Canossa

Ich möchte wegen einiger meiner Äußerungen im „Wir müssen reden“-Podcast Marina Weisband und Julia Schramm um Verzeihung bitten.
Zunächst meine Petra Kelly-Bemerkung über Marina Weisband: Scherze, auch schlechte, sind der nachträglichen Korrektur und Erklärung nur bedingt zugänglich. Dennoch ist ein solcher Satz, wenn man ihn als Tweet ausgeschrieben sieht, nicht etwas, das ich unbedingt gesagt haben will.
Es tut mir leid.

Nun zu meiner Behauptung, Julia Schramm sei wegen einer von mir so bezeichneten „psychischen Störung“ nicht geeignet für das Amt der Bundesvorsitzenden: Selbst der Umstand, dass eine Depression durchaus im technischen Sinne als psychische Störung bezeichnet werden kann, rechtfertigt diese herablassende und verletzende Bezeichnung nicht. Darüber hinaus soll natürlich ein gesellschaftliches Klima entstehen, in dem niemand sich scheuen muss, über seelische Erkrankungen zu sprechen. Geschweige denn, diese Offenheit hinterher mit Problemen auf dem Arbeitsmarkt (lies: politischen Ämtern etc) zu bezahlen.
Die in einem Nebensatz unterstellte Essstörung beruht auf freiem Assoziieren und einem nur halbgelesenen Blogartikel von Schramm, nichts spricht dafür, dass Schramm tatsächlich darunter leidet oder je darunter gelitten hat.
Ich bedauere es, diese Äußerungen gemacht zu haben, und bitte um Verzeihung in dem Wissen, dass es dafür schon recht spät ist.

24 comments

  1. Eine hast du vergessen: Petra Kelly.

    Ach ja, ich werde mir den Podcast dann auch mal anhören. Muss ja der Knaller sein.

  2. Nachtrag: Ist Sexismus nicht irgendwie auch Teil deines Geschäftsmodells? Und muss man diese „Entschuldigung“ nicht auch in diesem Kontext betrachten? ;)

  3. Malte, kannst du die entsprechenden Stellen kurz verlinken oder hier im Blog präsentieren? Ich verstehe nämlich nicht ganz, was gemeint ist.

  4. […] NACHTRAG: Malte Welding distanziert sich in seinem Blog von ein paar seiner im Podcast gemachten Äußerungen. […]

  5. […] 23.03.2012 12:03: Malte Welding bittet nun in seinem Blog u.a. Julia Schramm um Verzeihung. Diesen Artikel weiterleiten:TwitterGefällt mir:Gefällt mir4 bloggers like this post. Dieser […]

  6. kein fan von malte

    wie peinlich, dass du solch einen mist erzahlst. eine entschuldigung ist noch nicht mal annährend ausreichend, sondern nur das konsequente überdenken deiner aussagen (in dem podcast und anderen blogeinträgen).

    ach ja, zum titel „canossa“:

    „Im heutigen Sprachgebrauch wird bisweilen auch ein als erniedrigend empfundener Bittgang im übertragenen Sinne als ein „Gang nach Canossa“ bezeichnet.“

    ist das die neue schmerzensmann-version, oder was?

  7. „In heutigen Sinn“ ist beim „Gang nach Canossa“ auch, nun ja, evtl. die falsche Formulierung. Aber das sind Randnotizen. Man sollte wirklich den Podcast mal hören. Mache ich jetzt. Gute Werbung, BTW!

  8. podcast zwar nicht gehört haben, aber erstmal senf ablassen…

  9. Ja und? Den genannten Vergleich kann man auch so falsch finden, sexistische Zuschreibungen auch.

  10. Das ist vermutlich der Grund, warum dieser Post besser ohne Links auskommt: Wer sich entschuldigt, der wird danach von einigen Leuten erst Recht fertig gemacht. Denn er gibt zu, einen Fehler gemacht zu haben, da kann man ruhig nochmal nachtreten. Das Sabbern beginnt erst mit der Entschuldigung. Suchet, und ihr werdet finden: Auf die bald folgenden weiteren Kommentare von Julia Pawlow zum Thema Sexismus habe ich jetzt schon keine Lust.

  11. Wollte mir den lantzsci-Podcast anhören:

    http://www.malte-welding.com/2009/03/19/podcast-10309/

    Der Download bricht immer bei 80.6 MB ab. lässt sich das fixen?

  12. Walter Schoendorf

    Ich habe heute den Podcast gehört – über drei Stunden. Der Titel „Wir.Müssen.Reden“ ist dabei Programm. Intensive Gespräche entwickeln eine schwer zu steuernde Eigendynamik und übersteuern auch schon mal den Kontext. Da sagt man schon mal etwas, was man danach bereut. Dafür hat sich Malte entschuldigt. Wenn wir weiterhin dieses lebendige und kontroverse Podcast-Format hören möchten, sollten wir diesen Canoassa-Gang akzepieren.

  13. Ach Malte, in Wirklichkeit hast Du doch nur gesagt, was viele sowieso denken oder zumindest auch schon mal gedacht haben bei der unendlich Lektüre der Schramm-Ergüsse bei Twitter und – schlimmer noch – bei Formspring. Ich jedenfalls.

    Dass Miss Seeliger nun mit der Sexismus-Keule um die Ecke kommt, war ungefähr so erwartbar wie Miss Schramms Mimimi.

    Außerdem freut sich hier doch nur einer: Alle reden wieder über Julia Schramm. Dann ist es ja gut.

  14. Zwei bescheidene Fragen:

    (1) Weshalb verachten Sie Menschen mit psychischen Problemen bzw. Störungen? Haben Sie sich je damit beschäftigt?

