde situation, bei der der versuch staatlicher kompensation einer ungerechtigkeit zwischen den geschlechtern auf dem arbeitsmarkt die eigentliche ungerechtigkeit aufrechterhält und festigt.
    und der staat selbst braucht eben diese möglichst starke konkurrenz auf dem arbeitsmarkt, um sein angestrebtes wirtschaftswachstum in der internationalen konkurrenz zu erziehlen. Das soll den bürgern (frauen mit weniger, männer mit mehr lohn) dann schließlich zugute kommen. Wie stellen sie sich denn eine staatliche kompensation vor, die nicht in diese falle tappt? Ich bezweifle einfach, dass das problem bei den zuständigen politischen institutionen als solches obiges anerkannt wird. denn die haben zur maxime, zum primärziel, das wirtschaftswachstum zu erhöhen – erst wenn gesichert ist, dass das passiert, kann sich in maßen um die anliegen der menschen gekümmert werden. so verstehe ich die gesellschaftliche wirklichkeit – und ich lasse es mir auch sehr gern erklären, falls ich irgendwo einen fehler gemacht habe oder irgendetwas nicht stimmig ist.

  28. Du hast ja mit allem Recht, und ein Land kinderfreundlicher zu machen, ist nie ein Fehler. Aber den – wie ich finde – interessantesten Punkt hast du nur in zwei Sätzen angedeutet: Die weltweite Bevölkerungsentwicklung.
    Die Bevölkerungszahlen explodieren, Überbevölkerung wird in den nächsten Jahrzehnten eines der größten Probleme unseres Planeten werden. Statt sich nun darüber zu freuen, dass wir in Deutschland dieser Entwicklung ein bisschen entgegenwirken – auch wenn es zugegebenermaßen nur einem Tropfen auf den heißen Stein gleichkommt – heulen hierzulande alle rum, dass wir zu wenige Kinder bekommen. Die Welt ist ja auch nicht so wichtig, Hauptsache Deutschland geht es gut …
    Eine Vereinfachung von Adoptionen von Kindern aus anderen Ländern – auch für Homosexuelle – würde allen helfen. Und ein bisschen mehr Farbe kann diesem Land nur guttun.

  29. Frauen sind nicht weicheier; das Problem ist, dass Männer so schwach sind, dass sie nicht wertlose Professorenschaft ablehnen können. Und sie sind so dumm, dass sie am scheissen deutschen Promotionssystem immer noch glauben.

  30. [...] Sind Frauen Weicheier? | Malte Welding Malte Welding hat Statistiken gewälzt und eine Gesellschaftsanalyse daraus gebastelt, die uns Sorgen bereiten sollte, wenn sie nur halb so zutreffend wie lesenswert ist. Und man kommt ja auch langsam in so ein Alter, wo man über das Thema nachdenkt. [...]

    • Meine Frau ist die aller Liebste und besste Frau die ich kenne auf der Welt aber die Betreuerin von meiner Mutter das ist ein teufel wie sie im buche steht.

  31. Es gibt bereits jetzt viel zu viel Bevölkerung. Wer auf der einen Seite einen Klimawandel anprangert, auf der anderen Seite die (unbegrenzte) Vermehrung befürwortet, widerspricht sich selbst.

  32. Viel Wahres, Malte. Buchtipp: “Die neuen Spießer” von Christian Rickens.

    Thema Kind und Karriere: Vor meiner Schwangerschaft war ich selbständig und habe im Jahr 140.000 EUR verdient. In der Schwangerschaft ging es mir total scheisse, ich musste gute Aufträge ablehnen weil ich kaum 2 Stunden am Stück wach bleiben konnte. Danach total unterschätzt, wie wenig man mit einem antrengenden Säugling gebacken kriegt — nämlich: nichts. Mit einem Jahr einen Krippenplatz gekriegt, über Beziehungen einen ganz guten Job bekommen, der mir allerdings mit einer 35-h-Woche nur gut die Hälfte einbringt wie zuvor — UND den ich wegen Pendeln und Reisetätigkeit überhaupt nur machen kann weil ich neben Kinderkrippe bzw. -garten noch eine extrem zuverlässige Kinderfrau habe (Ehemann arbeitet ausserhalb).

    Der Job hat sich nicht so entwickelt wie erwartet, deswegen habe ich im Frühjahr mal versucht, mich wegzubewerben. Ich hab bestimmt 15 Bewerbungen geschrieben, auch für Jobs, für die ich eigentlich überqualifiziert bin (ich hab studiert, promoviert, einen MBA und über 10 Jahre Berufserfahrung), und rate mal, was passiert ist … richtig, NICHTS. Nicht mal eine Einladung. Keiner hat Bock auf ne Frau mit einem Kleinkind, zumindest wenn der Job verantwortungsvoll ist und Reisetätigkeit beinhaltet.

    Ich werde wohl demnächst eine neue Runde starten und diesmal die Elternzeit einfach aus meinem Lebenslauf rauslassen … ich war ja weiterhin selbständig, hab halt bloß keine Aufträge angenommen. Mal sehen, was dann passiert …

  33. http://www.youtube.com/watch?v=TIkEtVotSgI

    Die Lösung! Siehe Minute 3:10…

  34. Lieber Malte,
    das war viel zu lesen, aber gut alle mal.
    Meine Frau und ich haben vier Kinder und leben derzeit eher die klassische familiäre Arbeitsteilung (auch weil meine Frau erstmal richtig Mutter sein wollte). In unserem näheren Bekanntenkreis kenn’ ich drei Familien mit ebenfalls vier Kindern, alle mit unterschiedlichen Lösungen zu beruflicher und familiärer Arbeitsteilung.

    Selbstverständlich kann ein Staat immer mehr tun für Kinder und Familien, aber was nützt das, wenn die Werte der Bürger andere sind? Ich finde, Geld und Beruf, das ist alles wichtig, aber das wird in D doch total überbewertet. Klar ist es schön, wenn ich als Double-income-no-kids 2-mal im Jahr auf Aida-Kreuzfahrt gehen kann und ein sorgenloses Leben führe.
    Aber ich denke oft, es geht so viel Glück im Leben verloren, wenn man keine Kinder hat. Dieser unglaubliche Mehrwert an Lebenszufriedenheit, den nur eigene Kinder bieten können, der wird irgendwie völlig ausgeblendet. Dafür werden Sorgen, Zukunftsängste und finanzielles Verzichten-müssen überbewertet.

    Ich weiß auch nicht, ob wir in 5 Jahren noch genug Geld haben werden und was noch alles passieren wird, aber Leben ist nunmal riskant. Den Mangel an Kindern führe ich zuerst auf mangelnden Lebensmut zurück, schlechte äußere Rahmenbedingungen kommen erst als zweites. Viele Menschen leben in einer Zeit der allgemeinen Entmutigung, für Kinder ist da kein Platz.

  35. selbstverständlich gilt es nicht für jede Frau.

  36. sehr schöner Text.
    sehr viel Wahrheit.

    Wir haben 3 Kinder, und dass trotz nicht wegen der Voraussetzungen die dieser Staat uns bietet.

    War es ein Fehler?

    Nö.