Das Internet ist nur die Ersatzbefriedigung dafür, dass man tatsächlich keine Aufgaben und keine verlässlichen Beziehungen hat. Wer sich im realen Leben nicht in einer vertrauten Gemeinschaft entfalten kann, der versucht es eben in einer virtuellen Welt. Übrigens ist die einzige Beziehungsform zwischen Menschen, in der beide Partner das Gefühl haben, eng verbunden zu sein und gleichzeitig frei wachsen zu dürfen, die Liebe. In einer immer liebloser werdenden Welt brauchen die Menschen immer mehr Ersatzbefriedigung.
Das sagt der Neurobiologe Gerald Hüther in der Süddeutschen Zeitung. Er erläutert weiter, “dass Menschen, die sich im realen Leben in Beziehungen geborgen fühlen und Herausforderungen annehmen” das Internet lediglich als Informationsmedium nutzen.
Unterhaltung braucht jemand, dem etwas fehlt. Eine Gesellschaft, die immer mehr junge Leute unter Bedingungen aufzieht, die frustrieren und unbefriedigte Bedürfnisse erzeugen, produziert die besten Kunden für elektronische Medien.
Welche Gesellschaftsform in der Geschichte der Menschheit hat junge Leute nicht frustriert und in ihnen nicht unbefriedigte Bedürfnisse erzeugt? Legt nicht schon Höhlenmalerei Zeugnis ab über die frustrierte felltragende Jugend, die sich lieber scharfe Rundungen auf Felswänden anschaute, als selbst in die nächstgelegene Höhle zu ziehen und sich ein Weib an den Haaren in den eigenen Bau zu ziehen?
War Jagdzauber nicht bloß eine schale Ersatzbefriedigung für echte Büffel?
Ist am Winnetouleser ein zufriedener Skalpierer verloren gegangen?
War Ovid ein vereinsamter Onanist, sind die Bayreuthpilgerer auf heimlicher Suche nach echtem Drachentöten?
Und ist Neurobiologie nicht fad, wenn man auch in trauter Runde gemeinsam ein schönes Hirn essen könnte?
Kannst Du mir bitte noch eine Scheibe dieses vorzüglichen Stirnlappens reichen?
Och, arme lieblose Welt… früher war ja alles besser, da hat man sich mit Heiratsvermittlern, diversen Kriegen und 24/7 Feldarbeit noch richtig lieb gehabt.
Es erstaunt immer wieder, dass in sog. “Qualitätsmedien” Leute zu Wort kommen, von denen sog. “Qualitätsjournalisten” der irrigen Auffassung huldigen, jene seien für dieses oder jenes Thema kompetent. Ein Neurobiologe, der sich über gesellschaftliche und psychologische Themen äussert, ist in etwa so kompetent wie ein Uhrmacher, der über die Zeit philosophiert. Das sei ihm aufs Selbstverständlichste von Herzen vergönnt, bloss sollte niemand vor Ehrfurcht ob dessen vermeintlicher Kompetenz in die Knie sinken. Seine Meinung ist nicht mehr oder weniger wert wie die des z. B. Postboten. Schon Einstein wurde zu allen möglichen Themen, die ihn gar nichts angingen, interviewt. Ebenso wurde/wird Bill Gates ständig über vollkommen abwegige Themen befragt – als ob jemand, der in irgend einem Gebiet Erfolg hat, nun für jedes Thema die Lösung schlechthin aus dem Ärmel zu schütteln habe. Haupsache, jemand ist irgendwie Profi für irgendwas. Dann wird ihm geglaubt. Aber die Deutschen halten ja auch Günther Jauch für den Klügsten der Ihren, weil er so professionell Fragen von Kärtchen lesen kann UND sogar die Antworten weiss!
