Artikel zurückgezogen

Nachdem ich jetzt eine ganze Reihe von Mails bekommen habe, habe ich den heute Mittag veröffentlichten Artikel zunächst einmal zurückgezogen. Ausschlaggebend waren folgende Sätze:

Du stellst Deinen guten Namen über eine fragwürdige Sache, die der Urheber vielleicht zurecht nur anonym an die Öffentlichkeit trägt.
Oder noch besser: Du machst Dich zum Vehikel, Du transportierst eine Botschaft.

Aus meiner Sicht habe ich natürlich keine Botschaft verbreitet.
Ich war mir sicher, dass man Informationen und Meinung zu trennen in der Lage wäre.
Da das offenbar nicht so ist, werde ich in den nächsten Tagen den Text mit Anmerkungen versehen. Das kann dauern, die die ihn noch gesehen haben, wissen ja: der Text war ziemlich lang.

28 comments

  1. Natürlich war der Text auch eine Verharmlosung des sexuellen Mißbrauchs von Kindern, keine Frage. Aber er war es nicht nur, sondern zeigte sehr anschaulich, daß
    a) der direkt gewalttätige Mißbrauch eher aus dem Nahbereich des Opfers kommt aus zuerst einmal ” emotionalen” Motiven, diese Filme werden dann von den ” Profis” abgegriffen und dann gegen Geld vertrieben.
    b) die Vorzensur von Frau von der Leyen und ähnliche Überwachungsmaßnahmen und schärfere Gesetze überhaupt nichts ausrichten. Denn laut Text wird Kipo im Moment gern aus Deutschland heraus vertrieben, mittels entsprechender Tarntechnologie nicht zu entdecken.
    c) die Gewinne zwar hoch, aber längst nicht so hoch sind, wie angegeben.
    Daraus folgt: die geplanten Maßnahmen helfen keinem Kind, sie sind nur der Vorwand, um mehr Überwachung und letztendlich eine Diktatur herbeizuführen.
    Um auf meinen persönlichen Fetisch zu kommen: es wird die islamische Diktatur sein, die sich für die Vorarbeit von Schäuble und Co. in einigen Jahrzehnten bedanken wird.

  2. dass die aktuellen maßnahmen keinen kind helfen, darin stimme ich dir zu.
    aber im ernst: du glaubst doch nicht, dass ursula von der leyen eine diktatur möchte.
    der gedanke ist ja nicht einmal albern.

    sie möchte eben soviel dagegen tun, wie sie eben kann, wobei sie vermutlich nicht weiß, wogegen und auch nicht, dass ihre maßnahmen wenig erfolgsversprechend sind.
    meine mutter hätte genauso gehandelt, wäre sie familienministerin.

  3. Ich habe den Artikel bei mir komplett im feedreader – zurückziehen ist da schwierig. Jedenfalls bin ich gespannt, wie du da die Kurve kriegen willst – und vielleicht wäre ich auch gespannt zu wissen, warum du die Kurve kriegen willst. Vielleicht – aber das Thema kann so eigentlich nur in die Hose gehen.

    (Ich wieder: “in die Hose gehen” – sehr sinnig.)

  4. Politikern ist es schlicht egal, was sehr viel später nach ihnen kommt. Sie sind berauscht – die Analogie zu Drogenabhängigen ist beabsichtigt- von Macht, Einfluß, öffentlicher Aufmerksamkeit. Wenn sie sich diese Bedürfnisse über social-enigneering-tricks ( Wir schützen Euch vor dem bösen Internet mit der bösen Kipo) erfüllen können, machen sie das.
    Der Typus des Politikers ist ein gewissenloser Psychopath, der alles zum Machtgewinn Nötige den Bürgern verspricht, obwohl er im Gegensatz zu diesen genau weiß, daß seine Versprechungen objektiv blödsinn sind.
    Die psychopathische Familienministerin weiß, daß Deine Mutter ihre unsinnigen Vorschläge aus Dummheit( sorry, aber ist leider wahr) gutheißt, genau deshalb macht sie diese ja und wird von Deiner Mutter und vielen anderen gewählt.

