Im aktuellen Blogblick geht es um Vodafone.
Zu der Passage, in der es um René und seine lobenden Worte für das Vodafone-Handy geht: Ich bin davon überzeugt, dass sein Tweet kein Zeichen für Käuflichkeit ist, ebenso wie ich bei dem im Blogblick verlinkten Artikel von Don Dahlmann nicht glaube, dass er etwas mit Dahlmanns Adnation-Anbindung zu tun hat.
Das weiß ich aber nur, weil ich beide kenne (Dahlmann nur sehr flüchtig, René etwas besser). Und ich möchte nur sehr ungern mit jedem Blogger schon Bier getrunken haben, um wissen zu können, warum er etwas schreibt.
Oooch, eigentlich möchte ich schon mit jedem Blogger mal Bier getrunken haben.
Aber im Ernst: muss man da nicht jedem Blogger ein wenig mehr Glaubwürdigkeit zugestehen? Sollte man nicht zu seiner eigenen geistigen Gesundeit immer erstmal davon ausgehen, das halbwegs intelligente Leute ihr Blog und solche Werbeaktionen schon im Eigeninteresse sauber trennen?
Wer Lust hat, der kann in Chris Andersons neuem Buch FREE nachlesen, wie er dieses Paradox auseinanderzuklamüsern versucht. Nämlich, daß in der gedruckten WIRED darauf geachtet wird, ähnliche Redaktions- und Werbeinhalte seitenzahlmäßig möglichst entfernt voneinander zu platzieren, während es das erfolgreiche Geschäftsmodell von Google darstellt, dieses Prinzip genau umzudrehen, indem die Werbung mit dem restlichen Content der Site möglichst matcht. Genauso wird es natürlich auch bei WIRED ONLINE gemacht. Daß dabei die Glaubwürdigkeit nicht komplett flöten geht, hat laut Anderson etwas mit der Gratiskultur und Serviceorientiertheit des Internets zu tun. Klingt da irgendwie einleuchtend, wenn auch nicht vollkommen schlüssig.
Sollte vielleicht ich mir auch mal genauer ansehen, habe nur unkonzentriert nebenbei dem Hörbuch gelauscht.
Don Dahlmann hat einfach recht.
Grünen-Wähler sind nicht in allem grün. Schwule nicht nur schwul. Politiker nicht nur politisch und Komiker nicht nur lustig. Warum sollen Adnationisten nur adnationistisch sein?
Frau Schutinger ist nicht Vodafone. Lobo ist nich Vodafone.
Übrigens, diesen Blogblick ziert am rechten Rand Werbung von Google und der Deutschen Bahn. Oh oh! Hast Du Dich kaufen, benutzen lassen? Ist die Netzeitung ein ökologisch-einwandfreies Unternehmen? Laufen die Rechner dort mit Ökostrom und gibt es einen Betriebskindergarten?
Laßt die Kirche im Dorf!
Übrigens: In ihrem Podcast hat Frau Schnutinger besagten Text schon vor einiger Zeit vorgelesen und ihn als PR-Text angekündigt.
Aber machen wir uns nichts vor: So wahnsinnig glücklich sind die meißten adnation-Teilnehmer nicht über den derzeitigen Werbepartner. Ein Zähneknirschen kann man schon raushören. Das war einfach sehr blödes Timing.
@Die Erklärung
Schaffe ich die Werbung für die Netzeitung heran?
Muss ich mich mit den Leuten treffen, über die ich nachher dann wahnsinnig unanbhängig berichte?
@Martin
Privat lästern die natürlich auch über Vodafone. Aber natürlich nur privat.
Wie schön, dass Frau Buschheuer einen Rückfall hat….
http://www.else-buschheuer.de/tagebuch.php
Da geht’s dann auch in der Mitte um die Staatsaffaire Vodafone…
Wer für jemanden arbeitet, vertritt auch den Arbeitgeber. Zwangläufig, aber nicht ausschließlich.
@ Die Erklärung:
Das ist eine interessante Theorie. Einerseits richtig. Andererseits: Gilt das auch für Auftraggeber? Was machen beispielsweise Journalisten, die für ein Blatt schreiben, dessen Inhalte sie auch nicht in Gänze vertreten können? Wenn Stefan Niggemeier für die FAZ schreibt, darf er es, obwohl meinetwegen im Wirtschaftsteil z.T. Perspektiven eingenommen werden, die er haarsträubend findet? Ist das Szenario anders gelagert?
Ich frage Dich und mich…
Die Identifikation mit dem Ort des Geschehens ist gerade im Journalistischen- und Blogbereich sehr groß.
Niggemeier wird seine Gründe haben, für die FAZ zu schreiben. Er hat offenbar die größte Schnittmenge gefunden. Vielleicht stimmt er nur zu 51 Prozent mit den Themen und Inhalten überein, aber es ist eine Mehrheit. Niggemeier könnte auch problemlos für jedes andere Blatt schreiben.
Ich gehe davon aus, daß ihm nicht der Teufel die Hand führte, als er seinen Vertrag unterschrieb. Niggemeier ist kein gutes Beispiel. Er ist eine bekannte Nase im Geschäft. Ihn wollen viele.
Die Frage ist, wie es bei unbekannteren, angestellten Journalisten ist. Verkaufen, ja prostituieren sie sich? Ich denke, viele ja. Und das finde ich ehrlich gesagt schlimmer als das ganz offene Werben für einen Telefonanbieter. Wissen wir, was der Lokalredakteur der Märkischen Allgemeinen nachts träumt?
