Besonders digital war sie nicht, diese Bohème. Aber Sex gab es, Drogen gab es und a-ha gab es auch. Denn im Fernsehen scheint immer die Sonne. Klischees prallten so lange aufeinander, bis sie wahr wurden, die Dialoge waren witziger als ein Jahr Martenstein (und ich mag Martenstein), die Inszenierung klug ohne verkopft zu sein, die Schauspieler gut gelaunt und exzellent besetzt. Ich würde mich sehr wundern, wenn man vom Hauptdarsteller Jörg Malchow nicht noch mehr hören würde (sehr viel mehr, ihr könnt mir da vertrauen; ich habe Angelina Jolie schon in Gia entdeckt, als ihr noch dachtet, Daisy Duck wäre sexy). Und seit Jessica Rabbit hat niemand mehr so reizend mit dem Popo gewackelt wie Emmanuelle Collinet.
Nach der Vorstellung will man sich mit einem Stier schlagen, viel mehr Drogen nehmen und sich unrettbar verlieben. Oder wenigstens unter den Achseln seines besten Freundes Berliner Luft einatmen. Berlin – so dreckig, so neurotisch, so pleite. Und wie die Sonne steht es immer wieder auf.
Update:
Mr. Fancypants sucht jemanden, der mit ihm in das Stück geht

Und Du warst mehr Cohen oder mehr Campbell?
eine ungesunde mischung
Und wo war jetzt der alte Mann mit dem Meer? Nee, ganz ehrlich: Schönes Stück, schnörkellos und im bestem Sinne unterhaltend. Und ich mag es, wenn sowohl Schauspieler und Macher auch nach der Vorstellung noch aussehen wie normale Menschen und nicht wie aus einer Proseminar-Diskussionsrunde über die Gruppe 47 entsprungen.
Das letzte Stück das ich sah, war der “Tod eines Praktikanten” von Pollesch im Prater. Das war deutlich bemüter, deutlicher als Nur-Draufsicht mancher Dinge zu entlarven, unentspannt distanziert und am Ende so verklischeet, dass sogar die Jungs und Mädels aus der benannten Proseminargruppe denken hätten können, die echtesten Menschen zu sein, die Gott während eines Champions-Leaque-Spiels aus den Resten eines nicht zu verachtenden Haufens leeren Erdnussschalen jemals hätte formen können.
“The sun also rises in Berlin” ist viel Spaß und das kann Theater ja auch mal machen. Und außerdem ist es auch mal ganz schön in Zusammenhang mit Berlin mal von Sonnenaufgang zu sprechen, als immer nur vom Untergang, zumal jetzt endlich auch wieder die U-Bahnen fahren.
Ich liebe ja diese Stadt, verachte aber als klassifizierter LOHAS, getreu meines LPG-Mitgliedsausweises und meiner Dr. Hauschka-Hautpflege den Stierkampf. Mögen tue ich indes die Tomatina. So, ich gehe jetzt mit meinem Air ins Oberholz, setze mich in die Sonne, rieche den Sauerstoff der Stadt und rette die Welt. Und wenn ich richtig Glück habe, kommt noch ein hübsches Mädchen vorbei und bezahlt mir meine Quiche.
Guten Morgen.
Besten Dank für diese freundlichen Worte. Die Sonne wird im März noch dreimal aufgehen: am 19., 20. und 22. 3. im Theater Zerbrochene Fenster, Kreuzberg. Karten gibt’s unter tickets@vereinstheater.de!