  5. okay. mal fuss vom gas und zurück in die realität: der text war ziemlich unausstehlich. ja, ein einblick, okay. aber kein einblick den man haben muss um irgendetwas besser zu verstehen, anders zu sehen oder zu begreifen. ich habe es auch nicht geschsfft ihn zu ende zu lesen. wie normal der typ über das zeug schreibt…versteh mich nicht falsch: ich finde den blinden aktionismus seitens der regierung auch alles andere als richtig oder gar hilfreich, aber deswegen muss ich mir nicht von der gegenseite vorheulen lassen, wie sie plötzlich, nach jahren ihr gewissen entdeckt hat. so ein unreflektiertes veröffentlichen eines solchen textes ist in meinen augen ein falscher weg. gut das du den text rausgenommen hast.

    so, das wars aus der wahren welt, jetzt kann die partyszenekritik um malte welding wieder vom bevorstehenden weltuntergang berichten.

  6. capisto: Wie gut dass Pauschalurteile immer funktionieren. Politiker sind Psychopathen, Leute die sich um ihre Kinder sorgen sind dumm, …

    Je weiter man diese Liste fortführt desto einfacher und übersichtlicher geordnet wird die Welt.

  7. Kathrin Passig

    Ich fand vieles an dem Text wesentlich aufschlussreicher und rationaler argumentiert als sonst bei diesem Thema üblich. Danke für die Veröffentlichung, ich warte gespannt auf die kommentierte Version.

  8. Für mich hatte der Text einen hohen Informatonsgehalt bez. der Herstellung, Vertriebswege und Einnahmen. Die Argumente zur moralischen Vertretbarkeit desselbigen fand ich schwach.

  9. Nicht alle Leute, die sich um ihre Kinder sorgen, befürworten einen undifferenzierenden Überwachungsstaat und die behördliche Vorzensur. Zur Ekelhaftigkeit des Textes: der Autor differenziert zwischen Kindervergewaltigung mit Körperverletzung und (vordergründig)gewaltfreiem Mißbrauch. Das ist die typische Rechtfertigungsstrategie der Pädophilen, der ich ausdrücklich widerspreche. Allerdings gebe ich zu bedenken: vielleicht gründet meine und vieler anderer Ablehnung in dem, was Freudianer ” projektive Abwehr” nennen. Denn die ganze Kindheit wird heute schon legal sexualisiert, schicke Kleidung für Minderjährige ist nur ein Beispiel. Die von christlichen Leuten zurecht kritisierte Entkoppelung von Sex und Liebe ist wohl die allgemeine und legale Kindes – und dann auch Menschenmißhandlung.Sicherlich bin ich für strafbarkeitder vorgeblich freiwilligen Pädophilie. Es gibt aber schlimmere Mißhandlungen, und vielleicht sind diese manchmal sogar legal.

  10. Es ging ja bei der Veröffentlichung (!) überhaupt nicht darum, Verständnis für Pädophilie oder Kinderpornos aufzubringen. Im Text war die eine oder andere Passage drin, die einem den Blutdruck steigen lässt, aber man muss bedenken: Nur davon dass man es nicht liest, wird es nicht besser. Es ist eine detaillierte Darstellung des (hauptsächlich technischen) Stand der Dinge, die Lektüre zeigt nur allzu deutlich, dass man da mit den geplanten Gesetzen an der Gesamtsituation nichts ändern wird.
    Das Verfahren der verschlüsselten deutschen Hosting-Server beispielsweise. Oder skrupellose Kreditinstitute und absurde Zahlungsmöglichkeiten (anonyme Geschenk-Kreditkarten???), etc pp. Das alles hat überhaupt nichts mit Kinderpornos zu tun sondern eher was mit IT- und Finanzbetrug auf intelligentestem und globalem Level.
    Ich kann leider nicht von mir behaupten, eine Lösung für die Probleme zu wissen, weder für die technischen noch für die weitaus schwerwiegenderen.
    Trotzdem finde ich den Text (neben der abstoßenden Inhalte) lesenswert und wichtig, da man keine Chance hat gegen etwas vorzugehen, dessen Abläufe man überhaupt nicht versteht. Der Text scheint mir in dieser Hinsicht zumindest ehrlich geschrieben.

