Von Mozart bis DJ Ötzi

Bei der Netzeitung habe ich über Copyright geschrieben.

Niemand – weder Mozart noch DJ Ötzi – schafft Musik allein aus sich heraus. Immer bedarf es der Vorarbeit von anderen. Mal bedient man sich offen aus dem Vorhandenen, mal wird man inspiriert, ein anderes Mal mag man bestehende Strömungen weiterentwickeln – aber niemals kommt man auf die Welt, wandelt taub und blind umher und schreibt dann die Zauberflöte.

17 comments

  1. Weil’s zum Thema passt, ein Gedankenspiel – Patente in der Musik: http://fragerei.wordpress.com/2008/05/22/gedankenspiel-patente-in-der-musik/

  2. Ein sehr gelungener Beitrag, Du sprichst die wichtigen Aspekte an, in einer sehr coolen sprachlichen Form.

  3. Nur leider nicht sehr gut. Für die Lektüre des Textes sollte man eigentlich Schmerzensgeld verlangen. Ich konnte gar nicht glauben, dass der Artikel von dir sein soll.

    Was hat das Urheberrecht damit zu tun, ob das geschaffene Werk dir künstlerisch gefällt? Bist du die neue Geschmackspolizei?

    Wie repräsentativ sind Vergleiche von heutigen Künstlern mit einem Wunderkind wie Mozart, der zu einer völlig anderen Zeit gelebt hat? Wieso werden die unterschiedlichen technologischen Möglichkeiten zur Vervielfältigung und Verbreitung von öffentlichen Auftritten und die daraus entstandenen Nachteile für die Künstler mit keinem Wort berücksichtigt? Mozart musste sich jedenfalls keine Gedanken darüber machen, dass sein Jahrhundert-Konzert am nächsten Tag im Internet über die ganze Welt verteilt wird.

    Mozart war ein Top-Verdiener, obwohl seine Notenblätter mit Mozart-Kompositionen gedruckt wurden? Er war wohl eher ein Top-Verdiener, weil die Leute kamen, um genau ihn seine Kompositionen spielen zu sehen und nicht irgendeinen Dritten.

    Ob ein Plagiat dem Ansehen oder dem Erbe eines Musikers schadet, ist auch nicht der Punkt. Natürlich wird die Frage auch nicht angeschnitten, ob der ursprüngliche Künstler mit der Plagiierung seines Werks überhaupt einverstanden war.

    Die größte Musik unserer Vorfahren entstand also in geradezu anarchistischer Freiheit? Die Praxis der finanziellen Unterstützung durch einen Mäzen wird da aus praktischen Gründen mal eben ignoriert und ebenso, dass Künstler teilweise erhebliche Probleme hatten, von Ihrer Kunst zu leben. Das Ziel des Urheberrechts, dem Künstler ein Einkommen von seinem Schaffen zu ermöglichen, wird überhaupt nicht zur Kenntnis genommen.

    Welche Relevanz hat es für die Legitimation des Urheberrechts, wie viel Geld Robbie Williams für seine Alben bekommt? Ist das so eine Art Neiddebatte?

    Und im amerikanischen Markt ist er erfolglos. Das ist schlecht. In Europa ist er aber nicht erfolglos, was von dir nebenbei unter den Tisch gekehrt wird.
    Dann wird von einem popkulturellen oder gar musikalischen Gedächtnis schwadroniert und wer könne schon ein Stück von dem Album “Rudebox” summen. Geld mache *also* nicht kreativer.

    Wer hat denn behauptet, dass (mehr) Geld kreativ(er) macht? Niemand. Ein Strohmann.

    Rudebox gilt als schlechtes Album, aber vorhergehende Alben nicht. Hat er für die etwa kein Geld bekommen, sind die nicht unter dem geltenden Urheberrecht entstanden? Vielleicht kann keiner Rudebox summen, aber “Angels”, “Eternity” oder “Trippin”?

