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Okt 12

Ponader

Johannes Ponader, Problem-Pirat: In Blogs, die ich gerne lese, in Newsportalen, die ich weniger gerne lese, auf Facebook, das ich mal so mal so gerne lese, überall wird Johannes Ponader, Sanftling und Sandalenträger, als Verantwortlicher für die Demoskopiekrise der Piraten gesehen.
Auf Twitter wird er von Piratenvorständen beschimpft, Menschen, die ich mag, machen Würgegeräusche, wenn es um Ponader geht.

Er ist ein Sprecher mit einem Maulkorb.
Was hat der Mann getan?
Ich weiß es nicht. Vielleicht ist er intern ein Arschloch, es ist denkbar, dass die Leute, die sich über ihn aufregen, mehr über ihn wissen als ich.
Ich weiß über ihn nur, was man als Fernsehzuschauer und Twitterleser so weiß.
Seitdem ich ihn das erste Mal gesehen habe, geht es mir immer gleich mit ihm. Ich möchte ihm sein verdammtes Handy aus der Hand schlagen, ich möchte ihm sagen, dass er da nicht so rumlümmeln soll. Und dann höre ich ihm zu und denke: Endlich mal ein Mensch.
Seine gewaltfreie Sprache weckt das Schlechteste in mir, bis das Schlechteste in mir mir schließlich zuraunt: Schau – hat der nicht Recht?

Hauptkritikpunkt an Ponader ist, dass er seine persönliche Nichterwerbtätigkeitssituation zum Thema mache, und damit den Piraten, die auf die arbeitende Bevölkerung als Wähler nicht verzichten wollen, Schaden zufüge.

Nun sind aber arbeitsfähige Nichterwerbler eine Tatsache. Ich kenne wunderbare Menschen, die sich kaum einen Döner leisten können, aber durchaus eine Bereicherung sind. Will man Menschen, die nicht für ihren Lebensunterhalt sorgen können, aus der Politik ausschließen?

Ich verstehe den Zusammenhang zwischen seinem guten Abiturschnitt und seiner Arbeitslosigkeit nicht. Er ist intelligent und findet sich trotzdem nicht im Arbeitsleben zurecht. Wäre für viele Tätigkeiten nicht der Satz “Er ist intelligent und findet sich deshalb nicht im Arbeitsleben zurecht” genauso zutreffend?

Nicht jeder hat das Glück, tüchtig sein zu können.
Eine Gesellschaft, die frei sein möchte, sollte sich Ponaders leisten können.
Eine Partei muss sich keinen Sprecher leisten, der nicht für sie spricht. Es wäre eine Zumutung für die Piraten, von jemandem vertreten zu sein, dessen Lebensstil sie ablehnen. Aber ihn durch Mobbing wegzubekommen, das kann nicht der Weg sein. Warum kann eine Partei, die sich der Basisdemokratie verschrieben hat, kein Meinungsbild über Personalfragen bekommen?