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Jun 12

Ist Fußball doof?

Ich habe mit dem Schreiben angefangen, weil ich über Fußball unterhaltsamer schreiben wollte, als das damals geschah. Ich schreibe nicht mehr über Fußball, weil es mittlerweile einen Haufen von Blogs gibt, deren Autoren sich unendlich besser auskennen, verglichen damit waren meine Artikel bei Fooligan nur Kneipengeschwafel.
Das ist für mich völlig in Ordnung, manchmal fühle ich noch einen Phantomschmerz und twitter etwas Blödes, aber ich habe mich damit abgefunden, dass ich auch nach 30 Jahren aktiven Schauens das schöne Spiel noch nicht verstanden habe.
Aber warum können Sportjournalisten nicht ebenfalls das Handtuch werfen?
Ich kann jeden Tag die Süddeutsche Zeitung lesen und dabei sich sein, nicht eine relevante Information zu erhalten. Stattdessen wird unter völliger Verkennung von Statistik, Sport und Psychologie über Cristiano Ronaldos Seelenleben gedummelt (er trifft nicht, weil es Messi gibt) oder es werden ganz tief aus der Witzekiste ein paar nichtfunktionierende Running Gags geholt.
Der kicker hält es auch im tausendsten Jahrzehnt seines Bestehens für völlig ausreichend, Personalspekulationen vor dem Spiel und irrwitzige Notengebung nach dem Spiel als Sachlichkeit vorzutäuschen, und wirkt doch beruhigend gegen die Scherztruppe der 11 Freunde, die, wenn sie noch einmal ein Foto mit einer Fußballerfrisur aus den 70ern postet, mehr schlechte Frisurenbilder auf ihren Servern hosten als youporn. Auch ein Verdienst.
Doch all die Printödnis verhält sich zu dem Grauen der Öffentlich-Rechtlichen wie ein stinknormaler Swingerclubabend, bei dem jemand versäumt hat, Kleenex zu kaufen, zu einem Kölner Karneval ohne Bier.
Könnte ich doch nach einem Spiel einfach abschalten.
So sehe ich hilflos, dass Waldemar Hartmann noch lebt. Ein bestimmt grundsympathischer Mensch, wenn er schweigend und kaum nach Bier riechend neben einem in der U-Bahn sitzt. Neben ihm Matze Dings, den ich mal auf einer Party gesehen habe und dabei tatsächlich den Gedanken hatte, dass ich ihn, ginge er aufs Klo, ertränken und es auf den Alkohol schieben könne. Eine Kombination von nüchterner Eleganz, wie sich bald herausstellt, wenn man erlebt hat, wie die Twitterexpertin Jeannine Oliver Kahn Tweets vorliest.
Das ist natürlich einerseits der rührendste Zivilisierungsversuch seitdem man Lassie beigebracht hat, bei Gefahr einen besorgten Delphin zu imitieren, aber andererseits habe ich manchmal sogar noch nach einem Spiel ein Gehirn.
Sportschauer ist nicht ein Idiot.
Medien aber glaube das.
Warum isse?