    Bitte nochmal zur Klarstellung: Ich stelle mich hier weder hinter den Verfasser des Textes noch sympathisiere ich mit dessen Inhalten – ich war wohl nur einer derjenigen die mit Maltes Intention beim Veröffentlichen des Textes verstanden haben und Nachricht und “Bote” nicht durcheinandergebracht haben. (Randbemerkung: An deiner Stelle hätte ich aber doch zumindest den Text in BLOCKQUOTE Tags gesetzt – sowas sollte man allein schon optisch/typographisch auf den ersten Blick sichtbar von den eigenen Worten abheben.)

  11. ich hatte heute morgen keine zeit, den text komplett zu lesen. hatte sogar schon überlegt, den zu kopieren – konnte irgendwie schon erahnen, dass solch ein schreiben nicht lange unzensiert und unkommentiert im netz bleiben wird…hatte aber bei diesem blog hier das gefühl, der text würde durch die kommentatoren und den blogger im nachhinein sicher noch genug auseinandergenommen, so dass er evtl. noch eine zeitlang bleiben würde (bis von weiter oben wer anfängt zu schimpfen…)
    gibt es jetzt wenigstens noch einen link?
    lg

  12. Es ist mir unbegreiflich, dass hier kaum jemand in der Lage ist einen Text zu lesen, ohne ihn zwanghaft in Kernerschubladen der Marke “Geht” / “Geht garnicht” stecken zu müssen. Um Wilde zu bemühen, gibt es keine moralischen oder unmoralischen Texte, sondern bestenfalls gut geschriebene oder schlecht geschriebene. Dieser hier war weder gut, noch schlecht geschrieben – ABER: Er war interessant.

    Und deswegen sage ich Euch jetzt Folgendes (und zwar ohne in Klammern und Nebensätzen prominent anführen zu müssen, wie abartig ich Passagen des Textes finde; dass hier niemand zustimmend nickt, wenn der Verfasser seine Perversionen legitimiert, sollte doch so selbstverständlich sein, dass es keiner Erwähnung bedarf.):

    Diese Mail war ganz großartig. Denn sie zeigt, wie diese Leute funktionieren; seelisch wie technisch. Niemand, der den Text gelesen hat, kann mir erzählen, dass ihm an der Stelle mit den Botnetzen nicht unwohl in der Magengegend wurde. Aufgrund der Infiltration des Rechners durch Botnetbetreiber völlig unschuldig in das Fadenkreuz von Kinderpornoermittlungen zu geraten und schwer heilbare Rufschädigungen zu erhalten, ist eine grauenvolle Vorstellung.

    Und wer glaubt denn ernsthaft, von einem (wohl aktiven) Mitglied dieser Szene tiefere Einblicke zu bekommen, ohne dass die Person versucht, ihre Tätigkeiten herunterzuspielen und zu rechtfertigen. Es ist doch völlig weltfremd von dort einen Text zu erwarten, der uns auf allen moralischen und inhaltlichen Ebenen glücklich macht.
    Nein: Hier gibt es nur die volle Wahrheit und die sieht nicht anders aus als bei Drogensüchtigen und Filesharern – wer einen geächteten Lebensstil führt, versucht diesen (und wenn nur für sich selbst) zu legitimieren. Wir durften bei Malte nicht nur lesen, wie diese Menschen Kinderpornos streuen, sondern auch, wie sie selber darüber denken. Ich bezweifle, dass seine Argumentationen irgendeinen der hier anwesenden von der Richtigkeit der Kinderpornographie oder gar des Verkehrs mit Kindern überzeugen werden. Sie zeigen vielmehr, wie Entrückt die Moralvorstellungen dieser Szene sind und dass man der Sache wohl nur mit psychologisch ausgefeilteren Mitteln als einer Verbots- und Scaretaktik beikommen kann, denn sie haben anscheinend weder Angst, noch kann man sie einfach abschalten.