Alter Wein in neuen Schläuchen. In den 80ern war der Platzhalter übrigens der böse Walkman. Er war Auslöser für Musiksucht und Ersatzbefriedigung arme Autisten. Konnte niemand je wissenschaftlich beweisen, nicht mal gesetzliche Vorschriften gegen angebliche Hörschäden konnte man durchsetzen. Ok, mit den Gesetzten ist man heute wohl irgendwie schneller, weil anders drauf, aber ansonsten ist das einfach nur wieder ein Beispiel für yet another generation gap, wie du schon sagst.
“Unterhaltung braucht jemand, dem etwas fehlt.”
Meiner Erfahrung nach sind eher Menschen problematisch die sich _nicht_ selbst zu unterhalten wissen. Das sind die Nachbarn die Anderen schamlos ins Fenster glotzen, die BILD Zeitung lesen um sich und ihre niedersten Triebe an allem aufzugeilen was sensationsheischend verpackt ist, die keine Folge der neuesten, trashigsten Reality “Sendung” verpassen dürfen… You get the picture.
Das Menschen sich normalerweise in erster Linie für andere Menschen interessieren, ist übrigens auch noch die Quelle für jeglichen Tratsch, üble Nachrede, Stalking… Just saying.
Die einhergehende Implikation halte ich übrigens für hochgradig gefährlich, denn wäre es falsch sich gewisser Unterhaltung hinzugeben, hätte ja nie ein Autor ein Buch schreiben brauchen, nie ein Komponist Musik machen müssen und nie ein Maler ein Bild erschaffen können – gleiches gilt dann wohl für jede weitere Form der Kunst. Welche unerfreuliche Gesellschaftsform hätten wir dann jetzt? Immer noch Gladiatorenkämpfe oder Hinrichtungen? Solche Typen sollten sich erst mal Gedanken machen wie stellvertretende “Unterhaltung” oftmals wirklich aussah, bevor es die modernen Formen gab…
Günter Beckstein sagte mal über Edmund Stoiber, dass wenn man ihn auf ein Hotelzimmer schicken würde mit 2 Betten darin und in einem Bett würde eine nackte, schöne junge Frau liegen und im anderen ein Aktenordner, dann würde Stoiber sofort zielstrebig auf den Aktenordner zugehen und unverzüglich damit beginnen diesen durchzuarbeiten. Ungefähr so sieht meine Definition von “Tod” aus.
The Internet is for PORN!
Netzbiologen neigen zum Verallgemeinern. War das jetzt verallgemeinert?;)
das riecht aber stark nach reflexhaftem Anspringen auf Schlagwörter.
Ich hab den Artikel gestern auf Süddeutsche gelesen und fand ihn immerhin so interessant, dass ich ihn sofort in der etwas sinnentstellenden Essenz hier wiedererkannt habe, was wiederum nicht selbstverständlich ist, weil siehe Artikel.
Ich denke, exessiver Gebrauch von TV und PC ist schon ein Problem der Gesellschaft im Allgemeinen und von mir im Speziellen. Und darum ging es ja – um exessiven, ungesunden Gebrauch, nicht um eine Verteufelung der neuen Medien.
@Malte
aber mal superofftoppic:
hab dich gerade erst gefunden, war ein Fan deiner Texte auf Spreeblick (Fan im Sinne von hat mir gefallen, nicht in der besorgniserregenden Bedeutung wie es wohl für Shill zutrifft), muss sagen bei Spreeblick fehlt Welding, aber hier fehlt irgendwie auch Spreeblick, bunt fetzt doch mehr.
Dabei gibt es so viele exzessive Internetnutzer mit intakten Beziehungen… (OK, sorgt schon für den einen oder anderen Konflikt *g*)
@christoph:
kannst du denn nicht einen weiteren tab öffnen und darin youtube-videos laufen lassen? oder radio hören, am besten einen sender, wo gerade jemand sagt: “ich weiß ja auch nicht, die anderen haben schließlich auch eine daseinsberechtigung, ich will da jetzt keine voreiligen schlüsse ziehen, aber das ist schon sehr spannend und ganz grandios.”
und dann könntest du in die zitty schauen und herausfinden, was seit 3 wochen in berlin im kino läuft.