    Und wer könnte denn ein Stück von Mozart, Bach oder Haydn summen? Nur wenige? Na sowas.

    Und DJ Ötzi hat also 17 Personen beschäftigt, um sich einen Hit schreiben zu lassen. Das ist böse, weil Mozart das ja offenbar allein geschafft hat, wenn man von Bach absieht. Dass DJ Ötzi damit erfolgreich war, ist egal, weil ja 17 Personen beteiligt waren. Oder so. Was du damit sagen willst, weißt du wahrscheinlich selber nicht. Wahrscheinlich, dass DJ Ötzi Scheiße ist und deshalb ist das Urheberrecht auch Scheiße.

    Muss ja nicht alles logisch sein. Genauso wie die Auswahl gerade dieser beiden Künstler, obwohl es mit Sicherheit einen Haufen Künstler gibt, die trotz teurer Verträge und des Urheberrechts große Kunst in deinem Sinne schaffen. Was das ‘Argument’ reichlich wertlos macht.

    Urheberrecht macht also nicht reich, weil die bösen Rechteverwerter, die Industrie und der Handel den größten Teil einstreichen. Was das mit dem Urheberrecht zu tun hat? Das ist eine gute Frage. Gar nichts womöglich.

    Dass der Urheber seine Musik gerne selber auf den Markt bringen kann, ist dir wohl entfallen. Ebenso, dass es keinen Zwang gibt, einer Verwertungsgesellschaft beizutreten. Deren Vorteile beim Vertragsschluss mit mehreren Künstlern wird natürlich erst gar nicht erwähnt. Der Künstler darf seine Werke gerne selbst verbreiten und verkaufen, aber die ganzen übrigen Kosten für die Vermarktung usw. darf er dann auch tragen.

    Dann muss DJ Ötzi natürlich noch mal abgewatscht werden. Unkreativ ist er also und er covert viel, das ist schlimm. Hat natürlich nichts mit Urheberrecht zu tun, aber was soll’s. Immerhin wird erwähnt, dass der Urheber des gecoverten Liedes dafür Geld bekommt, im Gegensatz zu Bach.
    Aber das war ja kein Cover, sondern ein ‘Remix’.
    Warum sich DJ Ötzi aber nicht darüber aufregen darf, wenn sein anteiliger Beitrag zu dem neuen Werk unrechtmäßig vervielfältigt wird? Keine Erklärung.

    Den Unterschied zwischen Inspiration und der Übernahme von wesentlichen Bestandteilen eines anderen Werkes solltest du dir auch noch mal näher anschauen.

    Inwiefern die Abladung von Hohn auf dir nicht genehme Künstler ein Argument gegen das Urheberrecht sein soll, will aus dem Artikel irgendwie auch nicht klar werden. Es haben mit Sicherheit auch künstlerisch anerkannte Künstler den Brief unterschrieben, aber eigenartigerweise werden die nicht namentlich erwähnt. Würde das unterschwellige “Unkreative Scheiße verdient keinen Schutz durch das Urheberrecht. Weil halt.” aber auch etwas kaputt machen.

    Ein Autounfall von einem misslungenen Artikel, der weder als Kritik des Urheberrechts noch als Polemik überzeugt.

  4. Hallo Malte!

    Nach Deiner Logik, darf ich mir Deinen und alle anderen Artikel aus der Netzzeitung kopieren und auf meine eigene Website setzen? Die Autoren wurden ja schließlich schon bezahlt … Das typische an Euch Anti-Copyright-Hippies :-) scheint ja, dass Ihr nur solange das freie Kopieren verteidigt bis Euch selbst mal was geklaut wird (sieht man auch schön am Heise-Verlag).

