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Aug 12

Wohnungssuche

Ich habe den Beruf gewechselt. Ich bin jetzt Wohnungssuchender in Berlin.
Der Startschuss für meine neue Tätigkeit fiel, als meine Vermieterin mir durch ihren Anwalt mitteilte, sie wolle in meiner Wohnung von nun an Bilder malen.

Meine Frau und ich suchen also nach Wohnungen, die unserer bisherigen gleichen, und machen einige Termine in Berliner Innenstadtvierteln aus.
Bei den ersten Besichtigungen sind wir noch naive Amateure, wir glauben, es werde reichen, die Selbstauskunft auszufüllen und seinen Personalausweis vorzulegen.
„Haben Sie denn keine personalisierte Bewerbung?“, fragt die Maklerin.
„Wo ich dann schreibe, warum ich besonders gut zu der Wohnung passe?“, frage ich zurück. „Ja, was denn sonst?“, antwortet sie.
Sie deutet auf den unübersehbar schwangeren Bauch meiner Frau und verdreht die Augen. „Für Familien ist die Wohnung doch ausdrücklich nicht geeignet.“

„Konzipiert wurde das Maklerrecht als einseitiges sogenanntes „Glücksgeschäft”, weiß die Wikipedia. Der Makler wird nur im Erfolgsfall bezahlt, nicht für seine Leistung. Er wird aber auch bezahlt, wenn er gar nicht für die Vermittlung verantwortlich ist. „Nach dem Gesetz muss ein mit der Verkaufsvermittlung einer Immobilie beauftragter Makler nichts tun.“ Schmerzlich wird mir bewusst, dass ich den falschen Beruf ergriffen habe
In der nächsten Wohnung zeige ich auf den Holzboden, der einmal feuerwehrautorot gewesen sein könnte zu einer Zeit, als es noch keine Feuerwehrautos gab. Jetzt ist er bräunlich und voller weißer Farbflecken. „Was passiert noch mit dem Boden?“, frage ich. „Mit dem Boden passiert nichts“, sagt der Makler erstaunlich bestimmt. Wir könnten das ja renovieren, allerdings sei der Vertrag auf zwei Jahre befristet.

Wenige Termine später stehen wir in einer recht hübschen, recht kleinen Wohnung. Irgendetwas fehlt. Mir ist es nicht gleich klar, ich frage meine Frau, ob sie auch so eine Verstimmung bemerke, aber meine Frau merkt seit vier Wohnungen nichts mehr. Sie ist für Krisensituationen nicht gemacht, denke ich.
Endlich erlöst mich die Maklerin. „Man muss vielleicht darauf hinweisen, dass die Wohnung immer dunkel bleibt.“ Sie löscht die Taschenlampe und weist auf das gegenüberliegende Hochhaus. Nun gut, ich bin schließlich keine Pflanze, ohne Licht könnte ich wohl leben.
Die Maklerin blättert in meinen Dokumenten: „Woher sollen wir denn wissen, ob Sie im nächsten Jahr noch genug verdienen?“, fragt sie. Ehrlich gesagt weiß ich das auch nicht.

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