  13. Habe den Text vollständig lesen können und war erstaunt was gewiefte retorische Fähigkeiten so anrichten kann und schon konnte. Jedenfalls, nach dem ich meine inneren Auflehnung sortieren konnte wurde mir bewusst ,dass MrX mit den gleichen Mitteln der Verdrengung, Selbsverleugnung arbeitet wie jeder Andere, der offensichtlich Unrechtes in der Gesellschaft versucht zu vertuschen bzw. rechtzufertigen aber ich weiss jetzt wie solche Leute ticken.
    Zum Thema: Ich denke, dass Kinder ab ca. 6Jahren bewusst Spaß oder Vergnügen an selbstdurchgeführten sexuelle Handlungen haben Alleine oder mit Gleichaltrigen.
    Ich hätte damals auch keinen Erwachsenen in der Nähe haben wollen geschweige denn die dabei enstandenen fotographischen Ergebnisse verteilt wissen.
    Nun glaube ich, dass der Übergang von normal orientierter Sexualität zur pädophilen (auch homo)sexuellen Orientierung, wie alles in der Natur, fließend ist. Es ist jetzt die Aufgabe einer aufgeklärten Gesellschaft klare Grenzen zu ermitteln und zu ziehen.
    Kinder sind Schutzbefohlene weil sie sich über alle Konzequenzen ihrer Handlungen noch nicht bewusst sein können. Strafmündigkeit und Geschäftsfähigkeit sind nicht umsonst altersabhängig und was das Thema Frühreife betrifft, hinkt (vermute ich) die geistige Entwicklung der körperlichen hinterher.
    Bezeichnend fand ich aber die technische Verbreitung des KiPo-Materials und die rafinesse Derer, die daran Geld verdienen wollen. Natürlich muß es dafür einen Absatzmarkt geben ansonsten würden die da keinen Finger für krumm machen.
    Es fällt mir sehr schwer mich in die Beweggründe für pädophiles Verhalten hineinzudenken. Es ist immer noch nicht altmodisch Kinder zu schützen und liegt letztendlich in der Natur der Dinge die Gattung Mensch, zumindest teoretisch, ins nächste Jahrtausend zu retten.
    Auch wenn die Natur es offen lässt, dass auch ab 12-14 Jahren Fortpflanzung möglich ist, sind diese Kindermütter lange nicht in der Lage ihren Nachwuchs auch angemessen aufzuziehen sowie emotionale Bindungen zu bilden.
    Es sind halt noch Kinder.
    Ich hoffe nicht zu viel Müll geschrieben zu haben,es ist aber auch ein sehr umfangreiches und emotionales Thema.

  14. Umso früher ein Kind körperlich geschlechtsreif ist, umso eher erlischt das sexuelle Interesse eines Pädophilen. Das sexuelle Interesse von Pädophilen richtet sich an Kinder vor Eintritt der Pubertät. Deswegen ist auch das Argument über die Normalität sexueller Frühaktivitäten falsch, weil das auf Kinder/Jugendliche zutrifft, die schon in der Pubertät sind, bzw. schon abgeschlossen haben.

  15. Den Link gibts beim Artikel von netzpolitik.org zum Thema, er steht in Kommentar 3.

  16. Hab Sinn und Zweck der Artikelveröffentlichung auch nicht ganz verstanden. Wieso eine Meinung präsentieren die nicht die eigene ist und dann auch noch so ein krasses Thema behandelt. Man will doch auch keine Rechtfertigungen von Nazis, Vergewaltigern oder dergleichen hören.

  17. @Capisto: Ich glaube Ursula von der Leyen schon, daß es ihr um das Wohl der Kinder geht. Daß es da Mitnahmeeffekte gibt, ist verständlich. Und ich sehe da durchaus große Probleme.