    Die afroamerikanischen Pop-Komponisten der 40er und 50er Jahre oder die Superman-Erfinder wären sehr froh gewesen, hätte es für sie ein unveräußerliches Urheberrecht wie in Deutschland gegeben. Beim Urheberrecht geht’s nicht nur um Geld, sondern darum Ausbeutung zu verhindern, letztendlich um Gerechtigkeit. Wer seine Werke verschenken möchte, hat gerade heute mit Internet und CC-Lizenz beste Möglichkeiten dazu – nur es sollte seine Entscheidung bleiben, ob er das tun möchte oder nicht!

    Selbstverständlich kann man darüber diskutieren ob die heutigen Vergütungs- und Inkassosysteme verbesserungswürdig oder gerecht sind oder ob eine DRM-Gängelung sinnvoll ist.

    Dass aber Künstler Herren über ihre eigenen Schöpfungen bleiben dürfen, ist eine zivilisatorische Errungenschaft, die sicher auch Mozart geschätzt hätte.

    Viele Grüße von Zippo!

  5. meine artikel hier, auf spreeblick, auf fooligan, auf neue-bodenstaendigkeit kannst du tatsächlich auf deiner seite verwenden.
    näheres findest du hier.
    wie die netzeitung damit umgeht, liegt nicht in meinem zuständigkeitsbereich.

  6. @Heiko
    “Warum sich DJ Ötzi aber nicht darüber aufregen darf, wenn sein anteiliger Beitrag zu dem neuen Werk unrechtmäßig vervielfältigt wird?”

    DJ Ötzi darf sich natürlich aufregen, aber es sollte doch auch klar geworden sein, dass das ganzen Buhei, das die Musikindustrie um illegale Downloads macht, inclusive Anschläge auf noch unveräußerlichere Grundrechte als das Urheberrecht, nicht gemacht wird weil es dem Künstler so wehtut, wenn Musik “geklaut” wird. Sondern weil ein Business, in dem der Künstler und die Kreativität längst schon die Nebenrolle spielen, einen Anspruch auf garantierte Gewinne zu haben meint.

    Deswegen ist der ganze Scheiss, dass Musikklau angeblich die Kunst und die Kreativität tötet, einfach nur verlogener Bullshit. Im Wesentlichen beschädigt es die Gewinne von ein paar Großkonzernen. Bloß wenn man das so sagt hört es sich nicht mehr so gut an.

  7. Der Artikel beschäftigt sich doch nur scheinbar mit der Musikindustrie. Am Anfang wird kurz angetäuscht, um sich kurz darauf breitflächig mit dem Copyright (für Europa korrekt: Urheberrecht) als Ursache für die mangelnde Kreativität der Künstler und alle sonstigen Übel dieser Welt zu entdecken.

    Dass sich die Zielgruppe, die sich das Werk schon im Netz angehört hat, nicht unbedingt auch noch das Album kauft, weil es das längst auf der Platte hat, dürfte irgendwie nachvollziehbar sein. Aber natürlich ist die idealistische Antwort, dass sich die “wahren” Fans trotzdem das Album kaufen, aus Solidarität mit dem Künstler. Auf den Rest der Käufer, die so weggefallen sind, muss der Künstler dann halt verzichten.

    Besonders lustig sind die Kommentare der Seiten, die auf diesen Artikel verlinkt haben und von einem gelungenen bzw. wunderbaren Artikel (!) schwafeln (nachzuprüfen bei Rivva). Offenbar kann man manchen Leuten tatsächlich den krudesten Unsinn vorsetzen, solange es nur inhaltlich gegen das richtige Feindbild geht.

  8. @Heiko: darf ich wissen, aus welcher Ecke Du so tönst?

    Für mich hört sich Dein Beitrag nach einem Ableger von Astroturfing an, und ich behaupte mal, daß Du für die Fabrikation solch eines Schwachsinns wie dem da oben bezahlt wirst – wäre das da oben nämlich wirklich so Deine Meinung, hätte ich keine Erklärung, wie es Dir möglich ist, einen Satz zu verfassen, der mehr als ein Komma hat (und Du bist ja offenkundig alles andere als dumm).