    Sie setzen in Ihrem Artikel(*) “…psychische Störung…” mit “… herablassende und verletzende Bezeichnung…” gleich. Ist dies wirklich Ihre Meinung? Sie rechtfertigen damit auch – noch nachträglich – ihre WMR-Thesen. Auch Williy Brandt hatte “…eine Depression durchaus im technischen Sinne als psychische Störung…”, selbst wenn Sie der Einzige sind, der dies so formulieren würde…

    (2) Wie denken Sie persönlich über Narzissmus? Sollten Menschen mit narzisstischer Persönlichkeit in federführenden Positionen arbeiten?

    (*) “…Selbst der Umstand, dass eine Depression durchaus im technischen Sinne als psychische Störung bezeichnet werden kann, rechtfertigt diese herablassende und verletzende Bezeichnung nicht…”

  15. Mal ein grundsätzlicher Tipp bezüglich J. S., der in Piratenkreisen den meisten schon bekannt ist:

    Je weniger Aufmerksamkeit man einer solchen Figur entgegenbringt, desto eher sucht sie sich eine andere Spielwiese zum trollen. Also am Besten keine Kommentare oder Reaktionen oder gar gesonderte Aufmerksamkeit, sei die Provokation noch so billig und bewusst kalkuliert oder eben subtilerer Natur…

    Dass ich hier selber kurz kommentiert habe, gilt natürlich nur dem von mir sehr geschätzten Autoren dieses Blogs: Weitermachen und in Zukunft nicht in die Aufmerksamkeitsökonomie-Falle dieses „sympathischen Menschen“ laufen!

    Liebe Grüße

  16. @Malte
    Wenn du doch noch was zur Psycho-Konstitution und Politikfähigkeit Christopher Lauers nachreichen könntest. Wäre ein Schritt Richtung Gendergerechtigkeit.

  17. Was natürlich den meisten Leuten unklar ist: Malte will hier Abbitte bei Julia, Marina und (evtl.) Petra ableisten.

    Nicht bei seinen Kommentatoren ;)

  18. Ich habe mir die WMR Folge mehrfach angehört und finde darin nichts, wofür man sich entschuldigen müsste. Die Kommentare zu Weisband und Schramm sind im Kontext der Diskussion mit Max Winde und Michael Seemann gefallen und passen damit zum unterhaltsam-provokanten Podcast Stil der beiden Herren (den ich übrigens auch nicht immer erträglich finde)
    Das waren meiner Meinung nach keine sexistischen Anspielungen weil es sich um Frauen handelt denn an bissigen Kommentaren zu Männern, auch bei den 3 Herren untereinander, mangelt es ja auch nicht gerade.

    Fazit: Viel Wind um nichts! Haters will hate! Und die Welt dreht sich trotzdem weiter…

    D

  19. „mehrfach angehört“. Puh, Respekt.

  20. „“mehrfach angehört”. Puh, Respekt.“

    da möchte ich mich anschließen:)

    Es geht hier überhaupt nicht um Sexismus, weiß auch gar nicht, wo das herkommt. Es geht einmal darum, dass etwas als Witz Gemeintes und Dahergesagtes durch eine Verschriftlichung eine Note bekommt, die ich so nicht beabsichtigt hatte (ein Effekt, von dem ja im Podcast die Rede war – „Schluckt!“) und dann darum, dass das Bekenntnis zu einer seelischen Erkrankung jemandem nicht vorgehalten werden sollte. Das Geschlecht der beiden hat damit nichts zu tun.

  21. Ach watt. Malte hatte doch eine berechtigte Meinung:
    Jemand der so offen und gleichzeitig labil ist wie Julia Schramm ist nicht für die Politik gemacht. Die muss man doch weiß Gott nicht teilen.
    Und über den angeblichen Sexismus, wg „Wieso holt ihr Kerl sie da eigentlich nicht raus“? Das hat ja nun nix mit ihrem Geschlecht zu tun. Wenn es ein Julius Schramm wäre, hätte Malte – davon ist wohlwollend auszugehen – von seiner Freundin gesprochen, die ihn vor sich selbst schützen sollte.

    Sturm im Wasserglas.

    Ist das eigentlich deine PR, Malte? Erst die Sow/L.

  22. (fortsetzung)
    Erst die Sow/L. Geschichte nach langer Pause, jetzt ne „Entschuldigung“ für das bisschen Kram… Bitte sag uns, dass du das nicht nur zum Bücher verkaufen machst.

  23. Entschuldigungen gibt es im politischen Bereich immer wieder, und sie erscheinen mir durch die Bank weg halbherzig – hingenuschelt, weil es sein muss, nicht aufgrund eines Läuterungsprozesses entstanden.

    Als Beispiel, wie man es richtig anstellen kann, eignet sich diese Bitte um Entschuldigung, allein schon deswegen, weil der Verfasser nicht „sich entschuldigt“, sondern um „Entschuldigung bittet“ und damit eines klar stellt: Die Verzeihung kann er nicht erzwingen, sondern nur hoffen, dass die Betroffenen sie gewähren.

    Zweitens habe ich beim Lesen den Eindruck, dass der Verfasser wirklich über das Vorgefallene nachgedacht und sich nicht von seinen Anwälten hat beraten lassen, wie man sich am besten aus der Sache heraus wulfft.

  24. […] Und es gab eine Gegendarstellung. Natürlich meldete sich auch Malte Welding, der, nachdem er Julia eine „psychische Störung“ attestierte, nicht umhin kam, nun noch einmal nachzupfeffern. Wer einen Blog-Opa sucht, könnte ihn in den […]