    Daß von der Leyens Vorschläge nichts bewirken, kannst Du ebensowenig sagen, wie ich sagen kann, daß sie etwas bewirken, da es vor Inkrafttreten keine Belege gibt. Ich bin kein Hellseher.
    Man kann, und so verstehe ich die Ideen von der Familienministerin, nur versuchen, möglichst gründlich abzuschrecken.

    Ich hoffe nicht, daß Du das Strafgesetzbuch abschaffen willst. Denn es ist in unserem Land nun einmal Gott sei Dank so, daß man Straftaten erst bestraft, wenn sie verübt worden sind. Und nicht vorher!

    Da Kinderpornographie und Kindesmißbrauch zurecht verboten sind, handelt es sich hierbei um Mittel der Strafverfolgung, die vielleicht auch mal der Zeit angepaßt werden sollten. Denn ein Strafgesetzbuch sollte meines Erachtens immer auf dem neuesten Stand der Dinge sein und die rechtsstaatlichen Mittel sollten nicht der Technik und den Tätern hinterherhinken.

    Sollte nach Inkrafttreten auch nur ein Kinderpornoring mehr ausgehoben werden, ist das schon eine Berechtigung.

    Taten, die bereits begangen wurden, kann man nicht verhindern, aber man kann vielleicht verhindern, daß weitere Kindern zu Opfern werden. Wer sich die Kunden schnappt, entzieht dem Markt den Boden. Ob das technisch machbar ist, wage ich allerdings zu bezweifeln.

    Ich möchte ein freies Internet, aber kein rechtsfreies Internet.

  18. Ben hat inzwischen schon geschrieben, was auch mir durch den Kopf geht: das ist bei aller Haesslichkeit ein sehr interessanter Text, der fuer eine Diskussion relevante Informationen enthaelt, und natuerlich auch fuer die Position seines Autors argumentiert. So ist das halt mit Quellen.

    Es ist bedauerlich, dass es vielen schwerfaellt, den Text aus dieser Distanz zu betrachten, und auch Maltes kurzer einleitender Kommentar dabei anscheinend keine ausreichende Hilfe war. Das Thema ruehrt an starken Emotionen; mir ist nun deutlich geworden, wie viel vorsichtiger als ich dachte man deswegen mit solchem Material umgehen muss, damit einem das Zeug nicht um die Ohren fliegt. Also auch dieser Einsicht wegen – vielen Dank fuer den Versuch der Veroeffentlichung.

    Ein Text wie dieser gehoert herumgezeigt, eben weil er so ungewoehnliche Einblicke ermoeglicht. Doch nachdem die kurze Einleitung, die mir so klar vorkam, offenbar wenig Resonanz gefunden hat, rechne ich fest damit: dass sich immer noch genug Leute finden werden, die das nicht so sehen, sich vom Inhalt auch trotz viel ausfuehrlicherer Kommentierung hauptsaechlich auf den Brechreiz getreten fuehlen und Dir, Malte, ein Stueck Schuld dafuer geben wollen.

  19. Ich habe in meinem Blog auch auf den betreffenden Text verlinkt, weil ich der Meinung bin, daß man darin sehr viele wertvolle Informationen findet, die die Hintergründe und die technische Umsetzung von Kipo-Angeboten aufzeigen.

    Es ist ein sehr monströser Text, und ich kann verstehen, daß sich viele Leser davon angewidert fühlen.

    Aber ich habe nichts strafrechtlich Relevantes darin gefunden (aber ich bin auch kein Anwalt oder Richter).

    Das Problem beim Thema Kinderpornographie ist, daß die meisten Menschen gar keine Vorstellung davon haben, um was es dabei überhaupt konkret geht. Die wenigsten sind damit bereits in Kontakt geraten, und eine eigene Recherche zu dieser Thematik kann sehr schnell ins Auge gehen.

    Daher verwundert es auch nicht, daß es sogar Stimmen gibt, die behaupten, daß das Problem in dieser Form gar nicht existiert.