Konträre Positionen auf inhaltlicher Ebene kann man innerhalb eines Verlags oder einer Redaktion doch aushalten. Also insbesondere dann, wenn man sich selbst äußern kann und die Zeitung dadurch ausgewogener wird.
Dass Blogger Geld verdienen ist ja nicht nur legitim, sondern notwendig. Aber wenn einige Blogs gerade durch die zensursula-Debatte Link-und Klickzahlen hinzugewonnen haben, dann ist es zumindest doof gelaufen, wenn man dann für den Provider wirbt, der den Bestrebungen von zensursula entgegen gekommen ist. Aber wie gesagt “blöd gelaufen” und nicht “unmoralisch”. Ich hätte es vermutlich auch gemacht. Bei einigen Blogbetreibern ist die Entscheidung sicher recht knapp ausgefallen. Und irgendwie hat sich die Situation dadurch verkrampft. Einige Blogs sind derzeit in diesem Thema etwas verhaltener. Nicht unbedingt, weil sie nicht (Achtung Doppelverneinung!) dem Werbepartner schaden wollen, sondern wissen, dass ihr Publikum derzeit etwas nervös reagiert.
Aber der naivste von allen ist für mich F.S. Er hat sich vor 2 Jahren noch in der yahoo-Geschichte um Kopf und Kragen geredet und will jetzt sein schlechtes Gewissen aufarbeiten. Das ist doch augenscheinlicher als die PR im Text von Frau Schnutinger.
@ DieErklärung: “Die Frage ist, wie es bei unbekannteren, angestellten Journalisten ist. ”
Das heißt, Du siehst es so, dass Frau Schnutinger stellvertretend für sie ist und Stefan N. für Herrn Lobo? Und dann stellt sich die Frage nach “Was erlaubt Prostitution” unterschiedlich?
Interessanter Ansatz.
Warum, denkst, Du, ist das so?
Ich finde die Antwort auf die Frage wirklich schwierig. Weil sie sich meines Erachtens nur aus dem Kontext verschiedener Faktoren ergeben kann, die sich in der Gewichtung täglich verschieben können. Beispiel: Ein Blatt bringt einen absoluten Knüppel, der sowas von unverzeihlich ist. War ansonsten aber immer, ja doch, okay. Und nun? Nie wieder dafür schreiben?
Dann nenn mir ein Blatt, ein Unternehmen, eine Instiution, die frei davon ist. Einen Menschen, der nie was getan hat, wofür er seinen Kopf anschließend in einem Eimer voll Pech und Schwefel versenken wollte.
Wo sind da die Grenzen…..?
…. Was macht die eine unverrückbarer als die andere?
*Große Augen, Grübelkinn*
@ Martin: Ich glaube, für mich ist die Grenze dort, wo sich etwas anfängt kriminell auszuwirken.
Nun kenn ich mich mit Vodafone nicht aus und möchte die Firma jetzt auch nicht durchrecherchieren, aber in meinem lausig geprägten Öffentlichkeitsbewusstsein (Ich informiere mich nur noch gezielt und nicht lückenlos) ist mir kein Skandal bekannt, kein Verbrechen – bis auf die Zensursula-Debatte, die ich in Gänze betrachtet auch, hm, variabel?, hm, verhandelbar?, finde. Will sagen: Ich könnte da jetzt schlecht einen Pflock mit dem Ausruf “Ins Gefängnis!” in den Boden rammen.
Und deswegen sehe ich es letztlich genauso wie Du, was Frau Schnutinger betrifft: dumm gelaufen.
„Grünen-Wähler sind nicht in allem grün. Schwule nicht nur schwul. Politiker nicht nur politisch und Komiker nicht nur lustig. Warum sollen Adnationisten nur adnationistisch sein?“
Erstaunlich! Ich habe das mal ausprobiert. Kann man ja endlos, sagen Sie mal: Internet ist nicht in allem Internet, Unanständige sind auch mal anständig, Werbung ist nicht immer Werbung, Kundenverarschung ist nicht in allem Kundenverarschung, Spitzenklang ohne Kabel ist nicht nur Spitzenklang ohne Kabel, gibt auch Spitzenklang mit Kabel…
Irgendwie richtig. Aber nicht nur. Irgendwie auch Humbug. Ich würde sagen, an gewisse Regeln u. Verhaltensweisen sollten sich auch die Internet-Schreiber langsam anfangen zu gewöhnen. Insbesondere dann, wenn sie wahllos die Hand aufhalten müssen im Zuge der „Professionalität“. Bisher ging’s nach dem „Bade mich, aber mach mich bloß nicht nass“-Prinzip.
@Die Erklärung
Verstehst du wirklich nicht den Unterschied?
Oder ist das gerade nur Zwangsopposition?
Dumm gelaufen ist das Ganze wohl in der Tat. ich finde, man kann schon generell festhalten, dass man nicht aus jeder Mücke einen Elefanten machen sollte, denn tatsächlich ist ja nichts nur einseitig. Man soll sich darüber aufregen, wenn einen was stört, aber dann ist auch gut. Diese rieseigen Wellen, die dann immer entstehen, finde ich ehrlich gesagt, mehr als lächerlich und würde mir wünschen, dass alle immermal auf dem Boden bleiben. Vodafone wird sich jedenfalls in Zukunft mehr Gedanken um solche Kampagnen machen, vielleicht tut das der ein oder andere in seiner Kritik ja auch.
Ich finde die Reaktion zum Teil auch ziemlich übertrieben. Klar, dass ganze ist alles andere als gelungen, aber mehr würde ich zu dem Thema auch gar nicht sagen.