Ein großer Tag für die Demokratie

Heute abend lief auf RTL II ein Film, in dem Joe Pesci, behaftet mit einer Frisur, die Geert Wilders sich aufzutragen weigern würde, einen am Boden liegenden Michael Jackson trat, der sich darauf in einen riesigen Kampfroboter verwandelte. Zwischendurch tanzte ein kleiner Junge und man fragte sich, was Jackson wohl mit ihm in den Drehpausen gemacht hat. Wer nun glaubt, dies sei der Tiefpunkt des heutigen Fernsehprogramms gewesen, der hat die Liveübertragung der Wahl zum Bundespräsidenten nicht gesehen.
Im Lauf der Stunden wurde jedes Mitglied der Bundesversammlung befragt, dann wurde jeder herumstehende Journalist befragt und schließlich filmten sich die Kamerateams gegenseitig, während ZDF-Moderatoren Phoenix-Moderatoren befragten.
Fünf verschiedene Positionen waren dabei zu vernehmen.
Die FDP einigte sich früh darauf, nicht Schuld zu sein, denn in ihren Sitzungen habe es offene Aussprachen gegeben. Versagt habe die CDU.
Die SPD war der Meinung, die CDU könne stolz auf ihre Abweichler sein, schließlich zeige dies, wie eigenständig diese denken würden. Man müsse jetzt mal die Parteigrenzen hinter sich lassen. Versagt habe die Linkspartei.
Die Grünen fanden alles gut, aber die Linkspartei müsse sich jetzt mal entscheiden und den Schießbefehl zurücknehmen.
Die Linkspartei sagte, man hätte sie ja mal anrufen können, aber jetzt sei sie möppelig und sowieso seien alles Schlampen außer Mutti.
Die CDU war so entspannt wie Fabio Capello, als er nachts auf dem Hotelflur dem Schiedsrichter des Achtelfinalspiels begegnete und sagte generös, so sei eben Fußball oder auch Politik, Hauptsache niemand verletzt.

Die befragten Journalisten begaben sich auf die Metaebene und erklärten, die CDU könne von nun an nicht mehr behaupten, die SPD mache sich abhängig von der Linkspartei, weil sie ja nun auch abhängig von ihr sei, ruderten nach dem dritten Wahlgang aber ent- und geschlossen zurück und sagten: “Eh egal.”

Alle waren sich einig, dass es ein großer Tag für die Politik sei und ich habe mir aufrichtig gewünscht, irgendwo etwas LSD zu finden, denn dann hätte ich darüber wenigstens lachen können.

8 comments

  1. Immerhin hat bis jetzt – soweit ich das mitbekommen habe – niemand der beteiligten professionellen Politiker sich dahingehend geäußert, dass dies “ein guter Tag für Deutschland” sei.
    Man muss auch dankbar sein für die kleinen Dinge,

  2. gut erfasst.
    ich stell mir meine mutter vor… eine von den politisch frustrierten… wie sie das guckt und sagt, “jetzt lesen die 1000 namen vor. und dann GEWINNT einer… ist das ne spielshow?” und so engstirnig das auch ist… am ende hatse recht.

    das war albern. auch für die, die polletick verstehen.

  3. Und was diese Politiker auch sonst noch für eine Scheiße gelabert haben. Es ist nicht mehr zu ertragen. Na gut, vielleicht noch mit LSD.

  4. ja und was war..gerade jetzt war der Kasten Bier leer!
    Gemütlich mit ner Flasche Bier wäre es zu ertragen gewesen,aber so….
    Der Hohn an der Sache,die erzählen uns wir dürfen nicht direkt wählen weil es dann zu partei-politisch würde–
    Was haben die denn gemacht,jede Fraktion hatte einen eignen Kandidaten und der andere wurde schlecht gemacht.
    Es war einfach nur ein partei-politisches Gerangel.

  5. Mein Gemahl lässt durch mich verlauten, sich angesichts Deines Kommentares prächtig amüsiert zu haben, weil er es genau so empfunden hat.

  6. Bitte nicht die “Menschen in unserem Land” vergessen…, die wurden auch mal wieder sehr oft zitiert…! Ich find bloß dämlich, wie alle so tun, als ob das nichts mit Machtpolitik zu tun hat. Alles in allem fande ich es die Veranstaltung nicht ganz so dramatisch furchtbar und lächerlich wie ihr…

  7. gundel gauckelei vs. teen wulff

    die merkelmiene tiefgefroren
    und guido? lamentiert und jammert
    der seehorst reibt entsetzt die ohren
    geschockt ist auch der nobby lammert

    die reguläre spielzeit endet
    kein sieger, niemand geht vom platz
    das grundgesetz wird angewendet:
    verlängerung im zweiten satz

    aber auch dieser endet bitter
    der sekt bleibt zu, er darf nicht fließen
    wie’s ausgeht? noch ein wahlgang (dritter!)
    danach kommt dann elfmeterschießen

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