    Dieser Text belegt das Gegenteil, und wenn man etwas polemisieren möchte, dann könnte man ja auch mal nachfragen, warum die “Gegner” dieses Textes unbedingt verhindern wollen, daß die technischen und finanziellen Hintergründe der Kipo bekannt werden…

    Ist der Text einfach nur zu krass? Dann muß aber auch die Frage gestattet sein, warum man den Zugangsanbietern “zur Überzeugung” unverpixelte Kinderpornographie präsentiert hat (siehe http://www.heise.de/newsticker/Noch-viele-offene-Fragen-bei-Kinderporno-Sperren–/meldung/126726 )

    Nein, hier wird mit ganz harten Bandagen daür gekämpft, um ein mächtiges Zensursystem zu installieren, und wer glaubt, daß es dabei um durchweg edle Ziele geht, der hat sich mit der Thematik anscheinend noch gar nicht auseinandergesetzt.

    Es ist doch nicht so, daß Kipo bislang nicht strafbar ist, und man deswegen jetzt besonders hart durchgreifen müßte. Das ist völliger Quatsch.

    Da sei die Frage gestattet, warum denn die bekannten Kipo-Server in der EU und Amerika nicht einfach stillgelegt werden? Dafür bräuchte es doch gar keine Webseiten-Sperrungen, keine geheimen Verträge und keine Grundgesetz-Änderungen. Das wäre innerhalb der bestehenden Gesetze machbar.

    Warum geschieht das nicht?

    Die Kipo-Anbieter jucken diese Sperrungen überhaupt nicht. Die haben ein Klientel, welches gewohnt ist, sich konspirativ im Netz zu bewegen.

    Um all das zu verstehen, hätte es geholfen, den bewussten Text einfach mal genau durchzulesen.

    Den Satz “Daß von der Leyens Vorschläge nichts bewirken, kannst Du ebensowenig sagen, wie ich sagen kann, daß sie etwas bewirken, da es vor Inkrafttreten keine Belege gibt.” von Matti halte ich für geradezu erschütternd naiv. Auch wenn diese Sperrungen durchgeführt werden sollten, wird es niemals echte Belege für die Effektivität in Bezug auf Kipo geben, aber es wird MASSENHAFT Kollateralschäden geben, und das bisherige Agieren auf der politischen Ebene bringt mich zu der Überzeugung, daß dies auch ausdrücklich so gewollt ist.

  20. @matti: Das Wesentliche hat pinco schon gesagt: Die Kollateralschäden der Maßnahmen überwiegen bei weitem, wenn nicht absolut, den mutmaßlichen Nullerfolg der geplanten Maßnahmen.
    Strafen wirken dann abschreckend, wenn man sie auch umsetzen kann und die Straf-und Abschreckungsmaßnahmen genau die treffen, die sich falsch verhalten. Wenn man den Text gelesen hat, müßte man eigentlich überzeugt sein, daß gerade das nicht passiert.
    Eigentlich bin ich ja als Befürworter harter Strafen bekannt bis hin zur Todesstrafe bei einigen wenigen Extremmördern. Ich befürworte auch eine unumkehrbare Sicherungsverwahrung für sexuelle Hangtäter. Nur sind meine Ideen Maßnahmen zur gezielten Herausnahme bestimmter, schon überführter Menschen aus der Gesellschaft, eine Überwachung, Gängelung und vor allem auch Falschbeschuldigung großer Bevölkerungsmassen halte ich für demokratieschädlich.
    Einige Hintergründe siehe in diesem Video:
    http://www.youtube.com/watch?v=BhbCp_qvwJ0

  21. Princo: Ich stimme dir vollkommen zu, nur nicht in dem Punkt dass das BKA seine “Hausaufgaben nicht gemacht hat”. Nicht dass ich genau über die Aktivitäten des BKA bescheid wüsste – aber ich weiß zumindest dass die Beweise brauchen wenn sie Server abschalten lassen wollen. Und wenn diese Server mit TrueCrypt-Partitionen versehen sind dann wissen die zwar vielleicht auf welchem Server Kinderpornos gehostet werden müssten, aber sobald sie den beschlagnahmen haben sie leider keine Beweise (weil die Daten auf dem Server komplett unkenntlich gemacht wurden) und müssen mit leeren Händen abziehen…
    Ein sehr wichtiges Detail hierzu gibts auf Wikipedia:

    Konzept der glaubhaften Abstreitbarkeit
    Ein besonderes Sicherheitsmerkmal von TrueCrypt ist das Konzept der glaubhaften Abstreitbarkeit (engl. plausible deniability). Das bedeutet, dass es sehr schwierig ist, die Existenz verschlüsselter Daten nachzuweisen. Dazu gibt es zwei Funktionen:
    TrueCrypt-Container (Volumes) können nicht erkannt werden, da sie keinen eigenen Kopfdatenbereich haben und nur aus zufälligen Bitfolgen zu bestehen scheinen. Sie sind damit von normalen Partitionen oder Dateien voller Zufallszahlen nicht zu unterscheiden. Der Angreifer wird dort jedoch verschlüsselte Daten vermuten. Hier setzt die zweite Funktion an:
    Versteckte Container (Hidden Volumes) können innerhalb des freien Speicherplatzes eines anderen verschlüsselten Volumes versteckt werden. Wird man z. B. gezwungen, das Passwort für das Volume herauszugeben, gibt man nur das Passwort für das äußere Volume her, das versteckte und mit einem anderen Passwort verschlüsselte Volume bleibt unentdeckt. So sieht ein Angreifer nur unwichtige Alibi-Daten, die vertraulichen Daten sind verschlüsselt im freien Speicherplatz des verschlüsselten Volumes verborgen. (http://de.wikipedia.org/wiki/TrueCrypt#Konzept_der_glaubhaften_Abstreitbarkeit)

  22. Vielleicht sollte sich jemand mal die Mühe machen, die technischen Zusammenhänge in einem graphischen Schema zusammen zustellen bzw. dasselbe für die Finanzströme zu tun (auch wenn letzere Informationen ein bisschen spekulativ sind).

    Die ohnehin schon schwierige gesellschaftliche Debatte über dieses Thema scheitert im Moment doch leider noch allzuoft an mangelndem Verständnis der zugrunde liegenden Technologien?!

    Generell halte ich es btw für ein bedenkliches Menschenbild, wenn man davon ausgeht, dass Informationen für den erwachsenen “Normalbürger” nur gefiltert und vorgekaut zur Verfügung gestellt werden sollten. Bei z.B. NS-Quellen in der Schule ist das ja verständlich, da hier noch nicht immer von gefestigten Persönlichkeiten ausgegangen werden kann.

  23. Gut, dass du den Text veröffentlicht hast.
    Nicht zur Legitimierung, sondern zur kritischen Analyse.
    Schade, dass vielen hier die Medienkompetenz fehlt einen Text als Text zu sehen.
    Ebenso schade, dass du ihn darum entfernen musstest.

    Bin gespannt auf die kommentierte Fassung.

  24. @Johannes: Ich habe nicht gesagt, daß das BKA seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Ich habe nur die Frage in den Raum gestellt, warum gegen die greifbaren Server in der EU und USA nicht vorgegangen wird. Das ist nämlich Fakt und eine der ganz wichtigen Fragen in dieser Angelegenheit. Siehe auch http://blog.fefe.de/?ts=b76a973f (besonders die MP3-Datei).

    Zu deiner Truecrypt-Argumentation:
    Im Text von MrX werden deutsche Server in einer Art Backend-Funktion beschrieben. Diese tauchen beim “Enduser” (und auf den Sperrlisten) gar nicht direkt auf, weil auf sie nur über Proxy-Rechner zugegriffen wird. Es gibt aber auch (dt.) Server, auf die auf die klassische Art zugegriffen wird, und die stehen auch auf den Sperrlisten. Warum werden die nicht dichtgemacht?