Jeder Mensch hat das Ziel Glücklich zu sein.
Wenn der Mensch Glücklich durch das Internet, Musik, Ficken oder auf dem Sofa sitzend eine graue Wand anstarren wird ist das sein Recht und völlig in Ordnung.
Also sollte die Antwort auf diesen verwirrten Herren Doktor eigentlich sein: “So what?”
@Malte
ich versuchs mal, aber eigentlich will ich alles ohne mich dafür anzustrengen.
@Max
für einen Alki liegt kurzfristig das größte Glück im Suff, langfristig haut das aber eher selten hin, das wird dir auch der Alki bestätigen.
Mit Ersatzbefriedigungen wie z.B. stundenlanger Berieselung mit kurzer Unterbrechung durch Zockerei oder Masturbation ist das sicher ähnlich, nur sind hier die negativen Begleiterscheinungen nicht so offensichtlich und eher so nach und nach. Es geht halt um den Verlust sozialer Kompetenzen, Ficken passt in deinem Beispiel also gerade nicht.
Und, na klar ist es deine Sache, was du machst, und du bist womöglich zu eienm verantwortungsvollen Umgang in der Lage. So wie eben auch die meisten Menschen mit Alkohl umgehen können, einige aber eben nicht, darum gings.
Haben jetzt zwangsläufig alle, die das Internet nicht nutzen, ein Leben?;)
Haha, “In Südostasien sind bereits die ersten computerabhängigen jungen Männer vor dem Bildschirm verhungert und vertrocknet”
Herr Prof. Dr. erzählt hier aber ganz schöne Räuberpistolen.
Ich denke der Artikel hat schon einen sehr guten Ansatz, ich kenne viele Leute die sehr viel Chatten, Computer spielen, sich in in vielen Sozialen Netzwerken aufhalten, um nicht zusagen den halben Tag vor dem Computer verbringen, in meinen Augen haben diese Leute tatsächlich kein Leben. Sie verschwenden ihre kostbare Jugend und viele von denen haben auch nur wenige richtige Freunde, die meisten Freunde sind sogenannte “Chatfreunde”. Für mich sind das ziemliche Langweiler.
Man kann ja ab und an mal mit jemanden Chatten, mal ein Computerspiel spielen…etc. aber wer das jeden Tag macht und das gleich mehrere Stunden lang, ist wirklich arm dran.
Netter Gedanke Leute mit solchen Artikeln, das Medium madig zu machen mit dem jeder, zumindest theoretich, in der Lage wäre Nachrichten objektiver und aus verschiedenen Standpunkten zu betrachten.Dummes Volk ist leichter zu regieren und gibt mehr Geld für Dinge aus die man Ihnen suggeriert.
Aber ich persöhnlich halte es für wesentlich effektiver eine Stunde am Tag im Netz zu “surfen”. Für mich wichtige Nachrichten direkt zu suchen, ohne Klatsch und Tratsch von X, Y mitlesen zu müssen. Dinge direkt zu Kaufen, wo günstig ist, anstatt durch Regale zu wandeln, Dinge zu sehen die ich nicht wollte oder brauche, ganz zu schweigen von Großen Roten Schildern mit durchgestrichenen Preisen, die mir nur den überteuerten Preis schmackhaft machen wollen.
Warum hacken die nicht lieber auf unserem sogenannten “Bildungsfernsehen” herum. Was unsere Jugend mit Talkshows, Realityshows …. zu Unsinn anstiftet, Relationen verschiebt und Grenzen zwischen erlaubtem und Verbotenem verwische….bis jeder glaubt ein Verbrechen begehen zu müssen, weil ers bei Singstar nicht geschafft hat ins Fernsehen zu kommen, und jetzt auf eine Richterserie wartet.
Es ist egal mit was man seine Zeit verbringt und sagt nichts über das Leben des jenigen aus, aber es istwichtig wie man seine Zeit verlebt.