  9. @Michael

    Was denn für eine Ecke? Und was an meinem Kommentar hört sich konkret nach Astroturfing an? Offenbar darf man nach deiner Ansicht keine Meinung äußern, wenn sie in eine unerwünschte Richtung geht. Und Gott bewahre, wenn diese Kritik auch noch aus einer bestimmten “Ecke” kommt. Dabei weiß doch jeder, dass die Qualität von Argumenten davon abhängt, wer sie äußert.

    Da überrascht es auch nicht mehr, dass du zwar auf einem sehr hohen Ross sitzt, aber statt überzeugender Argumente gegen meinen ‘Schwachsinn’ lediglich mit persönlichen Angriffen und Unterstellungen aufwarten kannst.

  10. Bei allem Kopschütteln über die Musikindustrie und sogar Hass bei einigen ihrer Aktionen, muss ich Heiko recht geben. Der Artikel ist, obwohl sehr unterhaltsam, in der Tat kein großartiges Manifest gegen Urheberrechte. Da wird zuviel miteinander vermischt, was nichts miteinander zu tun hat und einseitige “Fakten” herausgepickt.

    Eine Frage hätt ich noch: Habe das Gema-System nie verstanden, aber verteilen die nicht das Geld an die Komponisten? Ist der Gema-Anteil an einer CD also nicht eigentlich auch etwas dass dem Künstler zugute kommt?
    Ist keine rhetorische Frage, würde das wirklich gerne wissen.

  11. @Christian

    An sich schon. Das Problem ist aber der Verteilungsschlüssel, der, wohl zu Recht, stark kritisiert wird.

  12. @Heiko
    > Was denn für eine Ecke?

    Das ganze Thema geht um Interessen. Deshalb wüßte ich gern, wie Du Dein Geld verdienst.
    Die Leute aus der kreativen Ecke haben gewöhnlich kein Interesse daran, daß man ihre Hörer/Leser/User als Kriminelle betrachtet. Das tun gewöhnlich nur ihre Manager, die sich hinter dem Urheberrecht verstecken, ohne selber je eine einzige selbstständige Idee gehabt zu haben.
    Du verteidigst da eine Praxis, die nur zum Kotzen ist – sorry, wenn ich da als in den Wahnsinn Verstrickter nicht recht sachlich bleiben mag.

  13. Was hat “das ganze Thema” oder “Interessen” mit den inhaltlichen Mängeln eines Artikels zu tun? Ich frage ja auch nicht, was du für einen Beruf ausübst.

    Ich finde es gelinde gesagt erstaunlich, dass du dich nicht einmal entblödest, öffentlich zuzugeben, dass du Kritik nur dann akzeptierst, wenn der Kritiker den richtigen Beruf hat. Genau wegen Leuten wie dir vermeide ich die Erwähnung meines Berufs in Diskussionsgruppen.

    Und wo genau habe ich ein Interesse daran geäußert, dass jemand als Krimineller betrachtet wird? Der Artikel behandelt nach meiner Erinnerung nur die zivilrechtlichen Aspekte des Urheberrechts.

    Ich verteidige auch keine Praxis, nur weil ich auf Mängel eines Artikels hinweise. Aber Logik wäre wohl zuviel erwartet.

    Deine Einschätzung deines Zustandes und der Qualität deiner Kommentare kann ich allerdings nachvollziehen.

  14. Ich hatte eigentlich gedacht, daß es Spaß macht, sich mal ein wenig polemisch auszutoben. Macht es doch nicht, schade.

    Meinen – ernsthaften – Versuch zum Thema findet man hier (Abschnitt 12+13).

  15. Danke, Heiko.
    Du hast alles gesagt. Und richtig gesagt. Dass einige beim Urheberrecht nicht durchblicken, aber trotzdem eine Meinung haben und äußern, nun ja, mit diesem Michaels muss man wohl leben; sie kennen sich sicherlich in anderen Dingen gaaanz toll aus, von denen wir nun wieder wenig Ahnung haben.

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