    Die Nummer mit den Sperrlisten ist eigentlich an Peinlichkeit kaum noch zu übertreffen. Es gibt genug Möglichkeiten gegen Kipo vorzugehen. Die bestehenden Gesetze reichen m.E. dazu vollkommen aus. Warum man auf der politischen Ebene so völlig am Rad dreht, ist mir schleierhaft. Egal wie ich es drehe und wende, ich komme immer wieder zu dem Ergebnis, daß es bei den Sperrlisten nur ganz am Rand um Kipo geht.

    Nur ein einzelnes Beispiel: Es sind ja diverse Zensurlisten bekanntgeworden, welche teilweise bereits ein Jahr alt waren. Und dann hat jemand einfach mal einen der betreffenden Hoster angemailt, und ihn auf das Kipo-Angebot hingewiesen. Keine 10 Minuten später war der betreffende Server vom Netz : http://scusiblog.org/?p=330#comment-365

    Noch Fragen?

    Im Übrigen scheint das Thema “Sperrlisten” vorerst vom Tisch zu sein:
    http://www.focus.de/digital/internet/kinderpornografie-der-traum-von-der-internetsperrung_aid_376961.html

  25. Die effektivste Methode gegen die Kommerzielle KiPo währe demnach die wenigen beteiligten Banken anzugehen.
    Die Angebote verschwinden von alleine wenn keiner zahlen kann.

  26. stoertebeker

    Den unkommentierten Artikel habe ich leider verpasst, aber die Kommentare lassen mich vermuten, dass es sich um den ‘Insiderbericht’ handelt, der auf wikileaks zu finden ist. Stimmt das?
    Falls ja, dann verstehe ich auch nicht wirklich, warum der Text hier nochmal veröffentlicht werden muss und dazu noch unkommentiert. Hätte ein Link zum Text nicht gereicht?

    Abgesehen davon fand ich den Insiderbericht sehr aufschlussreich und finde es grundsätzlich gut, dass solche Informationen verfügbar gemacht werden. Allerdings scheint mir wikileaks dafür der geeignetere Ort zu sein.

    Bin jedenfalls sehr gespannt auf die kommentierte Fassung.

  27. Hab den Text beim Spiegelfechter gelesen. Ben hat dazu ja schon das richtige gesagt.

    Was mir persönlich Angst macht ist, daß Menschen wie unsere Familienministerin gerne Legislative, Exekutive und Judikative in einem wären. Erst machen wir die Gesetze zum Filtern, dann ziehen wir das ganze durch ohne Rücksicht auf Verluste und wer durchs Raster fällt, wird verklagt, ob er schuldig ist oder nicht.

    Es gibt in Deutschland mehr als genug Gesetze, die angewandt werden können. Die kreditkartenherausgebenden Institute müssten die Geschäftsbeziehungen zu “dubiosen” Partnern überprüfen und ggf. einstellen. In Deutschland eingestellte Seiten kann man gerichtlich stilllegen und gegen den Betreiber vorgehen. Das wars. Es kann nicht angehen, daß Instrumente installiert werden, die vielleicht in 10, vielleicht aber auch in 5 oder schon 1 Jahr für andere Sachen genutzt werden. Siehe Toll-Collect und die Mautbrücken. Wurde etwas erst einmal geschaffen, weckt es Begehrlichkeiten bei unseren Politikern und Berufsbeamten aus Polizei und Geheimdiensten. Und wenn dann in 1 oder 2 Jahren unliebsame Seiten (wie z.B. Malte Welding, Spiegelfechter, Bildblog etc.) gesperrt werden – dann denkt dran, ich habs euch gesagt.

    Ausserdem ist so eine Sperrliste wie ein Aufkleber auf dem Briefkasten “Bitte keine Werbung einwerfen”. Es funktioniert nicht. Um das zu kapieren, müsste man sich aber mal 3 Minuten mit der zugrundeliegenden Technik beschäftigen. Da stossen aber die meisten Politiker (und auch viele andere Menschen) an ihre spirituellen Kapazitäten…

    gruß, Frank